Freitag, 29. Juni 2018

Things that make you go "hmmmm" (7)

Dass Kassierer/-innen nicht nur ihren Job machen, nämlich Waren über´s Band zu ziehen, Geld zu kassieren und möglichst das Rückgeld richtig herauszugeben, merkt man spätestens, wenn man es eilig hat, und ein einsamer alter Mensch vor einem an der Kasse steht, der die wenigen Minuten ausnutzt, um den leeren Speicher mit scheinbarer menschlicher Nähe aufzufüllen. Meinen größten Respekt haben die Kassierer/-innen, die geduldig bleiben, auch angesichts einer langen Schlange oft Augen verdrehender wartender Menschen, und der Person nicht nur die Lebensmittel herausgeben, die sie braucht, sondern ein bisschen mehr.

Heute aber ein Mann an der Kasse, der ein Publikum möchte, das nicht wegrennen kann, eingezwängt in einer Freitagabend-Supermarktkassen-Schlange. Als ich mich anstelle, ist er bereits mitten drin in seiner Hassrede. "Was da alles nach Deutschland gekommen ist, nech! Da kann man ja nicht mehr ohne Waffe aus dem Haus gehen. Ich hab ja gar nix gegen Ausländer. Aber waren Sie mal abends in der Pontstraße? Nur Asis da. Sie als Frau, Sie trauen sich doch bestimmt gar nicht mehr allein vor die Tür, nech?" Die Kassiererin zieht weiter Lebensmittel über´s Band. Ich suche ihren Blick und wir tauschen Fassungslosigkeit ohne Worte aus.
"Passen Se jut auf sich auf. Nicht dass einer von DENEN hier mal mit einem Messer vor Ihnen steht". 

Die Kassiererin wünscht ein schönes Wochenende. 
Wir tragen den selben Vornamen. Das weiß ich von ihrem Namensschild. Und auch, dass der Nachname ein polnischer ist. 

Und wer wissen will, warum ich nicht das Gefühl hatte, eingreifen zu können, der möge hier lesen.

Samstag, 23. Juni 2018

Heiraten - episodenweise erzählt

Gestern Abend ging mir auf, dass unsere Hochzeit nun schon zwei Wochen zurück liegt. Ich habe bisher nicht einmal ansatzweise versucht darüber zu schreiben, ich wüsste nicht wo ich anfangen oder aufhören sollte.
Sogar den Anruf bei meiner Oma tat ich erst 5 Tage nach dem großen Fest - ich wusste ich würde überfordert sein, ihr einen Abriss zu geben. Als ich dann anrief, war ich sehr froh, dass sie in der Zwischenzeit schon Fotos gesehen hatte und wir größtenteils über mein Kleid redeten ... Frauen, egal ob 30 oder 90 :)

Alle Gedanken zu diesem Tag kann ich unmöglich aufschreiben. Ich beschränke mich daher auf ein paar zusammenhanglose Fetzen....


Die Mütter
Für den Tag vor der Hochzeit hatten wir unsere Mütter gefragt, ob sie uns beim Aufbau in der Location helfen wollen würden. Eigentlich wollten wir damit vor allem erreichen, dass sich beide gleichermaßen involviert fühlen, sich nach langer Zeit noch mal wiedersehen und sich etwas akklimatisieren können (vor allem meine aus Asien angereiste Mutter). Das hat auch genau so geklappt. Nach Kaffee und Teilchen bei uns fuhren wir gut gelaunt los, T.s Bruder auch dabei- und merkten dann vor Ort, dass wir die Hilfe auch tatsächlich brauchten. Neben Candy-Bar aufbauen (T.s Mutter hatte drei Tage Cakepops und Cupcakes gebacken), das ich als größten Aufwand gesehen hatte, gab es doch noch einiges zu tun. Alleine schon die 200 Fotos, die wir zur Personalisierung der Location aufhängen wollten, oder das Verteilen der Platzkarten. 
Als T. und ich dann abends erschöpft zu Hause waren, erhielten wir per whatsapp vergnügte Fotos der Mütter - die beiden waren zusammen ausgegangen (mit T.s Bruder als Aufpasser). Da wusste ich, dass soviel nicht mehr schiefgehen könnte. 



