Dienstag, 25. September 2018

Begegnung am Bücherschrank

Urlaubszeit, die nicht Reisezeit ist, ist Aufräum- und Haushaltszeit - zumindest für mich. Den Vormittag verbrachte ich damit zu eruieren, von welchen Büchern ich mich trennen könnte. So Leid es mir tut, es ergibt doch wenig Sinn, all die Bücher aufzubewahren, die T. und ich gelesen haben, aber nicht noch einmal lesen werden. Natürlich - einige Herzstücke sind dabei, die weiterhin im Regal stehen werden, und auch beim nächsten Umzug wieder für Fluchen sorgen werden. Doch einen Rucksack voller Bücher bekam ich schnell zusammen, schwang mich aufs Rad und fuhr zum Bücherschrank in der Pontstraße.

Dort kam zeitgleich mit mir eine ältere Dame an, die mich beim Auspacken beobachtete. Schnell kamen wir ins Gespräch über den Segen des Bücherschranks, in dem wir beide schon das ein oder andere Schätzchen gefunden hatten. Ich pries dann halb im Scherz meine Bücher, die ich soeben abgeliefert hatte, an, und sie fragte, was ich denn empfehlen würde. Ich empfahl ihr zwei Bücher über das koloniale Indien - hatte irgendwie im Gefühl, dass ihr die gefallen würden. Und offenbar hatte ich mich nicht getäuscht, denn sie erklärte, selbst acht Jahre in Kalkutta gelebt zu haben. Nun sei sie ziemlich in der Bedrouille, denn die Bücher wolle sie gerne mitnehmen, ihre Tasche sei aber schon so schwer, und der Heimweg noch lang. Kurzerhand fragte ich, wohin sie denn müsse (wozu hat man Urlaub und Zeit) und das passte ungefähr. Also hängten wir ihre Tasche an meinen Lenker, und ich schob das Fahrrad langsam neben ihr her. Wie sich herausstellte, las sie ebenso gerne wie ich historische Romane, und hat - neben Kalkutta - auch in unterschiedlichen arabischen Ländern an Goethe-Instituten gelehrt. War das ein spannendes Gespräch, und so unverhofft! Jetzt ist die rüstige alte Dame übrigens noch immer als Lehrerin aktiv - für Grundschul-Stöpsel, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen. Ihr Alter hält sie auch nicht davon ab, ihre Kinder in Kanada zu besuchen. Und wenn sie - wie letzte Woche - auf dem Kopfsteinpflaster der Pontstraße stürzt, rappelt sie sich wieder hoch, führt einen kurzen Check aller Gliedmaßen durch, und weiter geht´s. 
Eine echte Öcherin mit sehr, sehr viel Lebensweisheit.

An ihrer Wohnungstür angekommen drückte sie mir eine Tafel Schokolade in die Hand, und ich bedankte mich für diese Begegnung.

Mittwoch, 5. September 2018

WMDEDGT 9/2018

Aus der Schweiz kommt wieder der Ruf nach Tagebuchbloggen! Weitere Links finden sich bei Frau Brüllen.

05:30
Aufstehen ohne direkt zu laufen oder Gymnastik zu machen, ist immer noch beängstigend ungewohnt, sogar obwohl ich mit dem Rad zur Arbeit fahre heute. Da muss ich vielleicht noch mal ran.

06:30
Geduscht, Frühstück eingepackt, dem liebsten Mann ein Küsschen gegeben, schwinge ich mich auf mein Rad. Für heute Nachmittag sind Gewitter angesagt, aber auf dem Heimweg nass zu werden, halte ich für riskierbar bei den angenehmen Fahrradtemperaturen von 17 Grad. Trotzdem ist mir plötzlich herbstlich zumute und ich denke an den Spekulatius, den ich gestern im Supermarkt gesehen habe, der mir jetzt aber gar nicht mehr so unwahrscheinlich vorkommt.

07:00
Angekommen! Jetzt kurz ausdampfen, T-Shirt tauschen und los geht´s. Bis 9 Uhr erledige ich Mails, bereite eine Tabelle für ein Meeting vor und frühstücke dabei.

09:00
Tja, Meeting. In der Einladung habe ich formuliert, dass jeder seinen Part vorbereiten und ihn bitte möglichst emotionsfrei vortragen möge. So ein Meeting ist das. Es geht um sogenannte "Allgemeine Aufgaben" - und wo ich in der Büroetage darüber zu stehen versuche, dass ich es zumeist bin, die die Spülmaschine anmacht und auch ausräumt, scheint das bei den täglich anfallenden Kleinigkeiten im Labor nicht so einfach zu sein, ein faires Miteinander zu leben.
Meine Bitte haben sich aber alle zu Herzen genommen, sind gut vorbereitet, sodass wir nach 30 Minuten eine Liste mit all den Dingen haben, die tagein tagaus in einem Labor erledigt werden. Für den Großteil gibt es Verantwortliche, aber da wir anscheinend nach 15 Jahren zum ersten mal auf die Idee kommen, den zeitlichen Aufwand hinter die Aufgaben zu notieren, wird das Ungleichgewicht sehr deutlich. Umso besser, dass ich angekündigt habe, dass im zweiten Teil (nach einem Review, was wirklich eine Aufgabe ist, und was vielleicht gar nicht von PD zu erledigen ist, sondern z.B. vom Engineering) komplett neu gewürfelt wird. Am liebsten wäre es mir, wenn die Laboranten die Aufteilung unter sich schffen... to be continued also.

10:00
Arbeitstechnisch ist diese Woche ziemlich nach meinem Geschmack. Ich wusele im ERP-System rum, ziehe Daten, hantiere mit x Pivot-Tabellen und generiere schöne Bilder. Dient dem kurzfristigen Entschluss, uns für ein Audit besser aufzustellen für ein Produkt. Das beste an der Geschichte ist, dass ich großherzig sagen kann "jaaaajaaa, naaa gut, ich kümmer mich drum" - alle tierisch dankbar sind, diese Excel-und Report-Arbeit nicht an der Backe zu haben, und mir zutiefst dankbar sind.
Ha!

12:00
Dementsprechend wenig zu berichten gibt es über den restlichen Arbeitstag. Zum Mittagessen aber habe ich einen neuen genialen Brotaufstrich entdeckt. Orientalischer Art. Und ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber eine gewisse Ähnlichkeit zum AKL-Dip ist nicht von der Hand zu weisen (na, hier zeigt sich, wer ein echter Öcher ist!)

16:15
Ha, noch immer regnet es nicht. Alles richtig gemacht. Ich schwinge mich auf mein Rad und düse heimwärts - froh, nicht im Stau zu stehen, der laut den Nachrichten durch mehrere Spur-Sperrungen zustande kam.

17:00
Zuhause angekommen putze ich einmal durch die untere Etage, die Vorarbeit hat Robbi erledigt. Dabei höre ich einen Deutschlandfunk Podcast zum Thema Brexit.

18:00
Zum Abendessen gibt es nur Brötchen, danach ein wenig Internet-Dudelei, ich schreibe eine E-Mail, die mir schon ewig in den Fingern juckt und dann geht es endlich auf die Couch.

21:00
Folge 8 von Staffel 3 Bosch. Neeein, bitte nicht J. Edgar!! Am liebsten würde ich direkt noch eine Folge gucken, aber gegen

22:00
machen wir uns vernüntigerweise lieber bettfertig.