Montag, 17. Dezember 2018

2018

Es gibt noch keine Jahresrückblicke auf den Blogs, vermutlich sprießen die erst in der leeren Luft zwischen Weihnachten und Silvester aus den Tastaturen.

Aber für mich gilt: Ich bin fertig mit diesem Jahr. Daher schreibe ich das hier schon jetzt, obwohl erst der 17. ist. 

An kein einziges Jahr kann ich mich erinnern, in dem es so viele Höhen und Tiefen gab. War das erste Halbjahr geprägt von all der Vorfreude auf unsere Hochzeit im Juni, so denke ich, dass ich das zweite Halbjahr nur überstehen konnte, indem ich mich an diesen wunderwunderschönen Tag zurück erinnern konnte. An all die Menschen, die von nah und fern angereist sind. An den wunderbaren Moment, als frisch gebackenes Ehepaar auf "unserem" Aachener Markt zu stehen - bei Sonnenschein und nicht wie befürchtet bei Gewitter und Regen. An das Frühstück mit meinen Freundinnen, die mir genau die richtige Stimmung für den Tag gaben. An meine Mutter, die barfuß über die Tanzfläche watschelt. An die fantastische und völlig unerwartete Rede unserer Trauzeugen. An unsere Freunde, die bei "Tage wie diese" einen engen und schützenden Kreis um uns als Brautpaar bilden. Und an die Zitrone, die mir beim Aussteigen aus dem Auto vom Zitronenbäumchen, einem Geschenk, davonrollt, und der der türkische Taxifahrer hinterherhastet, morgens um 5 Uhr, als die Sonne schon aufgeht.




So viele wunderschöne Erinnerungen. Wie ein Gegengewicht zu Tränen, Verzweiflung, zu vielen Arztterminen, Hoffnungen und enttäuschten Hoffnungen, auf Infekt folgenden Infekt, Beerdigungen und Erschöpfung. 

Grenzenlose Erschöpfung.

Ich zähle auf den Januar: Dem Namen nach der Monat, der mit einem Auge auf das vergangene, mit einem Auge auf das neue Jahr blickt. Und mit dem rückwärts gewandten Auge vor allem die guten Erinnerungen an 2018 bewahrt.

Samstag, 8. Dezember 2018

Männerfreundschaften

Heute hat einer der besten und ältesen Freunde meines Mannes (standesamtlich) geheiratet. Der engste Kern der Gruppe besteht aus Jungs (irgendwie wurden da nur Jungs geboren, es gibt nur eine Schwester), deren Eltern quasi schon bei Geburt der Kinder befreundet und Nachbarn waren. Dementsprechend sind die Jungs zusammen aufgewachsen, haben die gleiche Schule besucht, in der gleichen Mannschaft Fußball gespielt, in den gemeinsamen Urlauben den Eltern "die Haare vom Kopf gefressen" (Zitat der Mütter), und irgendwann stolz die ersten Urlaube ohne Eltern erlebt. Die jüngeren Brüder waren und sind ebenfalls befreundet, die Mütter der Freunde decken damals wie heute ungefragt für die Freunde mit, wenn zufällig ein Zusammentreffen in der Eifel gelingt.

Über die Jahre wurde sehr viel Unsinn getrieben, viel Bier getrunken, manche Zigarette geraucht, Liebesbriefe geschrieben, Abitur gemacht, aber auch Klassen wiederholt, Straßenlampen ausgetreten, bei Umzügen nach Köln und Aachen geholfen, Eltern geschieden und eine Mutter beerdigt, aber es gab keinen einzigen Bruch in der Freundschaft dieser Jungs, die nun Männer waren. 
T. und einer seiner Freunde lebten sogar zeitweise zusammen in einer WG in Aachen (T. hatte das Durchgangszimmer, auch als wir uns kennenlernten, aber das ist eine andere Geschichte, die es aber  sogar in die Rede unseres Trauzeugen geschafft und für Lachen gesorgt hat ...).

Als ich vor 10 Jahren dazukam, hatten die anderen schon langjährige Freundinnen, Schulzeit-Lieben, die es bis ins Studium geschafft hatten. Einer aber, B. hatte noch nie eine Freundin gehabt, war allgemein ein eher sonderbarer Kerl, aber immer dabei und von allen respektiert und akzeptiert, wie er war. 

Von Anfang an fühlte ich mich in dieser Gruppe wohl. Manche wohnten mittlerweile in Köln, B. noch bei seinen Eltern in der Eifel, aber sehr oft gab es gemeinsame Feiern, Wochenenden oder spontane Verabredungen zum Grillen hier wie dort. 