Das Frühstück
Etwas besseres, als den Tag der Hochzeit mit einem Frühstück mit meinen Freundinnen zu starten, hätte mir nicht passieren können. Ich kam etwas zur Ruhe, weil ich wusste, wenn jetzt was schief geht, habe ich Unterstützung von drei Power-Frauen. Und die Ankunft auf dem Markt wurde dadurch auch aufgelockert. Als wir im Auto saßen, ich vorne, die Mädels zu dritt auf der Rückbank, waren die drei aufgeregter als ich, schwatzten und winkten Königinnen-haft den Passanten. Als sie dann - vor mir - T. auf dem Markt erblickten, zappelten sie noch mehr rum und ich konnte ganz entspannt meinen Schwiegervater anweisen, wie er am besten auf den Markt kurvt. 


  
Die Standesbeamtin 
war die, der wir auch bei der Anmeldung gegenübersaßen und genau die Person, die wir uns gewünscht hatten.  

Die Sonne
kam genau in dem Moment raus, als wir den Weißen Saal verließen. Und die ersten Bilder zu diesem Moment sah ich am nächsten Tag von Uschi - Danke 💕


Besser konnte es nicht laufen und so erlebte ich tatsächlich den Moment, den ich mir immer gewünscht hatte: Als Braut und Bräutigam beim Sektempfang inmitten von Freunden und Familie auf dem Aachener Markt zu stehen. Die Zeit raste dahin und genau wie unser erfahrener Trauzeuge (er hat letztes Jahr geheiratet) gesagt hatte, war im Nu eine Stunde vergangen.

Die Stadtführung
Ich bin immer noch ein bisschen stolz ob dieser Idee, den Gästen die halbe Stunde, die wir in der Altstadt Fotos machen wollten, mit einer Stadtführung zu versüßen. Von einer Abendtour mit dem Christoffel wusste ich, dass er genau der richtige dafür wäre - leider hatte er zunächst ausgerechnet an diesem Tag eine andere Führung. worüber ich sehr traurig war. Ich suchte und fand eine Alternative  - und dann meldete sich der Christoffel, die andere Führung habe abgesagt und er wolle unseren Tag gerne bereichern. Ich freute mich unglaublich und wir vereinbarten, dass er um 15:30 Uhr in Gewand einfach auftauchen sollte.
Genau so war es dann auch. Ich erklärte den Gästen den Plan und zu meiner Freude schloss sich ein Großteil der Führung an. Die Resonanz später war durchweg positiv und ich zufrieden.
Vielen lieben Dank, lieber Christoffel.



Der Fotograf
Unser Fotograf war vier Stunden länger da als gebucht, ließ sich trotzdem nicht davon abbringen, weiter Fotos zu machen und stattdessen mitzufeiern und hat uns genau die Momente auf (metaphorisches) Papier gebannt, an die wir uns auch in 60 Jahren noch gemeinsam erinnern wollen. Die Begegnung mit ihm war eine ganz besondere - von Anfang an mehr Freund als Dienstleister - auch weil wir eine komplizierte Familiengeschichte teilen. 


Die Freunde
Es gab so unendlich viele schöne Momente mit unseren Trauzeugen und anderen Freunden. Wir wurden den ganzen Tag so sehr gefeiert von ihnen, dass ich mit jedem einzelnen so viele Erinnerungen an diesen Tag habe. Als Paar gefeiert zu werden, ist noch einmal eine ganz besondere Erfahrung.... Dank der Unterstützung der Trauzeugen, die einfach sagenhaft waren, konnte ich den gesamten Tag in vollen Zügen genießen. Mehrere Leute sagten mir, sie hätten noch nie so eine entspannte Braut gesehen - und das mir!!
Ein ganz besonderes Geschenk machten unsere Trauzeugen uns mit ihrer Rede, an deren Ende ich ein T-Shirt-Falt-Brett geschenkt bekam  
- aber das ist eine andere Geschichte




Dienstag, 5. Juni 2018

WMDEDGT 6/2018

Im Mai musste ich pausieren. Da war ich unterwegs. Jetzt bin ich aber wieder dabei, wenn Frau Brüllen fragt: Was machst du eigebtlich den ganzen Tag?

