Freitag, 2. März 2018

Lies doch mal!

Ich weiß auch nicht, warum ich noch nie übers Lesen geschrieben habe. Lesen gehört seit meinem 4. Lebensjahr zu meinem Leben. Täglich. Ohne Ausnahmen. Ich habe immer ein angefangenes Buch, manchmal zwei, wenn eines davon ein Sachbuch ist. Die ersten Bücher, die ich gelesen habe, waren die Geschichten vom Franz von Christine Nöstlinger. Noch heute kann ich mich erinnern, wie sehr ich mich gefreut habe, wenn wieder ein neues Buch aus der Serie auf dem Küchentisch lag. Meine Eltern haben damit nie gegeizt. Bücherwünsche wurden ohne Einspruch erfüllt, dafür musste ich nicht mein Taschengeld hergeben. Die Bücherei war für mich als kleinen Stöpsel nicht erreichbar, und so brachte mein Vater oft auf dem Heimweg die gewünschten Titel mit. Am ersten Schultag in der allerersten Schulstunde schaute sich die Klasse zusammen ein Bild an, eine Schule, ein Schulhof, viele Kinder, eine Straße und Autos. Und ein Straßenschild, auf dem Umleitung stand. Ich weiß noch, wie seltsam ich es fand, dass die anderen Kinder die Zeichen nicht wie ich zu einem Wort deuten konnten. In "Sprache", wie der Deutschunterricht ja in der Grundschule hieß, las ich die Lesefibel selbstständig durch, während die anderen die Buchstaben lernten. Meine liebe Lehrerin Frau F. ließ mich gewähren. Zugegeben - vielleicht hat diese "geistige Abwesenheit" dazu geführt, dass meine Schriftentwicklung für mich Nebensache war - und so meine Note in "Schönschrift" die ganze Grundschulzeit über immer nur "gut" war. Das hat mich aber nie wirklich gewurmt, weil ich Sprache von Anfang an als Mittel zum Zweck verstanden hatte und nicht als Schönheitswettbewerb. Das Gefühl, mit einem neuen Buch ins Wohnzimmer zu verschwinden- auf dem Boden sitzend, ans Fenster gelehnt, den Pöppes durch die Fußbodenheizung gewärmt, und meist auch mit Rudi, unserem Wellensittich, auf der Schulter - das war pure Seligkeit für mich.
(Ach Rudi... einmal flog er die Schulter meiner Klavierlehrerin an, und ihr spitzer Schrei entsprach exakt dem, was man gemäß ihrer optischen Erscheinung einer Gouvernante erwartet hätte)

Ich kann nicht einschlafen, ohne wenigstens 2-3 Seiten gelesen zu haben. Selbst wenn ich um 5 Uhr morgens von einer Party nach Hause kam, ein bisschen duselig im Kopf - ohne Lesen komme ich nicht zur Ruhe. Wenn ich weiß, dass ich irgendwo warten muss, hatte und habe ich ein Buch dabei, seit 2015 ein Kindle. In fremden Betten zu übernachten, sei es bei Familienfeiern oder auf Dienstreisen, das fällt mir sehr schwer. Wenn ich meine Tasche für solche Gelegenheiten packe, gibt mir das Wissen, mein Buch dabei zu haben, das Gefühl, ein bisschen Zuhause mitzunehmen. Ich wüsste gerne, wie viele Bücher ich in meinem Leben gelesen habe bisher. Weiß ich aber leider nicht. In der 5. oder 6. Klasse sortierte ich meine Bücher einmal alphabetisch, versah sie mit einer Nummer und legte einen Karteikasten an. Auf diese Weise wollte ich den Überblick über verliehene Bücher behalten, über unvollständige Serien, die ich noch vollenden wollte, etc. Irgendwann hatte ich dann doch keine Lust mehr. Erst vor ca 5 Jahren nahm ich das noch mal in Form einer Exceltabelle inkl. persönlicher Bewertung wieder auf, die vielen Freunden und Familienmitgliedern schon auf der Suche nach Lektüre geholfen hat.

Diese Woche bemerkte ich enmal wieder, was es ausmacht, auf dem Nachttisch ein tolles Buch liegen zu haben: Auf der Arbeit denke ich selten an zu Hause (außer an richtigen Murkstagen, wenn ich mich in mein Bett wünsche...), aber dafür knallt die private Welt sofort wieder in meinen Geist, sobald ich ausgestempelt habe. Oft sind das nervige Sachen, die ich zu erledigen habe am Feierabend. Diese Woche aber war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss: Juhu, heute Abend im Bett lesen!! Das sagt alles über mein aktuelles Buch (Die Geschichte dr Bienen von Maja Lunde).

Vielleicht schreibe ich bald mal über die Bücher und Autoren, die mich am meisten berührt haben, seit ich lesen kann.

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