Samstag, 8. Dezember 2018

Männerfreundschaften

Heute hat einer der besten und ältesen Freunde meines Mannes (standesamtlich) geheiratet. Der engste Kern der Gruppe besteht aus Jungs (irgendwie wurden da nur Jungs geboren, es gibt nur eine Schwester), deren Eltern quasi schon bei Geburt der Kinder befreundet und Nachbarn waren. Dementsprechend sind die Jungs zusammen aufgewachsen, haben die gleiche Schule besucht, in der gleichen Mannschaft Fußball gespielt, in den gemeinsamen Urlauben den Eltern "die Haare vom Kopf gefressen" (Zitat der Mütter), und irgendwann stolz die ersten Urlaube ohne Eltern erlebt. Die jüngeren Brüder waren und sind ebenfalls befreundet, die Mütter der Freunde decken damals wie heute ungefragt für die Freunde mit, wenn zufällig ein Zusammentreffen in der Eifel gelingt.

Über die Jahre wurde sehr viel Unsinn getrieben, viel Bier getrunken, manche Zigarette geraucht, Liebesbriefe geschrieben, Abitur gemacht, aber auch Klassen wiederholt, Straßenlampen ausgetreten, bei Umzügen nach Köln und Aachen geholfen, Eltern geschieden und eine Mutter beerdigt, aber es gab keinen einzigen Bruch in der Freundschaft dieser Jungs, die nun Männer waren. 
T. und einer seiner Freunde lebten sogar zeitweise zusammen in einer WG in Aachen (T. hatte das Durchgangszimmer, auch als wir uns kennenlernten, aber das ist eine andere Geschichte, die es aber  sogar in die Rede unseres Trauzeugen geschafft und für Lachen gesorgt hat ...).

Als ich vor 10 Jahren dazukam, hatten die anderen schon langjährige Freundinnen, Schulzeit-Lieben, die es bis ins Studium geschafft hatten. Einer aber, B. hatte noch nie eine Freundin gehabt, war allgemein ein eher sonderbarer Kerl, aber immer dabei und von allen respektiert und akzeptiert, wie er war. 

Von Anfang an fühlte ich mich in dieser Gruppe wohl. Manche wohnten mittlerweile in Köln, B. noch bei seinen Eltern in der Eifel, aber sehr oft gab es gemeinsame Feiern, Wochenenden oder spontane Verabredungen zum Grillen hier wie dort. 

Dann überschlugen sich ab ca. 2013 (?) die Ereignisse. Sämtliche Partnerschaften außer der unseren zerbrachen. Die Brisanz der Ereignisse ist daran zu erkennen: Wenn T. mit den Jungs unterwegs ist und spät nachts zurück kommt, versucht er mich für gewöhnlich nicht zu wecken, bzw. zumindest nicht groß anzusprechen. 
Ich erinnere mich an nur wenige Situationen, in denen er nach so einem Abend nicht bis zum nächsten Morgen warten konnte, und mich wecken musste, um etwas los zu werden. Einmal, als sie bei einer Feuerzangenbowle sehr viel Glück gehabt hatten und es "nur" verbrannte Haare gab, in der Dringlichkeit aber direkt gefolgt von der Nacht, in der er mich weckte, um mir zu erzählen, dass sich G. und M. getrennt hatten.

Neue Freundinnen kamen, aus Köln, Hamburg, überall, sodass  plötzlich ICH die langjährigste Freundin war. Manche mehr, manche weniger in die Gruppe passend. Eine total merkwürdige Situation für mich, denn bis dahin war ich nicht nur die neueste Freundin, sondern zudem die einzige nicht aus der Eifel kommende gewesen. Zudem outete sich B. endlich als schwul, und die Jungs unterstützten ihn in einer nachgeholten Pubertät und nahmen dafür auch die Männer-Urlaube wieder auf, die den Pärchen-Urlauben gewichen waren - nur ging es jetzt nach Gran Canaria statt nach Zoutelande ;-).

B. zog nach Köln - wohin sonst. 

Und ich wurde wieder geweckt: P. wird Papa, erzählte T. mir atemlos.
Dann ging alles sehr sehr schnell. Die vermeintliche Verlobungsfeier an Weihnachten war eigentlich die Hochzeit und ein halbes Jahr später wurde also das erste Baby der Clicque geboren. Von einem Paar, das im Clicquen-Vergleich am kürzesten, nämlich erst ein Jahr zusammen war. Und plötzlich zogen die beiden weg, zu den Schwiegereltern. Nicht mehr in diese "Ich-kann-für-einen-Abend-mit-dem-Zug-kommen"-Nähe. Dass das passieren würde, dass P. die Nähe zu seinen Freunden aufgeben würde, damit hatte keiner gerechnet. Die Jungs fingen an sich Sorgen zu machen, da sie mit der Zeit seine Unzufriedenheit mit der Situation spürten, aber was will man an Argumenten anführen bei "Kind und Familie".  
Und B., der liebe B.: distanzierte sich immer weiter, die neuen Kölner Freunde wurden plötzlich den alten Freunden vorgezogen, etwas das in 30 Jahren niemals passiert war. 

Und ein weiteres Baby wurde geboren. Und heute die Hochzeit ihrer Eltern gefeiert. 

B. fehlte heute auf der Hochzeit eines seiner besten Freunde. Am Vorabend zu lang mit den neuen Freunden feiern gewesen. 
Auf die Nachrichten der Freunde "Alter, das kann nicht dein Ernst sein, wo bist du? Hochzeit ist nur einmal und hier gibt´s Bier" kam irgendwann keine Antwort mehr.



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