Dienstag, 5. März 2019

WMDEDGT 3/2019


Frau Brüllen hat für Karneval genau so viel übrig wie ich, nämlich nüscht, und deswegen setzt sie den neuesten WMDEDGT auf Veilchendienstag, wenn alles fast vorbei ist. Nein, stimmt natürlich nicht, WMDEDGT findet jeden Monat am fünften statt und das ist auch im März nicht anders.

0:00
Natürlich – es wird wieder eine schlaflose Nacht. Das merke ich sobald ich den Kopf auf das Kopfkissen gelegt habe. Seitdem sind schon anderthalb Stunden vergangen, die ich mich im Bett hin- und herrolle. Dem Atmen nach halte ich damit offenbar auch den Gatten wach und frage die sinnlosteste Frage, die man in deutschen Schlafzimmern stellen kann „Schläfst du schon?“. Nein, tut er nicht, und so beschließen wir noch einen Podcast zu hören. Deutschlandfunk -Eine Stunde History, eine Folge über die Römische Rechtsgeschichte. Eigentlich wollte ich ja einschlafen, stattdessen höre ich nun interessiert zu, was es zum Corpus iuris civilis zu wissen gibt. Nur merken wir dann beide nicht, dass der Podcast zu Ende ist und die nächste Folge gespielt wird, über die älteste Universität Europas in Bologna. Da es da aber auch hier um Geschichte und Studenten der Rechtswissenschaften geht und Rom ist ja auch nicht weit, war mir kein Bruch erkennbar. Der Liebste bemerkt es dann irgendwann und schaltet den Podcast aus.

05:30
Irgendwie haben wir die Nacht rumgekriegt und mein Wecker holt mich tatsächlich aus einer Art Schlaf. Nach einer Runde Sport auf der Matte geht´s ans Duschen. Das ist heute komplizierter als sonst. Sonntagabend, zum Glück waren alle Zähne schon geputzt und der Spülkasten reichte noch für einen Toilettengang, gab es in unserem Haus einen Wasserschaden, weswegen uns das Wasser abgedreht wurde. Da die Reparatur für Montag um 9.30 Uhr angesetzt war und wir rosenmontagsfrei hatten, war das kein allzu großes Drama. Nach dem Frühstück hofften wir, duschen gehen zu können, weswegen ich auch nicht die Option, nach dem Sport im Fitnessstudio zu duschen, wählte. Leider wurde uns dann aber nur das kalte Wasser wieder angestellt, sodass ich in den sauren Apfel biss und kalt duschte (noch mal zum Fitnessstudio zu radeln, erschien mir bei Sturm und Graupel auch nicht viel angenehmer). Der Liebste zierte sich noch eine Weile, bis er nach einer Laufrunde ebenfalls duschen ging – und zwar warm! Mit wenig Wasserdruck, aber warm. Ich war leicht angesäuert, dass ich mir die kalte Dusche hätte sparen können, wenn ich etwas länger gewartet hätte, aber freute mich, dann wenigstens heute Morgen warm duschen zu können. Da hatte ich die Rechnung allerdings ohne den Wirt Installateur gemacht: das warme Rinnsal war so dünn, dass ich auf Haarewaschen verzichten musste – zu groß die Gefahr, dann mit Shampoo in den Haaren zur Arbeit zu müssen. Es gibt kaum etwas, womit ich mich unwohler fühle als mit ungewaschenen Haaren, und so gibt es einen engen Zopf der erst letzte Woche zieeemlich kurz geschnittenen Haare.

06:30
Die so gewonnenen fünf Minuten (Zeit zum Fönen und Ohrentrocknen, sehr wichtig!) verbrachte ich dann erst auf der linken Seite liegend, dann auf der rechten Seite liegend (Ohrentropfen) und lesend (Das Gutshaus), bevor ich mich auf den Weg zur Arbeit machte.

06:45
Erst beim Verlassen des Hauses bemerke ich, dass es Hunde und Katzen regnet. Kurz überlege ich, dem Liebsten bescheid zu sagen, dass ich ihn zum Bahnhof fahre, erinnere mich dann aber, dass er wegen eines Abendtermins heute sein Fahrrad am Bahnhof benötigt. Also fahre ich ohne Rückfrage los.

