Montag, 25. September 2017

Fortgeschritten

Wie schon berichtet wurde ich relativ nahtlos in die nächste Ehrenamts-Situation geschubst. Ich hing und hänge noch immer an dem Gedanken, dass ein Ehrenamt kein Job ist, bei dem sich ein Projekt an das nächste reiht bzw. reihen sollte. Aber auch hier gibt es Randbedingungen wie Versicherung der Ehrenamtler, Budgets (natürlich nicht zur Bezahlung der Ehrenamtler, die arbeiten ja ohne monetäre Entlohnung, wer hätte das gedacht, aber dennoch gibt es eine Person, die sich Vollzeit um das Ehrenamt-Projekt kümmert, darüber hinaus werden den Ehrenamtlern Bücher zur Verfügung gestellt und ab und an eine Schulung), eine begrenzte Anzahl von Räumen und und und.
Also stürze ich mich noch einmal in das Abenteuer und hoffe, dass meine Kräfte reichen und die sich mit der zunehmenden Dunkelheit der Tage andeutende Wiederkehr des ein oder anderen Tiefs nicht bewahrheitet, und ich das auch den Winter über durchstehe - nach Feierabend noch mal los, wenn es draußen schon dunkel ist, kalt und bäh.
Nach dem Kennenlernen letzte Woche fand heute die erste offizielle Stunde statt. Irgendwie war ich aufgeregter als damals bei Roza, vielleicht auch, weil ich direkt zwei Personen zusammen betüddeln müsste. Nicht zuletzt hatte ich seit gestern Abend darüber nachgedacht: Wahl ansprechen oder nicht? Und war bis zum Betreten des Klassenraums zu keinem Entschluss gekommen.  Irgendwie war mir dann aber sofort klar, dass G., deren Mann an der Uni arbeitet, so weltgewandt ist, dass sie zumindest mitbekommen haben würde, dass da eine Wahl stattgefunden hatte. So fragte ich beide, ob sie wüssten, was gestern gewesen sei, und ja: Sie wussten es. Nicht das Wort "Wahl" oder gar "Bundestagswahl",  aber ich war wirklich begeistert zu hören, dass auch A., seit nicht mal einem Jahr in Deutschland, das Wort "Partei" kannte und sogar die CDU. Sie hatte gestern mit ihrem Mann deutsches Fernsehen geguckt (hm, kennt jemand den Sender DW??) und das Ergebnis nicht so richtig kapiert, aber immerhin! Sie wurde dann total aufgeregt und fragte, ob denn bloß die CDU gewonnen habe. Die CDU, sagte sie, will, dass wir die Sprache lernen und arbeiten gehen. Mit der Forderung war sie sichtlich zufrieden. Also sprachen wir über das Ergebnis, ich erklärte, dass die CDU schon gewonnen habe, aber irgendwie auch nicht und zeichnete grob die Bundestagsverhältnisse auf. G. hatte durch ihren Mann von der AfD gehört, also besprachen wir - soweit die Worte reichten - wofür diese Partei steht und wofür nicht. In einem ehrenamtlichen Sprach-Hilfs-Kurs - kannste dir echt nicht ausdenken. Besonders entsetzt waren sie nicht über die 13%, ich bin mir aber auch nicht sicher, inwieweit sie die deutsche Geschichte kennen. Und sowieso: Was sind schon Zahlen, wenn einem beim Studieren in der Uni schon mal Bomben auf den Kopf gefallen sind.
Die übrige Zeit widmeten wir uns den Themen, die man für die erste Stunde so vermuten würde:  Familie, Anzahl Geschwister, und und und. Fast schon langweilig. Aber schon jetzt wird der Vorteil eines Kurses zu dritt klar: Man kann Fragen quasi im Dreieck stellen, sodass jeder mal fragt und antwortet, ohne dass es ein langweiliges Ping-Pong ist. Sehr angenehm.

Nach dem Einstieg heute, der eher für Fortgeschrittene (auf beiden Seiten) war, bin ich einigermaßen zuversichtlich, das noch mal hinzukriegen. 


Falls jemand Interesse bekommen hat, durch ehrenamtliches Engagement lernbegierigen Menschen Unterstützung zu bieten und nicht zuletzt das Gefühl, hier willkommen zu sein: Ähnliche Projekte gibt es in vielen Städten. Für Aachen empfehle ich die Sprachenakademie.



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