Freitag, 30. Juni 2017

Settimana - aber subito!

Die vergangene Arbeitswoche war seit meinem Urlaub die erste mit fünf vollen Arbeitstagen. Zuvor kamen mir schöne (Feirtage) und nicht so schöne (Beerdigungen) Ereignisse in die Quere, und zwar das bei einer Arbeitslast, die meine Teamkollegen und ich auch so schon kaum zu händeln kriegen. Aufgefallen ist mir jedenfalls, dass die geistige und körperliche Kraft, sich auf das Arbeiten einzustellen, zumindest bei mir genau so weit reicht, wie sie muss. Am Mittwoch vor Fronleichnam ging ich genauso erschöpft ins Wochenende, wie am letzten Donnerstag, der dort mein Wochenende einleitete, oder heute an einem ganz regulären Freitag.

Das Ende der dritten Staffel House of Cards am Mittwochabend war so spannend und mit solch einem Cliffhanger versehen, dass ich (was ich sonst nie tue) donnerstags mehrmals an den anstehenden Abend und die erste Folge der  vierten Staffel dachte. Und dann war diese: mittelmäßig. Nichts halbes und nichts Ganzes. Keine komplette Eskalation, aber auch nicht das Gegenteil.

Der Beitrag des herzensguten Fräulein Read On hat mich - wie es das Fräulein schon ot geschafft hat -  einfach so berührt. Sie spannt einen Bogen mit Hilfe einer Banane, der so gar nicht krumm erscheint, sondern plötzlich ist es das natürlichste auf der Welt zu denken: Wenn wir nur mehr Bananen hätten auf dieser Welt. Dann wäre alles gut.
Beobachten zu müssen, wie der Tierarzt in der Welt des Überflusses die Nahrung verweigert, während im Kopf (und ohne Zweifel hat das Fräulein ein fabelhaftes und bilderreiches Gedächtnis) Bilder aus einer anderen Welt einen anderen Hunger zeigen - ich möchte es mir nicht vorstellen. Nicht die Beherrschung zu verlieren und ihn wie ein Kind zu schelten, dass auf der anderen Seite der Welt Kinder nichts zu essen haben und sterben, und er sich glücklich schätzen müsse, etwas zu haben - das ist Liebe. Ich will damit nicht sagen, dass diese Krankheit nicht bekämpft werden soll, im Gegenteil - aber bitte genau so wie das Fräulein und der Tierarzt - gemeinsam.
Der Tierarzt und das Fräulein haben - allein über das geschrieben Wort - in meinem Herzen einen ganz besonderen Platz gefunden. Bananen sind schwierig, viel mehr Kohlenhydrate als jedes andere Obst. Und meine nächste Banane ist den beiden schon jetzt gewidmet.

Im Büro beobachtete ich seit gestern einen miefigen Geruch aus dem Kühlschrank. Die frühmorgendliche Inspektion durch mich heute ergab zwei wieder zum Leben geschimmelte Philadelphia-Käse (vielleicht immer noch laktose-frei, ich weiß nicht was Schimmel so kann) sowie einen ziemlich eindeutig als Geruchsursache enttarnten braun gewordenen Feta-Käse (zu viel Chemie für Schimmel, nehme ich an), zwei grün geschimmelte Butter-Reste, einmal versteinertes Mett. Da ich sämtliche meiner Lebensmittel in einer hermetisch verschließbaren Tupperdose in diesem Kühlschrank lagere, denke ich, dass ich um ernstzunehmende Krankheiten drum rum komme. Was ich aber mehr als erstaunlich finde, dass (wie alle Male zuvor) KEINER auch nur ansatzweise mit Scham oder gar Schuldeingeständnis auf meine (gar nicht sooo freundliche) E-Mail reagiert hat. Wir teilen uns zu 8 Leuten diesen Kühlschrank, so viele Möglichkeiten unentdeckt zu bleiben bei solch einem Verhalten gibt es nicht. Und wenn bekannt ist, dass genau eine von acht Personen unter Laktose-Intoleranz leidet, ist man umso erstaunter, wenn auch hier noch zu Ausreden gegriffen wird.

Wie alle anderen (wer zur Hölle hat ein Problem damit wenn bildlich gesprochen ein zweiter Kuchen gebacken wird und GAR nichts vom eigenen Kuchen weggenommen wird??) freue ich mich mit einem sehr guten schwulen Freund und einigen schwulen Bekannten über das Ergebnis der heutigen Abstimmung zur Ehe für alle. Noch viel mehr freue ich mich aber mit uns als Gesellschaft. Als ich am Morgen nach dem Brigitte-Interview der Kanzlerin eine Zusammenfassung dessen im WDR hörte, hatte - glaube ich - der WDR noch gar nicht die Brisanz gecheckt und so war Merkels Aussage zum Thema da nur eine Randnotiz. Und jetzt ging das so schnell. In der Mittagspause erzählte mein schwuler Ami-Kollege, der sich angesichts der Gräben, die sich da zur Zeit zwischen den USA und Deutschland auftun in Sachen Liberalität, hoffentlich noch mal überlegt, ob er vielleicht doch noch länger bleibt, statt wieder in den amerikanischen Part des Konzerns zu wechseln, lustige Coming-Out-Geschichten. Für ihn ist das mit dem Heiraten aber nix, sagt er. Und, ist das nicht schön? Jeder wie er mag!

Morgen bin ich zum ersten Mal auf einem richtigen Polterabend. Ich hoffe sehr, dass die Wettervorhersage sich irrt!

Ein schönes Wochenende!

