Freitag, 30. Juni 2017

Settimana - aber subito!

Die vergangene Arbeitswoche war seit meinem Urlaub die erste mit fünf vollen Arbeitstagen. Zuvor kamen mir schöne (Feirtage) und nicht so schöne (Beerdigungen) Ereignisse in die Quere, und zwar das bei einer Arbeitslast, die meine Teamkollegen und ich auch so schon kaum zu händeln kriegen. Aufgefallen ist mir jedenfalls, dass die geistige und körperliche Kraft, sich auf das Arbeiten einzustellen, zumindest bei mir genau so weit reicht, wie sie muss. Am Mittwoch vor Fronleichnam ging ich genauso erschöpft ins Wochenende, wie am letzten Donnerstag, der dort mein Wochenende einleitete, oder heute an einem ganz regulären Freitag.

Das Ende der dritten Staffel House of Cards am Mittwochabend war so spannend und mit solch einem Cliffhanger versehen, dass ich (was ich sonst nie tue) donnerstags mehrmals an den anstehenden Abend und die erste Folge der  vierten Staffel dachte. Und dann war diese: mittelmäßig. Nichts halbes und nichts Ganzes. Keine komplette Eskalation, aber auch nicht das Gegenteil.

Der Beitrag des herzensguten Fräulein Read On hat mich - wie es das Fräulein schon ot geschafft hat -  einfach so berührt. Sie spannt einen Bogen mit Hilfe einer Banane, der so gar nicht krumm erscheint, sondern plötzlich ist es das natürlichste auf der Welt zu denken: Wenn wir nur mehr Bananen hätten auf dieser Welt. Dann wäre alles gut.
Beobachten zu müssen, wie der Tierarzt in der Welt des Überflusses die Nahrung verweigert, während im Kopf (und ohne Zweifel hat das Fräulein ein fabelhaftes und bilderreiches Gedächtnis) Bilder aus einer anderen Welt einen anderen Hunger zeigen - ich möchte es mir nicht vorstellen. Nicht die Beherrschung zu verlieren und ihn wie ein Kind zu schelten, dass auf der anderen Seite der Welt Kinder nichts zu essen haben und sterben, und er sich glücklich schätzen müsse, etwas zu haben - das ist Liebe. Ich will damit nicht sagen, dass diese Krankheit nicht bekämpft werden soll, im Gegenteil - aber bitte genau so wie das Fräulein und der Tierarzt - gemeinsam.
Der Tierarzt und das Fräulein haben - allein über das geschrieben Wort - in meinem Herzen einen ganz besonderen Platz gefunden. Bananen sind schwierig, viel mehr Kohlenhydrate als jedes andere Obst. Und meine nächste Banane ist den beiden schon jetzt gewidmet.

Im Büro beobachtete ich seit gestern einen miefigen Geruch aus dem Kühlschrank. Die frühmorgendliche Inspektion durch mich heute ergab zwei wieder zum Leben geschimmelte Philadelphia-Käse (vielleicht immer noch laktose-frei, ich weiß nicht was Schimmel so kann) sowie einen ziemlich eindeutig als Geruchsursache enttarnten braun gewordenen Feta-Käse (zu viel Chemie für Schimmel, nehme ich an), zwei grün geschimmelte Butter-Reste, einmal versteinertes Mett. Da ich sämtliche meiner Lebensmittel in einer hermetisch verschließbaren Tupperdose in diesem Kühlschrank lagere, denke ich, dass ich um ernstzunehmende Krankheiten drum rum komme. Was ich aber mehr als erstaunlich finde, dass (wie alle Male zuvor) KEINER auch nur ansatzweise mit Scham oder gar Schuldeingeständnis auf meine (gar nicht sooo freundliche) E-Mail reagiert hat. Wir teilen uns zu 8 Leuten diesen Kühlschrank, so viele Möglichkeiten unentdeckt zu bleiben bei solch einem Verhalten gibt es nicht. Und wenn bekannt ist, dass genau eine von acht Personen unter Laktose-Intoleranz leidet, ist man umso erstaunter, wenn auch hier noch zu Ausreden gegriffen wird.

Wie alle anderen (wer zur Hölle hat ein Problem damit wenn bildlich gesprochen ein zweiter Kuchen gebacken wird und GAR nichts vom eigenen Kuchen weggenommen wird??) freue ich mich mit einem sehr guten schwulen Freund und einigen schwulen Bekannten über das Ergebnis der heutigen Abstimmung zur Ehe für alle. Noch viel mehr freue ich mich aber mit uns als Gesellschaft. Als ich am Morgen nach dem Brigitte-Interview der Kanzlerin eine Zusammenfassung dessen im WDR hörte, hatte - glaube ich - der WDR noch gar nicht die Brisanz gecheckt und so war Merkels Aussage zum Thema da nur eine Randnotiz. Und jetzt ging das so schnell. In der Mittagspause erzählte mein schwuler Ami-Kollege, der sich angesichts der Gräben, die sich da zur Zeit zwischen den USA und Deutschland auftun in Sachen Liberalität, hoffentlich noch mal überlegt, ob er vielleicht doch noch länger bleibt, statt wieder in den amerikanischen Part des Konzerns zu wechseln, lustige Coming-Out-Geschichten. Für ihn ist das mit dem Heiraten aber nix, sagt er. Und, ist das nicht schön? Jeder wie er mag!

Morgen bin ich zum ersten Mal auf einem richtigen Polterabend. Ich hoffe sehr, dass die Wettervorhersage sich irrt!

Ein schönes Wochenende!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen