Mittwoch, 18. April 2018

Verbarrikadiert

Nach drei Tagen Audit (es war nur ein Mock-Audit, aber vielleicht gerade umso anstrengender, weil man die ganze Zeit das Gefühl hatte keine einzige Sekunde unaufmerksam sein zu dürfen, selbst wenn es um fremde Bereiche ging, denn es könnten sich ja theoretisch Parallelen zu eigenen Themen ergeben, an denen man im Nachhinein feilen müsste) war ich am Freitagabend extrem stolz auf mich, dass ich das Date mit meiner Freundin nicht absagte, sondern mich sogar richtig freute. Wenn ich mich täglich über 10 Stunden lang mit bis zu 14 Menschen gleichzeitig im Raum befinde, ziehe ich für gewöhnlich zum Ausgleich die absolute Einsamkeit vor. Meine Freundin kennt mich, weiß das und war glaube ich auch ein bisschen überrascht, dass die Absage ausblieb. Nach dem Essen drehten wir noch eine Runde durch die Altstadt und machten das obligatorische Foto vor der magnolienhaften Domkulisse. Jedes Jahr wieder wunderschön. Und noch viel schöner: Mit einer Freundin zu schlendern - hatte ich auch lange nicht. Wieder zu Hause dachte ich, ich würde jetzt einfach 12 Stunden durchschlafen. War dann natürlich nicht so. Mir lief sehr vieles über die Bettdecke, außerdem war der Liebste mittags von der Arbeit entführt worden, um ein spannendes Wochenende mit seinen Jungs zu verbringen, und so war das nichts mit Schlafen. Also noch einen Film geguckt, das half auch nicht. Also noch etwas gelesen und irgendwann ein bisschen eingepennt. Doof, dieser Körper.

In diesen stressigen Wochen habe ich mich so unfassbar über unsere spontane Investition in einen Staubsauger-Robbi gefreut.



Das eine ist ja, darüber glücklich zu sein, nicht mehr staubsaugen zu müssen. Viel entscheidender ist aber die Tatsache, dass ich mich sos unfassbar darüber freue, dass ich diese Investition von vorne bis hinten für sinnvoll halte. Dieses Gefühl habe ich nicht sehr oft. Aber angesichts der Tatsache, dass mich sowohl eine dreckige Wohnung extrem stresst, als auch das Staubsaugen/Putzen, halte ich das für einen sinnvollen Ausweg aus der Misere. 

Am Wochenende schlug dann der Menschen-Overload doch noch durch. Von Samstagmorgen bis Sonntagabend, als der Liebste heimkehrte, sah ich bis auf zufällige Menschen beim Laufen, Spazieren oder beim Bäcker niemanden. Ohne das Telefonat mit meiner Schwiegermutter wäre ich wohl auf nicht mehr als 10 Wörter gekommen (2 x "Ein Brötchen bitte"). Dies glich das Wörterdefizit aber mit 54 Minuten ordentlich aus, während ich auf dem Balkon saß und mir die Sonne ins Gesicht scheinen ließ. 

Als der Liebste dann Sonntagabend heimkehrte, war ich gerade eingeschlafen, wurde aber vom Gerumpel im Flur wach. Er jedoch war so aufgedreht, dass ich es nicht über´s Herz brachte, mich schlafend zu stellen, sondern mir JEDES Detail des Wochenendes anhörte. Es war so schön, ihn so glücklich zu erleben. Wir haben wirklich großartige Freunde und wer, wenn nicht T. hätte es verdient, mit so einem Wochenende überrascht zu werden. Er ist immer der, der bei Umzügen hilft, auch in stressigsten Zeiten Wert darauf legt, Feiern von Freunden wahrzunehmen und immer so großzügig ist - sei es mit Geld oder  Zeit. 

Den Montag hatte ich mir dann spontan auch noch frei genommen, um Überstunden abzubauen. Dies passte insofern wunderbar, als wir abends wieder einmal Freunde zum Bend-Feuerwerk-Gucking eingeladen hatten. Wir können uns da über die Aussicht wirklich nicht beschweren, und sehen es als kleine Entschädigung für die beiden Wochen Kirmes, die Parkplatzsuche und allgemein das Wohlfühlen hier echt schwierig machen. Die Jungs hingen noch ein bisschen in den Seilen und mehr alkoholfreies Bier als sonst war gefragt. Die Häppchen und das Brot verkürzten uns die Zeit bis zum Feuerwerk. Wir spielten auch noch ein Spiel, das war uns allerdings etwas hektisch (kooperativ, alle spielen gleichzeitig) und so legten wir das doch wieder beiseite. Um 22.30 Uhr gab´s dann den erste Knall und das Feuerwerk begann. Wie jedes halbe Jahr frage ich mich: Wie kann sich das rentieren? Wer einmal - wie wir letzte Woche - an einem Dienstagabend über den trostlosen Bend gelaufen ist, hat nicht den Eindruck, dass da Millionen gescheffelt werden. Aber irgendwer wird das wohl mal ausgerechnet haben? 

Die Stresssituation hat sich leider noch nicht gelegt, aber eine 4-Tage-Woche ist besser als eine 5-Tage-Woche. Ich versüße sie mir mit ein paar mal Radfahren zur Arbeit.








 

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