Samstag, 21. April 2018

3-Sekunden-Regel

Letztes Wochenende wurde der Liebste ein wenig hinters Licht geführt. Bis Freitagmittag ging er von einem völlig normalen Wochenende aus, an dem wir am Samstag wie die Woche zuvor eine kleine Wanderung unternehmen würden. Stattdessen verbrachte er dann ein Überraschungswochenende mit 15 (!) seiner Jungs in den französischen Alpen. Ich denke, ein Wochenende auf der Reeperbahn hätte mir weniger Sorgen gemacht. Aber unser Trauzeuge wäre nun einmal nicht unser Trauzeuge, wenn er nicht gewusst hätte, womit man T. die größte Freude machen würde: Berge, seine Jungs, Outdoor-Aktivitäten, Bier. Eine unschlagbare Mischung. Einzig die Outdoor-Aktivitäten waren es, die mir ein wenig Sorgen machten - ich vertraute aber dann einfach darauf, dass alle mittlerweile vernünftig genug sind, um vor und während des Downhill-Mountainbikens auf Alkohol zu verzichten (wurde wohl fast eingehalten) und darauf, dass T. noch genug in Übung ist, auch wenn er sich nach dem zweiten Diebstahl seines Mountainbikes kein neues gekauft hatte. Und so war es auch. Ausnahmslos alle haben das mitgemacht, auch wenn klar ist, dass bei 15 Männern auch der ein oder andere dabei ist, dem das nicht so geheuer ist. Einen besseren Liebesbeweis kann ich mir kaum vorstellen. Die sportlichere Gruppe radelte dann einfach noch einmal den Berg hinauf, um die Abfahrt ein zweites Mal zu erleben, während die anderen froh waren, dass sie nur einmal herunter kommen mussten. Am nächsten Tag wurden T. dann noch verschiedene Aktivitäten zur Auswahl gestellt. Er entschied sich für eine Fahrt mit der Gondel auf einen Nachbarberg des Mont Blanc - nicht ohne heimlich im Internet gecheckt zu haben, ob das nicht zu teuer würde, wohlwissend, dass das jeder der Anwesenden für sich selbst, und zusätzlich auch für T. bezahlen würde. Das Internet sagte 15 Euro - im Vergleich zu den anderen angebotenen Aktivitäten preislich im Rahmen. Die große Überraschung kam dann an der Gondel. 15 Euro - allerdings nur bis zur Mittelstation. Die Jungs kauften ohne zu zögern die Tickets für 60 Euro bis nach oben, und T. wäre am liebsten im Boden versunken.  

T. erzählt nun täglich, dass er nicht weiß, wie er sich jemals zu Lebzeiten für dieses Event ausreichend dankbar zeigen kann.

Lange Reder kurzer Sinn: Wir hatten auf dem GPS also noch eine Wanderung in petto, die wir dann heute nachholten.Es war die Grenzroute 3, in die wir am Dreiländereck einstiegen. Hier und da kamen uns ein paar Wege bekannt vor, das war aber gar nicht schlimm. 

Auch der Geul begegneten wieder, und suchten uns auch ein Plätchen an ihrem Ufer für unsere Mittagsrast aus. Ich biss in das erste Viertel meines Brötchens, das ich zu Hause feinsäuberlich mit Hummus, Basilikum, Rauke, Schinken und Eisbergsalat belegt hatte, als mir erst etwas auf den Kopf, dann in die rechte Hand fiel. Mein Gehirn erkannte dann in meiner Hand eine Wespe - dummerweise hielt ich in dieser Hand die offene Tupperdose mit den drei anderen Brötchenvierteln. Und weil ich mich wohl ein wenig erschreckte, machten sie plötzlich einen hübschen Bogen und landeten sämtlich kopfüber auf dem Waldboden. Weil wir beide so verdutzt waren, konnten wir leider auch die 3-Sekunden-Regel nicht berücksichtigen. Stattdessen starrten wir ca 10 Sekunden auf die Brötchen, bis ich T. fragte, ob er noch ein Brötchen für mich übrig hätte (er hatte 2!). Er zeigte auf seinen vollen kauenden Mund und schüttelte mitleidsvoll den Kopf. Also seufzte ich, sammelte meine Brötchen ein und entwaldete sie ein wenig. Wir waren gerade maximal weit weg vom Auto und ein Viertel Brötchen würde mich sicher nicht die verbleibenden 7.5 km weit tragen. T. half dann beim entwalden, fragte, ob ich Rosmarin auf dem Brötchen gehabt hätte, und schwieg, als ich verneinte. Nun gut. Beim weiteren Verzehr guckte ich nicht so genau hin, und siehe da: Es schmeckte genauso gut wie vorher, und auch die restliche Wanderung war sehr erholsam und entspannend. Wir hofften darauf, noch an einem Infoschild über den Staat Moresnet vorbeizukommen, weil wir beide nicht mehr genau die Eckdaten kannten - und siehe da, an der ehemaligen Grenze wurde uns mit Hilfe eines Plakats noch mal auf die Sprünge geholfen (1816-1919 übrigens, und der  heutige Ort Moresnet liegt erstaunlicherweise nicht auf dem ehemaligen Staatsgebiet).

Weil wir nur in La Chapelle an drei Omi-Cafes vorbeikamen, wo ich nicht auf einen guten Cappu vertraut hätte, gab es diesen und für T. ein Bier heute erst am Dreiländereck. Mann, wie viel da immer los ist, das muss eine Goldgrube sein. Mir scheint, die meisten Menschen kommen dort nur zum Pommes-Essen hin, dabei kann man da doch so schön spazieren.

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