Dann überschlugen sich ab ca. 2013 (?) die Ereignisse. Sämtliche Partnerschaften außer der unseren zerbrachen. Die Brisanz der Ereignisse ist daran zu erkennen: Wenn T. mit den Jungs unterwegs ist und spät nachts zurück kommt, versucht er mich für gewöhnlich nicht zu wecken, bzw. zumindest nicht groß anzusprechen. 
Ich erinnere mich an nur wenige Situationen, in denen er nach so einem Abend nicht bis zum nächsten Morgen warten konnte, und mich wecken musste, um etwas los zu werden. Einmal, als sie bei einer Feuerzangenbowle sehr viel Glück gehabt hatten und es "nur" verbrannte Haare gab, in der Dringlichkeit aber direkt gefolgt von der Nacht, in der er mich weckte, um mir zu erzählen, dass sich G. und M. getrennt hatten.

Neue Freundinnen kamen, aus Köln, Hamburg, überall, sodass  plötzlich ICH die langjährigste Freundin war. Manche mehr, manche weniger in die Gruppe passend. Eine total merkwürdige Situation für mich, denn bis dahin war ich nicht nur die neueste Freundin, sondern zudem die einzige nicht aus der Eifel kommende gewesen. Zudem outete sich B. endlich als schwul, und die Jungs unterstützten ihn in einer nachgeholten Pubertät und nahmen dafür auch die Männer-Urlaube wieder auf, die den Pärchen-Urlauben gewichen waren - nur ging es jetzt nach Gran Canaria statt nach Zoutelande ;-).

B. zog nach Köln - wohin sonst. 

Und ich wurde wieder geweckt: P. wird Papa, erzählte T. mir atemlos.
Dann ging alles sehr sehr schnell. Die vermeintliche Verlobungsfeier an Weihnachten war eigentlich die Hochzeit und ein halbes Jahr später wurde also das erste Baby der Clicque geboren. Von einem Paar, das im Clicquen-Vergleich am kürzesten, nämlich erst ein Jahr zusammen war. Und plötzlich zogen die beiden weg, zu den Schwiegereltern. Nicht mehr in diese "Ich-kann-für-einen-Abend-mit-dem-Zug-kommen"-Nähe. Dass das passieren würde, dass P. die Nähe zu seinen Freunden aufgeben würde, damit hatte keiner gerechnet. Die Jungs fingen an sich Sorgen zu machen, da sie mit der Zeit seine Unzufriedenheit mit der Situation spürten, aber was will man an Argumenten anführen bei "Kind und Familie".  
Und B., der liebe B.: distanzierte sich immer weiter, die neuen Kölner Freunde wurden plötzlich den alten Freunden vorgezogen, etwas das in 30 Jahren niemals passiert war. 

Und ein weiteres Baby wurde geboren. Und heute die Hochzeit ihrer Eltern gefeiert. 

B. fehlte heute auf der Hochzeit eines seiner besten Freunde. Am Vorabend zu lang mit den neuen Freunden feiern gewesen. 
Auf die Nachrichten der Freunde "Alter, das kann nicht dein Ernst sein, wo bist du? Hochzeit ist nur einmal und hier gibt´s Bier" kam irgendwann keine Antwort mehr.



Mittwoch, 5. Dezember 2018

WMDEDGT 12/2018


Es ist der 5. Dezember. Frau Brüllen fragt auch in ihrem Lieblingsmonat Dezember, was die Bewohner von BloggingCity am heutigen Tage tun -außer Stiefel füllen.



05:25
Mein Wecker klingelt um 5.25 Uhr. Die letzten beiden Nächte waren aus Gründen der a) Schlaflosigkeit und b) Geburtstagsfeierei des Liebsten sehr, sehr kurz. Wie immer bricht dann bei mir nach der ersten Nacht, in der ich wieder normal schlafe, sprich heute, die Endzeit-Müdigkeit durch. Und das nach 7,5 Stunden Schlaf.



06:00
Nach einer Runde Morgen-Gymnastik mit verstärktem Hüpfanteil für die Knochen (mein persönliches Anti-Osteoporose-Programm) und einer Dusche geht es dann einigermaßen. Ich wecke den Liebsten, der ähnlich gerädert aussieht.



