Montag, 29. Januar 2018

Kragen geplatzt.

Ein Kollege wartet unten an der Treppe darauf, dass ich unten ankomme, damit wir uns nicht auf der schmalen Treppe im Weg stehen. Im selben Moment wird er von einem weiteren Kollegn angehalten, sich zu beeilen. Er antwortet "Ich würd mich ja beeilen, wenn die Kollegin mal - fast hätte ich gesagt IHREN DICKEN HINTERN - von der Treppe bewegt." Ein Beifall-heischender Blick zu den Kollegen.

Mir ist dann mal der Kragen geplatzt. Ich bin´s einfach so leid. Nein, dieser Kollege findet mich nicht dick. Mein Größe-34-Hintern ist ihm immer noch viel zu knochig, das lässt er oft genug ungefragt verlauten, ohne dass ich es je wissen wollte natürlich. Auch indem er die Körper derjenigen Frauen beschreibt, die er am Wochenende hatte (oder geträumt hat gehabt zu haben), lässt er keinen Zweifel daran, was seine Vorlieben sind. Was zum Anfassen. Puffelchen. Das lässt er alle wissen. Auf der Arbeit - Im Büro. Wenn ich im Raum bin. Wenn der Chef im Raum ist. In der Mittagspause. Außerhalb der Mittagspause.

Ich verdrehe viel zu oft nur die Augen oder gucke weg - ja: mir ist es unangenehm da zuzuhören. Aber was tun, wenn um Sprüche dieser Art selbst der Chef nicht verlegen ist? Und da ich es mir angewöhnt habe, selbst den ein oder anderen flapsigen Spruch dagegenzuhalten? Dann bin ich doch mitschuldig an dem Ton, der hier herrscht?

Ich war nicht mal stolz, heute den Mund aufgemacht zu haben. Mein "Hör mal auf mit dem Scheiß, es nervt" war nicht gerade eloquent und nicht der Auftritt, den ich mir in so einer Situation von mir gewünscht hätte. Und: Dass ich so einen Spruch nicht einfach wegstecken kann und das Klischee der zickigen einen Frau unter all den Jungs erfülle. Nun hab ich das Gefühl, nicht rechtzeitig Grenzen gesetzt zu haben und nun gerechtermaßen dafür büßen zu müssen. 

Aber  ES NERVT! 

Montag, 22. Januar 2018

Mondays

Den Montag vor genau einer Woche möchte ich mir kaum in Erinnerung rufen. Ein Montag wie aus dem Bilderbuch - oder dem Horrorfilm. 
Mein Tweet, den ich gesendet hatte, als ich dann schon im Büro war, klang einigermaßen fröhlich, aber der Stress saß mir den Rest der Woche im Nacken.



Kurz zusammengefasst: Die Idee, trotz Knirschen selbstständig Richtung Werkstatt fahren zu wollen, war semi-klug.  Neben zwei neuen Federn und Stoßdämpfern bescherte dies uns einen kaputten Reifen (der war ja auch immerhin schon 6 Wochen alt...) und mir die Ehre, mich auf der Monheimsallee abschleppen lassen zu müssen. Einmal im Scheinwerferlicht des ADAC stehen und dem Berufsverkehr winken - habe ich mir schon immer gewünscht. Dass der Kollege mich einsammelte und mir in weiser Voraussicht sogar die Sitzheizung eingeschaltet hatte, werde ich ihm wohl nie vergessen. Helden des Alltags.

Schwerer als die 900 Euro schmerzte mich mein bis Mittwochabend in der Werkstatt schlafender Ford Fiasko Fiesta. Der heldenhafte Kollege gabelte mich zwar morgens auf, ein anderer brachte mich abends zurück Richtung Aachen. Aber diese ABHÄNGIGKEIT. Wenn ich eins nicht kann, dann geduldig fremder Pläne harren. Dafür stehe ich schon zu lange auf eigenen Beinen (seit 15 Jahren quasi!). Und so war mein Stresslevel die gesamte letzte Woche HOCH!!! Wäre der Liebste zu Hause gewesen, hätte es wohl Stress gegeben. So beschränkte ich mich auf whatsapp als Kommunikationsmittel, um am Telefon nicht rumzuzicken oder rumzuheulen und war dann, als mein Auto wieder da war, und der Liebste aus dem Skiurlaub zurück kam, fast wieder die Ruhe selbst.