07:00
Auf dem Parkplatz trete ich erst einmal in eine dicke Pfütze, mein Halbschuh war eine super Wahl heute. Und irgendwie habe ich es im Moment mit nassen Füßen. Ich werde mir bei der Produktion ein paar Reinraum-Socken leihen müssen. Auch beim Liebsten läuft es super: Sein Zug kommt nicht, und er steht jetzt klatschnass vom Fahrradfahren am HBF.
Drinnen dann erst erst einmal Spülmaschine ausräumen, dann Wasser holen und los. Bis zu einem Termin um halb 10 muss ich noch die Anforderungen, die sich aus einem Änderungsantrag an das ERP-System ergeben, definieren.  

09:30
Genannter Termin verläuft wie erwartet. Nach dem anfänglichen Gegenwind „Neeeein, das kann das ERP nicht, was IHR euch immer ausdenkt“ (nicht wir denken uns das aus, sondern die Benannten Stellen....!), kann das ERP doch. Wenn man sich daran gewöhnt hat, geht´s eigentlich. Zu Anfang hatte ich mich da immer völlig von einschüchtern lassen. Aber wenn man ein wenig Verständnis für den Aufbau des Systems hat und entsprechende Transferleistung erbringen kann, weiß man schon vorher ziemlich genau, was gehen wird.

11:00
Auf dem Rückweg zu meinem Büro quatscht mich ein ebenfalls Ohren-empfindlicher Kollege an, und ich berichte, dass die Ratschläge des Zweitmeinungs-Arztes sich bisher bewähren: Tauchertropfen und Olivenöl im Wechsel (zuvor aber 3 Tage Tamponade mit Antibiotikum, das war wohl nötig, so wie er gestaunt hat beim Blick in meine Ohren). Schön mal so zu tun, als wären die Ohren mein größtes Problem. 

12:00
Mittag wie immer mit selbstgebackenem Brot, Hummus und Curry-Zucchini-Aufstrich. Dabei ein bisschen internetten und nach dem Justinian nachlesen, dem aus dem Podcast von letzter Nacht.

14:00
Nach ein bisschen dies und jenem neues Meeting. Hier habe ich auf Wunsch der Produktion die Organisation übernommen, wir brauchen jemanden "der da dran bleibt und das nachhält". So was mach ich gerne und habe mich gerne bereit erklärt. Leider stellt sich heraus, dass es noch nicht einmal eine Projektzieldefinition gibt. Einfach formuliert hat da jemand gesagt "Macht das mal besser", ohne sinnvolle Kennzahlen o.ä. als Benchmark zu benennen. Stattdessen habe ich bei einer quick-and-dirty-Datenanalyse gesehen, dass wir gar nicht so einfach "besser" machen können, da die Grundlage, auf der diese Forderung entstanden ist, nicht auf andere Einflussvariablen kontrolliert wurde. Rechnet man die raus, muss man gar nicht besser machen, weil man nie schlechter geworden ist. Zudem ist einer der Einflussfaktoren so groß (und wird in 2020 noch größer werden), dass die Vermutung nahe liegt, dass - egal wie tolle Ansätze wir zur Verbesserung finden - dieser Einfluss alles übertünchen wird, sodass das Projekt am Ende erfolglos aussehen würde. Der Fokus, der für dieses Projekt vorgesehen war, ist einfach die falsche Stellschraube. Das diskutieren wir im Team und sind uns einig, dass das ein klassischer Fall von "Trau niemals einer Statistik, die..." ist und das Projekt anders aufgezogen werden muss.
Immerhin sagt eine E-Mail auf meinem Handy, dass wir wieder Wasser haben, vollumfänglich! 

