Mittwoch, 29. November 2017

Things that make you go "hmmmm" (5)

Ich hasse das Gefühl, mit Ideen, längst gezogenen Schlüssen, mit durch im Kopf zusammengepuzzelten Ressourcen und Zeitlinien schon stehender Organisation und und und ... hinterm Berg halten zu müssen, um anderen nicht auf die Füße zu treten. Wenn das zu Gunsten eines besseren Klimas die Definition von Team ist, habe ich da im Moment keine Lust drauf. Erst recht nicht, wenn es mir erlaubt ist, diese Fähigkeiten und Schnelligkeit dann auszuüben, wenn es keiner sieht, aber dem flüssigen Ablauf des Alltags nützt. NICHT aber, wenn es nach Definition des anderen "wichtige" Menschen unter Umständen zur Kenntnis nehmen könnten.






 

Freitag, 24. November 2017

Settimana - aber subito KW47/2017

Diese Woche hatte die Kollegin, die nie Urlaub nimmt, Urlaub. Sie nahm diesen Urlaub nicht etwa, weil sie dazu beitragen wollte, ihr Urlaubskonto von 30 aktuellen Urlaubstagen für das beinah vergangene Jahr 2017 sowie 15*30  hypothetischen Urlaubstagen aus den vergangenen 15 Jahren zu senken. Nein. Sie war hierzu aus einer persönlichen Misslage gezwungen, was dazu führte, dass sie die Tage vor ihrem Urlaub noch nervöser als sowieso schon war, die Urlaubs-Übergabe-"Notiz" sich so las, als müsste ich alleine die Firma über die nächsten 3 Jahre gegen die dunklen Mächte verteidigen und dabei sämtliche Abteilungen in Personalunion darstellen. Ich glaube, auch im Falle eines Atomunfalls in Tihange hätte ich unter dem entsprechenden Stichwort eine Anweisung vorgefunden. 
Wenn sie am Montag wiederkommt und um 7.03 Uhr an meinem Schreibtisch steht, werde ich ihr berichten können: Alles easy. Sie wird AUCH feststellen, dass niemand ihr in ihrer Abwesenheit gekündigt hat, weil sie es gewagt hat, Urlaub zu nehmen. Und hoffentlich auch, dass es einem selber und nicht zuletzt den Kollegen gut tut, mal Abstand zu nehmen.

Mit dem Startschuss für den Weihnachtsmarkt heute beginnt für mich wieder die nervige Zeit des Parkplatzsuchens am Feierabend. Wenn es nur das wäre. Leider ist es auch so, dass die wie Lemminge in die Stadt strömenden Menschen aus In- und Ausland nicht gerade die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. Noch öfter kommt es erfahrungsgemäß in dieser Zeit vor, dass Verkehrsregeln zu Gunsten des eigenen Glühwein-Dursts oder Bratwurst-Hungers interpretiert werden. Auch was den gemeinen Fußgänger angeht, hat es seine Tücken. Der selbstverständlich im Rundum-Sorglos-Paket eingeplante Besuch bei Lindt führt dazu, dass sich - einmal am Bendplatz aus dem Bus geschüttet, ein kaum enden wollender Strom an Menschen bildet, der zwischen Bendplatz und Lindt pendelt. Viel Geduld sei dem gewünscht, der in diesen Strom gerät, oder gar ihn kreuzen muss.

Ich liebe es ja, wenn Päckchen als Überraschung zu jemandem unterwegs sind. So sendeten wir Anfang der Woche an sehr gute Freunde einen Adventskalender, damit sie - gerade heimgekehrt aus den Flitterwochen - etwas haben, auf das sie sich freuen können. Mir wurde in der Sendungsverfolgung angezeigt, dass das Paket am Mittwoch bei einer Nachbarin abgegeben worden sei und rechnete damit, dass es wohl dann am Donnerstag in den Händen unserer Freunde ankommen würde. Und dann stehen die gestern Abend einfach vor der Tür, mit einem wunderschönen Blumenstrauß und bedanken sich auf diese Weise für den Adventskalender (nein, sie sind dafür nicht von Ddorf nach Aachen gefahren, sie waren wegen eines Familiengeburtstags hier, aber dennoch eine so liebe Geste!). Ab und an wünsche ich mir trotzdem, dass Geschenke einfach angenommen werden, ohne sofort erwidert zu werden. Dieser bemerkenswerte Artikel kam mir daher noch einmal in den Sinn.