05:00
Ich glaube, ich hab mir zu früh Urlaub genommen. Von Anfang an haben wir beide gesagt, dass wir uns diese Woche freinehmen. Mit dem Ergebnis auf meiner Seite, dass mir langweilig ist. Meine To-Do-Liste ist vorerst abgearbeitet, der Liebste aber ist noch dran. 
Bei mir führt die Langeweile zu ratternden Gedanken Tag und Nacht, und so lieg ich schon wach und denke vor mich hin.

06:30 
Ich gebe auf und stehe auf, schmeiß mich in meine Laufklamotten (jaja, ich putze auch Zähne, und Kontaktlinsen trag ich dann auch) und drehe meine Standardrunde bei angenehmer Temperatur und minimalem Nieselregen. Beim Bäcker reden die Verkäuferinnen über das drohende Unwetter zum Ende der Woche. Das rede ich den beiden aber aus und sie drücken jetzt ebenfalls die Daumen. 

09:00
Frühstück heute leider nicht auf dem Balkon. Dafür bastel ich am PC ein wenig an einem Geschenk für die Hochzeit von Freunden.

11:00
Ich breche auf, mal wieder zu meinem Lieblings-Arzt, dem HNO. Das sonst sehr unproblematische Heuschnüpfchen wirkt sich natürlich dieses Jahr auch auf die Ohren aus, wie soll es anders sein. So bekommen meine Ohren mal wieder ihre Portion Ultraviolettes Offlabel Drug und ich hoffe, dass das noch mal schnell hilft.

12:00
Auf dem Heimweg halte ich mit dem Rad bei Netto. Wurde der nicht erst vor wenigen Jahren renoviert? Wieso sehen Nettos immer so schäbig aus? Ich kaufe ein paar Sachen für´s Frühstück und bin froh, als ich wieder raus bin. Dort habe ich eine seltsame Begegnung. Auf meinem Sattel hat jemand eine Tüte Milch und ein Pfund Kaffee abgelegt und offenbar vergessen. Ich sehe mich fragend und suchend um (wenn mir der Kaffee ausgegangen wäre und ich würde ihn dann beim Einkaufen vergessen, ich würde wirklich ausrasten! Alles, aber nicht meinen Kaffee!) , sehe aber niemanden, der so aussieht, als habe er die Hände so voll gehabt, dass er gezwungen war, kurzfristig etwas abzulegen. Ich denke es war jemand, der sein Fahrrad losgebunden hat, und in der Zeit die Sachen abgelegt hat. 
Eine Frau mit Kinderwagen telefoniert lautstark. Ich halte ihr die Sachen hin und schaue sie fragen und schulterzuckend an. Sie verneint kaum merklich und telefoniert weiter. Als ich die Sachen auf den nächsten Fahrradsattel ablegen will, ruft sie plötzlich "Hey" und deutet auf ihren Buggy. Perplex denke ich :Ah, wohl doch ihre Sachen und lege sie wie von ihr gedeutet in den Wagen. 
Erst beim Umdrehen denke ich, dass sie mit einem leeren Buggy wohl kaum gezwungen gewesen wäre, Sachen auf einem Fahrradsattel abzulegen. Dafür hätte sie ja den Buggy gehabt ... Tja. Da hat die mich auf jeden Fall schön veräppelt und der eigentliche Besitzer hat nun leider keine Chance mehr, seine Sachen wieder zu holen. Sorry für meine Dummheit. 

13:00
Wieder zu Hause esse ich noch ein übriggebliebenes Brötchen. Der Rest des Nachmittags dümpelt mit Aufräumen, Rumräumen, Bügeln, und als endlich die Sonne rauskommt, Balkon dahin.

17:00 
Zum Abendessen gibt´s auch hier wieder etwas übriggebliebenes: Gegrilltes Gemüse. Dazu frische Salat aus dem "Garten" und Dillquark. 

19:30
Der Liebste geht zum Fußball (was er ohne Alltag fast vergessen hätte). Ich mach es mir auf der Couch bequem.