16:20
Regenpause. Also schnell Feierabend und ab nach Hause. Beim Händewaschen bemerke ich: Ja, wir haben wieder Wasser, und zwar mit Druck. Meine Klamotten sind nass, und das ist die perfekte Ausrede, um direkt den Schlafanzug anzuziehen.
Ich entschließe mich, mal mein Handy physisch beiseite zu legen (in eine Tasche im Schlafzimmer hinter der Tür). Wir haben gestern darüber diskutiert, ob wir in irgendeiner Form Medien fasten können (aus Gründen faste ich nichts Essbares). Leider weiß ich, dass ich es nicht durchhalten werde. Aber vielleicht trägt ja eine Stunde Handy-frei hier und da am Abend zur besseren Erholung im Feierabend bei. Unklar ist mir noch, ob es ok ist, dass ich stattdessen am Tablet diesen Post schreibe und auch auf Twitter lese ...!

17:00
Der Liebste hat heute Fußball und wird daher erst um 22 Uhr essen! Ich kann also schon mal essen (nur ein Brötchen heute). Für mich gilt ja: alle zwei Stunden muss etwas zu Essen hör, und sei es ein Keks. Mir ist es unbegreiflich, dass mein Mann nicht selten dann seit dem Mittagessen nichts gegessen hat. Vor dem Sport kann er nichts essen, das geht ja vielen so (mir auch, daher mache ich morgens nüchtern Sport, ausschließlich!), aber zehn Stunden ohne Essen...puh!

19:00
Er isst doch noch was - ein Snickers. Dann geht´s noch etwas auf die Couch, bis er zum Fußball aufbricht. Zumindest ist es jetzt trocken. Meine Allein-Guck-Serie Marvellous Mrs. Maisel ist seit gestern leider durch - also beginne ich eine neue Serie, die so nichtssagend ist, dass ich mich gerade schon nicht mal mehr an ihren Titel erinnere.

22:00
Der Liebste kommt nach Hause, isst noch etwas, duscht und kommt dann ins Bett. Wir lesen noch einige Minuten.




Sonntag, 3. März 2019

Wandern auf La Palma (5): Cascada de Colores

Die letzte Wanderung auf La Palma möchte ich niemandem vorenthalten, denn sie unterschied sich sehr von allen anderen.Statt auf einen Berg oder Vulkan geht es heute durch ein (teilweise) ausgetrocknetes Flussbett zu einem Wasserfall, der durch Eisen und Moose in allen Farben erleuchtet (bzw. erleuchten soll - ich nehme es einmal vorweg: Hier war eher der Weg das Ziel ...)
Dafür fahren wir erst einmal - wie fast jeden Morgen bisher - vom Osten der Insel in die Caldera de Taburiente. Zunächst alles einmal hoch, dann alles wieder in sehr engen Serpentinen hinunter, bis wir den Wanderparkplatz erreichen. Hier ist sehr viel los - offensichtlich aber vor allem, weil dies auch Ausgangspunkt für eine weitere beliebte Wanderung ist, bei der man sich mit den sogenannten grünen Taxis herauffahren lässt, um dann herunterzuwandern. Wir wollen jedoch das Flussbett erwandern, was - anders als in der Beschreibung auf Outdooractive angegeben - heute nur 400 Höhenmeter bedeutet. 

Die ersten ein, zwei Kilometer sind eher langweilig. Kein Wasser in Sicht, dafür ein sehr gerades, sehr breites trockenes Flussbett voller Kies. Mit Stöcken zu laufen, ist hier nicht ganz so sinnvoll, aber wer weiß was noch kommt, ich nehme sie besser mit. Mich nervt ein wenig die Lautstärke unserer Schritte auf dem Kies - für gewöhnlich ist beim Wandern die Stille das, was mich in mein Lot kommen lässt.



Nach einer halben Stunde wird der Weg endlich abwechlungsreicher. Hier und da tauchen kleine Rinnsale aus dem Boden auf und das Geröll wird größer. 


Ja, es gibt sehr viele Fotos von mir, wie ich in pink vorweg wandere. Ich erwähnte es! Der Liebste freut sich außerdem am fließenden Wasser, heute hat er nämlich die Kamera dabei und kann sich ein wenig austoben, während ich langsam weitergehe. 


