Sonntag, 30. Juli 2017

Cousinen



Frau U.R aus A hatte gestern Besuch, so kam ich ins Grübeln über die Verhältnisse von Cousins und Cousinen zueinander. 


Wie unterschiedlich Familienstrukturen doch sein können. Obwohl es drei Brüder meines Vaters gibt sowie einen Bruder meiner Mutter, habe ich nur zwei Cousinen. T. dagegen hat bei derselben Anzahl an Onkeln/Tanten insgesamt sieben Cousinen und Cousins. Bemerkenswerter ist noch die Streuung des Alters. Meine Cousinen sind gute 10 Jahre älter als ich, T.s jüngste Cousinen sind 10 und 13. So kommt es, dass meine Cousinen beide jeweils zwei Kinder haben und diese Kinder quasi so alt sind wie T.s Cousinen, na gut fast. T.s andere Cousins und Cousinen sind dagegen in einem ähnlichen Alter wie wir.

Das Erstaunliche hieran ist, dass zu diesen etwa gleichaltrigen Cousins und Cousinen nie so ein richtiger Draht entstanden ist. Ob das an dem jeweiligen Verhältnis der Eltern untereinander liegt, kann ich nicht sagen. Klar ist, dass T. und sein Bruder immer ein wenig die Vorzeige-Jungs waren mit guten Schulnoten, keinen Eskapaden, die über das übliche pubertäre Maß hinausgingen, und altersgerechter Entwicklung inkl. Verlassen des Elternhauses, durchgezogenem Studium, Berufseinstieg, etc.  T.s Eltern haben das Glück, das sie mit den beiden hatten, nie als selbstverständlich angenommen, sondern immer betont, dass nicht nur die Tatsache, dass die beiden nie größeren Anlass zum Eingreifen oder zur Sorge, ja nicht einmal für Hausarrest gaben, sondern auch das Verhältnis der beiden untereinander ein Geschenk sei. Gleichzeitig boten sie ihren Geschwistern immer Rat und Hilfe an, wenn es mit deren Kindern Probleme oder Sorgen gab, nahmen den ein oder anderen Neffen auch mal zur Entkrampfung bei Spannungen in den Schulferien zu sich.

Für mich, die ich die Familie nun seit über 8 Jahren kenne, sieht es nicht so aus, als sei Konkurrenzkampf oder Neid auf dem Rücken der Kinder ausgetragen worden. Dennoch ist das Verhältnis zu den kleinen Cousinen deutlich inniger und kontinuierlicher. Vergleiche anzustellen, darauf kommt bei dem Altersunterschied eben niemand, und so sind T., sein Bruder und ich die letzten Jahre für die beiden Mädels immer den Unterhaltungshut auf. Auf Familienfeiern waren wir regelmäßig die, die als Favoriten für das neue Gesellschaftsspiel oder zum Aufbauen des neuen Lego-Modells auserkoren wurden. Das nahmen wir auch bereitwillig auf uns und hatten immer reichlich Spaß mit den beiden.

Vor zwei Wochen besuchten die beiden mit ihren Eltern nun T.s Mutter. Zum Grillen fuhren wir dann ebenfalls dahin und – wow: Die Große ist jetzt irgendwie auf der Kippe zur Pubertät. Zwar wurden wir immer noch total herzlich und kindlich geküsst, als wir ankamen, ganz so cool war sie dann doch noch nicht, aber im Lauf des Abends merkte man dann, dass trotz T.s und meiner realen Anwesenheit die Freundinnen per whatsapp mindestens genauso spannend waren. Die Kleine eifert natürlich der Schwester nach und fand dann auch eher spannend, was ihre Schwester ihr an Videos auf dem Handy zeigte. Wir fanden das von außen zu betrachten wirklich sehr süß, auch, dass der zuvor angehimmelte Papa jetzt eher peinlich zu werden scheint. Wird eine der beiden einmal zur Schule gefahren, dann jedenfalls nicht mehr bis zum Schultor.

Ein bisschen erleichtert waren wir dann doch, als wir nach dem Essen doch noch gefragt wurden, ob wir denn „Alleswisser“ mitspielen. Puh. Glück gehabt. 