Interessant fand ich diese Woche die story über das unsägliche Geschäft mit dem Operieren. Vielleicht vor der nächsten OP-Empfehlung mal in die Statistiken gucken, ob der eigene Wohnort vielleicht prädestiniert ist für genau diese OP? Es ist einfach gruselig. Wie aus gesunden Kranke gemacht werden, aus einer OP werden zwei, um die teurer abrechnen zu können. Und bei allem liegt da ein Patient auf der Liege, hat an alledem das größte Risiko zu tragen, und weiß nicht einmal, dass es vielleicht nicht notwendig wäre. Und da beschweren sich Ärzte noch, dass man sich heutzutage via Internet informiert, um als Patient wenigstens einen Hauch von Mündigkeit aufzuweisen.  Besonders passend: Erst letzte Woche lief im WDR Quarks und Co zum Thema Krankenhauskeime.

Eben fuhr ich noch sehr spontan (!) zum Liebsten ans Institut und hinterließ unter seinen Kollegen ein bisschen Ratlosigkeit mit diesem Rätsel.


Bei mir auf der Arbeit ist es nämlich so: Wenn die politische Mittagspausen-Diskussion zu eskalieren droht, ist es gut, wenn jemand ein Rätsel am Start hat. Ja, das kam diese Woche ein paar mal vor!


Donnerstag, 16. November 2017

Der Kurs

Den Titel flüsterte mir gerade unbeabsichtigt der Liebste ein. Als wir uns über unseren Tag (naja, eigtl. über die letzten drei Tage) austauschten, an denen wir uns so gut wie gar nicht gesehen hatten, meinte er, dass meine Erzählungen schwer an die genannte Stromberg-Folge erinnerten. Ich weiß nicht, ob ich die Folge schon mal gesehen haben. Bei UNS jedenfalls lief das heute so ab.

Die Teilnehmer des dreitägigen Lean-Trainings waren sich einigermaßen bewusst darüber, dass es am Ende einen Test geben würde. Das war  beim ersten Mal schon so, und der deutlich umfangreichere Aufbaukurs würde ohne wohl auch nicht auskommen. Sobald es um Tests geht, kann man - selbst in einer relativ homogenen Gruppe von Ingenieuren und Wissenschaftlern - erstaunlich unterschiedliches Verhalten beobachten. Dieses Verhalten ist meistens eng gekoppelt mit dem Auftreten im Unterricht, sei es nun ein berufliches Training, die Schule oder der Kindergarten.

Es gibt immer den Verpeilten. Die Unterlagen vom letzten Mal? Ach die sind auch für den Test relevant? Hat er nicht mehr. Ein Kaffee ist drüber geflossen, in der Bahn vergessen, oder einfach ohne Angabe von Gründen nie wieder gesehen. Leiht man dem Verpeilten die eigenen Unterlagen zum Anfertigen einer Kopie, muss man damit rechnen, dass diese ebenfalls im Nirvana verschwinden.  Der Test wird dennoch im guten Mittelfeld bestanden. Zu viele Menschen mögen den Verpeilten, da der zu seinen Schwächen steht. Ihn lässt man sehr gern abschreiben, impft ihm vor der Prüfung in Stichworten die wichtigsten Basics ein, und außerdem hat er meistens so originelle Ideen, dass diese dazu beitragen, akute Wissenslücken kunstvoll und witzig zu überbrücken.

