Montag, 17. Dezember 2018

2018

Es gibt noch keine Jahresrückblicke auf den Blogs, vermutlich sprießen die erst in der leeren Luft zwischen Weihnachten und Silvester aus den Tastaturen.

Aber für mich gilt: Ich bin fertig mit diesem Jahr. Daher schreibe ich das hier schon jetzt, obwohl erst der 17. ist. 

An kein einziges Jahr kann ich mich erinnern, in dem es so viele Höhen und Tiefen gab. War das erste Halbjahr geprägt von all der Vorfreude auf unsere Hochzeit im Juni, so denke ich, dass ich das zweite Halbjahr nur überstehen konnte, indem ich mich an diesen wunderwunderschönen Tag zurück erinnern konnte. An all die Menschen, die von nah und fern angereist sind. An den wunderbaren Moment, als frisch gebackenes Ehepaar auf "unserem" Aachener Markt zu stehen - bei Sonnenschein und nicht wie befürchtet bei Gewitter und Regen. An das Frühstück mit meinen Freundinnen, die mir genau die richtige Stimmung für den Tag gaben. An meine Mutter, die barfuß über die Tanzfläche watschelt. An die fantastische und völlig unerwartete Rede unserer Trauzeugen. An unsere Freunde, die bei "Tage wie diese" einen engen und schützenden Kreis um uns als Brautpaar bilden. Und an die Zitrone, die mir beim Aussteigen aus dem Auto vom Zitronenbäumchen, einem Geschenk, davonrollt, und der der türkische Taxifahrer hinterherhastet, morgens um 5 Uhr, als die Sonne schon aufgeht.




So viele wunderschöne Erinnerungen. Wie ein Gegengewicht zu Tränen, Verzweiflung, zu vielen Arztterminen, Hoffnungen und enttäuschten Hoffnungen, auf Infekt folgenden Infekt, Beerdigungen und Erschöpfung. 

Grenzenlose Erschöpfung.

Ich zähle auf den Januar: Dem Namen nach der Monat, der mit einem Auge auf das vergangene, mit einem Auge auf das neue Jahr blickt. Und mit dem rückwärts gewandten Auge vor allem die guten Erinnerungen an 2018 bewahrt.

Samstag, 8. Dezember 2018

Männerfreundschaften

Heute hat einer der besten und ältesen Freunde meines Mannes (standesamtlich) geheiratet. Der engste Kern der Gruppe besteht aus Jungs (irgendwie wurden da nur Jungs geboren, es gibt nur eine Schwester), deren Eltern quasi schon bei Geburt der Kinder befreundet und Nachbarn waren. Dementsprechend sind die Jungs zusammen aufgewachsen, haben die gleiche Schule besucht, in der gleichen Mannschaft Fußball gespielt, in den gemeinsamen Urlauben den Eltern "die Haare vom Kopf gefressen" (Zitat der Mütter), und irgendwann stolz die ersten Urlaube ohne Eltern erlebt. Die jüngeren Brüder waren und sind ebenfalls befreundet, die Mütter der Freunde decken damals wie heute ungefragt für die Freunde mit, wenn zufällig ein Zusammentreffen in der Eifel gelingt.

Über die Jahre wurde sehr viel Unsinn getrieben, viel Bier getrunken, manche Zigarette geraucht, Liebesbriefe geschrieben, Abitur gemacht, aber auch Klassen wiederholt, Straßenlampen ausgetreten, bei Umzügen nach Köln und Aachen geholfen, Eltern geschieden und eine Mutter beerdigt, aber es gab keinen einzigen Bruch in der Freundschaft dieser Jungs, die nun Männer waren. 
T. und einer seiner Freunde lebten sogar zeitweise zusammen in einer WG in Aachen (T. hatte das Durchgangszimmer, auch als wir uns kennenlernten, aber das ist eine andere Geschichte, die es aber  sogar in die Rede unseres Trauzeugen geschafft und für Lachen gesorgt hat ...).

Als ich vor 10 Jahren dazukam, hatten die anderen schon langjährige Freundinnen, Schulzeit-Lieben, die es bis ins Studium geschafft hatten. Einer aber, B. hatte noch nie eine Freundin gehabt, war allgemein ein eher sonderbarer Kerl, aber immer dabei und von allen respektiert und akzeptiert, wie er war. 

Von Anfang an fühlte ich mich in dieser Gruppe wohl. Manche wohnten mittlerweile in Köln, B. noch bei seinen Eltern in der Eifel, aber sehr oft gab es gemeinsame Feiern, Wochenenden oder spontane Verabredungen zum Grillen hier wie dort. 

Dann überschlugen sich ab ca. 2013 (?) die Ereignisse. Sämtliche Partnerschaften außer der unseren zerbrachen. Die Brisanz der Ereignisse ist daran zu erkennen: Wenn T. mit den Jungs unterwegs ist und spät nachts zurück kommt, versucht er mich für gewöhnlich nicht zu wecken, bzw. zumindest nicht groß anzusprechen. 
Ich erinnere mich an nur wenige Situationen, in denen er nach so einem Abend nicht bis zum nächsten Morgen warten konnte, und mich wecken musste, um etwas los zu werden. Einmal, als sie bei einer Feuerzangenbowle sehr viel Glück gehabt hatten und es "nur" verbrannte Haare gab, in der Dringlichkeit aber direkt gefolgt von der Nacht, in der er mich weckte, um mir zu erzählen, dass sich G. und M. getrennt hatten.

Neue Freundinnen kamen, aus Köln, Hamburg, überall, sodass  plötzlich ICH die langjährigste Freundin war. Manche mehr, manche weniger in die Gruppe passend. Eine total merkwürdige Situation für mich, denn bis dahin war ich nicht nur die neueste Freundin, sondern zudem die einzige nicht aus der Eifel kommende gewesen. Zudem outete sich B. endlich als schwul, und die Jungs unterstützten ihn in einer nachgeholten Pubertät und nahmen dafür auch die Männer-Urlaube wieder auf, die den Pärchen-Urlauben gewichen waren - nur ging es jetzt nach Gran Canaria statt nach Zoutelande ;-).

B. zog nach Köln - wohin sonst. 

Und ich wurde wieder geweckt: P. wird Papa, erzählte T. mir atemlos.
Dann ging alles sehr sehr schnell. Die vermeintliche Verlobungsfeier an Weihnachten war eigentlich die Hochzeit und ein halbes Jahr später wurde also das erste Baby der Clicque geboren. Von einem Paar, das im Clicquen-Vergleich am kürzesten, nämlich erst ein Jahr zusammen war. Und plötzlich zogen die beiden weg, zu den Schwiegereltern. Nicht mehr in diese "Ich-kann-für-einen-Abend-mit-dem-Zug-kommen"-Nähe. Dass das passieren würde, dass P. die Nähe zu seinen Freunden aufgeben würde, damit hatte keiner gerechnet. Die Jungs fingen an sich Sorgen zu machen, da sie mit der Zeit seine Unzufriedenheit mit der Situation spürten, aber was will man an Argumenten anführen bei "Kind und Familie".  
Und B., der liebe B.: distanzierte sich immer weiter, die neuen Kölner Freunde wurden plötzlich den alten Freunden vorgezogen, etwas das in 30 Jahren niemals passiert war. 

Und ein weiteres Baby wurde geboren. Und heute die Hochzeit ihrer Eltern gefeiert. 

B. fehlte heute auf der Hochzeit eines seiner besten Freunde. Am Vorabend zu lang mit den neuen Freunden feiern gewesen. 
Auf die Nachrichten der Freunde "Alter, das kann nicht dein Ernst sein, wo bist du? Hochzeit ist nur einmal und hier gibt´s Bier" kam irgendwann keine Antwort mehr.



Mittwoch, 5. Dezember 2018

WMDEDGT 12/2018


Es ist der 5. Dezember. Frau Brüllen fragt auch in ihrem Lieblingsmonat Dezember, was die Bewohner von BloggingCity am heutigen Tage tun -außer Stiefel füllen.



05:25
Mein Wecker klingelt um 5.25 Uhr. Die letzten beiden Nächte waren aus Gründen der a) Schlaflosigkeit und b) Geburtstagsfeierei des Liebsten sehr, sehr kurz. Wie immer bricht dann bei mir nach der ersten Nacht, in der ich wieder normal schlafe, sprich heute, die Endzeit-Müdigkeit durch. Und das nach 7,5 Stunden Schlaf.



06:00
Nach einer Runde Morgen-Gymnastik mit verstärktem Hüpfanteil für die Knochen (mein persönliches Anti-Osteoporose-Programm) und einer Dusche geht es dann einigermaßen. Ich wecke den Liebsten, der ähnlich gerädert aussieht.



06:30
Ich öffne den Achtsamkeits-Adventskalender, den ich von meiner Freundin geschenkt bekommen habe, und muss an Frau Brüllen denken. 
Mich nervt dieser Hype genau wie so viele andere so sehr, dass die Achtsamkeit vor der Achtsamkeit kaum eine Chance hat. Dennoch versuche ich mich auf die Idee einzulassen, denn wenn ich ehrlich bin hat meine Freundin (sie ist Psychologin und muss es wissen) sehr recht: Ich stehe zur Zeit neben mir. Spüre weder Genuss, noch Freude, ich weine, bevor ich weiß wieso. Habe niemals lange Weile, weil meine Gedanken immerzu rasen, keinen Hunger, weil ein Keks immer in unbedachter Griffweite ist, bin niemals satt, weil mir nach wenigen Bissen der Genuss vergeht und mache meinen Sport ohne das Gefühl der anschließenden Befriedigung.
Da kann ein wenig Besinnung nicht schaden. Gestern musste ich sehr achtsam einen Kaffee trinken - das hat wirklich einen Unterschied gemacht. Statt im Stehen mit einem Podcast zu den neuesten Nachrichten aus Amerika, gab´s den ersten Espresso sitzend. Ohne Musik, ohne Bildschirm. 
Heute wird es schwieriger. Heute muss ich sechs Lächeln verschenken… Puh. Ausgerechnet heute.

07:00
Das mit den sechs Lächeln verlief durchwachsen. 