Heute dann ein arbeitstechnisch wenig hergebender Montag. Ich hatte mich inhaltlich in das Projekt eines urlaubenden Kollegen eingearbeitet - auf Anweisung unseres Chefs übrigens. UND weil es in unserer Konstellation eine Selbstverständlichkeit ist, dass ich die Vertretung bin, so wie er mich in meiner Abwesenheit vertritt. 
Da der Kunde schon letzte Woche eine Agenda für das diese Woche stattfindende Treffen einforderte, stellte ich ein Grobgerüst an Folien auf, was wir in diesem Treffen präsentieren würden. Das war kein Hexenwerk und erst recht nicht falsch - was man eben so präsentiert nach Abschluss einer Projektphase (und was der Kollege wenn er gewollt hätte, antizipierend auch vor seinem Urlaub schon hätte machen können... aber das nur am Rande...). Dem Kunden hatte ich nur Stichworte zur Agenda geschickt, auch dies in Abstimmung mit dem Team. Heute brachte ich den Kollegen dann auf diesen Stand und wies ihn auf den Entwurf der Folien hin. "Du darfst das alles so nehmen, du darfst das alles über den Haufen schmeißen. Und alles dazwischen darfst du auch machen". Das waren meine Worte bei der Übergabe. Ein gegrummeltes Danke, und ein paar Stunden später ein vorwurfsvolles "Ja - sind natürlich wieder sehr gut deine Folien".
Ich machte dann Feierabend.

Auf dem Weg nach Hause meldete sich dann Schülerin G.: Bettruhe bis zum Geburtstermin wegen vorzeitiger Wehen. Na prima. Sind ja auch nur noch 3 Monate. Zum ersten Mal mit A. allein also den Unterricht bestritten. Ein paar Übungen zu Höflichkeitsformen for Runaways (komischerweise hat die Lehrerin ihnen beigebracht "Würdest du bitte" sei viel höflicher als "Könntest du bitte" - mein doch eigentlich recht gutes Sprachgefühl meldet da wenig Unterschied - was meint ihr dazu?), dann zu Adjektiven und Gegenteilen. Und schließlich kommen wir dann doch noch auf die neuesten Vorkommnisse in Syrien zu sprechen. Afrin ist nicht weit von Aleppo, wo ihre Familie wohnt. 
"Die Menschen sind müde" , sagt A.

Gott sei Dank ist morgen Dienstag. 









