Donnerstag, 21. September 2017

Und wieder auf Null

Ein Ehrenamt ist auch nur ein Job. An die Konsequenzen, die damit einhergehen, muss ich mich erst gewöhnen. Irgendwie war es ja erst gestern, dass ich Roza kennen gelernt habe. Ihr Integrationskurs ist beendet, ihr "Anspruch" (natürlich ist es kein echter Anspruch, sondern auch ein bisschen Glück, in das Programm aufgenommen zu werden) auf ehrenamtliche Unterstützung erloschen. Besonders doof ist aber, dass die Sprachenschule zur Zeit keine Kapazitäten mehr hat, Wiederholerkurse anzubieten. Somit ist die Hürde für Roza, einen solchen noch einmal zu belegen, natürlich höher, als würde es einfach relativ nahtlos am bekannten Ort, mit ggf. bekannten Lehrern etc. stattfinden. Nein, leider nein. 
Somit besprach ich mit ihr, dass ich ihr einen Termin zur Beratung in einer alternatien Sprachschule vereinbaren würden. Der Termin stand, leider während meines Urlaubs, aber extra so gelegt, dass ihr Mann sie begleiten konnte, per whatsapp teilte ich ihr Ort und Zeit mit. 
Und: Sie ging nicht hin. Auf meine Nachfrage teilte sie mir mit, sie habe keine Adresse gehabt, nachweislich stand die im selben Text wie die Uhrzeit, nun gut. Ich gestehe ihr zu, dass es möglich ist, eine Adresse zu überlesen, aber dennoch habe ich selten so große Frustration verspürt wie in dem Moment. Ich schrieb der Sprachschule per Mail eine Entschuldigung für den geplatzten Termin und händigte Roza die Telefonnummer aus, unter der sie einen neuen Temrin vereinbaren könnte, wenn sie möchte. Seitdem versuche ich krampfhaft mich davon zu distanzieren, mich dafür verantwortlich zu fühlen, ihr nicht genug Motivation übermittelt zu haben, oder ihr sogar den Spaß am Deutsch-Lernen verdorben zu haben? Wir hatten in unseren gemeinsamen Stunden eigentlich immer viel Spaß und haben viel gelacht... An dieser Stelle reichen meine pädagogischen Laien-Kenntnisse eben nicht mehr aus, das versuche ich nun so zu akzeptieren. Ab und zu schreiben wir per whatsapp und bestimmt werde ich sie noch einmal besuchen. Als Ehrenamt vom Ehrenamt sozusagen.

Nun, das Ehrenamt ist ein Job. Ist das eine Projekt "fertig", kommt das nächste. Die emsige Projektleiterin der Ehrenamtsache hatte mich zeitgleich mit Rozas beendetem Unterricht gefragt, ob ich wieder jemaden zugeteilt bekommen möchte. Ich sagte kurzerhand ja, mit einem schlechten Gewissen Richtung Roza, und hatte am selben Tag noch den Vorschlag, im Mail-Postfach, es doch einmal mit A. und G. zu probieren. In einer Kleingruppe, Fokus aufs Sprechen. Roza war doch kein Projekt, denke ich... ich MUSS ihr doch noch so viel beibringen, erklären, zeigen, ...Wer soll das machen, wenn nicht ich?

Gestern dann lernte ich die beiden Neuen kennen, A. aus Syrien, G. aus Pakistan. Zwei wunderbare junge Frauen, A. mit 8 Monaten in Deutschland schon jetzt besser als Roza nach beinahe 2 Jahren. G. sehr still, dafür mit sehr guter Grammatik schon und einem großen Wortschatz. Sie ist schon länger in Deutschland, ihr Mann promoviert an der RWTH, und hat sie vor zwei Jahren hergeholt. Ihre Lehrerinnen waren jeweils dabei, wie damals bei Roza auch. Ein Deja-vu und die Frage: Schaff ich das noch mal?  

Als T. nach Hause kommt und fragt, sag ich "Nein, keine Kraft"
- und schreibe eine E-Mail: "Ja, ich mach´s". 

Mein schlechtes Gewissen treibt mich, Roza mal wieder bei whatsapp zu schreiben. Ihr gehe es gut, schreibt sie. Nein, einen Sprachkurs belege sie jetzt erst mal nicht.

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