Freitag, 23. Juni 2017

Zauberhaft

Beerdigungen sind scheiße. Es gibt daran nichts zu drehen. 
Es gibt nur das falsche Wetter für Beerdigungen, egal ob die Sonne scheint, ob 30cm Neuschnee liegen. Es fühlt sich immer falsch an. Selbst wenn es wie aus Kübeln regnet, fühlt man sich veräppelt ob dieses typischen Beerdigungs-Wetters.
Beerdigungen finden auch immer an den falschen Tagen statt, sei es Montag, Freitag oder jeder andere beliebige Tag. Immer denkt man: Wieso steht die Welt nicht still.
Und der Leichenschmaus. Einladung zum Leichenschmaus.- Oh nee. Kein Leichenschmaus?- Oh nee. 
Einen jungen Menschen zu beerdigen, ist besonders tragisch - auch das haben T. und ich in den letzten 8 Jahren schon viel zu oft gemeinsam erlebt. 
Aber auch die Beerdigung eines im hohen Alter von 91 Jahren gestorbenen Opa kann zum Nachdenken anregen. Besonders wenn da noch eine Ehefrau, meine Oma, zurückgelassen wird, die mit ihm 71 Jahre jeden einzelnen Tag verbracht hat. Buchstäblich. Wirklich. Jeden einzelnen Tag. Auch dieses Ehepaar war wie wir mal um die 30 Jahre alt. Auch wenn das unfassbar schwierig vorzustellen ist. Erst vor wenigen Monaten erzählte mir meine Oma, dass sie meinen Opa auf einem Jahrmarkt in Düsseldorf kennen gelernt habe. Ein Eis wurde gemeinsam gegessen, man verlor sich wieder aus den Augen trotz beidseitigem Interesse, und traf sich ein paar Wochen später wieder. Ohne Facebook, ohne Google-Stalking, reiner Zufall.

Sie allein ist nun die, die die Erinnerung an diese Jahre bewahrt. Und es ist für mich unbegreiflich, dass all das verloren sein soll, sobald auch sie entweder ihr Gedächtnis verliert oder aber die Lebenslust. Alle Dramen, alle Feierei, Streiterei, Versöhnungen, Lachattacken, zwei Geburten, die sich in dieser Ehe abgespielt haben, werden dann nicht mehr erinnert. Zeugen, die Phasen der gemeinsamen Zeit beobachtet, mit erlebt und gestaltet haben, mit ihnen geweint, gelacht, getrunken und gegessen haben, gibt es nicht mehr. Die Geschwister sind längst nicht mehr da. Auch alle Bekannten - die Freunde aus dem Kölner Karnevalsverein, der beiden immer so wichtig war, Kollegen, die zu Freunden geworden waren, Nachbarn, mit denen man Jahrzehnte Tür an Tür wohnte - haben längst das Zeitliche gesegnet. Neben uns ist da nur mein wirklich aufopferungsvoller Onkel, der seit Jahren bis an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit für die seelische und körperliche Gesundheit meiner Großeltern sorgte - aber ein Freund, mit dem meine Oma gemeinsame Erinnerungen teilen kann?

Heute nun sind also wir bei ihr -  mal kurz aus dem Leben herausgehüpft, nehmen wir unsere Oma in unsere Mitte und können zumindest an dreißig gemeinsame Jahre zurückdenken. Ich weiß: Die Urlaube im Tessin sind für meine Oma die schönste Erinnerung. Auch wenn mittlerweile alle Urlaube miteinander verschwimmen - der Lago Maggiore ist Thema in beinahe jedem Gespräch, das ich mit meiner Oma führe. Reisen war für sie und meinen Opa der kleine Luxus, den sie sich vom Gehalt und später der Pension leisteten. Der Lago Maggiore findet also auch Eingang in die Rede des Pastors - und dann die Zauberei. Völlig vergessen hatte ich das. Mein akribischer, bürokratischer, bis ins hohe Renten-Alter Akten-ordnende Opa, stolz auf seinen Dienstgrad bei der Bundesbahn, hat gezaubert. Mit großen und kleinen Tricks, mal mit Karten, mal mit Geld, mal mit dem Hut bezauberte er uns Enkelinnen, aber auch Party-Gäste und selbst Fremde, die im Restaurant am Nebentisch saßen.Waren meine Schwester und ich anfangs nur begeistertete Zuschauerinnen, erkannte mein Opa irgendwann, wir seien reif genug, und holte uns auf die dunkle Seite. Bald lehrte er uns den ein oder anderen Trick, den wir dann stolz den Eltern vorführten.

Wie viele Jahre habe ich daran nicht mehr gedacht? Meine Oma aber hat all das erinnert, und ist es nicht zauberhaft, dass es diese Erinnerungen sind, die sie dem Pastor für seine Rede und damit auch uns mit auf den Weg gegeben hat? 

Donnerstag, 22. Juni 2017

Puh...

...ich wette, Sie haben ein aus tiefster Seele herausgestoßenes "Puh" heute schon ein paar mal öfter gehört. Von den Kollegen, in der Schlange beim Bäcker, oder Sie haben sich selber beim "Puh"-Schnaufen zugehört bei den drei Metern zwischen Haustür und Auto? 
Meiner morgendlichen Laufrunde, die bei 23 Grad auch schon an Quälerei grenzte, ist vermutlich zu verdanken, dass mein Kreislauf zumindest im Vormittag noch halbwegs stabil war. Ab 14 Uhr verabschiedete der sich dann wegen Hitzefrei, und meine Laune dachte sich: "Allein bleib ich hier auch nicht" und ging ebenfalls stiften. 
Als ich nach Feierabend dann im Supermarkt stand, nur zwei Minuten nachdem ich noch das Gefühl gehabt hatte, innerlich zu verdampfen und äußerlich zu zerfließen, griff ich nach dem Joghurt, sah die Gänsehaut auf meinen nackten Armen und ertappte mich dabei, wie ich dachte "Puuuh, kalt". Das leichte Frösteln breitete sich dann während des Einkaufs in eine Frier-Attacke aus, wieder draußen dauerte es aber auch nicht soooo lange, also eher so 2 Minuten, bis ich mich zurück zum Joghurt wünschte.
Oh ja, ganz offensichtlich bin ich wirklich eine von denen, denen es heute zu heiß, morgen zu kalt, mal zu schwül, mal zu nass ist. Meine Wohlfühltemperatur liegt irgendwo zwischen 21 und 23 Grad Celcius (wobei zu einer präzisen Spezifikation ja noch die entsprechende Luftfeuchte gehörte, aber das ist ein anderes Thema), und bei zu starker Abweichung hat mein Körper ein paar Special Features. Blaue Füße und weiße Finger bei <15 Grad sind Standard und Sie ahnen nicht, wem ich in Anbetracht dessen schon alles erklären musste, dass ich nicht in der nächsten Sekunde abnippele (einmal sogar dem Anästhesisten, der sich weigern wollte, mich in die Narkose zu überführen und sich erst nach viel gutem Zurede meinerseits bereit erklärte). Ist es dagegen ein paar Grad zu warm, schlägt´s mir echt auf den Kreislauf und den Energiehaushalt (und meine Füße werden hässlich lila/rot).
Trotz alledem habe ich über Jahre mir selber und meinem Umfeld erzählt, wie sehr ich die Wärme liebe, dass es mir nicht heiß genug sein kann. Und Schatten? Brauch ich nicht.
Immerhin weiß ich ja seit... immer, dass alle Bekannten und "Freunde" meiner Eltern, die nicht wie wir dreimal im Jahr in die Sonne an den Strand geflogen sind, den Schatten bevorzugten oder über die Wärme stöhnten, Langweiler, Stubenhocker, Bei-Sonne-Fernseh-Glotzer waren.

