Sonntag, 25. März 2018

Falsche Zeit, falscher Ort

Eine historische Geschichte zu erzählen, indem sie in eine zeitgenössische Geschichte eingeklammert wird, ist wohl eines der häufigst verwendeten Stilmittel im Genre.  
Meistens ist die im "Heute" spielende Geschichte sehr knapp gehalten, und über einen beliebigen Gegenstand, auffällig oft ein Buch, einen Brief, ein Gemälde oder Schmuckstück wird dann die Brücke zu einer anderen Zeit geschlagen. Ist man erst einmal im Roman in dieser eigentlichen Geschichte angekommen, vergisst man schnell die Rahmenhandlung, in die diese eingebettet war. Für gewöhnlich stört mich dieses sich so oft wiederholende Schema nicht. 

Mein aktuelles Buch, "Die Mitternachtsrose" von Lucinda Riley aber verwirrt mich zutiefst. Die Rahmenhandlung, irgendwo in den 2000ern spielend ist außergewöhnlich lahm. Wie gesagt sind mir diese einbettenden Geschichten bislang nie als allzu störend aufgefallen. Es ist klar, dass nicht sie im Mittelpunkt stehen, sondern nur das Mittel zum Zweck sind, und man daher als Leser eine gewisse Nachsichtigkeit mit sich bringt. Bei meinem aktuellen Roman aber bin ich absolut sprachlos ob der Diskrepanz zwischen den beiden Erzählsträngen. Leider wechseln sich beide Geschichten ungefähr gleichmäßig ab, sodass ich nicht einfach ignorieren kann, dass die aktuelle Story einfach grottig ist: Glamour-Schauspielerin, weltberüht, verlobt mit anderem Glamour-Schauspieler, ist eigentlich total sensibel, und entdeckt während der Dreharbeiten zu einem historischen Film, dass ihr aktuelles Leben vielleicht doch nicht so das richtige für sie ist (und natürlich eine neue Liebe, aber so weit bin ich noch nicht, aber geradezu beleidigend vorhersehbar). Soweit so gut, kann man alles noch hinnehmen, da hier der Link zwischen beiden Geschichten der Drehort ihres Films ist. Aber: Die Dialoge! Himmel hilf. Hölzern und lahm- Ja, es kann zum Teil auch an der Übersetzung liegen, aber das erklärt nicht, wieso die andere Geschichte dagegen so mitreißend ist. Man taucht in das Indien der 1920er Jahre ein und hat das Gefühl, mit allen Sinnen Teil des Lebens am Hof der Maharani zu sein. Das Wesen der Protagonisten, ihr Aussehen, ihr Leben werden so intensiv beschrieben, dass ich sogar öfter den Gedanken hatte, sie googlen zu müssen, weil die Klarheit, mit der sie dargestellt werden, nur darin begründet sein kann, dass es sie gegeben haben muss. Eine wirklich tolle Geschichte- bis man dann wieder auf ein Kapitel trifft, das die vorhersehbare Story der Schauspielerin verfolgt. 

Ich frage mich, wie es zu so einer Diskrepanz kommen kann. Irgendwie ereilt einen das Gefühl, dass die Autorin selber keine große Lust auf diesen Erzählstrang hatte.
Oder aber sie ist selber von ihrer eigenen Geschichte so gefangen, dass sie mit ihren Gedanken sowieso die ganze Zeit bei der Maharani und ihrer Tochter, der Prinzessin, ist. 
Eine Zeitreisende sozusagen, die nicht mehr zurückfindet, in das Heute. 


Dienstag, 20. März 2018

Sie werden so schnell groß...

Sehr stolz entließ ich gestern die dritte meiner Schülerinnen aus der letzten gemeinsamen Unterrichtsstunde. Ich habe mich vor Prüfungen Zeit meines Lebens auch immer sehr verrückt gemacht und kann es insofern nachvollziehen, dass sie alle meine Beteuerungen, sie müsse sich gar keine Sorgen machen, mit schräg gelegtem Kopf und einer neuen Salve an Fragen beantwortete. Irgendwie herzig - gestern übten wir noch zwei Gesprächssituationen und zwei Bildbeschreibungen. Sie sucht selber im Internet nach Aufgaben zur Prüfungsvorbereitung und gestern brachte sie ein Bild mit, auf dem eine Familie Plätzchen backt. Wunderbar, um die Begriffe, die wir im Dezember in der Praxis geübt hatten, zu wiederholen. Fast meine ich, sie hat das Bild aus nostalgischen Gründen ausgesucht😍 Dazu sammelten wir noch eine Liste an Begriffen, die sich bei Bildbeschreibungen gut eignen. 


