Mittwoch, 31. Mai 2017

Sonntag 14.Mai: Ankunft und Daan Viljoen

Die letzten Stunden vor dem Heimflug rumzukriegen, fällt mir immer sehr schwer. Mit den Gedanken bin ich schon zu Hause und bei allem, was es da nach der Ankunft zu tun gibt. Wenn ich doch schon etwas davon erledigen könnte..... In unseren USA-Urlauben haben wir immer fleißig Reisebericht geschrieben, und zwar täglich. Das haben wir in Namibia nicht geschafft, ich glaube auch nicht, dass ich es vollständig nachholen werde. Dennoch vertreibe ich mir mal die Zeit mit der Beschreibung unseres Ankunftstages. Ein paar Fotos reiche ich sicherlich noch nach.
 
Wir hatten es uns so schön ausgemalt, den Nachtflug von knapp 10 Stunden einfach schlafend zu überstehen. Leider ging diese Planung nicht auf und bis auf wenige Minuten Halbschlaf war das nicht drin. Hinter uns sitzende russische Brüder, die offenbar vorher dem Wodka zugesprochen hatten, trugen akustisch und olfaktorisch dazu bei, dass der Flug maximal nervig und lang war.
Einzig die Tatsache, dass wir beide die letzten Portionen Chicken ergatterten, ließ mich schmunzeln. Die Brüder mussten somit mit Pasta vorlieb nehmen und erhielten dann noch auf die Frage nach delicious Namibian Wine eine als Rüffel ausgesprochene Erwiderung der Stewardess, dass Namibia keinen Wein habe. Inklusive Augenverdrehen.
Mit viel Lesen bzw. Glotzen beim Liebsten kamen wir irgendwie durch die Nacht und endlich wurde der Landeanflug angesagt.
Als wir ausstiegen war es noch stockdunkel. Der Flughafen Windhoek ein winziges Gebäude. Das Schlangestehen bei den Einreiseformalitäten führte immerhin dazu, dass wir dann nicht mehr auf die Koffer warten mussten sondern sie sofort vom Band angeln konnten. Mal wieder ohne Kofferverlust. Toi Toi Toi. Fieber hatten wir offenbar nicht, denn die Wärmebildkamera dürften wir passieren. Ich schätze, es handelt sich immer noch um eine Maßnahme wegen Ebola. Auch die importierte Schokolade kam durch und so waren einige meiner Sorgen schon mal aus dem Weg geräumt.
Der Mensch vom Mietwagenverleih wartete schon auf uns, und nachdem wir Geld gezogen hatten, ging es gemeinsam mit zwei weiteren Pärchen in ähnlichem alter los, um das Auto in Empfang zu nehmen.
Das ganze dauerte auf Grund einer Visa Card Limitierung recht lange, sodass es, als der Mitarbeiter uns endlich das Auto erklären könnte, schon längst hell und warm war.
Unser Bush-Camper wirkte auf den ersten Blick schon etwas abgegriffen und nicht mehr niegelnagelneu. Aber gut. Das Ding soll vor allem praktisch sein und außerdem hatten unsere eigenen Schlafsäcke und Kissen ja tatsächlich noch in den Koffer gepasst, sodass wir nicht darauf angewiesen waren, diese zu leihen, was ich echt ekelig gefunden hätte.
Gegen 9 Uhr ging es dann los und der Liebste fuhr zum ersten mal Linksverkehr sowie überhaupt so ein Gefährt.
Entsprechend ruppig waren die ersten zwei Kilometer bis zum Supermarkt, den wir uns bereits im Voraus ausgesucht hatten auf Grund der guten Sicherheit des Parkplatz. Außerdem handelte es sich um einen Spar, was erst mal heißen sollte, dass mal alles bekommt, was man so für mehrere Tage Selbstverpflegung benötigen würde.
Unsere vorbereitete Liste bewährte sich hier. Auch wenn es extrem lang dauerte, alles zu finden, vermissten wir in den nächsten Tagen kaum etwas. Wie geplant sorgten wir dafür, dass wir jeden Abend ordentlich Fleisch haben würden sowie eine Beilage wie Gem Squash, Mais oder Butternut Kürbis. Die Preise waren eher höher als in Deutschland, was auf die hohe Importrate aus Südafrika zurückzuführen sein dürfte. Beinahe jedes Produkt stammt dorther.
An der Kasse machten wir dann den Anfängerfehler, uns komplett von zwei Mitarbeitern helfen zu lassen mit dem Einpacken. Dann fuhren die beiden uns den Einkaufswagen noch zum Auto , was ich als sehr unangenehm empfand. Ohne jeden Plan eines angemessenen Trinkgelds gaben wir 50 Rand (in Namibia bezahlt man entweder mit Namibia Dollar oder Rand, beides selber Kurs) und den beiden war anzusehen, dass das deutlich mehr als gewöhnlich war.
Schließlich saßen wir wirklich im Auto und konnten uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel machen, dem ca. eine Stunde entfernten Daan Viljoen Park. Kurz vor der Ankunft liefen uns Paviane über die Straße. bald darauf waren auf einer Wiese Zebras zu entdecken. Noch gar nicht richtig angekommen in diesem Afrika hatten wir natürlich weder Fernglas noch Kamera zur Hand. glücklicherweise sollten noch genügend Gelegenheiten auf uns warten.
Im ersten Camp hatten wir direkt das Glück, dass jede Campingstätte mit einem eigenen Duschhaus und Toilette ausgestattet war. Für mich sind die sanitären Anlagen immer der kritische Punkt beim Camping und somit hatten wir im Voraus soweit es ging hierauf geachtet. In Namibia ist das auch durchaus eher die Regel.
Wir richteten uns soweit es ging im Camper ein (in Wahrheit hat sich die eigentliche Ordnung und Gewissheit, wo was ist, erst so nach 5 Tagen eingespielt) und im Gegensatz zum Liebsten sprang ich sogar in den eiskalten Pool.
Für mich kam dann eine erste kleine Krise: Während wir das Essen zubereiteten, wurde es plötzlich und sofort dunkel. Und kalt. Innerhalb von einer Stunde switchte ich von Bikini auf lange Hose, Pulli, Fleece und hätte ih sie gefunden, hätte ich auch noch eine Mütze angezogen. Dazu kamen dann noch Mücken, ein nicht gut werdendes Steak und rohe Kartoffeln. Insgesamt also ein eher als mau zu bezeichnender erster Abend, aber auch unserer Müdigkeit geschuldet. Um 20 Uhr lagen wir im Camper. Wir fanden es durchaus gemütlich, da oben zu liegen. In der ersten Nacht gut zu schlafen, wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Der Affe, der es sich auf unserem Duschhaus nebenan bequem gemacht hatte und höllisch schnarchte, machte es nicht besser.
Entsprechend gerädert starteten wir in den nächsten Tag.
So richtig hat uns Afrika noch nicht !