Wissen Sie was? Ich ziehe jetzt die Rollos runter und gucke Fernsehn. Obwohl die Sonne erst in einer halben Stunde untergeht.






 

Samstag, 17. Juni 2017

Olive Trail - 4. Tag Namibia

So schön ein Urlaubsvideo ist, um auf einigermaßen kurzweilige Art und Weise ein paar Erlebnisse, Stimmungen und Momente aus dem Urlaub der Familie und Freunden zu zeigen - der Nachteil ist eindeutig der, dass auch wir uns meistens nur noch das Video ansehen, und damit 80% der Fotos in den Untiefen unserer Diskstation vergammeln. Gerade war ich dabei, peinliche Studentenzeit-Fotos rauszusuchen für ein Hochzeitsgeschenk, da überkam mich die Lust, mich doch noch einmal durch die knapp 1000 Fotos aus Namibia zu klicken. Also verwurschte ich einen Teil davon doch noch einmal in einen Tagesbericht. 

Nach unserem ersten Tag in San Karros verbrachten wir drei wunderwunderschöne Tage im Tsauchab River Camp*. Unser Campingplatz war im Rückblick der schönste der gesamten Reise. Alles passte hier. Der freundliche Empfang, die Ruhe auf unserem Platz, die Möglichkeit bei Bedarf trotzdem die 500 Meter entfernten Annehmlichkeiten der Lodge zu nutzen (Pool, Wifi), die auch historisch wirklich interessante Lodge mit dem Effekt, dass man sich in die Kolonialzeit gebeamt fühle, erstaunliche Kunst aus Schrott und nicht zuletzt das eigene Dusch- und Klohäuschen. Nachdem wir den ersten vollen Tag hier für eine kurze Wanderung auf dem Gelände genutzt hatten, die uns von der Lodge-Besitzerin empfohlen wurde, genossen wir die übrige Zeit einfach die Atmosphäre, Ruhe und Zweisamkeit.
Lodge

Lodge

Lodge

Kunst

Kunst


Unser Platz mit Dusch- und Klohaus
Den Olive Trail zu wandern, hatten wir uns bereits im Vorfeld überlegt. Uns fragen immer alle, sobald sie hören, dass wir mit einem Bush-Camper unterwegs waren, ob wir dann immer spontan geguckt haben, wo wir als nächstes hinfahren. Nein, haben wir nicht. Und ehrlich gesagt, möchte ich mir diesen zusätzlichen Unsicherheits- und Stressfaktor in einem für mich sowieso aufregenden Land auch nicht antun. In den USA würde das vielleicht noch gehen, in meiner Erinnerung hatten wir da ständig die Möglichkeit Wifi zu nutzen, sodass man theoretisch hätte googlen können, wo man denn als nächstes Station macht. Ich war sehr froh, dass wir uns im Vorfeld aufgeschrieben hatten, was uns auf den Camps jeweils erwartet - oder eben gerade nicht erwartet (z.B. kein Strom, kein Wasser, etc.). Ein wenig sollte man darauf schon vorbereitet sein. Bevor wir zur Blutkuppe fuhren, wo man wild campt und eben kein Wasser hat, füllten wir z.B. in mühsamer Teamarbeit den Wassertank des Autos mit 1,5-Liter-Wasserflaschen, da wir im vorangehenden Camp zwar Wasser hatten, aber keinen Schlauch. Aber ich schweife ab. 

Den Olive Trail hatten wir im GPS gespeichert, wussten, wo der Einstieg ist, und waren gespannt. Wir hatten schon viel darüber gelesen, dass es sich um eine der schönsten Tagestouren Namibias handeln sollte.

Um 5 Uhr standen wir auf - den auf halb 6 gestellten Wecker benötigten wir gar nicht, ich hatte aus Gründen sowieso nicht geschlafen - und bereiteten uns ein schnelles Frühstück und Proviant vor (Brote, Brote, Brote und Rusks). 
Dazu zusammen 6 Liter Wasser, Kamera- und GoPro-Equipment und ein Fernglas können zwei Rucksäcke dann auch vollständig füllen! Außerdem hatte am Vorabend ein Ring den Besitzer gewechselt, sodass der jetzt in meiner Verantwortung lag und natürlich nicht im Auto bleiben durfte**. 

Der Vorteil am Bushcamper ggü. Dachzelten ist ja, dass das Dach ultraschnell zusammengeklappt ist, die Schlafsäcke konnten wir sogar liegen lassen. Und so waren wir um 6 Uhr auf dem Weg Richtung Naukluftberge. Der Trail befindet sich im geschützten Bereich des Namib Naukluft Nationalparks und glücklicherweise stimmte die Angabe, dass der Park "ab Sonnenaufgang" geöffnet sei. 

Auf dem Parkplatz trafen wir eine alleinreisende Südafrikanerin, die im Camp des Nationalparks übernachtet hatte, und der dringend davon abgeraten worden war, alleine zu laufen. Daher wartete sie etwas missgestimmt auf eine französische Reisegruppe, die ihr Wanderasyl bieten wollten.
Um 7 Uhr starteten wir also unsere Wanderung und erklommen erst einmal einige Höhenmeter. Das war sehr angenehm, denn die Bergseite lag noch völlig im Schatten, und wir hingen beide unseren Gedanken nach. Da wir auch die ersten Wanderer waren, war es über uns sehr ruhig, keine herabfallenden Steine, etc. Bis auf einige Antilopen, die obligatorischen Riesenkäfer und Spinnen sahen wir erst mal wenig Getier. Dann aber enterten wir offenbar das Gebiet einer Horde Paviane, und es ging ordentlich Geschrei los. Da sie etwa 100 Meter über uns herumsprangen, sorgte ich mich ein wenig, ob sie wohl mit Steinen schmeißen würden (Biologen unter uns? Benutzen Paviane Waffen?). 
 