Zwei, drei Engstellen sind komplett mit Fluss gefüllt, sodass der "Ersatzwanderweg" links oder rechts des Tals zum Einsatz kommt. Auch von hier hat man einen schönen Blick und so kommen wohl die paar Höhenmeter zustande. Die Farben sind wirklich wunderschön. Dass eine Wandergruppe vor uns aus dem Fluss trinkt, irritiert uns jedoch.

Nach 3/4 der Strecke erreichen wir eine Flussstelle, die nicht durch Springen überwindbar ist. Also suchen wir uns den vermeintlich besten Weg über nur wenig überspülte Steine aus. Das klappt eigentich ganz gut, nur auf dem letzten Stein verharre ich einen Moment zu lang, sodass mein rechter Schuh so weit überspült wird, dass es mir in den Schuh läuft - schade, aber nicht ganz so schlimm. Insgesamt ist diese Wanderung wirklich nett und nicht sehr anstrengend, sodass wir unsere Rast auch erst bei der Cascada einplanen. Als wir diese erreichen sind wir leicht...naja...enttäuscht? Größenverhältnisse auf Fotos sind ja so eine Sache, aber ein wenig mehr hatten wir doch erwartet, z.B. angesichts dieser Bilder. Hinzu kommt, dass der Wasserfall bis auf ein dünnes Rinnsal trocken ist, und die versprochenen Farbspiele so ausbleiben. 



Immerhin zaubert die Sonne ein paar Farbeffekte auf das Foto.

Die Mittagspause wird ein wenig ungemütlich, da links und rechts von uns doch hin und wieder kleinere und ein paar größere Steinchen herabfallen. Wir tun es der anderen Wandergruppe nach und gehen kein Risiko ein und machen uns auf den Rückweg. Bei Wanderungen mit demselben Hin- und Rückweg weiß ich nie, was mich erwartet: Entweder mir erscheint der Rückweg viel länger als der Hinweg, oder andersrum. Heute ist der Rückweg deutlich kürzer, also gefühlt! Damit alles sein Gleichgewicht hat, wird dieses Mal bei der oben beschriebenen Engstelle der andere Fuß nass. Zum Glück sorgen die angenehmen Temperaturen aber dafür, dass ich nicht in Blasenentzündungs-Panik verfalle.

Der weitere Rückweg verläuft unspektakulär. Uns fällt ein entgegenkommendes junges Paar mit Baby auf, das er auf dem Rücken trägt. Sie hat Flip-Flops an den Füßen, was in dem ungleichmäßigen Kies schon recht unangenehm sein muss. Dementsprechend wirkt auch ihre Laune, und die Kletterstellen haben sie dabei noch nicht einmal auf dem Schirm, vermuten wir. Als wir passiert sind, grinsen T. und ich uns an und sagen gleichzeitig "Na, die kriegen aber gleich noch Spaß". In der weiteren Besprechung zeigt sich, dass T. damit den Kletterspaß meint, ich aber vor allem den sich bereits ankündigenden Ehestreit, den ich in ihrem Gesicht gesehen habe. Wie schon so oft fragen wir uns, wie man derart unvorbereitet in eine Wanderung starten kann. Es handelt sich um eine beliebte Standard-Wanderung, deren Beschreibung man auf x Seiten durch einmaliges Googlen finden kann. Da sind Stress und umgeknickte Knöchel vorprogrammiert.
Über diese Diskussion erreichen wir bald schon den Wanderparkplatz. Tolle Wanderung, und wieder ein neues Bild von La Palma, das sich uns da gezeigt hat.