Danach noch eine Diskussion darüber, was bei einer Bewerbung für ein Praktikum (eine Aufgabe ist ein Brief) evtl. anders wäre als für eine feste Arbeitsstelle und dann war es auch schon Zeit sich zu verabschieden. A. bedankte sich so herzlich für meine Hilfe, dass mir die Tränen kamen. Ach, es war doch nur diese gute Stunde pro Woche, in der ich selber so viel Spaß hatte. Sich nach der Arbeit aufzuraffen, fiel mir manchmal schwer, aber die gutgelaunte A. und bis vor wenigen Wochen auch G. sorgten immer dafür, dass ich auf andere Gedanken kam. Voller Stolz berichtete A. mir noch, dass viele Mitschüler sie montags nach dem Ende des Schulunterrichts gefragt hätten, wieso sie denn noch bleibe. A. berichtete dann, dass sie eine deutsche Freundin habe und mit ihr Deutsch übe. Sehr stolz und froh sei sie da immer gewesen.

Am Freitag ist ihre schritliche, Samstag die mündluche Prüfung. Ich mach mir da so gar keine Sorgen. Ihre Prüfung wird sie mit Bravour ablegen, ich kann nicht einmal sagen, ob sie in Hören oder Sprechen oder Schreiben besser ist. Ihre Leistung ist komplett ausgewogen, ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Wochen noch mal ernsthaft etwas zwei mal sagen zu müssen oder in anderen Worten. Sie selbst kann sich komplett ausdrücken, auch in komplexeren Bereichen. Gestern erzählte sie mir z.B. woher das neue Auto ihres Mannes kommt. Sie haben es einem Paar abgekaut, das kürzlich zusamengezogen ist und ein Baby erwartet. Die Frau wollte den VW Polo des Mannes aber nicht fahren, da sie lieber Automatik fahren möchte als manuelles Getriebe. Das erzählte A. mir einfach so ohne größere Probleme, und sie hat meine vollste Bewunderung dafür, dass sie nicht-alltägliche Begriffe nicht nur nachschlägt, sondern durch ihr selbst ausgeklügeltes Lernsystem sogar ins Langzeitgedächtnis transportiert. 

Wie es jetzt weitergeht? Ja, auch A. war nicht einfach ein Projekt und ich freue mich schon jetzt, ab und an einen Kaffee mit ihr und G. zu trinken. Mit den Männern wollen wir auch einmal essen gehen. Das hat bisher nicht geklappt, da ihr Mann in einem Restaurant arbeitet und entsprechend doofe Arbeitszeiten hat. 
Bald ziehen die beiden in eine neue Wohnung, endlich aus Stolberg nach Aachen. 

Wir sollen ihre ersten Gäste sein.

 

Freitag, 16. März 2018

Geschichten aus dem Supermarkt

Kaum etwas nervt mich so sehr wie das wöchentliche Einkaufen. Ich glaube, hier und da habe ich das schon einmal erwähnt 😇 Da ich keine Lust habe, meinen wertvollen Samstag hierfür zu verwenden, erledige ich es freitags nach der Arbeit. Freitags gehe ich früher (bzw. pünktlich nach 8 Stunden Arbeit) und bin so trotzdem noch einigermaßen zeitig zu Hause.

Der heutige Einkauf startete nicht gut. Während ich über die Gurken gebeugt stand, wurde ich von hinten ohne jede Vorwarnun geschubst. Als ich mich entrüstet umdrehte, entschuldigte sich ein junger Verkäufer - er habe mich nicht gesehen. Nicht gesehen also, Nun gut, ich hatte heute auch nicht mehr die bunte Nagellack-Parlette aufgetragen, da kann man mich ja mal übersehen und mir einen Palettenwagen in den Rücken rammen. 

