Samstag, 17. Februar 2018

Ahnen-Recherche

Ich hab eine neue Obsession und die heißt "Ahnen-Recherche", Forschung würd ich es jetzt nicht unbedingt nennen -ich reise nicht durch Deutschland, um in alten staubigen Archiven zu wühlen, nicht einmal alte Fotoalben konnte ich bisher zu Rate ziehen (noch nicht). Aber innerhalb kürzester Zeit habe ich zumindest für einen Ast meiner Familie so viele Namen zusammenbekommen, dass es jeden Abend, wenn ich nach der Arbeit ein wenig rumsuchte, ein Erfolgserlebnis war. 

Woher dieses plötzliche Interesse. Ja ich weiß auch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich ab Juni einen anderen Namen tragen werde, und ein unsäglicher Artikel auf Zeit.de mir diesbezüglich ein schlechtes Gewissen einreden wollte. Ne, so nicht, Frollein: Wer die Entscheidung des Verfassungsgerichts von 1991 anführt "Der Geburtsname eines Menschen ist Ausdruck der Individualität und Identität", muss auch zulassen, dass eine Namensänderung gleichermaßen Ausdruck ebenjener Identität sein kann. Vielleicht die bewusste Abspaltung einer Familiengeschichte, die Bekenntnis zu einem sozialen System, in dem man mittlerweile weit mehr verankert ist als in dem, das den Mädchennamen trägt. So.

Jedenfalls habe ich zunächst mit meiner einzig lebenden Oma angefangen, der Mutter meiner Mutter. Wir waren erst kürzlich zu ihrem 90. Geburtstag, ein paar Tage darauf rief ich sie an, um zu fragen, wie sie den Tag fand, und ein bisschen Anfangs-Stoff für die Recherche zu haben. Meine Oma, die eigentlich so ein großartiges Gedächtnis hat, war aber ein wenig überfordert.Ich musste so lachen, weil sie, als ich, um ihr auf die Sprünge zu helfen, riet, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie sie ihre Omas und Opas genannt habe, antwortete "Na, ´Oma und Opa´, liebes Eviken, wie denn sonst?" Recht hat sie. Viel weiter kam ich in dem Ast nicht, bei ihren Eltern war schon Schluss, obwohl ich da Orte, Namen, Daten und Beruf zur Verfügung habe. Ein paar Nachkommen ihrer Schwester meinte ich gefunden zu haben, aber rückwärts ging nichts. 

Weiter ging´s väterlicherseits. Zum Glück habe ich drei Onkel, die an Stelle meines verstorbenen Vaters mir auf die Sprünge helfen konnten. Mit dem Mädchennamen und Geburtsort meiner Oma kam ich auf familysearch.org schon echt weit - viele Verbindungen taten sich auf, aber keine konnte ich mit 100%iger Sicherheit bestätigen.Und dann ging das plötzlich sehr schnell. In der Post hatte ich von meinem Onkel aus Heidelberg eine Chronik, die der Bruder meiner Oma 1988 geschrieben hatte. Damit konnte ich viele meiner Funde bestätigen. Viel aufregender war es aber, dass diese Chronik sehr ansprechend geschrieben war und viele kleine Anekdoten der Familie beinhaltete. Auch die traurigen. Diese Chronik reicht bis zu den Großeltern meiner Großmutter. Darüber hinaus konnte ich noch 5 (!) weitere Generationen rückwärtig hinzufügen und bin jetzt irgendwo bei 1600. Ich finde das wirklich unfassbar spannend und kann nur jedem raten, so viel Wissen zur Familiengeschichte festzuhalten, wie möglich ist.

In der Zwischenzeit hatte es da meinen Onkel auch gepackt. Er wühlt in alten Fotoalben und sendet mir stündlich neue abfotografierte Fotos. Mein Papa, der jetzt  sah als Baby übrigens  aus wie mein Neffe, der gestern 6 Jahre alt wurde.

Die Geschichte meines Großvaters väterlicherseits ist der nächste Ast. Ich bin da auf einer Spur, die mich gestern bis 1 Uhr nachts wach hielt. Ich sag´s ja: Obsession....

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