Freitag, 1. März 2019

Über die Würde

Vor wenigen anderen fremden Menschen entblößen wir uns so sehr wie vor unserem Arzt. Nicht nur im wörtlichen Sinne. Denn gewiss nicht zu unterschätzen ist, dass dieser fremde Mensch auch alle Gefühle sieht, die über ein Gesicht laufen können. Von Angst über Verzweiflung, Ratlosigkeit, Nervosität, Erleichterung ist wohl alles dabei. Unser Arzt sieht, wenn wir die ungewohnte Situation mit schlechten Witzen zu überspielen versuchen, ob unsere Hände schwitzig sind oder unsere Haut sich vor Scham rot färbt. Er hört, manchmal lautstark, wo die persönliche Schmerzgrenze liegt, und nimmt seufzend wahr, dass wir schon heimlich stundenlang gegooglet haben. Nicht zuletzt registriert er, zu welcher Art von Termin wir einen Menschen als Stütze mitbringen, mit dem wir unter dem Tisch Händchen halten, aber auch, dass manchen Menschen angesichts einer unerträglichen Information nur der Weg der Verleugnung bleibt.
Wie Ärzte mit dieser Verantwortung umgehen, ist mindestens so unterschiedlich wie das Auftreten ihrer Patienten. Aber mir ist mit großem Respekt bewusst, wie sehr gute Ärzte mein Leben schon beeinflusst haben. Als Fünfjährige vergötterte ich meinen Kardiologen im Kölner Kinderkrankenhaus und wollte fortan Medizin studieren. Dann wurde es zwar Medizintechnik, aber insgeheim denke ich manchmal, dass ich das immer noch nachholen könnte – der Abischnitt dafür liegt ja in der Schublade.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen kann ich mich nicht an traumatische Erfahrungen im Zusammenhang mit Ärzten und Krankenhäusern erinnern. Dafür bin ich sehr dankbar, denn das ist angesichts der Anzahl an Krankenhausaufenthalten, OPs und Check-Ups einigermaßen bemerkenswert. Stattdessen erinnere ich mich z.B., wie ich nach einer OP (keine Ahnung welche) aufwachte, und mir der Chirurg sofort meine Puppe Ute in den Arm drückte. So als habe er die letzten paar Stunden nicht mich operiert, sondern die ganze Zeit - wie versprochen - meine Puppe betüddelt. Ein paar Jahre später, Herz-OP in Bad Oeynhausen, trug Ute sogar genau wie ich ein riesiges Pflaster auf der Brust, als ich sie wiederbekam. Meine einzige Bedingung an den Arzt: Damals wie heute muss ich alles wissen und alles sehen: Schon als Dreijährige wollte ich lieber genau beobachten, wie mir Blut aus der Vene gezogen wird, als durch alberne Ablenkungsmanöver der Schwestern dabei gestört zu werden. Hatten die Ärzte das erst einmal kapiert, lief´s gut zwischen uns.
Jetzt mit Anfang 30 gibt es keine Puppen mehr, die ich mitschleppe (auch wenn Ute noch irgendwo hinten im Kleiderschrank sitzt, auf dem Stoffbauch noch immer der Abdruck vom Pflaster der Herz-OP). Die meisten Termine muss ich alleine wahrnehmen, und wenn ich schon alleine dasitze, klammere ich mich, wie immer in Situationen, in denen mir die Kontrolle entzogen wird, an meine Routinen. Gleicher Stuhl im Wartezimmer, gleicher Stuhl vor dem Arztzimmer. Immer die erste. Natürlich, denn Disziplin kann ich nach wie vor - nur dass die ausgerechnet hier so reichlich wenig hilft. Und genau das ist es, was mich die Situation als so würdelos empfinden lässt. "Wenn ich nur diese Studie noch lese, vielleicht..." oder "Ich spreche besser noch mal diesen Wert an!", "Wenn du dich nur einfach noch mehr anstrengen würdest, Eva, was ist los mit dir?". In Wahrheit hilft das alles nichts, aber dies hinzunehmen scheint für mein Gehirn eine unlösbare Aufgabe zu sein. "Mehr anstrengen, Eva. Mehr, mehr, mehr...". Zu meinem Glück gibt es diesen einen Arzt, an dessen Humor und Stoffeligkeit ich mich zunächst etwas gewöhnen musste, der mich aber bei der Vereinbarung eines Folgetermins jedes Mal höflich fragt "Passt Ihnen das?". Wir wissen beide, dass mir das passen muss, aber er gibt mit dieser Frage ein kleines bisschen Würde zurück.