Es war eine Erfahrung, aber ich muss sagen, ich lächele lieber aus Überzeugung. Auch wenn es ja Studien gibt, die besagen, dass auch ein erzwungenes Lächeln die eigene Laune hebt.  

09:00
Meine Kollegin und ich planen die nächste Woche. Nachdem wir aus Gründen nur noch 5 statt 6 Laboranten haben scheint es, als würden die letzten 2,5 Wochen vor Weihnachten noch einmal richtig spannend.

12:00
Frühe Mittagspause, da ich um 13 Uhr ein weiteres Meeting habe. Ich hasse diese Zeit für Meetings, wenn Schnitzelkoma, bzw. bei mir Brotkoma angesagt ist.

13:00
Was soll ich sagen? Da ich als einzige Teilnehmerin des Meetings heute meine berechtigten Zweifel an dem Vorgehen geäußert habe, wird die Initiatorin der Sache dann wohl morgen bescheid wissen, wer die Kritik noch einmal an anderer Stelle geäußert haben wird. Nämlich ich. Morgen. Eine Etage oder zwei höher. Aber nach einer Migration eines ERP-Systems die zu validierenden Aspekte in einem 1,5h-Meeting auf Zuruf aufzuschreiben, ohne jeden risikobasierten Ansatz, ohne Validierungsplan, ohne Validierungsprinzipien, dann dahinter Namen zu schreiben und zu sagen: Jetzt macht ihr mal und dann hole ich mir am Ende eure Unterschriften ab - das ist so hanebüchen, dass ich jetzt gerade beim Schreiben schon wieder lachen muss. Wir sprechen übrigens von Medizinprodukten, nicht von Kugelschreibern.
Ich werde da relativ wenig unterschreiben, nämlich nüscht! und zur Not werde ich das morgen unserem GF um die Ohren hauen. Das ist sicher besser, als dass mir meine Unterschrift in 1,2,3 Jahren von einem Notified Body um die Ohren gehauen wird.

16:30
Feierabend. Ich bin kurz geneigt, das Abendessen-Date mit dem Liebsten abzusagen. Aber er hatte Geburtstag und wie selten gehen wir aus... also versuche ich eine Stunde zu Hause runterzukommen (nein eigentlich mach ich ein paar private blöde Brief-Versicherungs-etc-Sachen, ehe ich mich um 17:45 auf´s Rad setze.

18:00
Pünktlich wie die Maurer treffen wir uns vor dem Prosecco. Ich bilde mir ein, erkannt zu werden (ich träume davon, einen Stamm-Italiener zu haben, bei dem mich die Inhaber mit Namen begrüßen, aber dafür ist das Prosecco glaube ich zu teuer ;-) ), auch wenn wir das letzte mal vor einem halben Jahr hier waren. Während wir die News des Tages teilen, bekommen wir einen Gruß aus der Küche: Vitello Tonnato. Meine absolute Lieblingsvorspeise beim Italiener. Ich bin schwer begeistert, sonst gibt es eher Bruschetta (ich glaube wir hatten den Vorteil noch die einzigen zu sein, sodass unser Luxus-amuse-gueule keinen Präzedenz-Fall schaffen konnte). Für den liebsten gibt es dann noch ein Tonno-Carpaccio und im Anschluss Lachs und für mich Saltimbocca. Vorzüglich, ich bin mit dem Tag versöhnt - und genieße voller Achtsamkeit ;-).


20:30 
Wieder zu Hause setze ich mich für WMDEDGT an den PC, der Liebste sitzt auf der Couch und dort geht es für mich nun auch hin. 







Sonntag, 25. November 2018

Geschichten einer Ehe - oder wieso zwei Köche den Brei verderben

Mir wird hier vorgeworfen, immer alleine die Entscheidungen zu treffen, was gekocht wird. Und da ich kein Problem damit habe, z.B. in der Kürbissaison jede Woche einen Kürbis zu verarbeiten (und zu essen!), kam dieses Thema letzte Woche noch einmal auf - uppsi.

Vor ein paar Jahren gab´s da mal die Situation, dass ich T. in einer ebensolchen Diskussion fragte "Was sollen wir denn dann morgen kochen?". Die Antwort war - mit einem Fragezeichen am Ende "Rotkohl...?". Da mussten wir beide sehr lachen und seitdem ist es ein running gag. In meinen schlechteren Zeiten wäre Rotkohl als Hauptmahlzeit für mich ok gewesen - er aber hätte vermutlich etwas schief geguckt, wenn ich dem Vorschlag so nachgekommen wäre. Mir ist es wichtig, dass ich am Wochenende etwas koche, was wir mindestens einen Abend dann noch in der Woche essen können, und was man vielleicht in der Woche nicht schafft zuzubereiten, da zu viel Schnibbelei etc. Außerdem plane ich beim Einkaufen schon die folgenden Essen, in denen ich wenn möglich die übrig bleibenden Rohstoffe sinnvoll weiter verwerten kann. Jeden Tag neu einzukaufen ist aus meiner Erfahrung (im Studium ohne Auto habe ich auf dem Weg von der Uni einfach immer die 4-5 Sachen gekauft, die ich für´s Abendessen brauchte, das waren trotzdem pro Tag dann immer 10 Euro) viel, viel teurer, als einmal im Voraus die Woche zu planen. Und ausgehend von einem Gericht mit dem Wissen, welche Zutaten dort wohl übrig bleiben, fällt es mir auch leichter, Ideen für die anderen Abende zu finden. Da steckt also ein System hinter, und Freitagmittag finalisiere ich in der Mittagspause den Einkaufszettel. Da macht es mich rasend, wenn T. dann Samstag einfällt, dass er Sonntag gerne dies oder jenes gegessen hätte. Solche Vorschläge werden dann also erst Teil der nächsten Woche, und so gab es heute und nicht letzte Woche Sonntag Chili con Carne.

Zunächst lief alles super, T. schnibbelte Zwiebeln, Knoblauch und Paprika, während ich ein Brot buk. Er bot dann an, alles anzubraten und dann köcheln zu lassen. Abschmecken sollte ich dann später. Das Köcheln überbrückten wir, indem wir die zweite Hälfte von "Phantastische Tierwesen..." guckten. Dann ging ich wieder runter und ... fand das Chili im Topf angebrannt vor. T. hatte Stufe 2 von 5 unterschätzt. Also kippte ich um in einen anderen Topf. Dem Geschmack war da noch kein Abbruch getan. Trotzdem ärgerte sich T. Mit der Konsistenz war er einverstanden, ich dagegen fand es VIEL zu fest. Ich will da mit Brot drin dippen können. So aber war es eher eine krümelige Substanz. Die Diskussion haben wir ähnlich auch bei Pastasaucen. Und dann sah ich im Kühlschrank, dass T. meine Bitte, zwei Paprika und nicht nur eine zu verwenden, nicht berücksichtigt hatte. Hah, dachte ich, das kann ich auch- verlängerte mit etwas Brühe und dachte, wird er schon nicht merken. Beim Abschmecken (Zimt passt übrigens wider Erwarten echt gut) war ich dann sehr zufrieden und rief T., dass es Essen gebe. 
Als er dann die Kelle in den Topf versenkte, sah ich selber, dass das mit der Brühe nicht so unauffällig war, wie ich gedacht hatte. "Du hast das ja DOCH noch verlängert" - Leugnen zwecklos. Mir ging dann aber die anhaltende Meckerei doch sehr auf die Nerven, sodass ich den Topf nahm, noch mal auf den Herd knallte und vorschlug, dann eben zwei Stunden später zu essen, wenn alles wieder eimgekocht sei. Wollte er dann aber auch nicht, und einigermaßen einträchtig aßen wir unser Chili. Als T. Nachschlag wollte, bemerkten wir dann, dass das Chili immer noch auf dem Herd stand. 

Angebrannt.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Hygiene-Faktor

Als wir letzes Jahr in einer Schulung zum Thema Teamführung lernten, was ein Hygiene-Faktor ist, konnte ich mir schon vorstellen, dass dieser Mechanismus eine große Bedeutung hat. Es gibt diese Faktoren im Arbeitsleben, die man niemals laut verlangen würde, deren Vorhandensein dann aber so schnell als gegeben angesehen wird, dass der Verlust besonders schwer wiegt und mit entsprechender Enttäuschung einhergehen würde. Das war meine sicher sehr flapsige Darstellung, besser nachlesen kann man das natürlich bei Wikipedia

Meine zwei wichtigen Hygiene-Faktoren sind ganz eindeutig: Das sichere Vorhandensein eines Parkplatz am Arbeitsort, aber auch das Vorhandensein von Mineralwasser. Wenn ich jetzt anfangen müsste, täglich an meine Flasche Wasser zu denken ....neeee!

Irgendwann im letzten Jahr erhielten wir pro Abteilungsküche erstmals Obstkörbe. Nett angerichtet in einem Stohkörbchen, eine nette Auswahl von immer Äpfeln und Bananen, aber auch mit einer gewissen saisonalen Abwechslung, Himbeere, Erdbeeren, Pflaumen, bis sogar hin zu Kiwibeeren, die wir vor ein paar Monaten im Korb hatten, und die meine Abteilung sämtlich zum ersten mal aß. Die Weintrauben waren perfekt für den kleinen Nachmittagsjieper und ein Kollege erzählte irgendwann, wie lieb er das Ritual seines 11-Uhr-Apfels gewonnen habe, der ihm half bis mittags durchzuhalten, ohne vorher zu Kaufland zu rennen und ungesundes Zeug zu kaufen. 

Voller Erfolg also. War eine Abteilung mal schwach besetzt, wurde Obst hin und hergetauscht zwischen den Abteilungen und alle waren glücklich. 