Pavian

Haben sie dann aber nicht, und irgendwann wurde es wieder still. Wir erreichte eine Anhöhe, wo wir eine erste Snack- und Fernglas-Pause einlegten. Wir staunten über die Vielfalt der Landschaft, die roten Steine, die uns ein wenig an Utah erinnerten, und dass es zwischendurch doch ein wenig grün war. Uns holte die Südafrikanerin ein, die nun doch alleine losgegangen war, da die Reisegruppe nicht aufgetaucht war. Wir hielten einen weiteren Plausch und sie erzählte uns, dass weiter südlich alles sehr sehr trocken war, wir aber mit der Einschätzung, dass es hier sehr grün sei, recht hatten. Die berühmten Wüsten-Pferde von Aus hatte sie ein paar Tage vorher gesehen, diese seien in einem erbärmlichen Zustand. Die Regierung habe sich nun entschlossen, nicht nur die Pferde zuzufüttern, sondern auch die Hyänen, damit diese keine Jagd auf die schwachen Pferde machten. Wir kamen zur selben Meinung dass das ein starker Eingriff in die Natur sei....aber vermutlich stellen die Wildpferde auch einen Faktor im Tourismus dar? 
Sie überließ uns dann unserem "Tea" (kolonialer Einfluss...!) und ging voran. Als wir uns wieder auf die Beine machten, erwartete uns ein relativ mühsamer Abstieg. Der Weg war sehr felsig, zum Teil mit lose Steinen, und wenn ich eins nicht mag, beim Wandern, dann das. Die Landschaft jedoch war wunderschön. Immer tiefer gelangten wir in einen Canyon und auch hier waren wir dankbar für den Schatten. Ab und zu ragte ein Köcherbaum in die Luft, an diesen Bäumen konnten wir uns den ganzen Urlaub nicht satt sehen.  



Eine tricky Kletter-Stelle erreichten wir dann nach ein, zwei Stunden. Wir hatten darüber schon gelesen, aber dann, als ich vor dem Wasserbecken stand, wurde mir doch etwas mulmig. 
 
Klettern


Klettern





Zu beiden Seiten des Wassers ragten die steilen Wände herauf. Wie soll das gehen? In das Wasser plumpsen wollte ich ungern ... Zwar gab es zu beiden Seiten jeweils eine Kette, aber trotzdem: Wohin mit den Füßen? T. ging auf meine Anweisung voran. Dass immer nur einer die Kette anfassen darf, weiß ich mittlerweile ja und so wartete ich mit Schmetterlingen im Bauch, bis er mir zurief, ich könne los. Ich bin ja eher so der Typ: "Augen zu und durch und zwar sofort" - zaudern hat mir noch nie geholfen und so kletterte ich los. Das schlimme waren die ersten paar Meter, wo es noch keine Kette gab, und man auf einem schmalen Steg und an die Wand geklammert entlanggehen musste. Als ich die Kette erreichte, und die weiteren Meter entlang dieser zurücklegte, war es dann halb so schlimm. Und T. kommentierte "Hä? Da bist du ja schon".  Er hatte sich auf eine längere Wartezeit eingerichtet ...
Der übrige Weg war dann deutlich bequemer, keine Höhenmeter mehr, die letzten Meter lief man auf Pad, das als 4x4-Strecke für Autos ausgelegt war, und musste sich nicht mehr bei jedem Schritt konzentrieren. 

Zurück im Camp konnten wir dann noch ein paar Stunde ruhen, ehe es daran ging, wie jeden Abend das Feuer anzuschmeißen.



Unser Camp Bul Bul


 * Hihihi, Sie dachten doch nicht wirklich, das Sternchen verweise darauf, dass es sich hierbei um Werbung handele oder? Bei meinen sieben Klicks am Tag 😁. Das Sternchen war nur Quatsch, Sie können weiterlesen.


** Das setzte sich übrigens genau so die weiteren 2,5 Wochen fort...

Donnerstag, 15. Juni 2017

Circle of Life

Mit dem Anruf heute Morgen um 8 Uhr machen wir also die Sammlung voll, in der der Tod noch fehlte.
Seit ein paar Wochen sammeln wir in Familie und engstem Freundeskreis Ereignisse, die mit entscheidenden Veränderungen des Lebens einhergehen. Die Fülle, Gegensätzlichkeit und das schnelle Aufeinanderfolgen sind geradezu grotesk.

Die Hände noch beschäftigt mit der Zubereitung der Käsekuchenmasse für den heutigen Besuch, dem wir von Urlaub und weiteren schönen Dingen erzählen möchten, erreicht mich die Nachricht, dass der Opa friedlich eingeschlafen sei. "Das war dem störrischen Opa ja zuzutrauen. Ausgerechnet an einem dusseligen Feiertag die Fahnen zu streichen" - sagt der Onkel und schnieft.

Derweil...Auf whatsapp trudeln zuckersüße Bilder des ersten Babies im Freundeskreis ein. Als der Käsekuchen im Ofen ist, setze ich mich an den Laptop und arbeite an einer Überraschung für die Hochzeit unserer besten Freunde weiter, während der Liebste seine Sachen für einen Junggesellenabschied packt. 
Die Sorge um meine Schwester ist noch nicht vergangen, und in meinem Kopf spielt es Elton John.


Dienstag, 13. Juni 2017

Ramadan!

Rozas Absage gestern kam kurz vor knapp. Als ich ihr am Nachmittag den Raum whatsappte, der für uns in der Sprachschule reserviert war, kam holperig zurück, dass sie Kopfweh habe wegen Ramadan und ob ich nächste Woche Zeit hätte. Eine Absage, die erst auf eine whatsapp meinerseits kommt -für mich ein ziemlich deutliches Zeichen dafür, dass sie bis dahin mit sich gerungen hatte.. Vielleicht hätte sie initiativ gar nicht abgesagt, sondern wäre ohne weitere Kontaktaufnahme meinerseits in der Schule erschienen. 