Ich war dann aber recht schnell besänftigt, denn es gab Gem Squashes. Diese runden Zucchini haben wir in Namibia beinahe jeden Abend ins Feuer geworfen (Aufschneiden, salzen, pfeffern, wieder zusammensetzen, in Alufolie wickeln) und gegessen. Also ich, der Liebste war sie irgendwann seeeehr leid, aber bei mir dauert es, bis ich mir etwas leid gegessen habe. Habe ich einmal ein Lebensmittel lieb gewonnen, kann ich es gerne jeden Tag über Wochen, oder wöchentlich über Jahre essen. Die Squashes wanderten in meinen Einkaufswagen und ich hing den ganzen Einkauf über den Gedanken an diesen wunderbar aufregenden Urlaub im letzten Jahr nach.

Die nächste schöne Überraschung folgte: Es gab Schokomäuse Haselnuss in rauen Mengen. Es gibt die eben nur selten in rauen Mengen. Bis ich sie dann in einem Rutsch weggekauft habe. Ich habe sie lieber in meinem eigenen Schrank lagern als im Supermarktregal, wo sie von jemandem anders entwendet werden könnten 😇.

Auf der Suche nach Grieß für den für morgen geplanten Kuchen musste ich den schubsenden Verkäufer fragen. Ich kaufe zu selten Grieß, als dass ich wüsste, wo der steht. Beim Mehl jedenfalls nicht. Der Verkäufer stellte sich trotz Schubserei als wirklich nett heraus und suchte mit mir alle möglichen Grieß-Lagerorte ab. Irgendwann stießen wir immerhin auf ein Preisschild, das Grieß auswies. Dann kann der Grieß ja auch nicht weit sein, sagten wir uns, und suchten zwischen Backmischungen. Tatsächlich zog der schubsende Verkäufer voller Stolz eine Packung Grieß aus dem Regal - und es rieselte Grieß auf meine Schuhe. Die letzte Packung - zu recht. ich überlegte kurz, ob ich meine Jackentaschen aufmachen und ein bisschen Grieß hineinregnen lassen sollte - das Käsekuchenrezept nämlich verlangt nur nach vier Esslöffel Grieß und für die hätten die Taschen locker gereicht, fürchtete dann aber, dass sich das bei einer vom Regen leicht feuchten Jacke zu einer unglücklichen Mischung formulieren könnte. Nun gut, dann muss der Liebste morgen noch mal los, dachte ich mir. Dem schubsenden Verkäufer tat es aufrichtig Leid, er ging zum Du über und wollte mir statt dessen eine Grießbrei-Mischung andrehen, wies aber auf den durchaus unangemessen hohen Preis hin. Lieber solle ich doch morgen noch mal wiederkommen. Ja das mache ich, sagte ich, und dachte insgeheim, wohl eher der Liebste und nicht ich. Und der schubsende Verkäufer winkte fröhlich und sagte "Ja dann bis morgen!".

Dennoch recht zufrieden, denn immerhin mit Schokomäusen und Gem Suashs, kehrte ich nach Hause zurück und fand beim Einräumen der Lebensmittel: eine unangebrochene Packung Grieß! Alles gut.

Aus Gründen der Nostalgie folgt eine kleine Namibia-Fotoauswahl.











Samstag, 10. März 2018

Samstag

Es ist Samstagnachmittag - und ich bin in der Stadt. Diese zwei Ereignisse fallen nicht so oft zusammen. Ich bin kein allzugroßer Fan von dem Geschiebe durch die Fußgängerzonen, heute aber war das eine wirklich runde Sache. Zunächst hatten wir einen Termin zum Eheringe-Aussuchen. Ganz grob hatten wir uns schon die Richtung ausgesucht, in die es gehen sollte (Gold, schmal, glänzend). Es wurde dann in gemeinsamen Einverständnis Gold, schmal, matt, womit wir jetzt beide sehr zufrieden sind. Der Juwelier bestätigte das Gerücht, das uns von allen Seiten zugetragen wird, nämlich dass matte Ringe bald glänzender und glänzendere Ringe bald matter werden. Aber gut - zumindest am Anfang hat man dann die Freude am gewünschten Erscheinungsbild. T. möchte den Ring ohne Unterbrechung tragen ("Bis der so richtig schön eingewachsen ist!" Uääähhh), bei mir werde ich zumindest auf der Arbeit ein paar Ausnahmen machen (müssen). Wir haben auf jeden Fall wieder etwas gelernt, nämlich dass man in Deutschland in der Regel den Ehering rechts trägt, und auch, dass sich die Fingerdicken zwischen linker und rechter Hand um eine Ringgröße unterscheiden, was normal ist, aber gut zu wissen, da ich vorhabe, meinen Verlobungsring weiterhin zu tragen, wann immer es geht. Obwohl der Termin vorher eher als Pflichttermin im Kalender stand, hat er unerwarteterweise doch noch einmal die Herzen springen lassen heute. 