Vor zwei Monaten aber beobachteten wir erstmals, dass kein Lieferwagen mit Obst vorfuhr, sondern zwei HR-Mitarbeiter mit einem Einkaufswagen über den Hof fuhren. Kurz darauf erhielten wir dann unseren Obstkorb - ein wenig anders als sonst. In einer kleinen Plastikschüssel lagen 3-4 Äpfel, ebensoviele Bananen, eine winzige Rebe an Trauben sowie 2 Orangen und eine Kiwi. Zweifelsohne kann man hinterfragen, woher der Lieferwagen kam, ob es vielleicht regionale(re) Alternativen gegeben hätte, ob zu viel am Ende der Woche weggeschmissen wird und und und. Doch mit dem nun veränderten Angebot waren die Äpfel und Bananen bei 10 Leuten natürlich schnell weg. Die Kiwi dagegen fristete als einzige ihrer Art ein Anstandsdasein. Wanderte Freitag in den Kühlschrank und Montag in den Müll. Ebenso erging es den Trauben. Die Menge entsprach dem, was wir uns zuvor gerne mal nachmittags pro Person abgeschnitten hatten. Und nun traute sich keiner, sich Appetit auf Trauben zu machen, wenn doch sowieso nur so wenige vorhanden waren und man nicht alle wegessen wollte. 
In den anderen Abteilungen sieht es seitdem genauso aus: Überall bleibt bei geringerem, liebloserem und deutlich weniger abwechslungsreichem Angebot mehr übrig als zuvor. 

Und HR denkt: Alles richtig gemacht. So viel Obst brauchten die gar nicht.

Diese Woche gabs dann gar kein Obst. Ist ja eine 4-Tage-Woche, für manche gar nur 3. Dann sparen wir uns das doch direkt.





Mittwoch, 24. Oktober 2018

Gut betreut?!

Fast schon kann ich jetzt, 24 Stunden später, darüber lachen, weil es einfach zu absurd ist. Aber nur fast. Die Wut auf mich bleibt und die nicht enden wollende Gedankenspirale "Wie kann ich nur so doof gewesen sein, ich bin der dümmste Mensch der Welt, ...."

Aber von vorn. Ich fahre IMMER mit dem Fahrrad zur Therapie. Parkplatzsuchen war bisher an der alten Praxis meiner Therapeutin unmöglich. Und auch die neue Praxis liegt so nah, dass das Fahrrad die sinnvollere Alternative ist. Gestern aber musste ich nach der Therapie sehr schnell nach Hause und so fuhr ich von der Arbeit direkt zur Praxis. Es gibt einen Hof, der zur Praxis gehört, und auf dem man parken kann. Ein Luxus also, und so machte ich mir keine großen Gedanken im Vorfeld, stellte mein Auto ab und hatte seit langem mal wieder eine aufreibendere Therapiestunde. Aus Gründen habe ich im Moment das Gefühl, dass das Schicksal nicht nur ein mieser Verräter ist, sondern auch noch einen ganz bösen schwarzen Humor hat (wenn ich diesen Gedanken habe, habe ich immer das Bild der Grinsekatze vor meinem inneren Auge). Entsprechend durch war ich nach den 50 Minuten, denn sich Ansätze zu überlegen, wie man eine richtig schwierige Situation, über die man leider keinerlei Kontrolle hat, wenigstens auf gedanklicher Ebene in den Griff kriegt, statt sich dem Gedankenkarussel hinzugeben und vor allem ohne in alte bewährte Muster zu verfallen, ist kein Kinderspiel. 

Therapie ist immer eine eigene Welt. Und mit dem Hinausgehen fällt mir wieder ein, dass ich mich jetzt ja beeilen muss, um in 10 Minuten zu Hause zu sein, steige ins Auto und - RUMMS!

Ein Auto, das vorher noch nicht schräg hinter mir gestanden hatte, hatte ich beim Einschlagen erwischt. Fassungslos brach ich natürlich sofort in Tränen aus, brach in Panik aus und überlegte, was tun. Wohl oder übel musste ich nun meine Therapeutin fragen, ob sie wisse, wer der Halter ist. So ging ich also heulend zurück in die Praxis, beichtete ihr mein Ungeschick, heulte noch mehr, und dann klingelten wir nebenan bei der Logopädie-Praxis. Der Patient war dann der Halter des Autos und das ersparte mir immerhin den Anruf bei der Polizei. Im Beisein und mit Beistand meiner Therapeutin besichtigen wir die Schramme, machten Fotos und tauschten Personalien. 15 Minuten später als geplant war ich dann zu Hause. Immer noch heulend und so wütend auf mich, dass ich mir einen Kissenberg machte und in diesen hineinboxte, um nicht auf dümmere Ideen zu kommen. Den Schaden der Versicherung zu melden, ging sehr sehr schnell, nämlich online. Und damit ist das Thema, bis auf die höhere Schadensklasse ab nächstem Jahr, erledigt - eigentlich. In meinem Kopf aber tobt es weiter, und alle gestern wieder einmal besprochenenen Ansätze zur Umstrukturierung der Gedanken scheitern. Vielleicht lache ich in ein paar Jahren wirklich über dieses betreute Unfallbauen. Vorerst bleibe ich aber noch wütend, wütend, wütend. Auf mich und die Grinsekatze.

Sonntag, 21. Oktober 2018

Waffeln

Meine Schwester schickte mir heute ein Bild von frisch gebackenen Waffeln. Für sie nur ein Sonntagnachmittags-Süßes, für mich untrennbar mit dem Tag verbunden, an dem ich verstand, dass mein Vater sterben würde.

Im Dezember 2009 war mein Vater endlich, nach viel zu langem Zaudern, endlosem guten Zureden meinerseits (und sicherlich auch durch andere Menschen) zum Arzt gegangen, um den störrischen Husten doch einmal abchecken zu lassen. Das Telefonat, in dem er mir später von dem Termin berichtete, erinnere ich nicht vollständig. Wohl aber sein Erstaunen darüber, dass er  - selber Arzt - den Tumor in der Lunge kaum erkannt habe auf dem Röntgenbild, so groß sei er gewesen. 
Die dritte Krebsdiagnose nach Prostata und Darm war das nun in 5 Jahren. Jede Erkrankung eine eigene, nicht metastasiert. Two down, one to go - packen wir´s. Dachte ich da noch. Und er auch.

Als T. abends zu mir kam (unser erstes Jahr, wir wohnten noch nicht zusammen), wusste ich gar nicht, wie ich erklären solltw, was ich erfahren hatte. Nein, eigentlich wusste ich nicht einmal, was ich erfahren hatte. Irgendwo weit hinten in meinem Kopf war das Wissen darüber, dass ein guter Freund meiner Eltern vor vielen, vielen Jahren an Lungenkrebs gestorben war. Aber der hat auch geraucht wie ein Schlot, sagte ich mir, mein Vater doch immer nur phasenweise und weit weniger. Also eine Krebserkrankung wie die beiden auch davor? Eine OP? Vielleicht weitere Therapie? Und in einem Jahr haben wir das hinter uns? Andererseits... die Lunge. Ein Organ, so unmittelbar mit dem verbunden, was uns am Leben hält, dem Atmen....
Irgendwann schliefen T. und ich ein. Und am nächsten Tag beschlossen wir, in die Eifel zu fahren, um T.s Eltern zu besuchen. Zuvor erwischte mich noch mein Bruder am Telefon. Er hatte mit der Erlaubnis meines Vaters mit dem Arzt gesprochen, der die Diagnose gestellt hatte, und sah sich nun in der Situation seinen beiden viel jüngeren Schwestern klar zu machen, was die Diagnose wirklich bedeutete. Im Gegensatz zu dem Telefonat mit meinem Vater erinnere ich mich hier an jedes Wort. Und als ich den Hörer auflegte, begann ich zu verstehen, dass mein Vater sterben würde. 

Wir fuhren trotzdem in die Eifel, machten eine Wanderung im tiefen Schnee an der Oleftalsperre, während derer die Sätze, die mein Bruder gesagt hatte, sich langsam setzten. 
Er wird das nicht überleben. Ein Jahr vielleicht. Palliative Behandlung.

Als wir zu T.s Eltern zurückkehrten, hatten diese Waffeln für uns gebacken. Für mich waren Waffeln an einem Wintertag immer das Bild für Gemütlichkeit. Für Geborgenheit und Glück. Ich weiß noch, dass ich dachte, dass jemand, der uns jetzt von außen beobachten würde, wie wir heiße Waffeln (mit Zimt und Zucker aus der alten Blechdose von Ts. Uroma) aßen, denken müsste: Was für glückliche Menschen wohnen hier.

Montag, 15. Oktober 2018

Die letzte Chance

Morgen beerdigen wir den Grumpy Opa. Jeder hätte viele Sauerländer Rinderwürste darauf verwettet, dass er älter wird als seine Mutter (gestorben mit 96), oder zumindest als seine Schwester (gestorben mit 94). Das kräftige Herz. Zwar angesteuert durch einen Schrittmacher, aber für jeden untersuchenden Arzt wohl ein ungewöhnlich starker Muskel. 

Vor dem Hintergrund, dass er sich aber seit ein paar Tagen im Krankenhaus befand und mit einer Lungenentzündung kämpfte, konnte das klingelnde Telefon, letzten Mittwoch um 6.40 Uhr aber nichts Gutes bedeuten. T sagte nur "Das ist Mama" und wir wussten Bescheid.

Schon die Betreuung im Krankenhaus war schwierig. Aber dramatisch wäre es erst geworden. Das Krankenhaus hätte ihn an dem Tag, an dem er starb, gegen den Wunsch der Angehörigen entlassen.  Im Wechsel wollten sich die 4 Kinder Urlaub nehmen. Eine Lösung für 4 Wochen. Und dann? 

Seinen Kindern, die seitdem er im Krankenhaus war, diskutierten, telefonierten, berieten, weinten und tobten, um die Pflege für ihn zu regeln hatte er sehr klar gemacht, was er nicht wollte: Pflege in irgendeiner Weise.

Ein Heim? - da sind nur alte Leute.
Essen auf Rädern? - Rinderwurst und Kartoffeln, das werd ich ja wohl noch schaffen!
Eine Polin? - Ts, wie soll ich die denn verstehen?

Und es konnte unter den Geschwistern keine Einigkeit darüber gefunden werden, ob man diesen Wünschen zuwider handeln dürfe.