Der Schnorrer ist ein deutlich unangenehmerer Geselle. Der Kurs ist zu uncool, um allzuviel Aufmerksamkeit zu schenken. Wie viele andere wichtige Sachen man doch zu erledigen hätte. Das scheut er sich nicht, lautstark und regelmäßig zu verkünden. Zu Schulzeiten fand man ihn Unterrichtsschwänzend und rauchend auf dem Schulko, heute nutzt er, dass das - gemäß Teamregeln auszuschaltende Handy - klingelt, um mal hier und da eine halbe Stunde den Raum zu verlassen. Wichtig: Beim Zurückkehren, erst NACH Betreten des Raums das Telefonat beenden, damit auch jeder weiß, wer hier wichtig ist. Steht der Test vor der Tür, wird er sich dann doch bewusst, dass ein allzu schlechtes Abschneiden vielleicht doch so keine gute Idee ist. Weil sonst der Anwalts-Papa schimpft, oder heute weil man eben Director ist. Also umgarnt er die Klassenbeste für fünf Minuten, die schon immer mehr (oder weniger) heimlich in den Bad Boy verliebt ist, und schon hat er einen Spickzettel in bester Mädchenhandschrift, den er im schlechtesten Falle sogar als nicht den eigenen ausgeben könnte. Directors fragen einfach ihre Mitarbeiterin, die - wie vor vielen Kunden-Meetings - einen kurzen Rapport abgibt und in 2 Minuten die Fakten darlegt, die es für den Test zu wissen gibt. 

Ja, der Streber. Das bin ich. War ich und bleibe ich. Meine Zusammenfassung, die ich mir heute Früh auf zwei Seiten zusammenschrieb, um in den Kaffeepausen noch mal die wichtigsten Inhalte auf einem Blick überfliegen zu können, gehört zu dem Standardrepertoire seit Schulzeiten. Gelernt habe ich mit immer weiter verdichteten Zusammenfassungen, sodass ich am Morgen jeder Klausur nur noch ein DinA4 Blatt hatte, um die alerletzten Fakten ins Kurzzeitgedächtnis zu hauen. Damit bin ich immer gut klar gekommen.
Auch die Sprüche ändern sich nicht. Ich musste innerlich so grinsen, als einer meiner Kollegen heute Früh mit einem Blick auf meinen Zettel meinte "Du hast nicht ernsthaft eine Zusammenfassung geschrieben". Nur meine Haltung zu dieser Art von Spruch hat sich geändert. War es früher ein verschämtes "aber echt nur ganz schnell was zusammengeschrieben","Ach das ist nur...."...., sagte ich heute mit ziemlicher Überzeugung, dass ich das Gelernte gerne mit in den Arbeitsalltag rüber retten wollte und ich froh bin, dass mir dieses Training ermöglicht wurde. und dann noch "Außerdem ist das hier mein Job und keine Spaßveranstaltung". 
Danach war so was von Ruhe. Und ich war ein wenig stolz auf mich, dass ich so zu mir selber stehen konnte.

Den Test habe ich mit einem anderen Streberkollegen als "Klassenbeste" bestanden.  Und ich fand´s gut. 
Raten Sie mal, von wem nach dieser Verkündung durch den Kursleiter Sprüche kamen? Ja, genau von denen, von denen ich es erwartet habe. 

Freitag, 10. November 2017

Settimana - aber subito KW45/2017

Diese Woche war viel los. Mehrere Abende pro Woche ausgeplant zu haben, versetzt mich nach wie vor im Vorhinein enorm unter Stress. Daher bin ich schon mit einem doofen Gefühl in die Woche gestartet.

Der Montagabend-Termin war aber ja mein normaler Serientermin: Deutsch-Nachhilfe für meine beiden Mädels. Wie immer hat es Spaß gemacht, die beiden sind nach wie vor mit Eifer dabei. Erzählen freiwillig Sachen, fragen mich zurück, und nehmen bereitwillig meine Vorschläge auf, was wir üben könnten. Aber es ist sooo dunkel! Und das Fahrradfahren in die Stadt macht bei den Temperaturen auch keinen Spaß. Mimimmi.

