Mittwoch, 30. August 2017

Alt.

Mein Chef fragte mich nach meinem Geburtstag, ob ich nun eine Sinnkrise hätte, so mit dreißig. Vermutlich fragte er das, weil er zwei Wochen zuvor fünfzig geworden war. Als Wendepunkt hat sich mir der runde Geburtstag nun noch nicht präsentiert.
(Ehrlich gesagt ist mir vieles aus der Kindheit noch so präsent... Neulich überlegte ich kurz, welchen Tag haben wir heute, und dann zündeten plötzlich irgendwelche sehr sehr alten Synapsen in meinem Kopf, denn der nächste Gedanke war: Ah, Donnerstag, heute ist die neue Micky Maus in der Post. Kurzes Innehalten und Kopfschütteln. Bitte glauben Sie mir, dass die Micky Maus zu meinen Abonemments gehörte, ist wirklich schon 20 Jahre her. Also, das Gehirn ist eine wirklich spannende Sache.)
Wieso ich drauf komme... wir haben heute Konzertkarten für die Toten Hosen gekauft. Nach 40 Minuten hatten wir uns durch das Stop und Go des Servers gekämpft, parallel telefonierend, da der Liebste noch im Büro war. Und zum ersten Mal werde ich ein Konzert besuchen, indem ich auf einem Sitzplatz sitze. Ich bin mir sehr sicher, dass es mir im Stehraum bei einem Konzert dieser Art gruseln würde. In Menschenmaassen, die sich unkontrolliert bewegen, fühle ich mich SEHR unwohl. Zu stehen, wenn dagegen alle nur auf ihrem halben Quadratmeter rumschunkeln, damit habe ich gar kein Problem. Erstaunlicherweise unterscheiden sich auch die Preise nicht zwischen den Steh- und Sitzplätzen. Also, was soll der Geiz.
Ich freu mich. 

Nun, und weil ich so alt und weise inkonsequent bin, habe ich nun doch noch meine Mutter getroffen. Die Überlegung war letztendlich diese:Ich bin nun so gefestigt, meine Erwartungshaltung so auf Null herabgefahren, dass ich mir dieses Treffen nun doch leisten könnte und auf diese Weise dauerhaftes Grübeln ersparen würde "hätte ich nicht doch, was ist wenn was passiert, vielleicht ginge es mir besser, wenn..."
Nun. Sie kam auf einen Kaffee und blieb für einen Kaffee. Keine großen Überraschungen, muss ich sagen. Ein Gespräch kam durchaus zu stande, dafür ist es einfach zu normal, der Mutter gegenüber zu sitzen. Jedoch waren die Entschuldigungen recht knapp, und meine Bereitschaft, Entschuldigungen anzunehmen, nun endlich restlos erschöpft. Das habe ich gemerkt. Ich bin so müde und spüre weder dieses Gefühl "Oh, jetzt wird alles gut", wie so viele male zuvor, noch Angst bei dem Gedanken, dass diese Frau wohl nie mehr eine Stütze in meinem Leben sein wird. Sie denkt jetzt, ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie bei 4 Terminen, die ich ihr für ein Treffen angeboten habe, den fünften 😉 wählte, für den sie ein Freundinnentreffen um ein paar Stunden verschob, während ICH einen Termin absagen musste. Ach, aber who cares... Ich bin zu alt für den Scheiß! 


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