Und meine Cousinen? Ich erinnere mich, dass ich die beiden als Kind völlig angehimmelt habe. Insofern spiegelt sich das Verhältnis von T.s Cousinen zu uns da ein wenig. Meine Cousine S. war mit ihren häufigen Schüleraustauschen nach Spanien, England, etc, den später während des Studiums für damals noch gar nicht so selbstverständlichen Auslandsaufenthalten in Peru und Spanien schon immer meine Heldin. Als sie dann auch noch ihr Geographie-Studium schmiss, um doch wie ihr Vater Kinderärztin zu werden, sowieso. Zunächst zeichnete sie mir quasi den Weg vor, den ich auch einschlagen wollte. Und erst als ich etwas älter wurde, konnte ich an ihrem Beispiel auch die tägliche psychische Belastung und Konsequenzen für den Aufbau einer eigenen Familie mitansehen, die der Beruf der Ärztin, insbesondere im Klinikalltag mit sich bringen würde. Nicht allein das, aber auch dies führten irgendwann dazu, dass ich mich stückweise von meinem seit Kindestagen an gehegten Berufswunsch verabschiedete. Und auch wenn ich mit der Wahl meines Studiums zufrieden bin, mir viele viele Wege eröffnet zu haben, ist irgendwo in meinem Kopf noch immer der Gedanke „Was wäre gewesen, wenn“. Sicher ist: Ich hätte T. wohl nicht kennen gelernt, denn ich hätte sehr wahrscheinlich in Heidelberg und nicht in Aachen studiert. Das unterbricht das Gedankenkarussel dann recht schnell ;-) 


Meine Cousine S. und ich haben trotz des Altersunterschieds aber so unglaublich viele Gemeinsamkeiten, dass wir mittlerweile trotz der unterschiedlichen Familiensituationen gegenseitig gute Ratgeber geworden sind. Im Gegensatz zu meiner Schwester ist der Vorteil der, dass nicht alles irgendwie am Ende doch wieder mit den Eltern zusammenhängt. Diese teilen meine Cousine S. und ich ja gerade nicht miteinander, und das hält unser Verhältnis auf eine gewisse Art unbelastet. Man kennt sich sehr gut, kennt alle familiären Verbandelungen, aber ist doch irgendwie unterschiedlich sozialisiert worden. Für mich ergaben sich hieraus schon sehr viele wertvolle Aha-Erlebnisse.

Ich erwarte bei T.s Cousinen eine ein paar Jahre andauerndes abflauendes Interesse an uns, aber spätestens wenn die beiden dann die Pubertät hinter sich haben, hoffe ich, dass sich dann wieder eine schöne gemeinsame Ebene finden lässt.

Freitag, 28. Juli 2017

Settimana - aber subito KW30/2017

Die Woche begann müde! Die Hochzeit, auf der wir am Wochenende waren, war fantastisch, aber nahm eben auch das gesamte Wochenende ein. Und so schön es war, mit unseren besten Freunden die ganze Nacht durchzutanzen - der Montag fühlte sich nicht besonders gut an. 
Für dieses Wochenende hatte ich mir ein paar Ziele gesetzt.
  • Tanz, als gäbe es kein morgen
    Hab ich gemacht. Von 11 Uhr bis 4.30 Uhr war ich die meiste Zeit auf der Tanzfläche. Ich guckte nicht auf die Uhr und dachte dementsprechend auch nicht an morgen, das ja eigentlich schon die meiste Zeit "heute" war.
  • Mit einem alkoholischen Getränk anstoßen
    Hab ich auch gemacht. Nachdem ich mir mit ein paar Cola Light Mut angetrunken hatte, flüsterte ich meiner Freundin ins Ohr "Du, holen wir uns was zu trinken?", sie "Waaaaaaah, was Alkoholisches??" und dann rannte sie auch schon Richtung Bar. Ein Glas Weinschorle reichte dann auch, um mir zu zeigen: Die Welt geht nicht unter, sondern wird einfach ein bisschen bunter.
Es war ein tolles Fest, und da ich die Überraschung, die unser Freundeskreis schenkte, maßgeblich mitgestaltet hatte, hatte ich soagr mal seit langem wieder das Gefühl, eine gute Freundin zu sein. Das gab´s schon länger nicht mehr.