Freitag, 12. Januar 2018

Settimana - aber subito KW02/2018

Der letzte Ferientag, der Sonntag, ist für mich immer sehr hart. Klar, auch ich schlafe lieber ein, zwei Stunden länger, statt morgens um 5 zum Sport zu eilen und dann zur Arbeit. Auch bereitet mir nicht jeder Bestandteil meiner Arbeit Spaß, an manchen Tagen sehne ich den Feierabend herbei. Oft genug macht mir mein Tun aber auch riesigen Spaß und so ist das im Großen und Ganzen alles völlig in Ordnung so. 
Wirklich schlimm aber ist für mich, dass ich mir auch in dieser Beziehung wieder so viele Gedanken mache, was alles auf mich zukommen könnte, dass ich mir schon drei Tage vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn anfange, diesen herbeizusehnen. Dazu kommt, dass ich dieses Erzählen nach dem Urlaub/nach Feiertagen nicht mag. Nach Urlauben bin ich damit überfordert, meine Gefühle und Eindrücke in eine angemessene Menge an Wörtern zu fassen. Wenn man zu wenig erzählt, "war der Urlaub wohl ein Flop", erzählt man zu viel und verstrickt sich in einer zu langen Geschichte, wird das Gegenüber nervös. 
Nach Feiertagen habe ich wenig Lust auf das ewige Wiederholen "Nein, meine Mutter ist über Weihnachten NICHT nach Deutschland gekommen", "Nein, ich werde sie nicht stattdessen in Thailand besuchen", "Nein, auch meine Geschwister habe ich nicht gesehen". Die ungläubigen Gesichter kenne ich schon, weiter zu fragen traut sich dann keiner und ich werde mit dem Gefühl zurückgelassen, dass ich irgendwie zu bemitleiden bin. Und das, wo ich mit T. eine Familie gewonnen habe, die so viel kompensiert.
Neben diesen allgemeinen Gedanken kam dann hinzu, dass mein Kollege, der die erste Januarwoche gearbeitet hatte, dann aber mit meinem Arbeitsbeginn in Urlaub gehen würde, mir schon geschrieben hatte, dass er mir leider sehr viel Mist habe auf den Schreibtisch legen müssen, weil in der ersten Woche so wenig Leute da waren, und daher so wenig Möglichkeit zur Abwicklung von Sachen. 
Spitzen Voraussetzungen für den Montag. Aber es hilft ja nichts. 
Also kaum angekommen, packte ich nicht mal meine Tasche aus, ehe ich die ersten Feuerwehraufgaben in die Hand nahm. Die seit den Feiertagen erstmals an diesem Tag wieder besetzte Werkstatt bekam von mir einen Haufen Arbeit (aber auch eine Umarmung - da arbeiten die nettesten Menschen der Firma). Dann lief ich von hier nach da, holte Updates, Unterschriften etc. und dan war auch schon Mittag. Mit den Büro-Jungs kam es dann zum ersten Mal zum News-Austausch. Das ging dann auch ganz gut, in so ner Gruppe ist das ja meistens weniger anstrengend. Einer der Kollegen erinnerte sich sogar, dass in die Zeit der Todestag meines Papa fiel, und fand ein paar nette Worte. 
Wieder voll im Alltag angekommen. Ja ich bin ein Alltagsmensch.
Auch meine Deutsch-Schülerinnen traf ich dann nach Feierabend endlich wieder. Ich hatte sie schon ein wenig vermisst. G. hatte eine Präsentation über Pakistan vorbereitet. Das hat sie super gemacht, sowohl die Gestaltung als auch den Vortrag. Die Bilder, die sie aus ihrer Heimat gezeigt hat (Malakand) erinnerten mich an Yellowstone. Hätte das jemand gedacht? Wohl kaum. Gleichzeitig ist es sehr bedrückend und merkwürdig, dass sie von Orten und Städten spricht, die man sonst nur aus der Tagesschau kennt - und zwar nicht in einem positiven Zusammenhang.


Montagabend ärgerte ich mich vor dem Fernseher dann noch über das Thema bei Hart aber Fair. Meiner Meinung nach ist es nicht nötig, dieses Format auch noch für das Thema "Dicksein, Abnehmen, bla" heranzuziehen. Selbst wenn ich voreingenommen bin, auch fachlich war die Diskussion einfach ziellos und geradezu RTL-like. Allein dass es offenbar nötig ist, dass Plasberg geradezu reißerisch die später noch zu zeigenden Curvy-Model-Bilder anpreist! Ansatzweise Diskussionsbearf liefertn dann die paar Minuten, wo es um Datenschutz und Solidarprinzip geht. Das Vorgeplapper und die zuvor gezeigten Normalo-Fälle, um die es bei den Überlegungen von Krankenkassen nun wirklich nicht geht, hätte es da wohl kaum gebraucht. 
Auch so ist für mich diese Zeit anstrengend. Ungefragt erzählen mir Menschen von ihren guten Vorsätzen, die sich ausschließlich um Essen und Sport zu drehen scheinen. Behaltet das doch bitte für euch, ich möchte das wirklich nicht wissen.


Der Rest der Woche verlief einigermaßen arbeitsreich und ereignislos. So schnell geht das, dass man wieder im Laufrädchen ist.

Freitag, 5. Januar 2018

WMDEDGT 1/18

Juhu, auch im neuen Jahr lässt es Frau Brüllen zum Glück nicht bleiben, uns zum öffentlichen Tagebuch-Bloggen aufzufordern.  

06:00
Mein letzter Ferientag. Der Liebste hat sich einen Wecker gestellt, was er einmal im Jahr tun muss, wenn er vor mir aufstehen muss. Er geht heute arbeiten. Ich aber drehe mich noch einmal um, als er aus dem Bett steigt. 

07:00
Der Liebste verlässt das Haus heute früher als sonst, weil er einen Auswärts-Termin hat. Der Wetterdienst hat für heute Morgen mal keinen Regen vorausgesagt, daher will ich nicht ins Fitnessstudio, sondern an der frischen Luft laufen.  Dafür muss es aber noch heller werden. Also noch mal umdrehen. 