Unser Bushcamper

Unser Dusch- und Toilettenhaus in Daan Viljoen

Straussenbesuch beim Abendessen und Frühstück

Sonntag, 21. Mai 2017

Namibia oder "Wer zur Hölle bin ich?"

Man wächst an seinen Aufgaben und mit meinen 1.63m habe ich ja echt noch Luft nach oben.
Dass es eine Herausforderung werden würde, daran bestand ja kein Zweifel.  Wie schön, dass der Liebste auch nach heute 8 Jahren sieht, dass neue gemeinsame Erfahrungen auch mit mir Alltagstier möglich sind.
Ich kann jetzt wild campen, einen Tag ohne Dusche aushalten, in einem Auto schlafen (und alle zwei Nächte sogar gut), täglich Fleisch essen. UND vor allem immer wieder Stunden finden, in denen ich dieses Afrika einfach nur genießen kann: Zebras, Wanderungen bei denen man Paviane aufscheucht, Frühstück mit Strauss, jeden Abend Milchstraße gucken und staunen.
Der heutige Tag ist der einzige, an dem wir uns nicht selber versorgen. Da wir eine Nacht in Swakopmund sind, wird hier im berühmten Jettys gespeist.
Eventuell trage ich sogar mal Mascara auf! 

Samstag, 13. Mai 2017

And off we go...