Mit perfektem Timing und immer noch springendem Herzen kam ich dann bei "Nela´s Coffee and Kitchen" an, wo ich meine liebste Kaffee-Freundin traf. Nach Leni liebt Kaffee, Karl´s Kaffee, Vierundneunzig Grad oder Cafe Juli schon wieder ein Cafe in der Art, wie man es vor wenigen Jahren noch in Aachen vergeblich gesucht hätte. Gemütliche Atmosphäre und guter Kaffee, viel mehr braucht es ja auch nicht. Ob es jetzt IMMER der Vintage-Style sein muss, weiß ich nicht... vielleicht hat jemand bald mal wieder den Mut zu etwas Individuellerem (oder aber gezwungen ist, weil es keine Kupfer-Lampenschirme mehr gibt ...). Das Kaffee-Date kam spontan und unkompliziert zustande. Das geht mit besonderen  Menschen wie von alleine, und das bedeutet alles. 

Wir quatschten zwei Stunden, die sich wie immer nicht so anfühlten. Danach sprang ich noch bei Konplott rein. Nur mal für Inspiration in Sachen Hochzeitsschmuck. Zum ersten Mal ließ ich mich beraten (eigtl. weiß ich sonst immer, was ich will, wenn ich dort kaufe) und erfuhr auf diesem Wege, dass man sogar Ohrringe anprobieren kann, da diese desinfiziert würden. Da ich von einem Paar Ohrringe bereits sehr überzeugt war, überwand ich kurz meine Sorge ob der Effizienz dieses Desinfektionsverfahrens, und probierte sie an. Tja ... Gekauft. Ich bin ein Konplott-Mädchen, und das wird auch an meiner Hochzeit so sein. Selbst wenn ich bis zur Hochzeit noch andere bessere finde, würde ich sie behalten - mit der richtigen Glamour-Laune sind die durchaus auch im Alltag tragbar. 

Nach dem tollen und leckeren TwitteressenAC gestern bei der fabelhaften Uschi freue ich mich heute auf einen ruhigen Abend mit T. mit Fargo.

Montag, 5. März 2018

WMDEDGT 3/18

Pünktlich zum gefühlten Frühlingsanfang gibt es einen neuen WMDEDGT. Aber habt ihr auch das Gefühl, dass der WMDEDGT überproportional oft auf einen Montag fällt? Myteriös ...

05:44 
Ich wache auf, gucke auf den Wecker und habe weniger als eine Minute Zeit den Wecker auszuschalten, der um 05:45 klingelt. Hat leider nicht geklappt, man drückt dann ja doch immer auf die falschen Tasten. Aber der Liebste muss sowieso auch früh raus heute, also ok. 

06:30
Nach einer Runde Yoga, Duschen und Schminken wird der Liebste aus dem Bett geholt. Der hat heute ein Meeting, zu dem Anzug angesagt ist. Also schlage ich ihm vor, dass ich ihn bei der Arbeit vorbeibringe, damit er sich auf dem Rad nicht schmutzig macht. Er ist schwer begeistert von der Idee und verspricht sich zu beeilen. Ich habe so etwas länger Zeit für meinen Kaffee und Internet-Leserei. Die Oscars interessieren mich nun wirklich nicht, aber trotzdem ärgere ich mich, dass wir es nicht geschafft haben, "Three billboards outside Ebbing" zu gucken. Muss echt gut sein. Ein Kapitel lese ich noch in meinem aktuellen Buch (immer noch sehr gut).


