Dienstag, 30. Oktober 2018

Hygiene-Faktor

Als wir letzes Jahr in einer Schulung zum Thema Teamführung lernten, was ein Hygiene-Faktor ist, konnte ich mir schon vorstellen, dass dieser Mechanismus eine große Bedeutung hat. Es gibt diese Faktoren im Arbeitsleben, die man niemals laut verlangen würde, deren Vorhandensein dann aber so schnell als gegeben angesehen wird, dass der Verlust besonders schwer wiegt und mit entsprechender Enttäuschung einhergehen würde. Das war meine sicher sehr flapsige Darstellung, besser nachlesen kann man das natürlich bei Wikipedia

Meine zwei wichtigen Hygiene-Faktoren sind ganz eindeutig: Das sichere Vorhandensein eines Parkplatz am Arbeitsort, aber auch das Vorhandensein von Mineralwasser. Wenn ich jetzt anfangen müsste, täglich an meine Flasche Wasser zu denken ....neeee!

Irgendwann im letzten Jahr erhielten wir pro Abteilungsküche erstmals Obstkörbe. Nett angerichtet in einem Stohkörbchen, eine nette Auswahl von immer Äpfeln und Bananen, aber auch mit einer gewissen saisonalen Abwechslung, Himbeere, Erdbeeren, Pflaumen, bis sogar hin zu Kiwibeeren, die wir vor ein paar Monaten im Korb hatten, und die meine Abteilung sämtlich zum ersten mal aß. Die Weintrauben waren perfekt für den kleinen Nachmittagsjieper und ein Kollege erzählte irgendwann, wie lieb er das Ritual seines 11-Uhr-Apfels gewonnen habe, der ihm half bis mittags durchzuhalten, ohne vorher zu Kaufland zu rennen und ungesundes Zeug zu kaufen. 

Voller Erfolg also. War eine Abteilung mal schwach besetzt, wurde Obst hin und hergetauscht zwischen den Abteilungen und alle waren glücklich. 

Vor zwei Monaten aber beobachteten wir erstmals, dass kein Lieferwagen mit Obst vorfuhr, sondern zwei HR-Mitarbeiter mit einem Einkaufswagen über den Hof fuhren. Kurz darauf erhielten wir dann unseren Obstkorb - ein wenig anders als sonst. In einer kleinen Plastikschüssel lagen 3-4 Äpfel, ebensoviele Bananen, eine winzige Rebe an Trauben sowie 2 Orangen und eine Kiwi. Zweifelsohne kann man hinterfragen, woher der Lieferwagen kam, ob es vielleicht regionale(re) Alternativen gegeben hätte, ob zu viel am Ende der Woche weggeschmissen wird und und und. Doch mit dem nun veränderten Angebot waren die Äpfel und Bananen bei 10 Leuten natürlich schnell weg. Die Kiwi dagegen fristete als einzige ihrer Art ein Anstandsdasein. Wanderte Freitag in den Kühlschrank und Montag in den Müll. Ebenso erging es den Trauben. Die Menge entsprach dem, was wir uns zuvor gerne mal nachmittags pro Person abgeschnitten hatten. Und nun traute sich keiner, sich Appetit auf Trauben zu machen, wenn doch sowieso nur so wenige vorhanden waren und man nicht alle wegessen wollte. 
In den anderen Abteilungen sieht es seitdem genauso aus: Überall bleibt bei geringerem, liebloserem und deutlich weniger abwechslungsreichem Angebot mehr übrig als zuvor. 

Und HR denkt: Alles richtig gemacht. So viel Obst brauchten die gar nicht.

Diese Woche gabs dann gar kein Obst. Ist ja eine 4-Tage-Woche, für manche gar nur 3. Dann sparen wir uns das doch direkt.





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