Dienstagabend waren wir bei unseren Freunden eingeladen. Er hatte Geburtstag, hatte die ganze Zeit geschwankt, ob er was machen will, und dann doch noch zu einem Spieleabend geladen. Viele andere Einladungen in solch einer Woche hätte ich einfach abgesagt. Aber diese Freunde sind seit langem einmal wieder solche, bei denen ich das Gefühl habe, mich einer gewissen Spontanität hingeben zu können, weil sie so rücksichtsvoll, verständig und liebevoll sind. Nicht falsch verstehen: Ich habe auch andere Freunde, die unglaublich viel Verständnis für meine Eigenheiten, ab und an kompliziertes Verhalten etc. aufweisen und mich trotzdem irgendwie mögen (glaube ich). Aber eben nicht in Aachen. Ihn kenne ich schon viele Jahre, aber seit sie auch in Aachen wohnt, ist es einfach etwas ganz besonderes. Seelenverwandtschaft und so viele Parallelen, dass uns nie das Gespräch versiegt - egal ob zu zweit oder zu viert. 
Also. Ich wollte dahin. Kam aber Dienstagabend total fertig von der Arbeit, hatte Bauchweh und mich morgens noch mit T. gestritten. Kampf mit mir selber zwischen 17 Uhr und 18.30 Uhr. Dann schwang ich mich aufs Fahrrad, in die Kälte, holte en Liebsten am Institut ab und- was soll ich sagen: natürlich hatten wir einen wunderschönen Abend (Wir haben übrigens Magic Maze geschenkt und auch gespielt. Völlig neues Spielekonzept, aber sehr genial und unterhaltsam.) Vieeel zu spät im Bett, Mittwochmorgen neuer Streit mit T. (dass er dünnhäutig ist, bin ich einfach nicht gewohnt. Und wenn er dann nicht deeskalierend auf mich einwirkt, knallt es. Aber wer soll es ihm verübeln, siehe unten...),  sehr genervt auf der Arbeit von Menschen (ehrlich gesagt aber auch begründet). Mittwochabend 17 Uhr Abfahrt Richtung Eifel. Geburtstag der Schwiegermutter. Eine halbe Stunde Stau innerhalb Aachen, dichter Nebel. Super Stimmung im Auto - not. Dann war es aber doch ganz schön, als wir dann endlich mal angekommen waren. Die Freunde meiner Schwiegermutter sind zu einem großen Teil die Eltern unserer eigenen Freunde. Informationen hauszuhalten ist in der Konstellation manchmal recht schwierig. Aber immerhin kann man sich dann wohl fühlen und das Essen war auch lecker (Kasseler!). Leicht anstengend ist nur die Tatsache, dass viele Freunde von T.s Mutter nun gerade Großeltern geworden sind. Direkte Nachfragen werden zwar vermieden, an Andeutungen mangelt es aber trotzdem nicht. Und Videos sowie Fotos von der frisch gebackenen Tochter eines unserer guten Freunde musste der ebenfalls frisch gebackene Großvater dann natürlich so lange zeigen, bis er ein anderes Opfer gefunden hatte. Den Großteil der Fotos kannten wir natürlich schon, wir kriegen so was ja auch über whhatsapp, außerdem waren wir gerade erst die kleine Maus angucken ;-). Zurück in Aachen um 0 Uhr, ab ins Bett, Donnerstag dann ein einigermaßen okayisher Arbeitstag ohne Abendprogramm. 
Jetzt zur Dünnhäutigkeit des Liebsten: Heute stand für ihn der Diss-Vortrag an. Vor round about 50 Leuten, dem Prof., Kollegen, emeritierten Profs, und jedem, der gerne mit fiesen Fragen nerven will sich gerne weiterbilden will.
Ich schätze, ich hätte mir in so einer Situation die Woche freinehmen müssen, um nicht komplett durchzudrehen. Aber er hat die Woche so durchezogen, beide Einladungen mitgemacht. Mich hätte man vom Boden aufkratzen müssen, beim Liebsten äußerte sich die Fülle der Ereignisse eben nur in etwas, was man Dünnhäutigkeit nenen könnte. Nicht mehr. Heute Morgen übte er dann zum letzten Mal den Vortrag, während ich im Bad war. Gejammert hat er kein mal. Auch nicht das getan was ich tun würde, nämlich fatalistisch erwarten, dass alles schief gehen wird, was schief gehen kann. Und dann schickt er mit um 14 Uhr ein Bild mit einem Bier in der Hand (glücklicherweise fand UNMITTELBAR an den Vortrag der Auftakt des Instituts-interenen Karneval statt. Sehr praktisch für ihn) und als wir dann telefonieren, muss ich ihm aus der Nase ziehen, dass der Prof vor 50 Leute gesagt hat, das sei der beste Vortrag gewesen, den er seit vielen Jahren gehört hat, und die Schriftfassung sowieso. Laaangweilig. Spaß beiseite: Ich bin natürlich ungeheuer stolz, diesen klugen Mann an meiner Seite zu haben. Und ich finde es besonders toll, dass er bei den Kollegen gleichzeitig als guter Freund anerkannt ist, immer gerne auf den Feiern der letzte ist, und meines Wissens nicht einmal ansatzweise von irgendjemandem Missgunst erfährt. Den Spagat muss man erst mal schaffen.
Mein Tag begann dagegen mit  Kundenbesuch von 08.00-10.00 und 10.00-12.00. Den Japanern gaben wir für morgen den Tipp, gemütlich in der Altstadt von Düsseldorf zu flanieren. Als sie aus der Tür waren, fiel mir dann ein, dass es am 11.11. vielleicht gar nicht so gemütlich ist. Ich fühlte mich verpflichtet, das dann doch noch per Mail hinterherzuschicken... Der Nachmittag verging ruhig und schnell.
Und jetzt: Feierabend.