Der Rest der Woche verlief dann ungefähr so: 

Montag und Regen, 
Dienstag und Regen, 
Mittwoch und Regen, 
Donnerstag und Regen, 
Freitag 
Mit Kundenbesuch im Vormittag, der die Zeit verfliegen ließ, und ab 12 Uhr Zapfenstreich zwecks Grillfest konnte man den Freitag wirklich aushalten. 


Jetzt freue ich mich so unfassbar, dass morgen nichts außer Treppenhaus-Putzen auf der Agenda steht! 


Gute Nacht ! 






 

Mittwoch, 26. Juli 2017

Die gute alte Pro- und Kontra-Liste

Irgendwie denke ich immer, mein Kopf wäre in der Lage, diese Kategorisierung von Vor- und Nachteilen in einer Entscheidung locker hinzukriegen, ohne sich selbst dabei auszutricksen. Aber irgendwo zwischen Kopf und Hand muss es da einen Bias geben, der dazu führt, dass ich nicht ganz so rational bin, wie ich mir vorstelle zu sein, solange ich die Argumente nicht wirklich niederschreibe.
Als mein Opa, der Vater meiner Mutter vor einigen Wochen gestorben ist, fühlte ich mich sehr erwachsen damit, meiner Mutter nach Monaten der Funkstille, ein paar nette Worte per E-Mail zu schreiben. Immerhin habe ich auch schon einen Vater verloren - und wie könnte ich, da ich weiß, DASS die Anteilnahme und auch WELCHE Worte mich damals ein wenig haben trösten können, ihr dies verweigern? Innerhalb kurzer Zeit antwortete sie mit einer freundlichen, dankbaren und sehr langen E-Mail. Ja, ich erkenne das Muster. Und nein, das hilft nicht. Dieser Zirkel aus Eskalation, Pause, Annäherung....Die Zeitspannen der einzelnen Stufen - einst wöchentlich abgespult- betrugen zuletzt Jahre. Immer mehr ging dauerhaft kaputt- aber gleichzeitig mit dem Gefühl, andere Menschen in meinem Leben zu haben, in die ich all meine Liebe und Hoffnung stecken kann, ohne regelmäßig enttäuscht zu werden,  wächst auch einfach der Mut zur Abgrenzung. 
Dennoch:Eine Woche später schickte ich ihr dann - zugegebenermaßen ohne viel Nachdenken oder Erwägung der Konsequenzen - ein paar Fotos von der Beerdigung und schrieb ein paar mal mit ihr hin und her. Und was soll ich sagen? Es war nett. Sie war nett. Beängstigend nett.

Und jetzt muss ich mir wieder mal klar machen, dass das noch lange nichts heißt. Und mir darüber Gewissheit verschaffen, ob ich es wagen kann, sie nett erleben zu können, ohne wieder allzu große Hoffnung in diese Beziehung zu setzen. Und ob ich überhaupt etwas Positives aus einem vielleicht sporadischem Kontakt für mein Leben gewinnen könnte. Eine Mutter, die nicht da ist, kann nicht beistehen, wenn es richtig mies läuft. Unruhe stiften über E-Mail oder whatsapp- das funktioniert aber hervorragend, dafür gab es zahllose Beispiele. 

Nun also...Die Pro- und Kontra-Liste. Mit Zettel und Papier. Vielleicht in Plakat-Format. Und T. darf korrigieren, ergänzen etc.
Andere Ideen sind willkommen. 


Donnerstag, 20. Juli 2017

Film: To the Bone

Nicht jeder Film muss immer jede Frage beantworten. Ich weiß auch nicht, wieso das ausgerechnet so oft von Filmen erwartet wird, die besonders komplexe Themen antippen. Oder liegt es einfach an der Art von Kritikern, die derartige Filme auf den Plan rufen? Oft sind diese Betroffene oder ehemals Betroffene, die ihre Krankheit als vereinfacht dargestellt empfinden. Oder es sind die, die so gar keine Ahnung haben von der Materie und nicht verstehen, wieso ein Mädchen oder Junge, das oder der vor einem vollen Teller verhungert, Thema für einen Film sein muss, wenn man doch einfach essen könnte. 
Ich hab mir den Film spontan angesehen, als ich allein zu Hause war, und ich bin wirklich nicht allzu unglücklich mit dem, was die Regisseurin und Hauptdarstellerin als beide ehemals Betroffene haben einfließen lassen.

