Donnerstag, 5. April 2018

WMDEDGT 4/2018

Es ist April. Frau Brüllen möchte wissen, was wir an diesem letzten Tag, bevor morgen endlich der Frühling einkehrt, tun. Frau Brüllen fragt diese Frage jetzt schon seit 5 Jahren. Wenn das kein Grund ist mitzumachen?

05:45
Ich wünschte, ich würde noch träumen, aber bei der morgendlichen Gymnastik im Wohnzimmer entdecke ich, wie ich da so auf dem Rücken liege und in regelmäßigen Abständen meinen Oberkörper von der Matte hebe, an der Decke einen kleinen schwarzen Fleck. Noch ohne Kontaktlinsen muss ich aufstehen und näher herangehen. Und meine böse Ahnung bestätigt sich: Eine Dörrobstmotte. Diese Viecher haben mich vor 3 Jahren beinahe in den Wahnsinn getrieben - ausgehend von einer Tüte Haferflocken haben wir zwei mal unsere sämtlichen Lebensmittel wegschmeißen müssen. Seitdem haben wir größtenteils Ruhe, aber jedes Jahr wenn die Temperaturen steigen, schaffen es doch noch 2-3 übrig gebliebene Eier (oder Larven?) aus ihrem Loch hervorzukommen und sich zu einem hässlichen kleinen Falter zu entlarven. Da werde ich echt HYSTERISCH!!!!
Ich bin zu kurz um die Motte zu erreichen, kann aber keine Sekunde länger warten, das Ding zu töten, daher muss der Liebste dran glauben und wird geweckt. 

6:15
Nach dem Duschen höre ich diesen Beitrag zum Thema Psychotherapie-Engpass als Podcast. Nichts Neues, und erst recht keine Lösung leider.  Früher als sonst bin ich heute fertig- wegen zweifellos auch heute wieder anstehendem Besuch im Reinraum spare ich mir das Schminken direkt. Irgendwann gewöhnt man sich dran, und wenn erst einmal alle Kollegen gemerkt haben, dass "Du siehst heute aber müde aus" vielleicht nett gemeint, aber noch lange nicht nett ist, wenn es daran liegt, dass die Angesprochene keine Mascara trägt, sagen die das auch nicht mehr so oft. Ich glaube 3/4 meiner Kollegen haben es jetzt letzte oder diese Woche zu mir gesagt - bald ist es also geschafft. 


7:00
Im Büro angekommen, kümmere ich mich direkt darum, die Präsentation zum Kaizen letzte Woche fertig zu kriegen. Ich bin sehr froh, dass ich mir zwischendurch immer aufgeschrieben habe, was wir am Tag gemacht haben. 4 Tage Workshop mit 14 Leuten sind einfach sehr viel! Oft wusste ich abends nicht mehr, wie der Tag begonnen hatte. 

9:00
Wochenmeeting mit den Laboranten. Sehr unspektakulär.

10:00
Zeit für einen zweiten Kaffee.  Präsentation fertig machen. Jetzt die Action Items Liste. Das ist der unangenehmere Teil der Kaizens - Viele Leute finden auch viele gute Ideen. Die, die wir schon im Kaizen in Kategorie A (einfachimplementierbar, hoher impact) eingeordnet haben, sollen zeitnah umgesetzt werden. Die Verantwortlichkeiten haben wir zwar schon geklärt, aber mir fällt nun der Job zu, zuzusehen, dass das auch passiert. 

12:00
Mittagspause mit allen, inkl. der Praktikantin, die mir für drei Wochen gegenübersitzt und alle 30 Sekunden gähnt. Trantüte. Als mein Kollege gerade eine Story über die Katze seiner Schwägerin erzählt, sagt er "ich mag Katzen nicht, ich komm mit deren unkalkulierbarem Verhalten nicht klar". Die Praktikantin sagt daraufhin "Haha, wie kommst du denn dann mit Frauen klar?" Darauf geh ich etwas steil. Na klar, wir brauchen Frauen, die Maschinenbau studieren. Man muss damit aber nicht gleich das Klischee raushängen lassen, alle anderen Frauen seien unkalkulierbar. Wenn man sich selbst von Anfang an als Ausnahme ansieht, weil man in einem Männerberuf arbeiten will, stärkt nicht gerade die Position von Frauen in diesen, sondern hat den Charakter einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Als mein Kollege fragt, was ich denn von ihrem Kommentar über die Geschlechtsgenossinnen halte, kann ich mir nicht verkneifen, dass sie ja offensichtlich nur über genau eine Frau sprechen kann - über sich selbst. Hat sie aber nicht verstanden ;-)

14:00
Ab jetzt dann wirklich Reinraum. Das Gute ist ja, dass das Einschleusen bei mir jetzt nur noch 5 Minuten dauert. War ich lange nicht mehr drin, kann das auch mal 15 Minuten dauern, weil ich mich so unsicher fühle, dass ich jeden Schritt einzeln noch mal mit der Instruktion abgleiche. 

16:30
Feierabend! Auf dem Heimweg hole ich mir noch ein Brötchen und Rucola. Die Parkplatzsuche gelingt - zwar ist noch Öcher Bend, aber immerhin nicht Familientag, der die Situation hier echt unerträglich macht. 

20:00
Nach dem Essen steht zur Debatte, was wir jetzt noch machen. Gestern haben wir die letzte Folge der ersten Staffel Fargo geguckt. Wir sind unglaublich begeistert, trotzdem haben wir heute beide keine Nerven, die neue Staffel anzufangen. Erst wurschteln wir daher durch alle Sender, um festzustellen, dass wir dabei bleiben, normales Fernsehen nur für den Tatort anzuschalten. Dann entschließen wir uns eine Runde Schach zu spielen. Dabei machen wir uns David Gilmour an und sitzen auf der Couch. Dank Ipad kann man beim Schachspielen ja auch nebeneinander sitzen :-)
Ich verliere wie immer, schaffe es aber immerhin zwei mal mit ein paar im Voraus geplanten Zügen wertvolle Figuren abzugraben. Völlig nichtsahnend laufe ich dann aber in blödste aller Fallen. Einen Bauern kann ich nicht mehr aufhalten, zu meiner Seite durchzudringen. Dass er sich dann in eine Dame verwandeln wird, war mir klar - nicht aber, dass das mein Schachmatt bedeutet.

22:00 
Bettzeit. Ich lese weiter in "Am Ende bleiben die Zedern", von Pierre Jarawan. Das Buch gefällt mir unglaublich gut. Und sogar noch mehr, seit ich seine sympathischen Poetry Slams gefunden habe.

Kommentare:

  1. Diese Motten hatten wir auch mal, ausgehend von einer Tüte Pistazien. Ich verstehe daher Deine Panik allerallerbestens!

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    1. Es ist einfach so ärgerlich und ekelhaft und zeitraubend!! Aber es ist auch so ein Thema, bei dem man merkt, dass viele es schon erlebt haben, wenn man es mal offen anspricht. Vor ca. 20 Jahren hatten wir das im Elternhaus. Leider ausgerechnet, als wir drei Wochen im Urlaub waren. Prompt schaffte eine Motte es, die Alarmanlage auszulösen. Auf der Rechnung der Alarmanlagen-Firma stand dann "Motten getötet". In diesen Zeitraum fielen die ersten Bewegungen meiner Schwester und mir im Internet. Auf der Suche nach einem Nickname für kindernetz.de entschied meine Schwester sich dann für Doermo, kurz für Dörrobstmotte. Den Namen nutzt sie noch heute im Internet ;-)

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