08:00
Langsam stehe ich auf, es dämmert ja immerhin. Ich ziehe meine Laufsachen an, aktualisiere meine Podcast-Liste und verlasse das Haus. 
Wie immer bringe ich meinen Puls in Gang, indem ich die Treppe vor unserer Tür, die mich direkt auf meine Laufrunde führt, hinauflaufe. Und - ich knalle hin. Die Treppe ist noch nass und ich kann mich gerade noch mit beiden Händen auf den Stufen aufstützen. Ich fluche laut, die linke Hand tut etwas weh, aber geht. Jetzt laufe ich also wirklich los. Aber heute ist echt der Wurm drin. Unten in der Soers ist es so unfassbar matschig, dass ich nicht viel Tempo aufnehmen kann. 

08:30
Ich bin froh,als ich wieder zu Hause bin. Die Schuhe stelle ich vor die Tür und hoffe, dass sie von Heinzelmännchen sauber gemacht werden (Spoiler: Das wird nicht passieren...!). 
Kaffee, Duschen, Frühstück.

10:00
Zum Todestag meines Papa hatten wir letzte Woche eigtl. Brokkoli-Torte machen wollen für unsere Freunde. Als "Gedenken" halten meine Geschwister und ich es so, dass wir an seinem Geburtstag und Todestag versuchen, etwas zu essen, was er besonders gern mochte oder gerne gekocht hat. Das finden wir eine richtig schöne Sache, wir schicken uns dann gegenseitig das Foto des Essens. Weil unsere Freunde letzte Woche dann aber leider beide krank waren, haben wir das verschoben. So gab es am Todestag selbst "nur" den von ihm geliebten Strammen Max.
Heute also gehe ich endlich für die Brokkoli-Torte einkaufen. Eins der Rezepte, die er immer und immer wieder für Gäste machte :) Ich bin so froh, dass ich ein Foto des von ihm handgeschriebenen Rezepts habe. Das Original ist hoffentlich noch irgendwo in den Untiefen der chaotischen Rezepte-Sammlung bei meinem Bruder. 



11:00
Mit dem Einkauf bin ich schnell durch. Daher wird jetzt noch ein wenig aufgeräumt, geputzt und dabei Podcasts gehört. Weil mein Handy mehr und mehr den Geist aufgibt (beim Laufen stoppt z.B. einfach immer wieder der Podcast, ultranervig), muss ich mich wohl oder übel jetzt damit beschäftigen, was für ein neues Handy ich mir zulege....

13:00
Brötchen.

14:00 
Ich bereite den Teig für die Torte vor und koche den Brokkoli kurz. Später, wenn meine Freundin schon etwas früher als unsere Männer kommt, will ich alles nur noch zusammenwerfen müssen.





18:00
Meine Freundin ist schon da, und wir setzen uns noch zum Quatschen. Obwohl wir erst Silvester miteinander verbracht haben, haben wir schon wieder viel zu besprechen. Ehrlich gesagt hatte ich in der Schulzeit nie Verständnis dafür, wenn sich Freundinnen, kaum dass sie sich in der Schule verabschiedet hatten, schon wieder anrufen mussten. Plötzlich aber habe ich da jemanden, mit dem ich das Gefühl habe, mich ununterbrochen austauschen zu können (das heißt aber nicht, dass ich plötzlich anfange gerne zu telefonieren!) Der Liebste kommt auch heim, verzieht sich aber dann aber nach oben, um uns nicht zu stören. Gefühlt nur kurz darauf klingelt es schon, und ihr Bald-Mann-noch-Verlobter steht vor der Tür. 
Das passt gut, die Brokkoli-Torte ist fertig. Leider war der Mürbeteig trotz Vorbackens nicht komplett dicht. Und auch die Springform nicht (oder sind Springformen nie dicht??) Ein bisschen der Sahnemasse ist nach unten ausgelaufen, aber das tut dem Geschmack keinerlei Abbruch. 3/4 sind aufgegessen.


22:30
Die Freunde verabschieden sich. Was für ein schöner Abend. Wir räumen noch die Küche auf, ich schreibe noch schnell den WMDEDGT zuende und dann ab ins Bett.