Meiner Meinung nach ist, was der Film alles nicht zeigt, nicht das Manko, sondern sein Glück. Es gibt nicht die eine Geschiche hinter der Essstörungen, genauso wenig wie es die eine Therapie gibt oder den alleinigen Grund. Selbst innerhalb einer Person kann eine Krankheit so komplex sein, dass sie heute ein völlig anderes Gesicht hat als gestern. Wie soll das in maximal 120 Minuten passen? Und wer würde zum Beispiel behaupten, dass in einem Film über eine an Krebs erkrankte Person jegliche Ursachen, Erscheinungen, Behandlungsmöglichkeiten, Auswirkungen auf das Leben, etc. dargestellt werden müssten? Irgendwie keiner. Stattdessen begnügen wir uns ja auch hier gerne sowohl in Büchern als auch in Filmen mit stereoptyper Darstellung von Chemo (Kotzen und Haarausfall), der ewig wiederkehrenden Erkenntnis, wer die wahren Freunde sind, und - wenn es nicht gerade ein Wunder der Genesung gibt - so doch wenigstens der Versöhnung auf dem Sterbebett. 

Ich schweife ab, oder? Ich mach´s kurz:
"To the Bone" zielt, so glaube ich zumindest, gar nicht darauf ab, den Zuschauer in Sachen Essstörungen zum Experten zu machen. Eher ermutigt dieser Film, von vorschnellem Urteilen abzusehen, und nicht stur erklären zu wollen, was nicht zu erklären ist.
So viele Ansätze der Film als mögliche Auslöser für die Erkrankung der Protagonistin andeutet, mindestens so viele verschiedene Aspekte stecken hinter jeder einzelnen anderen Essstörung. Das familiäre Beziehungsgeflecht um diese Personen mag in vielen Fällen kompliziert sein, aber auch das nicht immer. Ganz zu schweigen von der Symptomatik, die in der medialen Beleuchtung selten über das Verweigern von Nahrung zum Zweck der Gewichtsabnahme hinauskommt, und damit nicht einmal einen Bruchteil von essgestörtem Verhalten wahrnimmt.

Wie einfach wäre es, dies alles zu erklären mit aktuell vorherrschenden Schönheitsidealen, denen manche eben mehr als andere hinterhereifern. 
"Do you think that´s beautiful?" fragt Ellens Stiefmutter. "No" sagt Ellen, und das ist vielleicht das wichtigste Wort des Films. 


Hier ein Link zum Offiziellen Trailer. Bitte beachten, dass der Trailer auf Grund der Darstellung von essgestörtem Verhalten u.U.  nicht für jeden geeignet ist .

Dienstag, 18. Juli 2017

Träumerei

Es ist doch erstaunlich, wie viel, intensiv, verschieden und verstörend man in 10 Minuten träumen kann. Als ich heute Morgen aufwachte und auf die Uhr guckte, hatte ich noch satte 10 Minuten bis zum Weckerklingeln. Ich mag es ja, wenn ich ein paar Minuten vor dem Wecker aufwache und Gelegenheit habe, ihn auszuschalten. Im Normalfall schlafe ich nicht mehr ein, sondern werde dann langsam wach.
Anders heute. Ich dämmerte noch mal weg und träumte....
Erst davon, eine sehr unerfreuliche Mail erhalten zu haben vom Freund meiner Schwester, in der er mir mitteilt, dass die beiden jetzt klar Partei beziehen, den Kontakt zu mir abbrechen wollten, um nicht mit meiner Mutter in kritische SItuationen zu geraten. Im Traum überkam mich dieses enorme Gefühl der Hilflosigkeit, vor dem ich mich in der realen Welt die letzten 15 Monate durch entpsrechende Selbstdisziplin habe selber schützen können. Nun war es wieder da - danke Gehirn!

