Sonntag, 30. Juli 2017

Cousinen



Frau U.R aus A hatte gestern Besuch, so kam ich ins Grübeln über die Verhältnisse von Cousins und Cousinen zueinander. 


Wie unterschiedlich Familienstrukturen doch sein können. Obwohl es drei Brüder meines Vaters gibt sowie einen Bruder meiner Mutter, habe ich nur zwei Cousinen. T. dagegen hat bei derselben Anzahl an Onkeln/Tanten insgesamt sieben Cousinen und Cousins. Bemerkenswerter ist noch die Streuung des Alters. Meine Cousinen sind gute 10 Jahre älter als ich, T.s jüngste Cousinen sind 10 und 13. So kommt es, dass meine Cousinen beide jeweils zwei Kinder haben und diese Kinder quasi so alt sind wie T.s Cousinen, na gut fast. T.s andere Cousins und Cousinen sind dagegen in einem ähnlichen Alter wie wir.

Das Erstaunliche hieran ist, dass zu diesen etwa gleichaltrigen Cousins und Cousinen nie so ein richtiger Draht entstanden ist. Ob das an dem jeweiligen Verhältnis der Eltern untereinander liegt, kann ich nicht sagen. Klar ist, dass T. und sein Bruder immer ein wenig die Vorzeige-Jungs waren mit guten Schulnoten, keinen Eskapaden, die über das übliche pubertäre Maß hinausgingen, und altersgerechter Entwicklung inkl. Verlassen des Elternhauses, durchgezogenem Studium, Berufseinstieg, etc.  T.s Eltern haben das Glück, das sie mit den beiden hatten, nie als selbstverständlich angenommen, sondern immer betont, dass nicht nur die Tatsache, dass die beiden nie größeren Anlass zum Eingreifen oder zur Sorge, ja nicht einmal für Hausarrest gaben, sondern auch das Verhältnis der beiden untereinander ein Geschenk sei. Gleichzeitig boten sie ihren Geschwistern immer Rat und Hilfe an, wenn es mit deren Kindern Probleme oder Sorgen gab, nahmen den ein oder anderen Neffen auch mal zur Entkrampfung bei Spannungen in den Schulferien zu sich.

Für mich, die ich die Familie nun seit über 8 Jahren kenne, sieht es nicht so aus, als sei Konkurrenzkampf oder Neid auf dem Rücken der Kinder ausgetragen worden. Dennoch ist das Verhältnis zu den kleinen Cousinen deutlich inniger und kontinuierlicher. Vergleiche anzustellen, darauf kommt bei dem Altersunterschied eben niemand, und so sind T., sein Bruder und ich die letzten Jahre für die beiden Mädels immer den Unterhaltungshut auf. Auf Familienfeiern waren wir regelmäßig die, die als Favoriten für das neue Gesellschaftsspiel oder zum Aufbauen des neuen Lego-Modells auserkoren wurden. Das nahmen wir auch bereitwillig auf uns und hatten immer reichlich Spaß mit den beiden.

Vor zwei Wochen besuchten die beiden mit ihren Eltern nun T.s Mutter. Zum Grillen fuhren wir dann ebenfalls dahin und – wow: Die Große ist jetzt irgendwie auf der Kippe zur Pubertät. Zwar wurden wir immer noch total herzlich und kindlich geküsst, als wir ankamen, ganz so cool war sie dann doch noch nicht, aber im Lauf des Abends merkte man dann, dass trotz T.s und meiner realen Anwesenheit die Freundinnen per whatsapp mindestens genauso spannend waren. Die Kleine eifert natürlich der Schwester nach und fand dann auch eher spannend, was ihre Schwester ihr an Videos auf dem Handy zeigte. Wir fanden das von außen zu betrachten wirklich sehr süß, auch, dass der zuvor angehimmelte Papa jetzt eher peinlich zu werden scheint. Wird eine der beiden einmal zur Schule gefahren, dann jedenfalls nicht mehr bis zum Schultor.

Ein bisschen erleichtert waren wir dann doch, als wir nach dem Essen doch noch gefragt wurden, ob wir denn „Alleswisser“ mitspielen. Puh. Glück gehabt. 


Und meine Cousinen? Ich erinnere mich, dass ich die beiden als Kind völlig angehimmelt habe. Insofern spiegelt sich das Verhältnis von T.s Cousinen zu uns da ein wenig. Meine Cousine S. war mit ihren häufigen Schüleraustauschen nach Spanien, England, etc, den später während des Studiums für damals noch gar nicht so selbstverständlichen Auslandsaufenthalten in Peru und Spanien schon immer meine Heldin. Als sie dann auch noch ihr Geographie-Studium schmiss, um doch wie ihr Vater Kinderärztin zu werden, sowieso. Zunächst zeichnete sie mir quasi den Weg vor, den ich auch einschlagen wollte. Und erst als ich etwas älter wurde, konnte ich an ihrem Beispiel auch die tägliche psychische Belastung und Konsequenzen für den Aufbau einer eigenen Familie mitansehen, die der Beruf der Ärztin, insbesondere im Klinikalltag mit sich bringen würde. Nicht allein das, aber auch dies führten irgendwann dazu, dass ich mich stückweise von meinem seit Kindestagen an gehegten Berufswunsch verabschiedete. Und auch wenn ich mit der Wahl meines Studiums zufrieden bin, mir viele viele Wege eröffnet zu haben, ist irgendwo in meinem Kopf noch immer der Gedanke „Was wäre gewesen, wenn“. Sicher ist: Ich hätte T. wohl nicht kennen gelernt, denn ich hätte sehr wahrscheinlich in Heidelberg und nicht in Aachen studiert. Das unterbricht das Gedankenkarussel dann recht schnell ;-) 


Meine Cousine S. und ich haben trotz des Altersunterschieds aber so unglaublich viele Gemeinsamkeiten, dass wir mittlerweile trotz der unterschiedlichen Familiensituationen gegenseitig gute Ratgeber geworden sind. Im Gegensatz zu meiner Schwester ist der Vorteil der, dass nicht alles irgendwie am Ende doch wieder mit den Eltern zusammenhängt. Diese teilen meine Cousine S. und ich ja gerade nicht miteinander, und das hält unser Verhältnis auf eine gewisse Art unbelastet. Man kennt sich sehr gut, kennt alle familiären Verbandelungen, aber ist doch irgendwie unterschiedlich sozialisiert worden. Für mich ergaben sich hieraus schon sehr viele wertvolle Aha-Erlebnisse.

Ich erwarte bei T.s Cousinen eine ein paar Jahre andauerndes abflauendes Interesse an uns, aber spätestens wenn die beiden dann die Pubertät hinter sich haben, hoffe ich, dass sich dann wieder eine schöne gemeinsame Ebene finden lässt.

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