Für mich war das eine wirklich sehr anstrengende Woche. 
- Dem Liebsten war es vielleicht auch ein wenig zu viel: Zum ersten Mal seit Jahren fährt er morgen nicht nach Köln. 





Sonntag, 5. November 2017

WMDEDGT 11/2017

Es ist November, Sonntag und der 5. Letzteres bedeutet, dass Frau Brüllen heute fragt: Was machst du eigentlich den ganzen Tag. 
Ersteres (November+Sonntag) bedeutet heute wohl: Nicht viel...
Mal sehen, was hier im Lauf des Tages stehen wird.

07:30 

Die Zeitumstellung hat bei mir seltsamerweise nicht bewirkt, dass ich nun um 06:30 Uhr aufwache, sondern genau wie immer um 07:30 Uhr. Dafür bin ich jetzt aber schon um 21 Uhr müde. Da stimmt doch was nicht. 
Weil ich aber wusste, dass heute nicht viel ansteht und ich zudem noch alleine war, habe ich gestern Abend mal zu später Stunde noch einen Film geguckt, und zwar "Kleine wahre Lügen". Mir hat er gut gefallen. Der Regen, der jetzt gegen die Fensterscheibe klatscht, klingt nicht so verlockend. Dennoch rappel ich mich auf, und lasse den spät heimgekehrten Liebsten weiterschlafen. Naja ehrlich gesagt macht er das auch, wenn er nicht spät heimgekehrt ist, und ich ins Fitnessstudio gehe.

08:00

Fitnesstudio: Laufband und ein paar Geräte. (Ja, auch am Wochenende sehe ich hier bekannte Gesichter )Gestern Morgen war ich noch draußen laufen. Das war irgendwie schöner...