Es ist das erste Mal, dass in unserer nun schon 6 Monate währenden Beziehung die Religion ins Spiel kommt. "Jetzt bloß nicht urteilen" - reflexartig verbiete ich mir, genervt zu sein, zu vermuten, dass Roza keine Lust hat und dass das Fasten eine Ausrede ist. Dabei war die letzten Wochen klar geworden: Ihre Freude am Lernen schwindet, je näher die Prüfung kommt. "Das schaffe ich eh nicht" steht ihr ins Gesicht geschrieben, spricht aus ihren Wort-armen und Smiley-lastigen whatsapp-Nachrichten. Doch für die Flucht nach vorne reicht die Motivation einfach nicht. 

Und jetzt eben Ramadan. Hätten wir uns wie geplant um 17:30 Uhr getroffen, wäre sie seit 14 Stunden ohne Wasser und ohne Nahrung zum Unterricht erschienen. Das sagt mir die schnell ergooglete Ramadan-Tabelle. Doch. Da kann man schon mal Kopfschmerzen haben. Ich hätte bis 17:30 Uhr dagegen ein Müsli mit Früchten und Joghurt, zwei Kaffee mit Milch, zwei Brote mit Frischkäse und sicherlich einen Liter Wasser zu mir genommen. Allein diese Diskrepanz verbietet es mir zu urteilen. 

Aber ich kann nichts dagegen tun: Ich BIN genervt. Am Sonntag habe ich als Vorbereitung Modell-Tests im Internet gewälzt, Übungen vorbereitet, mich über die Punktevergabe informiert (Sprechen bringt am meisten Punkte!), versucht Sanktionen bei Nicht-Bestehen zu finden, dann wie immer am Sonntagabend Bammel vor dem langen Montag gehabt, am Montag trotz mittelmäßigem Wetter das Rad zur Arbeit genommen, um schnell in der Stadt zu sein, und mich bei allem auch auf ein Wiedersehen mit Roza gefreut. 

Kurzerhand maile ich der Ehrenamtsprojektleiterin, dass ich spontan Zeit für das eh anstehende Quartals-Gespräch habe. Sie sagt sofort zu und so bin ich doch um 17:30 Uhr in der Sprachschule.  

Ehe ich den Satz beenden kann, dass Roza heute nicht kann - Kopfweh wegen Ramadan.... fällt mir die sonst so sanfte I. ins Wort "Ramadan ist keine Ausrede". Ui, das ist nicht das erste Mal, dass sie heute mit dem Thema konfrontiert wird, das ist kaum zu übersehen. Ein 70-jähriger Ehrenamtler hat heute die Fahnen gestrichen - zu viele Absagen, die ihn oft erst erreichten, als er bereits im Bus saß, um aus der Nachbarstadt (!) nach Aachen zu gelangen. Schnell nahm ich Roza in Schutz. Wirklich versetzt hatte sie mich ja noch nie. I. erzählt weitere kleine und größere Geschichten rund um den Ramadan, aber auch um andere Probleme innerhalb des Ehrenamt-Projekts, Community-Bildung, Blaumachen und nicht zuletzt die Welt-Politik, die sich im Klassenzimmer erst in der Sitzordnung und kurz darauf in der Leistung widerspiegelt.  


Einiges davon kommt mir bekannt vor. Viele haben Onkel, Tanten, Cousinen, manchmal sogar die Eltern in der Stadt. Die Familie wird noch mehr zum Dreh-und-Angelpunkt als sowieso schon. So ist das bei Roza auch ein Fluch und Segen zugleich, denn der Kontakt zu Deutschen ist damit weitestgehend nicht notwendig. Eingekauft wird im arabischen Supermarkt, auf dem Amt stehen Dolmetscher zur Verfügung. Die Haare schneidet der arabische Friseur, die abendliche Soap Opera im arabischen Fernsehen versetzt in die Heimat.

I. versichert mir: ein nicht bestandener Test hat keinen Einfluss auf den Aufenthaltsstatus. Mir rutscht ein Seufzer heraus. Roza hat 600 Stunden Deutschunterricht bei einer speziell für die Bedürfnisse dieser Schüler ausgebildeten Deutschlehrerin hinter sich. Dennoch fühle ich alleine mich so verantwortlich. Roza wird diesen Test nicht bestehen, daran besteht für mich kein Zweifel, und ich gestehe mir das jetzt ein, indem ich es laut ausspreche. I. weiß, dass Roza eine schwache Schülerin ist, allein deswegen ist sie ja im Ehrenamtsprojekt gelandet, und erklärt mir, dass das, was ich tue, viel mehr ist als Grammatik. Ein bisschen baut mich das auf. 

Als ich abends am Küchentisch sitze, der Liebste mich fragt, wie es mit Roza war, fang ich trotzdem an zu heulen.

Montag, 12. Juni 2017

Stille Zeugen.

Der Mensch kennt seine Pappenheimer - ich kenne meine Schwester. 

So gut, dass ich vor meinem inneren Auge schon am Abend zuvor ihre Gesichtszüge in dieser Situation sehe und mit ihnen einschlafe. Den einen Mundwinkel, der nicht die Kurve zum vollständigen Lächeln kriegt. Die veränderte Tonlage, ein Halbton verschoben. Keiner am Tisch hört das. Die etwas zu lange Stille. Und in meinen Ohren rauscht es.
Sie weiß, dass ich es weiß, und tröstend lächle ich sie an: Gegen den letzten Rest an Konkurrenz zwischen uns werden wir vielleicht niemals ankommen. Aber "Sie waren stets bemüht".

Sonntag, 11. Juni 2017

Wochenende: Betriebsamkeit und Ruhemodus

Wäre der Sonntag so weitergegangen wie der Samstag, das wäre nicht gut gewesen. So aber ergab sich ein halbwegs guter Ausgleich dadurch, dass der Samstag voll gepröfft mit Programm, der Sonntag dagegen absolut frei von jeglichen Verpflichtungen bis auf das übliche eben war.
Nach dem Laufen am Samstagmorgen zog ich nicht über Los die Kaffeemaschine, sondern stellte mich sofort hin, um die noch Freitagabend gebackenen Muffins mit Schokolade zu verzieren, damit sie noch eine Chance hätte, vor der Abfahrt zu erkalten. 


