Dienstag, 22. August 2017

30

Ja ich bin jetzt auch dreißig. Es ist doch witzig, wie viel Wert viele Menschen auf diese runde Zahl legen. Mich persönlich hat es in der Überlegung, wie ich meinen Geburtstag verbringe, wenig bis gar nicht beeinflusst. Zunächst wollte ich einfach absolut rein gar nichts machen. Mit der Familie ist es nun einmal schwierig. Und obwohl es keinen offenen Konflikt mit meiner Schwester gibt, ist mir das im Moment einfach alles zu heiß und aufgeladen und ich hab einfach keine Lust. So lud ich auch meinen Bruder und seine Familie nicht ein, sondern fragte lediglich meine Schwiegermutter, ob sie Lust hätte auf ein Käffchen vorbei zu kommen. Selbst T.s Bruder hatte eine Verpflichtung bei einem Umzug und so hatten wir relativ viel Kuchen für uns drei und die Kollegen am Montag auch noch was davon. 
Ehrlich gesagt war der Tag mäßig, obwohl T. mich nach meiner Laufrunde mit einem schönen Geburtstagstisch erwartete, obwohl sehr sehr viele Menschen an mich gedacht haben, zum Teil Päckchen geschickt haben und T. sich bemühte, jede entstehende Lücke zu schließen. Zusammenfassend muss ich aber sagen: Ein Geburtstag, an dem die Mutter nicht anwesend und 10.000km entfernt ist, ist einfacher als ein Geburtstag, an dem die Mutter nur 100km entfernt ist und trotzdem nicht da. Irgendwann als der Kaffee leer, der Kuchen angeschnitten und nicht mehr ganz so hübsch war, und T.s Mutter eine etwas unbedarfte Bemerkung machte, dass sie T. als Mutter natürlich seinen Anzug für die Hochzeit schenken wolle, war es dann kurz überkritisch und ich musste mal kurz auf Toilette. Nicht nur wegen dem fehlenden Mutter-Tochter-Ding. Auch weil ich mit dem Thema Brautkleid, quasi dem Anzug-Pendant, wirklich meine Probleme und insgeheim Angst davor habe, T. mit der Schlichtheit, Einfachheit und dem Anti-Prinzessinen-Stil, die mir so vorschweben, enttäuschen könnte. (Und falls Sie fragen: Ja, jeder Mann sagt, ich würde dich auch heiraten, wenn du einen Kartoffelsack tragen würdest. Und ich habe wirklich keinen Grund, daran zu zweifeln.)
Es flossen ein paar Tränen, aber ich bin froh, gemeinsam mit T. erkannt zu haben, dass eine dann doch emotionalere Situation als gedacht, wie es ein Geburtstag offenbar darstellt, nicht der richtige Zeitpunkt ist, um Spontan-Entscheidungen hinsichtlich Familienzusammenführung zu treffen. Sonntag war ich dann froh drum und mir wieder in meiner eigenen Haut ein bisschen wohler.

Gut eine Woche vor meinem Geburtstag hatte ich mich aber doch noch spontan  entschlossen, ein paar Freunde auf den Montagabend einzuladen. So oft schon haben wir gedacht, dass unsere Premium-Aussicht vom Balkon durchaus ein Grund wäre, mal Leute zum Feuerwerk-Gucken einzuladen und so bot sich das zwei Tage nach meinem Geburtstag wirklich an. Nur am Rande: für mich ist das Feuerwerk ja schlicht und einfach die Entschädigung der Anwohner für die vorangegangene Kirmes mit Lärm, Parkplatz-Not und Menschen mit Gruselfaktor auch außerhalb der Geisterbahn. 
Naja. Kurz nachdem ich die Einladung ausgesprochen hatte, kündigte sich mein Projektpartner an ("Bitte nennen Sie uns passende Termine in KW 34-36",- Gerne machen wir. - "Ja eigtl. geht bei uns nur der 21.8." äähm das hätten wir auch einfacher haben können). Da der Termin aber um 10 uhr beginnen sollte, sah ich dem ganzen positiv entgegen und war mir sicher, dann nach dem Mittag nach Hause gehen zu können, um den Abend weiter votbereiten zu können. Freitag aber wurde dann ganz spontan und ohne Rückfrage, ob das in Ordnung wäre, der Zeitplan gekippt. Meine Besprechung würde erst am Nachmittag stattfinden und ...."hey wir haben nach hinten raus alle Zeit der Welt".  Geil. Weniger als Zeitdruck kann ich unkalkulierbaren Zeitdruck leiden und so bereitete ich alles für den worst case vor. Alle Häppchen wurden Sonntag vorbereitet, die Wohnung auf Hochglanz gebracht und das Bier kalt gestellt, sodass ich im Notfall nur noch den Backofen an und mich unter die Dusche hätte stellen müssen, um die Gäste zu empfangen. 
Lief dann viel cremiger als gedacht. Um 15 Uhr war ich mit dem Meeting durch. Ganz unauffällig hatte ich vorgeschlagen, die gelieferten Schnittchen doch einfach nebenbei zu essen (Aber: Nehmen Sie dann KEIN Mohnbrötchen. KEIN Mohnbrötchen sage ich Ihnen. Sie werden den Rest der Besprechung nicht mehr froh) und auch sonst war ich ... mh...ich glaube effizient. Unser  Geschäftsführer sprach mir heute über meinen Chef als Sprachrohr für das Meeting das dickste Lob aus, das ich bisher gehört habe, und manchmal frage ich mich echt, warum ich nicht EINFACH mal anfange, alles etwas lockerer zu sehen. Denn offenbar hätte es drei Tage Sorgen wegen "Wie krieg ich alles geregelt" nicht gebraucht.
Die Feier gestern Abend war nämlich dann auch einfach wunderschön. Ich hatte die liebsten Freunde um mich, bekam die grandiosesten Geschenke (Ein Sortiment an exquisiten Kaffeebohnen, Tabu XXL, ein riesen Set um selber Brot zu backen inkl. Pizzastein)  sowie eine Tarte au Citron, die so genial war, dass ich vor dem Schlafengehen NOCH ein Stück essen musste/wollte/konnte. Alle Gäste wurden von unseren Häppchen satt, das Bier reichte, die Frisur saß und das Feuerwerk war dann für unsere Gäste eine tolle Überraschung.









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