09:15

Als ich nach Hause komme, springe ich unter die Dusche und überzeuge den Liebsten, sich ebenfalls mal aufzurappeln und dann Brötchen holen zu gehen. 

10:00

Beim Frühstück knacken wir wie jedes Wochenende das Zeit-Rätsel "Um die Ecke gedacht". Es hat heute genau den richtigen Schwierigkeitsgrad, um uns ausreichend zu unterhalten. Mittlerweile bin ich bei meinem Geburtstags-Kaffee-Paket von Trez Cabezas übrigens bei Indien angelangt. Die erste Sorte Costa Rica ist weiterhin mein Favorit. Kenia schmeckte wie angekündigt kräftig nach Orange, und das hat mir - außer im abendlichen Espresso - nicht als Milchkaffee gepasst. 

11:00

Nach dem Frühstück sauge und wishe ich einmal durch die untere Etage. In der kommenden Woche wird es aller Voraussicht nach keinen Abend geben, an dem hierfür Zeit wäre.
Danach habe ich endlich Gelegenheit, die neue Zeit zu lesen. Ein wirklich gut recherchierter und erhellender Artikel zum Thema Klimapolitik (leider nur in der Bezahlversion verfügbar). In dickem Fleece setze ich mich auf die Terrasse. Der Spaß währt aber nicht lange, die Sonne gibt nur ein Schauspiel über 10 Minuten ab, ehe sie wieder hinter einer dicken Wolke verschwindet.

13:00

Brötchen. Dabei Kölner Treff vom Freitag. 
Der Liebste präpariert weiter seinen Diss-Vortrag. Nach einem Probevortrag vor den Kollegen arbeitet er noch ein paar Feinheiten ein. Und natürlich übt er das Vortragen. Dann verabschiedet er sich für 45 Minuten, und ich höre ihn oben murmeln.

15:00

Der Nachmittag vergeht mit Lesen, Internetten, einer Runde Yoga mit Erin Motz. Darüberhinaus bereite ich den morgigen DaF-Unterricht vor. Seitdem das neulich so unglaublich gut geklappt hat, die beiden im Wechsel ein Vater-und-Sohn-Comic erklären und beschreiben zu lassen, versuche ich das morgen einmal wieder. Das Gute ist daran, dass ich am Ende des Comics dann auch fragen kann, ob der Witz verstanden wurde. Vielleicht sind die Witze ja sogar "typisch deutsch" - wenn es so was überhaupt gibt. Den Humor des eigenen Landes festzustellen, ist ja eher schwierig.

17:00

Heute Abend gibt es totale Restevewertung. Neben Wirsing von letzter Woche bieter der Kühlschrank auch noch Kartoffeln und Möhren ungewissen Kaufdatums. Eine Zucchini ist auch noch da. Ich gare den Wirsing kurz vor und reibe dann alles andere in dünne Scheiben in eine große Auflaufform. Ich bin eine starke Verfechterin des Kartoffelgratin ohne Käse. So gern ich auch überbackene Aufläufe mag - bei Gratin liebe ich diese Variante, bei der die Form mit Knobi eingerieben wird, das Gemüse geschichtet und dann mit gewürzter Milch (Salz,Pfeffer, Muskat) überschüttet wird. Das war´s schon - alles in den Ofen. Die Milch muss im Ofen dann einmal hoch kochen und dickt durch die Stärke der Kartoffeln automatisch an. 
Heute also in der Extended Version (früher gab´s neben reinem Kartoffel-Gratin allerhöchstens mal ein paar Möhrchenscheiben darin versteckt).

18:00
 
Besser als die Auflaufform wäre eine Gratin-Form gewesen, zu viel Milch benötigt heute, um alles zu bedecken. 
Trotzdem lecker, auch wenn der Liebste sich eine Mettwurst dazu gewünscht hätte.