Weiter ging´s mit Sachen packen, duschen, ehe es dann doch noch für Frühstück und Kaffee reichte. Kurz darauf saßen wir dann schon im Auto, um erst meinem Bruder und seiner  Familie, und dann meiner Schwester und Freund einen Besuch abzustatten. Bei beiden Besuchen reichte die gemeinsame Zeit nur für das nötigste Auf-den-neuesten-Stand-Bringen und das Urlaubsvideo. Der Liebste musste noch mit dem Neffen eine Runde Fußball kicken, was zum Gefühl, bei 25 Grad und Sonne und Besuche-Hopping irgendwann nicht mehr ganz blumig duftend zu sein, beitrug. Bei meiner Schwester machten wir uns dann noch frisch, zogen uns um, und schon ging es weiter nach Köln zu einer Hochzeitsfeier. Das Brautpaar wollte eigtl. nicht feiern, hatte sich dann aber kurz entschlossen doch noch durchgerungen, in ein Brauhaus einzuladen. Wider Erwarten war die Location echt nett. Der Kellner, der alleine (!) 60 Gäste bei den Temperaturen mit Kölsch und Soft-Drinks versorgte, war der Knaller: Immer ein Lächeln auf dem Gesicht, charmant aber nicht schmierig mit der Braut, keine Sonderwünsche wie Cola Light wurden vergessen. In anderen Brauhäusern habe ich da schon ganz anderes erlebt. (Ohne eine Bestellung aufzunehmen, ein paar Kölsch auf den Tisch zu knallen und abzuhauen, ehe anderweitige Wünsche erhört werden können zum Beispiel!). Nicht ganz so toll war die Zeitplanung. Als wir um 19 Uhr ankamen, hatten wir und alle anderen Gäste neben Durst auch Kohldampf. Bis es dann aber die Kölschen Tapas gab, sollten noch einmal zwei Stunden vergehen. Insgesamt trotz fehlender kulinarischer Höhenflüge aber ein wirklich netter Abend mit einem relaxten Brautpaar und unseren besten Freunden an unserem Tisch. Was will man mehr. 

Als wir dann gegen 3 Uhr im Bett lagen, konnte ich zwar gut ein- aber nicht durchschlafen und so fühle ich mich heute auch. Dazu Kreislauf, warm, bisschen Bammel vor der eigenen Courage bzgl. Arbeitsdingen. Zum Glück verlangte der Sonntag darüber hinaus nicht mehr von mir als beim Frühstück das Zeit-Rätsel zu lösen, mein Buch auszulesen, auf dem Balkon zu sitzen und das Abendessen vorzubereiten. 



Der weitere Plan sieht Tatort vor und dann - Bett!
Morgen wird zur Arbeit geradelt, damit ich nach Feierabend ohne Umweg über zu Hause direkt in die Stadt düsen kann, um meine Syrerin zu treffen.

Freitag, 9. Juni 2017

Freiheit

Freiheit und besonders ihr Fehlen haben viele Gesichter. Das letzte, was ich hier tun möchte, ist die Unfreiheit, die Menschen in so vielen Ländern dieser Erde an Seele und Körper, Sexualität, Meinung, Privatsphäre, Religion und und und erfahren, zu bagatellisieren. Als politisch gesehen freier Mensch ahnt man wohl nicht, welche Aspekte des Lebens, die einem so selbstverständlich erscheinen, durch Unfreiheit betroffen sein können.
Dennoch. Meine ganz persönliche kleine Freiheit wurde mir soeben bewusst, als der Liebste nach Hause kam, strahlte und meinte, dass er sich jetzt schon auf die Burger freue, die wir Sonntag grillen wollen. Und das kam so. 

Auf dem Weg zur Arbeit begutachtete ich in Gedanken den vor mir liegenden Tag und hatte plötzlich den unglaublich dringenden Wunsch, heute Mittag nicht mein gesundes Vollkornbrot essen zu müssen. Zum Ende der Woche wird das Brot zugegebenermaßen immer unattraktiver, denn es liegt dann - zwar verschlossen aber angebrochen - schon seit Beginn der Woche im Büro-Kühlschrank und trauert vor sich hin. Dennoch landet es beim wöchentlichen Einkauf immer wieder im Einkaufswagen. Keine Änderungen zu versuchen, ist immer noch das einfachste. 
 
Dann gibt´s aber diese paar wenigen jecken Tage in denen ich gegen diese im Kopf geborene Unfreiheit rebelliere. So wie heute. Da sprang ich in den Kaufland neben meiner Arbeitsstelle, der im Foyer einen Bäcker beherbergt, um mir für mittags ein Brötchen zu holen. Kein Vollkorn. Keine Kalorienangabe. Einfach so. Bäm! Und jetzt wird´s so richtig jeck: Noch bevor ich die Bäckertheke erreichte, guckten mich die Aufsteller von Kaufland im Eingangsbereich an. Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich spontan Koch- und Essensplanung geändert hätte wegen WERBUNG! Ich kann mich nicht erinnern. Aber die Auslagen hier aus Burgerbrötchen, verführerisch klingenden Burger-Saucen, frischen Tomaten führten dazu, dass ich nur eins wollte: Einen Burger. Am liebsten sofort (aber es war nun mal 7 Uhr und einen alten Grill gibt es zwar im Keller des Labors, ein Überbleibsel aus den Start-Up-Zeiten, aber ...naja!). So kehrte ich also bei Kaufland ein, besorgte schon mal die Burger-Buns, ging dann beim Bäcker vorbei um mein Mittags-Brötchen zu holen, und lief dann im Büro ein. Zwischendurch schrieb ich dem Liebsten "Sonntag Burger! Was soll ich dir noch für drauf holen?" und erntete Begeisterungsstürme. 

Der weitere Tag verlief bis auf mein Mittagsbrötchen (dass das von den Bürokollegen kommentiert wird, ist offenbar Gesetz...) ohne besondere Vorkommnisse. 