07:00
Mein Kaffee ist leer, die Schuhe an, Tasche gepackt und ich in Warteposition. Ich hasse Warten. Aber wenn ich los möchte, möchte ich los. Manchmal wünsche ich mir einen klitzekleinen Schweinehund, so in Chiwawa-Größe, der mich zumindest ab und an länger im Bett kuscheln, mal den Sport ausfallen oder einfach mal eine Stunde später zur Arbeit gehen lässt ohne das Gefühl zu haben, faul zu sen.

07:30
Ich bin jetzt im Büro und bei uns trotzdem noch die erste. Langsam trudeln die Nachrichten ein, wen es übers Wochenende noch so alles Grippe-mäßig dahin gerafft hat. Dementsprechend leer bleibt es bei uns. Mein Bürokollege verabschiedet sich in ein Meeting und kündigt an, im Anschluss ebenfalls das Bett hüten zu wollen.
Den Vormittag verbringe ich damit, ein Kaizen vorzubereiten. Erst vergangene Woche haben wir erfahren, dass der Kaizen-Plan für dieses Jahr umgestellt wurde und diese Woche eines in meinem Bereich stattfindet. Überraschung! Ich liebe diese Art von Projekten. Je mehr ich mitmache in diesen Projekten, umso mehr habe ich den Eindruck, dass es auf diese hochkonzentrierte (sowohl im eigentlichen Sinne als auch übertragen) Art und Weise der Bearbeitung von Themen am ehesten möglich ist, in einem streng regulierten Umfeld Fortschritt zu erzielen. Der Spirit ist ein anderer in dieser Art von Projekt, die Leute befreit vom Tagesgeschäft und jeder ist offener für Veränderungen.  Nun. So flexibel und offen für Veränderungen man in diesen Events sein muss: Ich bin der Meinung, dass zumindest die Rahmenbedingungen stimmen müssen. So kümmere ich mich um einiges Organisatorisches, was die, die das so schnell für unseren Bereich angesetzt haben, nicht wirklich auf dem Schirm hatten. 

12:00
Ruckzuck ist 12 Uhr und zu dritt machen wir unsere Pause. Ohne Grippezeit sitzen wir zu siebt zusammen. Das gestern gebackene Weizensauerteigbrot mit Roggenanteil ist hervorragend. Ich taste mich erst langsam wieder an den Roggen heran. Irgendwie war mir in einem Brot da eine so krass herbe Note drin, fast kümmelig, dass mir vorübergehend der Geschmack daran vergangen war.

14:00
Das halbstündige Meeting mit meinem Chef zu einem typischen Thema (vor 15 Jahren mal so gemacht, ohne daran zu denken, was ist, wenn man das mal ändern will...) dauert wie immer mit meinem Chef länger. Aber wir klären auch noch ein Personal-Anliegen einer unserer Laborantinnen, mit dem wir ihr hoffentlich weiterhelfen können.

16:30
Feierabend. Bei der Parkplatzsuche schleiche ich um eine Lücke herum. Seitdem ich letztes Jahr ein Auto angetickert habe beim Einparken, traue ich mir viele Lücken nicht mehr zu.
Nach 3 Runden fasste ich mir dann aber ein Herz - und parke in einem Zug ein.  

19:00
Nach dem Bloggen und dem Essen bastel ich noch eine Geburtstagskarte mit Gutschein für meine Freundin. Irgendwie sah das auf Pinterest besser aus, aber so ist das nunmal mit DIY-Gedöns. 

22:00
Nach der Reportage über den Gro-Ko-Wahnsinn gehen wir ins Bett. Die letzte Seiten meines Buchs warten! 

Freitag, 2. März 2018

Lies doch mal!

Ich weiß auch nicht, warum ich noch nie übers Lesen geschrieben habe. Lesen gehört seit meinem 4. Lebensjahr zu meinem Leben. Täglich. Ohne Ausnahmen. Ich habe immer ein angefangenes Buch, manchmal zwei, wenn eines davon ein Sachbuch ist. Die ersten Bücher, die ich gelesen habe, waren die Geschichten vom Franz von Christine Nöstlinger. Noch heute kann ich mich erinnern, wie sehr ich mich gefreut habe, wenn wieder ein neues Buch aus der Serie auf dem Küchentisch lag. Meine Eltern haben damit nie gegeizt. Bücherwünsche wurden ohne Einspruch erfüllt, dafür musste ich nicht mein Taschengeld hergeben. Die Bücherei war für mich als kleinen Stöpsel nicht erreichbar, und so brachte mein Vater oft auf dem Heimweg die gewünschten Titel mit. Am ersten Schultag in der allerersten Schulstunde schaute sich die Klasse zusammen ein Bild an, eine Schule, ein Schulhof, viele Kinder, eine Straße und Autos. Und ein Straßenschild, auf dem Umleitung stand. Ich weiß noch, wie seltsam ich es fand, dass die anderen Kinder die Zeichen nicht wie ich zu einem Wort deuten konnten. In "Sprache", wie der Deutschunterricht ja in der Grundschule hieß, las ich die Lesefibel selbstständig durch, während die anderen die Buchstaben lernten. Meine liebe Lehrerin Frau F. ließ mich gewähren. Zugegeben - vielleicht hat diese "geistige Abwesenheit" dazu geführt, dass meine Schriftentwicklung für mich Nebensache war - und so meine Note in "Schönschrift" die ganze Grundschulzeit über immer nur "gut" war. Das hat mich aber nie wirklich gewurmt, weil ich Sprache von Anfang an als Mittel zum Zweck verstanden hatte und nicht als Schönheitswettbewerb. Das Gefühl, mit einem neuen Buch ins Wohnzimmer zu verschwinden- auf dem Boden sitzend, ans Fenster gelehnt, den Pöppes durch die Fußbodenheizung gewärmt, und meist auch mit Rudi, unserem Wellensittich, auf der Schulter - das war pure Seligkeit für mich.
(Ach Rudi... einmal flog er die Schulter meiner Klavierlehrerin an, und ihr spitzer Schrei entsprach exakt dem, was man gemäß ihrer optischen Erscheinung einer Gouvernante erwartet hätte)

Ich kann nicht einschlafen, ohne wenigstens 2-3 Seiten gelesen zu haben. Selbst wenn ich um 5 Uhr morgens von einer Party nach Hause kam, ein bisschen duselig im Kopf - ohne Lesen komme ich nicht zur Ruhe. Wenn ich weiß, dass ich irgendwo warten muss, hatte und habe ich ein Buch dabei, seit 2015 ein Kindle. In fremden Betten zu übernachten, sei es bei Familienfeiern oder auf Dienstreisen, das fällt mir sehr schwer. Wenn ich meine Tasche für solche Gelegenheiten packe, gibt mir das Wissen, mein Buch dabei zu haben, das Gefühl, ein bisschen Zuhause mitzunehmen. Ich wüsste gerne, wie viele Bücher ich in meinem Leben gelesen habe bisher. Weiß ich aber leider nicht. In der 5. oder 6. Klasse sortierte ich meine Bücher einmal alphabetisch, versah sie mit einer Nummer und legte einen Karteikasten an. Auf diese Weise wollte ich den Überblick über verliehene Bücher behalten, über unvollständige Serien, die ich noch vollenden wollte, etc. Irgendwann hatte ich dann doch keine Lust mehr. Erst vor ca 5 Jahren nahm ich das noch mal in Form einer Exceltabelle inkl. persönlicher Bewertung wieder auf, die vielen Freunden und Familienmitgliedern schon auf der Suche nach Lektüre geholfen hat.

Diese Woche bemerkte ich enmal wieder, was es ausmacht, auf dem Nachttisch ein tolles Buch liegen zu haben: Auf der Arbeit denke ich selten an zu Hause (außer an richtigen Murkstagen, wenn ich mich in mein Bett wünsche...), aber dafür knallt die private Welt sofort wieder in meinen Geist, sobald ich ausgestempelt habe. Oft sind das nervige Sachen, die ich zu erledigen habe am Feierabend. Diese Woche aber war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss: Juhu, heute Abend im Bett lesen!! Das sagt alles über mein aktuelles Buch (Die Geschichte dr Bienen von Maja Lunde).

Vielleicht schreibe ich bald mal über die Bücher und Autoren, die mich am meisten berührt haben, seit ich lesen kann.