06:30
Ich öffne den Achtsamkeits-Adventskalender, den ich von meiner Freundin geschenkt bekommen habe, und muss an Frau Brüllen denken. 
Mich nervt dieser Hype genau wie so viele andere so sehr, dass die Achtsamkeit vor der Achtsamkeit kaum eine Chance hat. Dennoch versuche ich mich auf die Idee einzulassen, denn wenn ich ehrlich bin hat meine Freundin (sie ist Psychologin und muss es wissen) sehr recht: Ich stehe zur Zeit neben mir. Spüre weder Genuss, noch Freude, ich weine, bevor ich weiß wieso. Habe niemals lange Weile, weil meine Gedanken immerzu rasen, keinen Hunger, weil ein Keks immer in unbedachter Griffweite ist, bin niemals satt, weil mir nach wenigen Bissen der Genuss vergeht und mache meinen Sport ohne das Gefühl der anschließenden Befriedigung.
Da kann ein wenig Besinnung nicht schaden. Gestern musste ich sehr achtsam einen Kaffee trinken - das hat wirklich einen Unterschied gemacht. Statt im Stehen mit einem Podcast zu den neuesten Nachrichten aus Amerika, gab´s den ersten Espresso sitzend. Ohne Musik, ohne Bildschirm. 
Heute wird es schwieriger. Heute muss ich sechs Lächeln verschenken… Puh. Ausgerechnet heute.

07:00
Das mit den sechs Lächeln verlief durchwachsen. 


Es war eine Erfahrung, aber ich muss sagen, ich lächele lieber aus Überzeugung. Auch wenn es ja Studien gibt, die besagen, dass auch ein erzwungenes Lächeln die eigene Laune hebt.  

09:00
Meine Kollegin und ich planen die nächste Woche. Nachdem wir aus Gründen nur noch 5 statt 6 Laboranten haben scheint es, als würden die letzten 2,5 Wochen vor Weihnachten noch einmal richtig spannend.

12:00
Frühe Mittagspause, da ich um 13 Uhr ein weiteres Meeting habe. Ich hasse diese Zeit für Meetings, wenn Schnitzelkoma, bzw. bei mir Brotkoma angesagt ist.

13:00
Was soll ich sagen? Da ich als einzige Teilnehmerin des Meetings heute meine berechtigten Zweifel an dem Vorgehen geäußert habe, wird die Initiatorin der Sache dann wohl morgen bescheid wissen, wer die Kritik noch einmal an anderer Stelle geäußert haben wird. Nämlich ich. Morgen. Eine Etage oder zwei höher. Aber nach einer Migration eines ERP-Systems die zu validierenden Aspekte in einem 1,5h-Meeting auf Zuruf aufzuschreiben, ohne jeden risikobasierten Ansatz, ohne Validierungsplan, ohne Validierungsprinzipien, dann dahinter Namen zu schreiben und zu sagen: Jetzt macht ihr mal und dann hole ich mir am Ende eure Unterschriften ab - das ist so hanebüchen, dass ich jetzt gerade beim Schreiben schon wieder lachen muss. Wir sprechen übrigens von Medizinprodukten, nicht von Kugelschreibern.
Ich werde da relativ wenig unterschreiben, nämlich nüscht! und zur Not werde ich das morgen unserem GF um die Ohren hauen. Das ist sicher besser, als dass mir meine Unterschrift in 1,2,3 Jahren von einem Notified Body um die Ohren gehauen wird.

16:30
Feierabend. Ich bin kurz geneigt, das Abendessen-Date mit dem Liebsten abzusagen. Aber er hatte Geburtstag und wie selten gehen wir aus... also versuche ich eine Stunde zu Hause runterzukommen (nein eigentlich mach ich ein paar private blöde Brief-Versicherungs-etc-Sachen, ehe ich mich um 17:45 auf´s Rad setze.

18:00
Pünktlich wie die Maurer treffen wir uns vor dem Prosecco. Ich bilde mir ein, erkannt zu werden (ich träume davon, einen Stamm-Italiener zu haben, bei dem mich die Inhaber mit Namen begrüßen, aber dafür ist das Prosecco glaube ich zu teuer ;-) ), auch wenn wir das letzte mal vor einem halben Jahr hier waren. Während wir die News des Tages teilen, bekommen wir einen Gruß aus der Küche: Vitello Tonnato. Meine absolute Lieblingsvorspeise beim Italiener. Ich bin schwer begeistert, sonst gibt es eher Bruschetta (ich glaube wir hatten den Vorteil noch die einzigen zu sein, sodass unser Luxus-amuse-gueule keinen Präzedenz-Fall schaffen konnte). Für den liebsten gibt es dann noch ein Tonno-Carpaccio und im Anschluss Lachs und für mich Saltimbocca. Vorzüglich, ich bin mit dem Tag versöhnt - und genieße voller Achtsamkeit ;-).


20:30 
Wieder zu Hause setze ich mich für WMDEDGT an den PC, der Liebste sitzt auf der Couch und dort geht es für mich nun auch hin.