20:15

Der Tatort ist richtig gut. Finde ich. Als er ohne Auflösung zu Ende geht, findet der Liebste das nicht mehr und schimpft vor sich hin. Da ich vorher schon um die Parallele zum echten Fall Bögerl wusste, überrascht mich das jetzt nicht mehr. Kopfschüttelnd darüber, dass sich die Leute allen Ernstes über eine Eilmeldung im heiligen Tatort aufregen, gehe ich ins Bett. 
 

Donnerstag, 2. November 2017

Erwischt.


Eins der Mädchen habe ich eben im Lidl beim Einkaufen gesehen. Im Fitnessstudio grüßt sie nicht, wie so viele andere der traurigen Gestalten. Ich hab das früher auch so gehalten, Hauptsache von niemandem in ein Gespräch verwickelt werden, Hauptsache das Programm schnell abspulen, Hauptsache die Geschwindigkeit auf dem Laufband nicht runterfahren müssen, nur weil jemand hartnäckig freundlich ein Gespräch beginnen will und vielleicht Antworten verlangt, wo doch kein Fitzelchen Luft übrig ist.

Sie kommt morgens rein, wenn ich bei Minute 11 angelangt bin. Knappe zwei Kilometer bin ich dann gerannt. Manchmal höre ich schon bald wieder auf zu laufen. Drei Kilometer reichen mir manchmal - einfach weil ich keine Lust mehr habe. Nur kurz muss ich dann noch mit mir streiten - und anders als vor zwei, drei Jahren habe ich im Tagesverlauf bald vergessen, wie weit ich morgens gerannt bin, fühle mich wach und erfrischt, egal ob es zwei,drei oder fünf Kilometer waren. Welch eine Freiheit ich mir da erkämpft habe. 
Wenn ich ehrlich bin, weiß ich natürlich nicht, ob sie wirklich krank ist. Geschweige denn, ob sie wirklich traurig ist. Ich ziehe da ganz schön viele Schlüsse, zu denen ich nicht berechtigt bin. Die Uhrzeit ihres täglichen Trainings, ihr Äußeres, ihr Gesichtsausdruck und die Legging, deren pfeilförmiges Muster wie ein Hilferuf auf die viel zu große Lücke zwischene ihren Oberschenkeln zeigt, verleiten mich dazu. 

Natürlich hat sie mich auch erkannt. Wenn man sich alle zwei Tage über den Weg läuft, erkennt man sich auch, wenn man entgegen der Routine mal Mascara trägt und halbwegs ordentlich gekleidet ist.
Direkt hinter ihrem Einkauf lege ich meine Sachen aufs Band. Sehr ordentlich hat sie zuckerfreies Kaugummi, Buttermilch und zuckerfreie Bonbons auf das Band gelegt. 

Ich stehe nur einen halben Meter von ihr entfernt. Aber sie grüßt auch bei Lidl nicht, obwohl ich Blickkontakt suche. Stattdessen erwische ich sie dabei, wie sie meinen Einkauf scannt, der einen für uns üblichen Mix aus Gemüse, Joghurt, Schoki, Nudeln, Milch, Dosentomaten enthält. Auch zwei Brötchen, mein Abendessen. Ich fühle mich ertappt. Dieser Einkauf sieht so fürchterlich normal aus. Viel zu normal. Plötzlich bin ich froh, dass es T.s Lieblings-TK-Pizza heute nicht gab, sonst läge auch diese jetzt auf dem Band.

Als sie bezahlt hat und sich zum Gehen umdreht, sehe ich die Sporthose unter ihrem langen Wollmantel hervorgucken. Und die Turnschuhe an ihren Füßen. Offenbar kenne ich nur einen Teil ihrer täglichen Sportroutine.

Als ich im Auto sitze, habe ich plötzlich so großen Hunger, dass ich (leicht illegal) vor unserem Haus parke, statt einen Parkplatz zu suchen. Noch in Jacke belege ich die erste Hälfte meines Brötchens.