Während ich eben jene E-Mail auf meinem Handy las, schaute ich aus unserem Küchenfenster, wo sich plötzlich vor meinen Augen die Serie der in Aachen und Umgebung stattfindenden Überfälle auf Geldautomaten fortsetzte. Dass gegenüber eigtl. ein Imbiss und keine Bank-Filiale ist, ist für Träume ja irrelevant... Jedenfalls waren die Täter gerade dabei, Dynamit zu platzieren, so richtig wie im Comic bei Donald Duck, als auch schon schwarz maskierte Polizisten herbeistürmten. Ich hob geradezu heldenhaft mein Handy, um die Täter auf einem Foto festzuhalten - und sogar im Traum ärgerte ich mich über meine fleckige Linse. Im Nachhinein gar nicht so logisch, denn die Polizei war ja schon vor Ort und die sind bestimmt im Erfassen von Gesichtern wackeligen Handy-Fotos deutlich überlegen. Trotzdem klingelte es dann an der Tür - und mit absoluter Sicherheit wusste ich in dem Moment, mein letztes Stündlein hat geschlagen: Da steht nun einer der Täter und ich werde dafür büßen, ihn fotografiert zu haben. 
War dann der Wecker. Ich war ein wenig erleichtert.

Anstrengende 10 Minuten Schlaf, die ich mir da noch gegönnt habe. Einen Geldautomaten-Überfall hat es heute Nacht übrigens tatsächlich gegeben - allerdings in Walheim.

Freitag, 14. Juli 2017

Settimana - aber subito KW29/2017

Die Woche war... wirklich aufwühlend, obwohl ich in der glücklichen Situation war, nur eine sehr weit von Außen Beobachtende zu sein. 
Trotzdem hatte ich den Drang, etwas zu schreiben, fragte mich später selber, wieso überhaupt, und habe noch keine Antwort. 

Dann der nächste Schreck. Statt wie üblich gegen 7.15h über den internen Chat ein "Guten Morgen" mit meiner Kollegin auszutauschen, blieb ihr Chatsymbol gestern Morgen grau. Es gibt die Menschen, bei denen man sich bei jeder Verspätung tatsächlich sorgen muss - so eine ist meine Kollegin. Auf meine SMS kommt keine Antwort, und die übrigen eintrudelnden Kollegen wissen ebenfalls nichts. Dann ist ihr Chat-Symbol plötzlich grün, ich atme auf, sage meinem Kollegen "Ah, da ist sie" und er wählt direkt ihre Durchwahl, da er für die kommende Telko noch was mit ihr klären will. Nach wenigen Sekunden wissen wir, was passiert ist: Sie war Ersthelferin bei einem Unfall, bei dem eine Person starb und eine Person sehr schwer verletzt wurde. Später erfahren wir von meiner Kollegin noch ein bisschen mehr und besonders die Tatsache, dass sie aus ihrer Haustür herausging und plötzlich in diesem Unfallgeschehen stand, macht das ganze so unfassbar. Mitten in einem Wohngebiet. Uns fällt wenig ein, um ihr beizustehen, außer zuzuhören. Gegen Mittag glaubt sie mir, dass sie sicherlich bei der Polizei anrufen darf, um zu fragen wie es der verletzten Person geht. Tatsächlich erhält sie Auskunft - keine Lebensgefahr mehr. Meine Kollegin hat ein wenig mehr Farbe im Gesicht - und bleibt tatsächlich den ganzen Tag im Büro. In der Mittagspause hat sich die Sache längst rumgesprochen, in unserer Runde werden unweigerlich Ersthelfer-Geschichten ausgetauscht. Alle sprechen von dieser absoluten Selbstverständlichkeit, Menschen auch unter Gefährdung der eigenen Sicherheit zu retten. Alle behaupten, dass dies - selbst wenn der Selbstschutz in den Kursen als höchstes Gut gepredigt wird, ein toter Helfer ist kein guter Helfer - gar keine Frage sei, sobald man einmal in solch einer Situation sei. Ob das stimmt? Ich will es niemals herausfinden müssen.

