Freitag, 9. Juni 2017

Freiheit

Freiheit und besonders ihr Fehlen haben viele Gesichter. Das letzte, was ich hier tun möchte, ist die Unfreiheit, die Menschen in so vielen Ländern dieser Erde an Seele und Körper, Sexualität, Meinung, Privatsphäre, Religion und und und erfahren, zu bagatellisieren. Als politisch gesehen freier Mensch ahnt man wohl nicht, welche Aspekte des Lebens, die einem so selbstverständlich erscheinen, durch Unfreiheit betroffen sein können.
Dennoch. Meine ganz persönliche kleine Freiheit wurde mir soeben bewusst, als der Liebste nach Hause kam, strahlte und meinte, dass er sich jetzt schon auf die Burger freue, die wir Sonntag grillen wollen. Und das kam so. 

Auf dem Weg zur Arbeit begutachtete ich in Gedanken den vor mir liegenden Tag und hatte plötzlich den unglaublich dringenden Wunsch, heute Mittag nicht mein gesundes Vollkornbrot essen zu müssen. Zum Ende der Woche wird das Brot zugegebenermaßen immer unattraktiver, denn es liegt dann - zwar verschlossen aber angebrochen - schon seit Beginn der Woche im Büro-Kühlschrank und trauert vor sich hin. Dennoch landet es beim wöchentlichen Einkauf immer wieder im Einkaufswagen. Keine Änderungen zu versuchen, ist immer noch das einfachste. 
 
Dann gibt´s aber diese paar wenigen jecken Tage in denen ich gegen diese im Kopf geborene Unfreiheit rebelliere. So wie heute. Da sprang ich in den Kaufland neben meiner Arbeitsstelle, der im Foyer einen Bäcker beherbergt, um mir für mittags ein Brötchen zu holen. Kein Vollkorn. Keine Kalorienangabe. Einfach so. Bäm! Und jetzt wird´s so richtig jeck: Noch bevor ich die Bäckertheke erreichte, guckten mich die Aufsteller von Kaufland im Eingangsbereich an. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich spontan Koch- und Essensplanung geändert hätte wegen WERBUNG! Ich kann mich nicht erinnern. Aber die Auslagen hier aus Burgerbrötchen, verführerisch klingenden Burger-Saucen, frischen Tomaten führten dazu, dass ich nur eins wollte: Einen Burger. Am liebsten sofort (aber es war nun mal 7 Uhr und einen alten Grill gibt es zwar im Keller des Labors, ein Überbleibsel aus den Start-Up-Zeiten, aber ...naja!). So kehrte ich also bei Kaufland ein, besorgte schon mal die Burger-Buns, ging dann beim Bäcker vorbei um mein Mittags-Brötchen zu holen, und lief dann im Büro ein. Zwischendurch schrieb ich dem Liebsten "Sonntag Burger! Was soll ich dir noch für drauf holen?" und erntete Begeisterungsstürme. 

Der weitere Tag verlief bis auf mein Mittagsbrötchen (dass das von den Bürokollegen kommentiert wird, ist offenbar Gesetz...) ohne besondere Vorkommnisse. 

Beim richtigen Wocheneinkauf nach Feierabend besorgte ich dann die übrigen Zutaten für die Burger 
- und kam mir ein bisschen verrucht vor, als ich Hackfleisch, Käse und Co auf´s Band legte.
Und ein anderes Brot für die Mittagspause.
Hashtag "Freiheit" oder so?


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