Vor 5 Jahren hatte er meiner Schwiegermutter nach deren schmerzhafter Scheidung vermittelt, sie könne ja dann auch wieder ins Sauerland zurückkommen und in ihr altes Kinderzimmer ziehen. Er dachte, dies sei ein großherziges Angebot, sie musste darüber nachdenken, ob das nun die Lösung sei für eine potenzielle spätere Pflegesituation.
Nun. Auch sie hat ihren eigenen Kopf und Stolz, und auch wenn der Sauerländer Freundeskreis genauso groß ist wie der Eifeler und sie mit offenen Armen und viel Veltins empfangen hätte, zog sie es vor, in der Nähe von uns Kindern zu bleiben. 

Sein unerwartetes Abdanken ist nun - so traurig es klingt - vielleicht das Barmherzigste, das er, der sich als so guter Christ verstand, seinen Kindern hat zuteil werden lassen. 

Finde deinen Frieden, Grumpy Opa. 

Freitag, 5. Oktober 2018

WMDEDGT 10/2018

Dank Frau Brüllen und der Aktion WMDEDGT haben wir die Möglichkeit, Monat für Monat in das Leben von fremden oder gefühlt nicht so fremden Leuten hineinzuschauen. Hier gibt es viele weitere Alltagsgeschichten des heutigen 05. Oktober.

5:00
Ich bin schon einmal kurz wach, gucke aufs Handy und schalte sogar im Halbschlaf den Flugmodus aus. Ich würde mir das gerne abgewöhnen, denn niemand muss als erstes um 5 Uhr die neuesten Nachrichten checken. Außer vielleicht Präsidenten oder so. Aber auch da hat sich das Konzept "Twitter im Bett" ja bislang nicht bewährt... Zwischen Aufstehen und Nachrichten, egal ob gut oder schlecht, gehört mindestens ein Kaffee. Vielleicht auch ein Kuss.

5:30
Jetzt bin ich so richtig dämlich noch einmal für ein paar Minuten eingeschlafen. Der Wecker ist daher umso schmerzhafter. Um das Drama nicht unnötig in die Länge zu ziehen schnell raus aus dem Bett, Kontaktlinsen rein und die morgendliche Gymnastik-Yoga-Runde. Damit muss ich mich etwas sputen, denn seit der Liebste pendelt, muss er früher los und demnach früher ins Bad.

6.10
Nach der Dusche wecke ich den Liebsten und es gibt fliegenden Wechsel. Ich räume schnell die Spülmaschine aus, mache mir mein Frühstück für´s Büro und einen Espresso für jetzt. Damit setze ich mich noch einmal aufs Bett und warte, bis ich noch mal ins Bad kann, um die Haare zu fönen.

06.45
Abfahrt zur Arbeit. Puh, kalt ist es. Ich habe keine Jacke an, weil ich mir dachte, dass die paar Meter zum Auto angesichts der angekündigten 24 Grad schon ok seien. Waren sie nicht. Im Auto muss ich meine Finger auftauen, ehe ich losfahre.

7:05
Im Büro begegne ich direkt meiner Kollegin, die nur unter Zwang Urlaub nimmt. Dieser Zwang ergibt sich ab und an ausschließlich durch die Betreuungssituation ihrer beiden Hunde, wenn ihr Mann nicht verfügbar ist. So auch nächste Woche. Seit 5 Uhr sei sie hier, um heute alles zu schaffen. Ihr Mitleid entgegenzubringen dafür habe ich mir abgewöhnt. Sie und ich wissen beide, dass das nicht notwendig ist, und ich möchte sie in dem Verhalten nicht bestärken. Jedes der To-Dos, das sie mir nun auflistet, wären mit einer angemessenen Priorisierung beherrschbar. Das zeigt sich auch daran, dass sie mein Angebot, ihr ein paar dicke Batzen abzunehmen, gar nicht annehmen kann, da sie keinen solchen benennen kann. Viel Kleinkram, bei denen es m.E. völlig egal ist, ob das heute oder in einer Woche geschieht.
Ich habe direkt richtig schlechte Laune. Ich halte mich für sehr fleißig und verantwortungsbewusst und war auch selber schon einmal um 5 Uhr hier. Als es absolut unumgänglich, da produktionsbezogen war. Was ich aber nicht mag, ist wenn jemand sehr laut und deutlich vor sich her trägt, wie viele Stunden vor der Stempelzeit er oder sie hier war. Gerne dann auch in Anwesenheit des CEO. Von mir kriegt sie jedenfalls keinen Blumentopf dafür, und auch kein Mitleid, denn im F&E-Umfeld halte ich das für komplett irre.

9.00
Kurze Abstimmung mit einer Laborantin bzgl. eines Arbeitspakets.

10:00
Den übrigen Vormittag bastel ich weiter an den Daten für eine Validierung. 
12:00
Wegen Urlaub, Krankheit, Dienstreise bin ich alleine im Büro, bzw. sogar auf der Etage. Die Mittagspause verbringe ich daher völlig diskussionsfrei, lese im Internet, dass Hambi vorerst bleibt (Handy zu Hause vergessen, daher bis dahin keine Nachrichten) und denke an meinen Kollegen, der uns, die Befürworter der Protestaktionen, kürzlich mit der Frage "Der Zweck heiligt also jedes Mittel?" ein wenig ins Wanken gebracht hat. Ich weiß es immer noch nicht, muss ich zugeben. Und wenn wir ehrlich sind: Hätten die Protestaktionen dazu geführt, dass unser wohliges Leben beeinträchtigt gewesen wäre, z.B. in Form von Straßensperren, hätte unser aller Bewertung vielleicht anders ausgesehen. Das sollte man sich zumindest eingestehen. Und ob das eigene Wahlverhalten vielleicht für die nächste Wahl noch mal überdacht werden muss, oder ob dann ein Wald doch nicht so wichtig ist, wenn man mit der Wahl mal einer anderen Partei dazu führen würde, dass man selbst in irgendeiner Form finanzielle Einbußen haben wird. Prioritäten und so. Ich freu mich aber, dass Hambi vorerst nicht sinnfrei gerodet wird. 

15:45
Feierabend mit Umweg über die Post, um ein Ebay-Paket wegzubrungen (wie man vielleicht merkt, miste ich aus!)
Seit 5 Jahren kommen aus Kindle-Gründen keine neuen Bücher mehr hinzu (außer vielleicht Reiseführer), und obwohl wir nun ca. 80 Bücher weggegeben haben, sieht unser Regal noch immer so aus (Bücher stehen dreireihig):

Wenn ich mir meine Bücherliste (die ich seit vielen Jahren führe, um nicht total den Überblick zu verlieren, was ich schon gelesen habe und was nicht) so ansehe, mit 2 multipliziere für meinen Mann, der ebensoviel liest, bin ich doch sehr froh, dass wir frühzeitig den Umstieg auf Kindle geschafft haben. Ein, zwei Bücher lang war es schmerzhaft, aber dann kam der große Aha-Effekt: Lesen, wenn der andere schon schlafen will UND so viele Bücher mit in den Urlaub nehmen, wie man will. 

17:00
Nach dem Einkaufen dauert es eine Weile bis ich einen Parkplatz gefunden hab und alle Einkäufe verräumt habe. Und auf meinem Handy warten nicht so gute Nachrichten bzgl. des Grumpy Opa. Es scheint, als sei 2018 das Jahr, in dem er nun doch einsehen muss, dass er seine Selbstständigkeit nicht aufrecht erhalten kann....

20:00
Da der Liebste heute noch zur Promotions-Party eines ehemaligen Kollegen geht, kann ich nicht Bosch weitergucken. Stattdessen schaue ich bei Netflix zwei Folgen "The Fosters". Diese Serie ist ganz nett, aber doch eher nicht so anspruchsvoll. Daher suche ich parllel auf dem Handy nach neuen Winterschuhen und ärgere mich, dass ich jetzt erst auf die Idee komme, wo es definitiv keine Sonderangebote gibt. Fündig werde ich auch nicht... Hmm..

22:00 
Im Bett lese ich wie immer noch eine halbe Stunde, schlafe schnell ein und wache auch nur halb auf, als der Liebste gegen 0:00 nach Hause kommt.

Dienstag, 25. September 2018

Begegnung am Bücherschrank

Urlaubszeit, die nicht Reisezeit ist, ist Aufräum- und Haushaltszeit - zumindest für mich. Den Vormittag verbrachte ich damit zu eruieren, von welchen Büchern ich mich trennen könnte. So Leid es mir tut, es ergibt doch wenig Sinn, all die Bücher aufzubewahren, die T. und ich gelesen haben, aber nicht noch einmal lesen werden. Natürlich - einige Herzstücke sind dabei, die weiterhin im Regal stehen werden, und auch beim nächsten Umzug wieder für Fluchen sorgen werden. Doch einen Rucksack voller Bücher bekam ich schnell zusammen, schwang mich aufs Rad und fuhr zum Bücherschrank in der Pontstraße.

Dort kam zeitgleich mit mir eine ältere Dame an, die mich beim Auspacken beobachtete. Schnell kamen wir ins Gespräch über den Segen des Bücherschranks, in dem wir beide schon das ein oder andere Schätzchen gefunden hatten. Ich pries dann halb im Scherz meine Bücher, die ich soeben abgeliefert hatte, an, und sie fragte, was ich denn empfehlen würde. Ich empfahl ihr zwei Bücher über das koloniale Indien - hatte irgendwie im Gefühl, dass ihr die gefallen würden. Und offenbar hatte ich mich nicht getäuscht, denn sie erklärte, selbst acht Jahre in Kalkutta gelebt zu haben. Nun sei sie ziemlich in der Bedrouille, denn die Bücher wolle sie gerne mitnehmen, ihre Tasche sei aber schon so schwer, und der Heimweg noch lang. Kurzerhand fragte ich, wohin sie denn müsse (wozu hat man Urlaub und Zeit) und das passte ungefähr. Also hängten wir ihre Tasche an meinen Lenker, und ich schob das Fahrrad langsam neben ihr her. Wie sich herausstellte, las sie ebenso gerne wie ich historische Romane, und hat - neben Kalkutta - auch in unterschiedlichen arabischen Ländern an Goethe-Instituten gelehrt. War das ein spannendes Gespräch, und so unverhofft! Jetzt ist die rüstige alte Dame übrigens noch immer als Lehrerin aktiv - für Grundschul-Stöpsel, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen. Ihr Alter hält sie auch nicht davon ab, ihre Kinder in Kanada zu besuchen. Und wenn sie - wie letzte Woche - auf dem Kopfsteinpflaster der Pontstraße stürzt, rappelt sie sich wieder hoch, führt einen kurzen Check aller Gliedmaßen durch, und weiter geht´s. 
Eine echte Öcherin mit sehr, sehr viel Lebensweisheit.