Gestern waren wir nach all dem dann endlich mal im Kino. seit über einem halben Jahr haben wir einen Gutschein für das Capitol und trotzdem wir uns regelmäßig informierten, bisher keinen Film gefunden, der uns beide ansprach. Gestern waren wir dann in "Die Erfindung der Wahrheit". Sicherlich nicht der allerbeste Film, den ic je gesehen habe, unterhaltsam aber mit einer zähen Mitte und in Anbetracht dessen, was die Realität in den USA im Moment zu bieten hat, fast ein bisschen niedlich. Naja, mir aber hat es etwas Ablenkung beschert - und Einblick in das System Lobbyismus, unter dem ich mir bisher nie viel mehr vorgestellt habe, als alte dicke Männer, die Zigarren rauchend in einen abgedunkelten Raum sitzen und Papiere hin und her schieben. 



Jetzt freute ich mich eigentlich auf ein Wochenende ohne jede Verpflichtung, da flattert dann doch noch eine Einladung ins Haus. Wieder nix mit Egmont Sommerfestival - ob ich das dieses Jahr noch schaffe? 



Mittwoch, 12. Juli 2017

Sabine aus Aachen



Ich will gewiss keinen Nachruf schreiben. Marc und Uschi haben wunderbare Worte gefunden, aber ich? Nicht einmal persönlich habe ich Sabine gekannt, und so will ich ihr nur leise meine Gedanken hinterherschreiben. Schreiben ist erst mal für mich. Keiner muss mir zuhören, ich muss nicht lauter werden, um jemanden zu erreichen, der vielleicht nicht mehr in Aachen lebt, aber genauso traurig ist. Und wer mich nicht hören will, der liest einfach nicht. Ist das vielleicht das ganze Geheimnis dieses Internet? 

Gestern ist ohne jede Ankündigung die fabelhafte Sabine gestorben. Eine Frau des Internets, die es aber eben geschaft hat, die Gemeinsamkeiten, die sich im Internet zwischen den unterschiedlichsten Menschen auftun, auf eine reale Ebene zu bringen. Wie gesagt, gesehen haben wir uns nie, räumlich gesehen am nächsten waren wir uns wohl vor anderthalb Wochen, als sie am Markt und ich in der Mostardstraße die Tour de France verfolgten. Wäre ich doch kurz rübergegangen ...Wer ist ihre Familie? Ich weiß es nicht. Ihr Alter? War mir bisher unwichtig - auf Twitter kenne ich nur "Mag ich" oder "Mag ich nicht" und Sabine gehörte für uns alle zur ersten Kategorie.
Aber was Sabine alles für die Aachener Twitteria getan hat, habe ich trotz meiner noch recht kurzen Twitterhistorie auch selbst erleben dürfen. Insbesondere Sabines wirklich grandioses Projekt Wir leben AC, bei dem ein Twitter-Account unter lokalen Twitterern reihum gegeben wird, hat mir gezeigt, welche großartigen und unterschiedlichen Menschen sich allein aus Aachen und der Region auf Twitter tummeln. Dass ich selber sogar einmal diesen Account führen durfte, hat mir wirklich viel Freude bereitet - und nicht zuletzt eine Menge interessanter neuer Menschen für meine eigene Timeline.
Ganz eindeutig kann ich sagen: Ohne Sabine sähe meine Timeline anders aus. Ich bin mir sicher, für viele andere gilt das gleiche.Und viel wichtiger: Wenn ich sehe, welche Erinnerungen gerade auf Twitter geteilt werden, hat Sabine auch das echte Leben vieler Menschen bereichert durch zahllose Aktionen und Ideen.


Schon vor meiner Twitter-Zeit las ich regelmäßig Restaurant-Kritiken auf Aachen geht essen und profitierte damit also schon lange bevor Sabine mir auf Twitter begegnete von ihrem Engagement, ohne es zu wissen. 

Das nächste Twitteressen wäre meine nächste Challenge gewesen - essen unter Menschen, die ich nicht kenne, in einem Restaurant, das ich nicht aussuche. Vielleicht wird es ein nächstes Aachener Twitteressen geben, zu Ehren Sabines. Das würde ihr gefallen, da bin ich sicher.