Beim richtigen Wocheneinkauf nach Feierabend besorgte ich dann die übrigen Zutaten für die Burger 
- und kam mir ein bisschen verrucht vor, als ich Hackfleisch, Käse und Co auf´s Band legte.
Und ein anderes Brot für die Mittagspause.
Hashtag "Freiheit" oder so?


Montag, 5. Juni 2017

WMDEDGT 6/17

Ein WMDEDGT, der auf einen Feiertag fällt. Das lässt vermuten, dass es diesmal bei Frau Brüllen ganz besonders interessante Beiträge zu lesen geben wird (auch wenn ich zugeben muss, dass gerade der Schlüssellochblick in den ganz normalen Alltag fremder Menschen mich fasziniert!)

0:30
Unsere Gäste haben sich gerade verabschiedet. 


Wir räumen die letzten Reste auf, und genau wie vermutet ist der Kühlschrank jetzt voller als zuvor. Das Hähnchen mit der Zwiebelfüllung allerdings war wirklich fantastisch und ist komplett weggemampft worden. Auch die Fächerkartoffeln (resp. Schwedische Kartoffeln resp. Hasselback-Kartoffeln) haben sich gelohnt. Mal ein bisschen was anderes als normale Rosmarin-Kartoffeln zum Grillen. Wir hatten einen richtig schönen Abend, das Urlaubsvideo hat allen gefallen und wir haben die Ereignisse des Urlaubs ausführlich beschrieben. Ich nasche jetzt noch etwas Schokolade und flitsche, um runterzukommen, noch etwas durchs Internet.

1:00
Bett.

07:00
ich steh auf, zieh mich an und laufe meine kurze Laufrunde. Gestern bin ich die normale Runde gerannt und habe seitdem ein Ziehen im Oberschenkel. Der Plan, das mit der kurzen Runde wegzulaufen, geht einigermaßen auf. Der Nachteil an der kurzen Runde: Er führt NICHT über Kaussen. Von gestern Abend haben wir aber noch einen Rest selbstgebackenen Brots (siehe Bild), das sollte für´s Frühstück reichen. 

8:00
A propos Brot:  Da wir heute bei der SchwieMu eingeladen sind, die während unseres Urlaubs umgezogen ist, schmeiße ich direkt wieder die Küchenmaschine für ein weiteres Brot an. Aus Afrika haben wir ein Schälchen mitgebracht, in dem wir Salz mitbringen möchten. 

 

12:00
Ab sofort bin ich für eine Woche die Pflegerin des Accounts wirlebenAC. Die Idee dahinter: Jede Woche übernimmt ein anderer Aachener Twitterer die Herrschaft über den Account, als wäre es der eigene. Die Follower-Gemeinde kommt so in den Genuss, Aachen aus wöchentlich wechselnder Perspektive zu erleben.
Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, diese Aufgabe mal zu übernehmen, und erhoffe mir hiervon, viele interessante neue Aachener Twitterer kennenzulernen. 

16:00 
In der Eifel angekommen, werden wir mit einem Gläschen Sekt begrüßt, bewundern die wirklich wunderschöne neue Wohnung, quatschen über den Urlaub und überreichen die Mitbringsel. Dann werden Fotos geguckt, Eis mit Erdbeeren verputzt, und ehe Zeit ist, um wieder Hunger zu generieren, der Grill angeworfen. Alles wie immer also :-)

18:00
Satt. Satt. Satt.

19:00
Der Liebste bringt noch zwei Lampen und zwei Rauchmelder an, während die Damen die Küche aufräumen. 

19:30
Auf dem Rückweg finden wir, dass es ein echt schöner Nachmittag war. Besonders, dass T.s Mutter in der neuen Wohnung so happy ist, hat sie echt verdient. Wir sind mit unserer Aachener Wohnung so unglaublich zufrieden, auch was den Preis angeht. Aber was man für die ungefähr gleiche Miete in der Eifel kriegt, ist noch mal etwas ganz anderes. Nun ja, das ist der Preis der Stadt. Und so schön ich es da finde, so oft wir auch ohne Besuche bei der Familie hinfahren um zu wandern oder an den Rursee zu gehen: Da zu leben kann ich mir nicht vorstellen. 
Als ein Polizeiauto an uns mit Blaulicht und Tempo ausgerechnet an einer Blitze vorbeirast, vergesse ich für´s Bild zu lächeln. Ich stelle mir vor, wie die Polizisten im Auto sich einen Spaß draus machen, arglose und ordnungsgemäß fahrende Bürger zu ärgern, indem sie sie an Blitzen überholen.

21:00
Ich wurschtel noch ein bisschen im Haushalt rum, packe meine Tasche für die Arbeit, wir gucken noch John Oliver von gestern, während ich noch etwas Yoga mache und danach geht es gegen....

22:15
....Richtung Bett.

Sonntag, 4. Juni 2017

Das hab ich mir anders vorgestellt.

Kaum aus dem Urlaub zurück, ist alles ein bisschen viel. Noch völlig im Urlaubs-Destress-Modus hatten wir schon vor der Heimreise Verabredungen für dieses Wochenende vereinbart, für heute Freunde zum Grillen eingeladen, für morgen einen Ausflug zu T.s Mutter geplant, Dienstag T.s Bruder zum Essen eingeladen als Dank für Blumengieß-Dienste.
Wieder zu Hause erwarteten mich dann schlechte Nachrichten, die mich emotional gerade so mitnehmen, dass meine allgemeine Belastbarkeit offenbar stark eingeschränkt ist. Dazu kommt: Der Plan, schon Freitag zu arbeiten, um die Ungewissheit, was mich so erwartet, nicht über´s Wochenende mitzuschleppen, ist nur teilweise aufgegangen: Jetzt weiß ich: Ja, es ist Mist passiert, um den ich mich kümmern muss, und der Freitag hat nicht ausgereicht, um hierfür einen Schlachtplan zu entwickeln. Also eine weitere Sache, die ein paar Prozent Gehirnkapazität beansprucht. Das macht es nicht unbedingt besser. 
Nebenbei habe ich noch "schnell" das Urlaubsvideo erzeugt, um den interessierten Freunden und Familienmitgliedern heute und morgen schon die Eindrücke entsprechend präsentieren zu können. Ja. Auch einfach eine Auswahl Fotos zu zeigen, wäre völlig in Ordnung gewesen...Aber...Sie wissen schon. 
Die Grillvorbereitungen für heute Abend würden ausreichen, um alle Gäste satt zu kriegen, weil ich unsicher war, ob und wer etwas mitbringt. Unsere Freunde sind da nicht sooo kommunikativ im Vorhinein, wir haben uns bei der Formulierung der Einladung eher unklar ausgedrückt, und die Diskussion mit T. hat ergeben, dass es ihm offenbar nicht behagt, einer Einladung hinterherzuschieben "Aber jeder bringt was mit". Letztendlich gehe ich davon aus, dass dann doch jeder was beitragen wird, sodass es wahrscheinlich alles viel zu viel ist. Immerhin freu ich mich auf das Hähnchen, das ich mit Zwiebeln, Frischkäse und Curry gefüllt habe. Das haben meine Schwester und ich früher immer gegessen, und ich kann mich nicht erinnern, es - seitdem ich in Aachen wohne - noch mal gemacht zu haben. 