An ihrer Wohnungstür angekommen drückte sie mir eine Tafel Schokolade in die Hand, und ich bedankte mich für diese Begegnung.

Mittwoch, 5. September 2018

WMDEDGT 9/2018

Aus der Schweiz kommt wieder der Ruf nach Tagebuchbloggen! Weitere Links finden sich bei Frau Brüllen.

05:30
Aufstehen ohne direkt zu laufen oder Gymnastik zu machen, ist immer noch beängstigend ungewohnt, sogar obwohl ich mit dem Rad zur Arbeit fahre heute. Da muss ich vielleicht noch mal ran.

06:30
Geduscht, Frühstück eingepackt, dem liebsten Mann ein Küsschen gegeben, schwinge ich mich auf mein Rad. Für heute Nachmittag sind Gewitter angesagt, aber auf dem Heimweg nass zu werden, halte ich für riskierbar bei den angenehmen Fahrradtemperaturen von 17 Grad. Trotzdem ist mir plötzlich herbstlich zumute und ich denke an den Spekulatius, den ich gestern im Supermarkt gesehen habe, der mir jetzt aber gar nicht mehr so unwahrscheinlich vorkommt.

07:00
Angekommen! Jetzt kurz ausdampfen, T-Shirt tauschen und los geht´s. Bis 9 Uhr erledige ich Mails, bereite eine Tabelle für ein Meeting vor und frühstücke dabei.

09:00
Tja, Meeting. In der Einladung habe ich formuliert, dass jeder seinen Part vorbereiten und ihn bitte möglichst emotionsfrei vortragen möge. So ein Meeting ist das. Es geht um sogenannte "Allgemeine Aufgaben" - und wo ich in der Büroetage darüber zu stehen versuche, dass ich es zumeist bin, die die Spülmaschine anmacht und auch ausräumt, scheint das bei den täglich anfallenden Kleinigkeiten im Labor nicht so einfach zu sein, ein faires Miteinander zu leben.
Meine Bitte haben sich aber alle zu Herzen genommen, sind gut vorbereitet, sodass wir nach 30 Minuten eine Liste mit all den Dingen haben, die tagein tagaus in einem Labor erledigt werden. Für den Großteil gibt es Verantwortliche, aber da wir anscheinend nach 15 Jahren zum ersten mal auf die Idee kommen, den zeitlichen Aufwand hinter die Aufgaben zu notieren, wird das Ungleichgewicht sehr deutlich. Umso besser, dass ich angekündigt habe, dass im zweiten Teil (nach einem Review, was wirklich eine Aufgabe ist, und was vielleicht gar nicht von PD zu erledigen ist, sondern z.B. vom Engineering) komplett neu gewürfelt wird. Am liebsten wäre es mir, wenn die Laboranten die Aufteilung unter sich schffen... to be continued also.

10:00
Arbeitstechnisch ist diese Woche ziemlich nach meinem Geschmack. Ich wusele im ERP-System rum, ziehe Daten, hantiere mit x Pivot-Tabellen und generiere schöne Bilder. Dient dem kurzfristigen Entschluss, uns für ein Audit besser aufzustellen für ein Produkt. Das beste an der Geschichte ist, dass ich großherzig sagen kann "jaaaajaaa, naaa gut, ich kümmer mich drum" - alle tierisch dankbar sind, diese Excel-und Report-Arbeit nicht an der Backe zu haben, und mir zutiefst dankbar sind.
Ha!

12:00
Dementsprechend wenig zu berichten gibt es über den restlichen Arbeitstag. Zum Mittagessen aber habe ich einen neuen genialen Brotaufstrich entdeckt. Orientalischer Art. Und ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber eine gewisse Ähnlichkeit zum AKL-Dip ist nicht von der Hand zu weisen (na, hier zeigt sich, wer ein echter Öcher ist!)

16:15
Ha, noch immer regnet es nicht. Alles richtig gemacht. Ich schwinge mich auf mein Rad und düse heimwärts - froh, nicht im Stau zu stehen, der laut den Nachrichten durch mehrere Spur-Sperrungen zustande kam.

17:00
Zuhause angekommen putze ich einmal durch die untere Etage, die Vorarbeit hat Robbi erledigt. Dabei höre ich einen Deutschlandfunk Podcast zum Thema Brexit.

18:00
Zum Abendessen gibt es nur Brötchen, danach ein wenig Internet-Dudelei, ich schreibe eine E-Mail, die mir schon ewig in den Fingern juckt und dann geht es endlich auf die Couch.

21:00
Folge 8 von Staffel 3 Bosch. Neeein, bitte nicht J. Edgar!! Am liebsten würde ich direkt noch eine Folge gucken, aber gegen

22:00
machen wir uns vernüntigerweise lieber bettfertig.







Donnerstag, 23. August 2018

Ebay at its worst

Ich hab mein Brautkleid bei ebay reingesetzt. Die Hoffnung, dass es weggeht, ist relativ gering. Dafür ist es doch zu speziell und ich (und damit mein Kleid) zu kurz. Aber ich wollte es versuchen, da ich es so schrecklich finde, wie es da in seinem Kleidersack vor sich hin hängt. Also wählte ich ein paar Fotos aus, auf denen man das Kleid von vorne und von hinten sieht. Mein Gesicht machte ich unkenntlich und dachte mir nicht viel. Meine Handynummer gab ich auch an. Normalerweise bin ich mit dieser sehr sehr zurückhaltend - aber hey. Ebay. Mich werden verzweifelte Bräute anrufen, wenn überhaupt.
Einen Tag passierte gar nichts, keine Nachricht auf Ebay, kein Anruf. Am nächste Tag hatte ich die Anzeige schon fast wieder vergessen. Mein Handy klingelte mit unbekannter Nummer, und ich war schon dabei, es zu ignorieren - weil unbekannt eben - als mir ebay wieder einfiel.
Also ging ich ran und meldete mich mit "Hallo". Am anderen Ende war keine Braut, sondern ein Mann, der mich mit meinem Namen ansprach. Ich fragte, wer denn da sei, jetzt in der Annahme, es sei vielleicht jemand, den ich kenne, der von einem Festnetz anrufe.
Dieser Mann aber sagte widerliche Dinge. Unter anderem, dass er mich finden und f***** werde.
Völlig entsetzt und angewidert legte ich sofort auf und heulte unvermittelt los. So etwas Widerliches war mir in meinem Leben noch nie passiert. Und auch jetzt kriege ich noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Danach kam noch ein Anruf, den ich natürlich nicht beantwortete.

Das eigentlich Schlimme ist aber das: 
In der Zwischenzeit war T. ins Zimmer gekommen, und für 2 Sekunden war meine (!) Scham tatsächlich so groß, dass ich überlegte zu lügen. Ich fühlte mich auf ekelhafteste Weise sexualisiert, von einem Fremden, dass ich wirklich überlegte, meinen Mann anzulügen. Zum Glück verzog sich dieser Gedanke und ich berichtete ihm. Natürlich war das irgendein gestörter Mensch, der auf ebay die Brautkleider-Anzeigen durchsucht. Aber meine Reaktion auf diesen Anruf hat mich wirklich entsetzt. Das waren Worte. Durch ein Telefon. Plötzlich kann ich mir das vorstellen, was Frauen (oder Männer), die weitreichendere sexuelle Belästigung oder sogar Gewalt erfahren haben, bewegt, die Taten zu verschweigen. Und bin im Nachhinein für alle jene froh, die vielleicht Jahre später durch die metoo-Debatte es geschafft haben, darüber zu sprechen.

Habe mir übrigens noch mal die bei ebay reingestellten Fotos angesehen - da stand gar nicht drauf "Ruf mich an und belästige mich" . Für einen kurzen Moment hatte ich das nämlich gedacht.


Montag, 16. Juli 2018

Unaufgeklärt.

Nach außen mag es vielleicht nicht so ausgesehen haben, aber zeitweise haben wir auf dem Junggesellinnenabschied am Wochenende wirklich ernsthafte Gespräche geführt. Auf meinem eigenen JGA war das übrigens auch so. Ich vermute, dass es einem sehr leicht fällt, zu den anderen sehr guten Freundinnen der eigenen sehr guten Freundin eine Beziehung aufzubauen, denn man ist schon irgendwie "kalibriert" durch die Auswahl der Braut. Obwohl es hier wie dort sehr unterschiedliche Frauen waren, findet man doch schnell Themen, die alle bewegen und bei denen zumindest ich immer daran interessiert bin, fremde Meinungen zu hören. 

Das Gespräch, das ich am Samstag hörte, entspann sich aus einem Ratespiel und führte dazu, dass eine der Anwesenden, Psychotherapeutin, ein wenig aus ihrem Beruf erzählte. Irgendwie kam das Gespräch dann auf Zwänge, und die können absurder ja nicht sein - für Außenstehende wohlbemerkt. Der so bekannte Waschzwang ist da ja noch das harmloseste. Ich glaube, ich kann mir zumindest ein bisschen vorstellen, wie ein Zwang sich anfühlt und wie mühsam es sein muss, ihn zu besiegen. 
Als dann eine der Anwesenden, die ebenfalls eine recht gute Freundin von mir ist, auf die Schilderung eines besonders umfassenden Zwangverhaltens fragte, ob die Patientin denn besonders dumm gewesen sei, war ich umso entsetzter. Diese Assoziation lag mir bis dato so fern!!! Ich dachte, dass zumindest in meinem Umfeld, und natürlich auch bei dieser Freundin, die eine sehr kluge, gebildete, liebenswürdige und emphatische Person ist, ein bisschen mehr Aufklärung herrsche. Naiv von mir, aber auch nicht zum ersten Mal, dass ich so was erlebe.
Vielleicht hilfts ja, dass die Psychotherapeutin zurückgeben konnte, die Patientin sei überdurchschnittlich intelligent. 


Auch auf einem Junggesellinnenabschied muss noch aufgeklärt werden... ;-)
 

Donnerstag, 5. Juli 2018

WMDEDGT 7/2018

Heute ist der 5. Tag des Monats Juli und Frau Brüllen fragt, was wir den ganzen Tag so machen. Mein erster #WMDEDGT als Frau F. statt Frau N. Aber sonst ganz die alte. Und auch der Alltag ist wieder eingekehrt. Ab und zu schauen wir aber verliebt auf den Ehering des jeweils anderen und beinahe täglich gucken wir Fotos an.

05:30
Da der Liebste seit Montag einen neuen Job hat, hat sich unsere Morgenroutine noch nicht so richtig eingespielt. Statt einfach weiterzuschlafen, wenn ich aufstehe, fragt er immer ganz nervös: Wie viel Uhr ist´s denn? und er steht auf, ohne dass ich noch mal wecken kommen muss. Gutes Zeichen. 

06:30
Eine Stunde später sitze ich auf dem Rad, denn ich bin immer noch begeisterter #mdrza-Fahrer. Drei von vier mal bisher diese Woche, gute Quote, finde ich. Für mich, für die Natur und für den Geldbeutel. Das mit der Entspannung ist so eine Sache: Die ersten 3km sind sehr angenehm, da ländlich. die letzten 6km eher....naja. Dazu kommt dann ein steiler Berg, wegen dem ich grundsätzlich in Spaghetti-Top fahre. Auf diese Weise schwitze ich kein bisschen, und im Büro reicht dann Haare richten und Sportshorts tauschen gegen Rock (finde ich zumindest - vorsichtshalber lege ich dann noch mal Deo nach). An einer Ampel höre ich heute "Schönes Fahrrad", guck mich um und sehe eine Frau auf wirklich exakt dem gleichen - sogar die Griffe! Witzig. Wir wünschen uns gute Fahrt und düsen weiter.

06:55
Angekommen schenke ich meinem Arbeitgeber 5 Minuten. Ich war wohl schnell. Dafür verwickelt mich aber eine Produktionsmitarbeiterin mit sizilianischem Gemüt in ihre Story aus Scheidung, Hausverkauf und neuem Mercedes. Ich mag sie unheimlich, Blatt vorm Mund ist nicht ihr Ding. Muss mich dann aber nach 10 Minuten mal loseisen. Und darin bin ich nicht so gut. Komme mir dann immer plump vor, wenn ich versuche einen abschließenden Satz zu finden und meine Körperhaltung auf "Gehen" deutet. 

07:30 
Bis auf ein Meeting wartet heute eine fürchterliche PQ auf mich. Angefangen bei Einführung der klinischen Muster in die Produktion, niemals fertiggestellt (vor meiner Zeit, möchte ich da kurz betonen) und jetzt stehen wir da, müssen die fertig kriegen und gleichzeitig mehrere Spec-Änderungen und eine Line Extension einbeziehen. Bis ich mein "Pack-An" gefunden habe, vergeht eine Weile. Dann aber mach ich mich an die Datenanalyse, was davon der nettere Teil ist (für mich). 

09:00
Wochenplanungsmeeting wie jeden Donnerstag. Und langsam merkt man die Urlaubszeit, es wird eng.

13:00
Nach der Mittagspause geht es weiter mit der PQ. 

16:30
Feierabend. Spontan beschließe ich, endlich mal bei Kaya Dips zu kaufen. Kaum stehe ich da und gucke, werden mir alle Dips zum Probieren angeboten - da sag ich ja nicht Nein. Und danach könnte ich eigentlich gehen, ohne was zu kaufen, so satt bin ich - aber gut, das gehört sich nicht ;-) Und der Liebste will auch was zu Essen haben. Auf jeden Fall super freundliche Bedienung.
 

17:30
Das Heimgeradel verläuft unspektakulär. Meine gelben Karten bin ich mittlerweile größtenteils los geworden, auch weil ein paar Kollegen (inkl. CEO) gehört hatten, dass ich die habe und ein paar abhaben wollten. Wer die nun verteilt, ist ja auch egal. Hauptsache sie sorgen für etwas mehr Respekt. 
A propos Respekt gegenüber Fahrradfahrern. Ich warte noch auf die Rückmeldung der Versicherung desjenigen, der mein Fahrrad angefahren hat, Unfallflucht begangen hat, und "leider" dabei beobachtet wurde. 

Aufmerksamer Zeuge.… https://t.co/iDvFJVMXIq

Mal sehen, was das noch gibt.  Mit Name, Kennzeichen und Versicherung dürfte da ja hoffentlich noch was bei rum kommen außer einer 8 im Vorderreifen. 

20:00
Als wir beide dann gegessen haben (natürlich hatte ich doch wieder Hunger) setzen wir uns das erste Mal diese Woche gemeinsam auf die Couch und gucken eine Folge Fargo. Die dritte Staffel ist wirklich sehr anders als die ersten beiden ....

Freitag, 29. Juni 2018

Things that make you go "hmmmm" (7)

Dass Kassierer/-innen nicht nur ihren Job machen, nämlich Waren über´s Band zu ziehen, Geld zu kassieren und möglichst das Rückgeld richtig herauszugeben, merkt man spätestens, wenn man es eilig hat, und ein einsamer alter Mensch vor einem an der Kasse steht, der die wenigen Minuten ausnutzt, um den leeren Speicher mit scheinbarer menschlicher Nähe aufzufüllen. Meinen größten Respekt haben die Kassierer/-innen, die geduldig bleiben, auch angesichts einer langen Schlange oft Augen verdrehender wartender Menschen, und der Person nicht nur die Lebensmittel herausgeben, die sie braucht, sondern ein bisschen mehr.

Heute aber ein Mann an der Kasse, der ein Publikum möchte, das nicht wegrennen kann, eingezwängt in einer Freitagabend-Supermarktkassen-Schlange. Als ich mich anstelle, ist er bereits mitten drin in seiner Hassrede. "Was da alles nach Deutschland gekommen ist, nech! Da kann man ja nicht mehr ohne Waffe aus dem Haus gehen. Ich hab ja gar nix gegen Ausländer. Aber waren Sie mal abends in der Pontstraße? Nur Asis da. Sie als Frau, Sie trauen sich doch bestimmt gar nicht mehr allein vor die Tür, nech?" Die Kassiererin zieht weiter Lebensmittel über´s Band. Ich suche ihren Blick und wir tauschen Fassungslosigkeit ohne Worte aus.
"Passen Se jut auf sich auf. Nicht dass einer von DENEN hier mal mit einem Messer vor Ihnen steht". 

Die Kassiererin wünscht ein schönes Wochenende. 
Wir tragen den selben Vornamen. Das weiß ich von ihrem Namensschild. Und auch, dass der Nachname ein polnischer ist. 

Und wer wissen will, warum ich nicht das Gefühl hatte, eingreifen zu können, der möge hier lesen.

Samstag, 23. Juni 2018

Heiraten - episodenweise erzählt

Gestern Abend ging mir auf, dass unsere Hochzeit nun schon zwei Wochen zurück liegt. Ich habe bisher nicht einmal ansatzweise versucht darüber zu schreiben, ich wüsste nicht wo ich anfangen oder aufhören sollte.
Sogar den Anruf bei meiner Oma tat ich erst 5 Tage nach dem großen Fest - ich wusste ich würde überfordert sein, ihr einen Abriss zu geben. Als ich dann anrief, war ich sehr froh, dass sie in der Zwischenzeit schon Fotos gesehen hatte und wir größtenteils über mein Kleid redeten ... Frauen, egal ob 30 oder 90 :)

Alle Gedanken zu diesem Tag kann ich unmöglich aufschreiben. Ich beschränke mich daher auf ein paar zusammenhanglose Fetzen....


Die Mütter
Für den Tag vor der Hochzeit hatten wir unsere Mütter gefragt, ob sie uns beim Aufbau in der Location helfen wollen würden. Eigentlich wollten wir damit vor allem erreichen, dass sich beide gleichermaßen involviert fühlen, sich nach langer Zeit noch mal wiedersehen und sich etwas akklimatisieren können (vor allem meine aus Asien angereiste Mutter). Das hat auch genau so geklappt. Nach Kaffee und Teilchen bei uns fuhren wir gut gelaunt los, T.s Bruder auch dabei- und merkten dann vor Ort, dass wir die Hilfe auch tatsächlich brauchten. Neben Candy-Bar aufbauen (T.s Mutter hatte drei Tage Cakepops und Cupcakes gebacken), das ich als größten Aufwand gesehen hatte, gab es doch noch einiges zu tun. Alleine schon die 200 Fotos, die wir zur Personalisierung der Location aufhängen wollten, oder das Verteilen der Platzkarten. 
Als T. und ich dann abends erschöpft zu Hause waren, erhielten wir per whatsapp vergnügte Fotos der Mütter - die beiden waren zusammen ausgegangen (mit T.s Bruder als Aufpasser). Da wusste ich, dass soviel nicht mehr schiefgehen könnte. 



Das Frühstück
Etwas besseres, als den Tag der Hochzeit mit einem Frühstück mit meinen Freundinnen zu starten, hätte mir nicht passieren können. Ich kam etwas zur Ruhe, weil ich wusste, wenn jetzt was schief geht, habe ich Unterstützung von drei Power-Frauen. Und die Ankunft auf dem Markt wurde dadurch auch aufgelockert. Als wir im Auto saßen, ich vorne, die Mädels zu dritt auf der Rückbank, waren die drei aufgeregter als ich, schwatzten und winkten Königinnen-haft den Passanten. Als sie dann - vor mir - T. auf dem Markt erblickten, zappelten sie noch mehr rum und ich konnte ganz entspannt meinen Schwiegervater anweisen, wie er am besten auf den Markt kurvt. 


  
Die Standesbeamtin 
war die, der wir auch bei der Anmeldung gegenübersaßen und genau die Person, die wir uns gewünscht hatten.  