Ist es Zufall, dass sie auf meinem Blog den allerallerersten Kommentar hinterließ? Ausgerechnet zu einem Post, der alles vereint, was mich in den letzten Jahren so auf Trab gehalten hat: Familie, Tod, Ernährung, Genuss. Ihr erster Satz zeigt, dass sie verstanden hat, dass da bei mir alles zusammenhängt. 

Ich wünschte so so sehr, ich hätte sie persönlich kennen gelernt. Glücklicherweise bleibt eine ganze Stadt, die über sie berichten kann. Ob geschrieben, wie bei Marc - oder eben beim nächsten Twitteressen.

Sonntag, 9. Juli 2017

Wedding in the City

Gestern waren wir zu einer Hochzeit eingeladen. Nicht die allerengsten Freunde, aber so liebenswürdige Menschen, dass ich mich immer sehr sehr freue, wenn ich die beiden sehen kann. Da er - ursprünglich ein Kollege des Liebsten - nun nicht mehr am Institut ist, sind die Gelegenheiten sich zu sehen, ohne aktiv dafür werden zu müssen, leider seltener geworden.

Ob der Randbedingungen der Hochzeit hatten wir im Vorhinein ein wenig Zweifel. Nicht nur, dass die kirchliche Trauung mitten in Köln stattfand, und demensprechend die Auto-Entsorgungs-Frage schwierig werden würde. Auch fragten wir uns, wie die Zeit zwischen Trauung (13 Uhr) und Feier-Beginn (17 Uhr) wohl rumzukriegen sein würde. Bei 30 Grad. Im Kleid (zugegeben: wir Frauen hatten gut reden, die Männer hatten es ein wenig schwerer). Mit hohen Schuhen. 

Und dann lief alles total cremig. Alle Sorgen umsonst. Wir fuhren mit unseren Freunden mit unserem Auto, die Jungs schmissen uns Mädels netterweise an der Kirche raus, und fanden in unmittelbarer Nähe einen Parkplatz für 4€ - für den ganzen Tag wohlgemerkt. Zwar hatten wir zu den schicken Kleidern vielleicht nicht ganz so gut passende große Taschen mit allem, was man so braucht für einen ganzen Tag, aber das war dann auch nicht weiter schlimm.
Die Trauung war schön. Im Anschluss wurde sogar zur Überbrückung der Zeit die Möglichkeit gegeben, einer Stadtführung beizuwohnen.  Wir vier entschieden uns aber für Cappu bzw. Kölsch in einem Cafe im Schatten bei herrlichster Brise und tankten hier noch einmal Energie für den Abend. Träumchen. Ich konnte das so richtig genießen, wollte nicht weg, guckte nicht auf die Uhr. 

Um 17 Uhr liefen wir dann 500 Meter bis zu der wirklich grandiosen Location Orangerie im Volksgarten. Ein wunderschöner Saal, unterkellert für die spätere Party. Das Highlight war aber der Garten, in dem der Empfang stattfand (und auch später noch viel Trubel war bei den Temperaturen). Es ging chillig weiter. Zum ersten Mal fiel mir auf, dass eine Hochzeit so viel schöner ist, wenn man nicht ständig von Station zu Station gescheucht wird (Fotomachen, Bild malen, Basteln, Fingerabdruck, ..). Klar, ein Gästebuch ist für das Brautpaar eine wunderschöne Erinnerung und jeder Gast sollte dies mit entsprechender Aufmerksamkeit bedenken. Aber insgesamt muss eine Balance gefunden werden. Auch das "Programm" war kurz und knackig, mit einer netten TV-Show der Trauzeugen, in der innerhalb 15 Minuten alles gebündelt wurde (Videos nicht anwesender Freunde, ein Spiel, ein paar Fotos, Rede). Perfekt. 

Das schönste war aber zu sehen, dass das Brautpaar durch diese Gestaltung des Tages die Chance hatte, den Tag selber wirklich zu genießen. Und am Ende zu Kölscher Mukke abzurocken.