Den Start hier habe ich mir ein wenig anders vorgestellt. Jetzt geh ich Tisch decken und wieder Daumen drücken bzgl. der nicht so guten Nachrichten.


Donnerstag, 1. Juni 2017

Wieder da!

Es ist richtig lange her, dass ich einen Kater hatte, aber genau so fühle ich mich. Seitdem ich gestern Morgen wie immer auf dieser Reise gegen 5:30h in unserem Dachzelt aufgewacht bin, habe ich nicht mehr geschlafen. Auf Grund des späten Heimflugs gestern Abend hatten wir uns natürlich gewünscht, etwas länger schlafen zu können, aber dass das ausgerechnet auf dem städtischen Campingplatz in Windhoek gelingen würde, war von vornherein nicht abzusehen. Das Urban Camp war dennoch die richtige Wahl. Sicheres und gemütliches Camping mit Hippie-Atmosphäre, auch wenn es natürlich in keiner Weise an alle vorangegangenen Camping-Orte herankommen konnte. Stadt halt. Somit starteten wir gegen 7:00h gestern Morgen unser Auto-Aufräum-Programm. Obwohl wir beide wirklich ordentliche und sorgfältige und auch wirklich saubere Menschen sind, sah das Auto aus wie S**. Sand, überall Sand. Kekskrümel, Gräser, die ich auf allen Wanderungen mit meinen Schuhen einsammelte und nachfolgend verteilte (Was die Ausbreitung von parasitären Pflanzen nach Europa angeht: Ich war´s nicht -habe sowohl Wander- als auch Turnschuhe zu Grunde gelaufen und in Afrika verabschiedet), in der Kühlbox ausgelaufene Grillsaucen, natürlich behelfsmäßig gereinigt, aber nun ja. Jedenfalls war es uns beiden ohne Absprache peinlich das Auto so abzugeben, obwohl die Endreinigung natürlich durch uns bezahlt ist. Somit wurschtelten wir bis ca. 10 Uhr am Auto rum, pröfften Schlafsäcke, Daunenjacken etc. in Vakuumtüten, schmierten Brote, spülten, duschten, etc. Dann latschten wir noch einmal in die Windhoeker Innenstadt, tranken Cappu und Milkshake, versuchten möglichst viel Zeit totzuschlagen und waren trotzdem um 13 Uhr wieder am Campingplatz. Weitere zwei Stunden verbrachten wir Kindle-lesenderweise, dabei die letzten zwei Liter Cola Zero auf ex, ehe wir um 15 Uhr zum Autoverleih aufbrachen. Als wir schließlich dort waren, die Schlüssel überreichten und uns anguckten, konnte ich kaum fassen, dass wirklich alles so glatt gegangen war. Kein Platten (Durschnitt ist wohl ein Platten pro Woche, da man beinah ausschließlich auf Sand- und Schotterpisten fährt), keine defekte Elektronik (gerne wohl am Kühlschrank) und Himmel sei Dank kein Unfall oder ähnliches. Die Unversicherbarkeit des Großteils möglicher Unfallszenarien hatte mir immense Bauchweh bereitet und erst nach einigen Tagen konnte ich beim Autofahren auch mal an was anderes denken, als daran, was gerade unter Umständen passieren könnte. 
Auch so gab es auf der gesamten Reise keine Situation, in der ich mich wirklich unwohl gefühlt hätte. Auf dem Parkplatz eines Supermarktes hingen mir ein bisschen zu viele junge Männer rum, sodass ich im Auto blieb, während T. ein paar Sachen besorgte und das wichtigste - Wasser - vergaß. Genervt sprang dann ich in den Supermarkt und kehrte mit meinen zwei Kanistern a 5 Liter zurück zum Auto und schaute dabei anscheinend so grimmig drein, dass keiner der Männer mich nötigte, Hilfe anzunehmen. Es gab keine Magen-Darm-Probleme, obwohl wir überall das Wasser zum Zähneputzen, Kaffeekochen, Gemüsewaschen, etc. nutzten. Ich hatte genau einmal Kopfschmerzen am Ankunftstag. Wir benötigten kein Pflaster aus meiner diesmal wirklich sorgfältig gepackten Reiseapotheke. Wir trafen (leider) auch keine wilden Tiere zu Fuß an, auch wenn wir auf dem Gelände einer Farm abends vom Farmhaus zu unserem Campingplatz zurückgingen und am nächsten Morgen von den Inhabern hörten, dass es einige Leoparden und Geparden gebe. Wehmutstopfen bei T.: Auch im Etosha sahen wir weder Löwen, noch Geparden oder Leoparden.
Jetzt guck ich noch 6 Wochen, dass ich kein Fieber kriege, da mich im Etosha, wo es in begrenztem Maße Malaria gibt, trotz Anti-Brumm ein Mücken-Mistvieh gestochen hat, und dann können wir uns wirklich nicht beklagen.

Morgen gehe ich spontan eigentlich wusste ich die ganze Zeit, dass ich das tun würde arbeiten und hoffe, dass mein Plan aufgeht, niemand mich erwartet und ich mich einfach nur den ganzen Tag den Drei Millionen E-Mails der vergangenen 3 Wochen widmen kann, um dann beruhigt ins lange Wochenende zu starten.

Gute Nacht!
 
Spitzkoppe