Die Sonne
kam genau in dem Moment raus, als wir den Weißen Saal verließen. Und die ersten Bilder zu diesem Moment sah ich am nächsten Tag von Uschi - Danke 💕


Besser konnte es nicht laufen und so erlebte ich tatsächlich den Moment, den ich mir immer gewünscht hatte: Als Braut und Bräutigam beim Sektempfang inmitten von Freunden und Familie auf dem Aachener Markt zu stehen. Die Zeit raste dahin und genau wie unser erfahrener Trauzeuge (er hat letztes Jahr geheiratet) gesagt hatte, war im Nu eine Stunde vergangen.

Die Stadtführung
Ich bin immer noch ein bisschen stolz ob dieser Idee, den Gästen die halbe Stunde, die wir in der Altstadt Fotos machen wollten, mit einer Stadtführung zu versüßen. Von einer Abendtour mit dem Christoffel wusste ich, dass er genau der richtige dafür wäre - leider hatte er zunächst ausgerechnet an diesem Tag eine andere Führung. worüber ich sehr traurig war. Ich suchte und fand eine Alternative  - und dann meldete sich der Christoffel, die andere Führung habe abgesagt und er wolle unseren Tag gerne bereichern. Ich freute mich unglaublich und wir vereinbarten, dass er um 15:30 Uhr in Gewand einfach auftauchen sollte.
Genau so war es dann auch. Ich erklärte den Gästen den Plan und zu meiner Freude schloss sich ein Großteil der Führung an. Die Resonanz später war durchweg positiv und ich zufrieden.
Vielen lieben Dank, lieber Christoffel.



Der Fotograf
Unser Fotograf war vier Stunden länger da als gebucht, ließ sich trotzdem nicht davon abbringen, weiter Fotos zu machen und stattdessen mitzufeiern und hat uns genau die Momente auf (metaphorisches) Papier gebannt, an die wir uns auch in 60 Jahren noch gemeinsam erinnern wollen. Die Begegnung mit ihm war eine ganz besondere - von Anfang an mehr Freund als Dienstleister - auch weil wir eine komplizierte Familiengeschichte teilen. 


Die Freunde
Es gab so unendlich viele schöne Momente mit unseren Trauzeugen und anderen Freunden. Wir wurden den ganzen Tag so sehr gefeiert von ihnen, dass ich mit jedem einzelnen so viele Erinnerungen an diesen Tag habe. Als Paar gefeiert zu werden, ist noch einmal eine ganz besondere Erfahrung.... Dank der Unterstützung der Trauzeugen, die einfach sagenhaft waren, konnte ich den gesamten Tag in vollen Zügen genießen. Mehrere Leute sagten mir, sie hätten noch nie so eine entspannte Braut gesehen - und das mir!!
Ein ganz besonderes Geschenk machten unsere Trauzeugen uns mit ihrer Rede, an deren Ende ich ein T-Shirt-Falt-Brett geschenkt bekam  
- aber das ist eine andere Geschichte




Dienstag, 5. Juni 2018

WMDEDGT 6/2018

Im Mai musste ich pausieren. Da war ich unterwegs. Jetzt bin ich aber wieder dabei, wenn Frau Brüllen fragt: Was machst du eigebtlich den ganzen Tag?

05:00
Ich glaube, ich hab mir zu früh Urlaub genommen. Von Anfang an haben wir beide gesagt, dass wir uns diese Woche freinehmen. Mit dem Ergebnis auf meiner Seite, dass mir langweilig ist. Meine To-Do-Liste ist vorerst abgearbeitet, der Liebste aber ist noch dran. 
Bei mir führt die Langeweile zu ratternden Gedanken Tag und Nacht, und so lieg ich schon wach und denke vor mich hin.

06:30 
Ich gebe auf und stehe auf, schmeiß mich in meine Laufklamotten (jaja, ich putze auch Zähne, und Kontaktlinsen trag ich dann auch) und drehe meine Standardrunde bei angenehmer Temperatur und minimalem Nieselregen. Beim Bäcker reden die Verkäuferinnen über das drohende Unwetter zum Ende der Woche. Das rede ich den beiden aber aus und sie drücken jetzt ebenfalls die Daumen. 

09:00
Frühstück heute leider nicht auf dem Balkon. Dafür bastel ich am PC ein wenig an einem Geschenk für die Hochzeit von Freunden.

11:00
Ich breche auf, mal wieder zu meinem Lieblings-Arzt, dem HNO. Das sonst sehr unproblematische Heuschnüpfchen wirkt sich natürlich dieses Jahr auch auf die Ohren aus, wie soll es anders sein. So bekommen meine Ohren mal wieder ihre Portion Ultraviolettes Offlabel Drug und ich hoffe, dass das noch mal schnell hilft.

12:00
Auf dem Heimweg halte ich mit dem Rad bei Netto. Wurde der nicht erst vor wenigen Jahren renoviert? Wieso sehen Nettos immer so schäbig aus? Ich kaufe ein paar Sachen für´s Frühstück und bin froh, als ich wieder raus bin. Dort habe ich eine seltsame Begegnung. Auf meinem Sattel hat jemand eine Tüte Milch und ein Pfund Kaffee abgelegt und offenbar vergessen. Ich sehe mich fragend und suchend um (wenn mir der Kaffee ausgegangen wäre und ich würde ihn dann beim Einkaufen vergessen, ich würde wirklich ausrasten! Alles, aber nicht meinen Kaffee!) , sehe aber niemanden, der so aussieht, als habe er die Hände so voll gehabt, dass er gezwungen war, kurzfristig etwas abzulegen. Ich denke es war jemand, der sein Fahrrad losgebunden hat, und in der Zeit die Sachen abgelegt hat. 
Eine Frau mit Kinderwagen telefoniert lautstark. Ich halte ihr die Sachen hin und schaue sie fragen und schulterzuckend an. Sie verneint kaum merklich und telefoniert weiter. Als ich die Sachen auf den nächsten Fahrradsattel ablegen will, ruft sie plötzlich "Hey" und deutet auf ihren Buggy. Perplex denke ich :Ah, wohl doch ihre Sachen und lege sie wie von ihr gedeutet in den Wagen. 
Erst beim Umdrehen denke ich, dass sie mit einem leeren Buggy wohl kaum gezwungen gewesen wäre, Sachen auf einem Fahrradsattel abzulegen. Dafür hätte sie ja den Buggy gehabt ... Tja. Da hat die mich auf jeden Fall schön veräppelt und der eigentliche Besitzer hat nun leider keine Chance mehr, seine Sachen wieder zu holen. Sorry für meine Dummheit. 

13:00
Wieder zu Hause esse ich noch ein übriggebliebenes Brötchen. Der Rest des Nachmittags dümpelt mit Aufräumen, Rumräumen, Bügeln, und als endlich die Sonne rauskommt, Balkon dahin.

17:00 
Zum Abendessen gibt´s auch hier wieder etwas übriggebliebenes: Gegrilltes Gemüse. Dazu frische Salat aus dem "Garten" und Dillquark. 

19:30
Der Liebste geht zum Fußball (was er ohne Alltag fast vergessen hätte). Ich mach es mir auf der Couch bequem.




 

Donnerstag, 31. Mai 2018

Der grumpy Opa


Noch an Weihnachten ging er selbstverständlich davon aus, dass sein Enkel an Weihnachten zwar immer dieses nette Mädchen mit ins Sauerland bringt (Anstandsdamen gibt es an Familienfesten ja genug), aber dass das Leben in Aachen vielleicht ein gemeinsames wäre, das kam ihm nicht in den Sinn. So verabschiedete er sich nach dem Weihnachtsfest dann von T. mit den Worten, er müsse sich dann mal bald um eine Wohnung für seine Verlobte und sich kümmern. Entsprechend schwierig stellten wir es uns vor, ihn zu unserer Hochzeit einzuladen, auf der er vergeblich eine Kirche würde suchen müssen. Ein paar Tanten schlugen um des Friedens Willen vor zu suggerieren, eine kirchliche Trauung werde noch folgen, aber das kam für uns nicht in Frage. Da mussten wir und er durch. Die Einladung folgte, die Tanten vor Ort im Sauerland erklärten, das mache man heute so (Opa ist 90) und - die Flüsterpost verriet, er wolle kommen. Am Telefon bestätigte sich das dann - und wir hörten etwas, was wir noch nie von ihm gehört hatten: Er freue sich. 

Wir freuten uns. 

Die Tanten ließen vermelden, sogar ein neuer Anzug sei gekauft worden. Der meint es wohl ernst mit seiner Reise nach Aachen, dabei hat er das schöne Sauerland seit über 15 Jahren nicht verlassen. Warum in die Ferne schweifen, wenn man doch das Sauerland hat.

Dann folgte ein eigentlich harmloser Eingriff, der unvorhergesehen damit endete, dass doch der gesamte Herzschrittmacher ausgetauscht wurde. Nicht ganz so schnell und nicht halb so fit wie geplant kam der Opa dann wieder heim. Seitdem versucht er, wieder auf die Beine zu kommen. Gestern musste er es dann wissen: Wie weit komme ich noch auf meinen zwei Beinen? - und startete im Alleingang die Probe aufs Exempel - nicht umsonst ist er der sturestes Mensch des ganzen Sauerlands. Er schlüpfte also in die Wanderschuhe und stapfte los. Der Plan sah vor, bis zum Markt des kleinen Städchens zu kommen. 500 Meter. Erst vor 4 Wochen noch schaffte er jedes Wochenende 10km. Am Stück. Allein. Ohne Stock. Jetzt aber, nur diese 500 Meter. Das muss doch gehen und würde reichen, um der Hochzeit des Enkels beizuwohnen. Schon auf dem Hinweg merkte er wohl, dass er sich zuviel vorgenommen hatte (aber Sie erinnern sich: der stureste Mensch des Sauerlands) und er ging weiter. Dann erreichte er endlich den Markt. Völlig erschöpft und mit wackeligen Beinen wollte er sich in das Cafe setzen, das da doch immer im Eingangsbereich des Lidl war  - oder? Kein Cafe, nur eine Bäckerei mit Stehtischen fand er vor. Das hatte er doch anders in Erinnerung? Und er wollte doch so dringend ein paar Minuten nur sitzen. Viele Alternativen hatte er nicht und so ging er in den gegenüberliegenden Obi, suchte die Gartenabteilung auf und setzte sich dort auf eine Bank. Und saß. Und saß. Ein Freund seines Schwiegersohns kam vorbei (eigentlich ist es eher ein Dorf als eine Stadt) und fragte ihn, ob er ihm helfen könne und ihn nach Hause bringen solle. Opa verneinte "Nein, nein, ich sitz hier bloß" und er saß noch ein Weilchen. Irgendwann wagte er dann, den Rückweg anzutreten. Aber schon nach wenigen Schritten benötigte er wieder eine Pause, setzte sich an eine Bushaltestelle und wurde erneut gefragt, ob er Hilfe benötige. Endlich sagte er "Ja" - diese hilfsbereiten Menschen nahmen ihn einfach in ihre Mitte und setzen sich mit ihm in den Bus Richtung Zuhause (auch hier war wieder jemand dabei, der die Familie kannte). Dort geleiteten sie ihn noch bis zur Tür - und verständigten dann die Tochter, die später nach Opa schaute. Der gestand sein Abenteuer und musste sich dann eingestehen, dass eine Reise bei den Temperaturen und bei der Aufregung, die ein großes Fest mit sich bringt, in diesem Zustand nicht das richtige ist. 

Er ist untröstlich. Und wir sind es auch.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Dankbarkeit

Selten habe ich mich so dankbar und glücklich gefühlt wie am letzten Wochenende. Und dieser Zustand hält an. Und das kam so.

Vor ein paar Monaten, als ich nach dem Jahreswechsel realisierte, dass unsere Hochzeit nun nicht mehr "nächstes Jahr" sondern eben schon "dieses Jahr" stattfindet, überkam mich eine meiner typischen "Ich-schaff-das-Alles-nicht"-Panikattacken. Nach einer durchwachten Nacht war dann das erste, was ich zu T. sagte, um der akuten Panik Herr zu werden, dass er doch sicher dafür sorge, dass mein Junggesellinnenabschied, sollte es denn einen geben, nicht zu nah an der Hochzeit stattfinde. Mit dem Wissen war meiner Trauzeugin die ganze Sache (zum Glück) ein wenig heikel und so fragte sie mich, ob es noch ok wäre, wenn ich im Mai, aber eben gaaaanz früh im Mai entfürt würde. Ich musste nur kurz schlucken, ehe ich zusagte. Und so wusste ich also das Wochenende. Im Nachhinein war das genau richtig so. So hibbelig und einschlafboykottiert, wie ich am Freitagabend im Bett lag, wäre das sonst vermutlich jedes Wochenende gewesen, und auch der Liebste bekundete seine Erleichterung darüber, meine Nervosität nur einen Abend ertragen zu müssen. In die 99% Vorfreude hatte sich nämlich ein kleines Prozent Besorgnis darüber, was mich denn wohl erwarte, gemischt, das am Freitagabend sein nervtötendes Gesicht zeigte. 

Das einzige, was ich wusste, war, dass ich mich am Samstagmorgen ab 9 Uhr und ungefrühstückt bereit halten sollte, sowie dass mein Gepäck für eine Übernachtung reichen sollte und ein bisschen Outdoorkleidung beinhalte sollte.
Die Tasche war natürlich fertig gepackt und so musste ich am Samstagmorgen - nach einer kurzen Anti-Stress-Laufrunde- nur noch WARTEN (und Kaffee trinken). Vielleicht war ich dabei auch ein bisschen neugiert. Dieses Foto machte der Liebste unbemerkt von mir. 




Dann klingelte es endlich und neben meiner Trauzeugin standen drei weitere Freundinnen, darunter auch eine Freundin, die ich mehrere Jahre nicht gesehen hatte, vor der Tür. Da war die Freude schon groß und die erste Anspannung fiel von mir ab. Ich bekam Blümchen ins Haar gesteckt und wir stiefelten los Richtung Innenstadt. Dort frühstückten wir genau so, wie es sich für einen Mädchentag gehört, bei Barbarella. 

Gestärt wurde ich dann ins Auto gesetzt. Als wir Richtung Trier fuhren, ahnte ich, wohin es gehen würde - denn meine Trauzeugin sowie eine der anderen anwesenden Damen haben Verbindungen zu ein und demselben Moselörtchen. Den Zufall haben sie wohl in den Planungen aufgedeckt und glücklicherweise so genutzt!

Als wir dann nach 2 Stunden Mund-fusselig-Quasseln das Ziel erreichten, überschlugen sich für mich ein wenig die Ereignisse. Als meine Trauzeugin da so Hin- und Herrangierte, streifte mein Blick das Kennzeichen des Autos vor uns... und es dauerte und dauerte, bis ich das Auto meiner Schwägerin erkannte. Das würde bedeuten, dass sie und meine Schwester auch noch dabei wären. Ich freute mich so unfassbar, stieg aus dem Auto aus, rannte eine Treppe hoch in der Erwartung die beiden zu sehen - und rannte in die Arme einer weiteren Freundin. Mit ihr hatte ich am Vorabend noch geschrieben, denn sie ist hochschwanger - und wenn ich  eines "gewusst" habe, dann dass so ein Wochenende für sie zu anstrengend wäre. Nicht ansatzweise hätte ich gedacht, dass es doch möglich sein könnte, und so war ich einfach nur baff. Nachdem ich sie ausgiebig geherzt hatte, begrüßte ich dann auch meine Schwester und meine Schwägerin. 
Wir verteilten die Betten und die Mädels packten die tollsten  Leckereien aus - Quiches, Cakepops, Weintrauben, Kuchen ... alles selbstgemacht und liebevoll dekoriert. Natürlich wurde die erste Flasche Sekt geöffnet und in diesen Trubel hinein überraschte mich noch ein weiterer Gast. Eine Freundin, die ich eeeeewig und drei Tage nicht gesehen habe und die alleine aus einer anderen Ecke Deutschlands angereist war. Der absolute Wahnsinn. Jetzt waren wirklich alle da, deren Kommen ich nie zu träumen gewagt hätte, und jetzt flossen ein paar Tränen. Dann saßen wir am Tisch, aßen lauter Leckereien und ich konnte nicht fassen, dass ich alle meine Lieben um mich herum habe. Innerhalb kurzer Zeit hatten sich auch irgendwie alle kennen gelernt, die sich noch nicht vorher auf irgendwelchen Parties bei uns gesehen hatten (von Kindergartenfreundin, über Schulfreundin, Familie und Aachen-Freundinnen war alles dabei!) und Glückseligkeit machte sich breit.






Ich hätte noch ewig einfach sitzen und palavern können, aber wir hatten noch Programm. Meine Trauzeugin hatte das perfekt im Griff und bekam den ganzen Haufen Punkt 16 Uhr zum vereinbarten Treffpunkt buxiert, wo wir eine Kanufahrt beginnen würden. Der Verleih-Mensch hielt uns entweder für seeehr jung, oder für seeehr betrunken, jedenfalls musste jedes Boot eine Vorführ-Runde paddeln, ehe er uns - nicht ohne noch einmal auf "rechts und links und rechts und links" hinzuweisen und uns - sich sichtbar unwohlfühlend - entließ. Für die nächsten 1,5 Stunden paddelten wir mal schneller mal langsamer, mal gerade, mal schief die Mosel herab, aber immer mit sehr viel Spaß. Nach dem Anlegen warteten wir noch in der Sonne eine Weile auf die Abholung durch die Mädels, die auf das Paddeln verzichtet hatten, und legten - zurück in der Ferienwohnung - die Füße hoch. Die einen saßen auf dem Balkon, die anderen im Wohnzimmer, überall war Wein im Spiel (außer natürlich bei meiner schwangeren Freundin) und ich torkelte betrunken vor Glück zwischen den Grüppchen hin und her, saß mal hier, mal dort, welchen Wein ich trank, war mir da schon länger egal. 


 





Kurz vor 8 Uhr blies meine Trauzeugin wieder zum Abmarsch. Auch hier wieder hatte ich größten Respekt davor, dass sie 9 Mädels rechtzeitig in die Puschen kriegte, ohne stressig zu wirken.  In der Straußwirtschaft mussten wir etwas länger auf das Essen warten, sodass alle etwas vorsichtig waren bzgl. des weiteren Wein-Genusses, aber das Essen war köstlich und überhaupt. Wir saßen draußen unter Weinreben und ich fühlte mich wie in der Toskana. 

Auf dem Heimweg wurden wir - wie auch schon zuvor - mehrmals angehupt. Dass wir auf dem Wasser schon von einem anderen Boot angesprochen worden waren "Seid ihr der Junggesellenabschied?" ließ schon vermuten, dass ein Junggesellenabschied bzw. erst recht ein Junggesellinnenabschied hier nicht die Tagesordnung ist. Meine Freundin, bei deren Verwandtschaft wir die Ferienwohnung hatten, plünderte deren Weinkeller und zelebrierte uns noch eine spontane und unfassbar witzige Weinprobe. Ohne dass wir es merkten, war irgendwann 2.30 Uhr und wir fielen ins Bett. Zu diesem Zeitpunkt erhielt der Liebste die erste und einzige Whatsapp dieses Wochenendes von mir - ich hatte ihn ein wenig vergessen. Ups. Und auch die aderen Mädels hatten wohl nicht so viel Gelegenheit gehabt sich bei den Männern zu melden - die hatten sich zwischendurch wohl schon gegenseitig gefragt "Sag mal, hast DU schon was gehört?" ;-)

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen verabschiedeten sich die ersten, um sich auf den Heimweg zu machen. Der Rest der Truppe machte sich auf in die Weinberge, um ein wenig die Sonne zu genießen. Unsere schwangere Antreiberin wollte immer noch ein bisschen höher und ein bisschen weiter - und vielleicht kam es gerade dadurch, dass sie als Schwangere so fit und energiegeladen war, dass alle anderen mitzogen ohne zu murren. Obwohl es 
wirklich warm war, und wir nicht alle wandertauglich gekleidet.
Irgendwann war es dann leider Zeit sich auf den Heimweg zu machen und sich zu verabschieden. Es fiel mir so schwer, meine Dankbarkeit in Worte zu bringen - und ich kann jetzt sehr, sehr gut nachvollziehen, wie T. sich gefühlt hat. als er vor ein paar Wochen von seinem Wochenende heimkam.