Während der Laufrunde, auf die mich heute der Liebste begleitete, fühlte sich der Samstag fast wie ein ganz normaler an. Gut, dass die fertig gepackten Koffer als Erinnerung bereit standen 😉

Aktuelle Lage: 2 mal 23kg völlig ausgereizt, den kleineren Anteil daran hat Kleidung. Die Regenfälle der vergangenene Wochen bereiten mir bzgl. Malaria ein wenig Bauchweh, evtl. switchen wir doch noch von Stand-By-Prophylaxe auf echte Prophylaxe. Beruhigend wirkt sich der Schoko-Vorrat aus, der doch noch in den Koffer passte. Und auch wenn mich schon jetzt der Gedanke an die Thrombose-Strümpfe nervt: PURES REISEFIEBER! 



Freitag, 12. Mai 2017

12 von 12 im Mai


Weitere Einträge zum Foto-Projekt 12 von 12 gibt es wie immer hier.

Die gemütlichen 5 Minuten, die ich morgens auf der Bettkante sitze, nachdem ich den Liebsten geweckt habe. Das hat sich in den letzten Wochen so etabliert, seitdem ich dazu übergegangen bin, den ersten Kaffee zu Hause und nicht im Büro zu trinken. Und weil es eben da dunkel war und auf dem Foto demnach einfach mal nichts zu sehen war, habe ich es kurzerhand mal pinkisiert.



Wenn ich eins nicht mag, dann ist es, im Büro anzukommen und dann sofort jemanden auf der Matte an meinem Schreibtisch stehen zu haben. Nun gut, heute ist es ein Kollege, der mich um einen Gefallen bittet. Während wir das durchsprechen, stellt sich die nächste Kollegin an. So geht das ungefähr den Vormittag weiter. Hätte ich heute erst die Urlaubsübergabe vorbereiten wollen, wäre ich ein wenig ins Schleudern geraten. Aber Sie ahnen es: Schon gestern erledigt, ätsch! Besonders für Besuche von Kollegen an meinem Schreibtisch, bei denen man gemeinsam auf den Bildschim gucken muss, ist mein neuer höhenverstellbarer Tisch perfekt.  Außerdem sind, seitdem ich den Tisch habe, die nächtlichen Rückenschmerzen Geschichte. Allerdings ahnt man nicht, wie schnell einem im Stehen die Füße platt werden. Ein beim Kollegen gemopster Karton zum wechselseiten Abstellen eines Fußes wirkt Wunder (der Tipp kam aus dem Internet, also das mit dem Karton, nicht mit dem Mopsen).

Und jetzt: Urlaub! ich gönne mir heute noch einen halben Tag Überstundenabbau, damit der Start in den Urlaub auch wirklich entspannt ist und damit mir Ende des Monats nicht wieder die Stunden gekappt werden. 
In einem akuten Anfall von Panik (ich werde im Urlaub verhungern, weil ich nichts finde was mir passt) kaufe ich etwas, was ich geschätzte 10 Jahre nicht im Einkaufskorb hatte. Glutamat ole, aber es soll ja nur eine eiserne Reserve darstellen. Eigentlich hoffen wir auf tägliches abendliches Grillen über dem Feuer (Fleisch und Gemsquash). 

Zunächst drohte der Liebste an, sich nicht mit mir in der Öffentlichkeit zu zeigen, sollte ich ein Reiseportmonee um den Hals baumelnd tragen. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass der Sinn der Sache ja sei, dies eben versteckt unter dem Shirt/Pulli/Jacke zu tragen, erhöhte er die Anzahl im virtuellen Warenkorb auf zwei. 

 

Donnerstag, 11. Mai 2017

"Hat se vom Papa!"


- das Nicht-still-sitzen-Können, ehe dies oder das * erledigt ist
- nächtliches Grübeln**
- Überhaupt: SORGEN MACHEN über ungelegte Eier***
- den leider zu schmalen Mund
- Schokolade. Täglich, selbst in meinen dünnsten Zeiten. 
- Ordnungsliebe
- Über-sich-selber-lachen-Können
- Frischluft-Fanatismus, kein Fenster ist sicher. 
- akutes Genervt-Sein von einem Geräusch, z.B. Radio, selbst wenn es zuvor stundenlang dudelte
- Geiz mit mir selber, Freigiebigkeit gegenüber geliebten Menschen

Die Liste ist nicht vollständig. Zum Glück.
Heute wäre dein 71. Geburtstag. Würdest du den heute feiern können: Ich wäre eine halbe Stunde zu früh da. Aber das hätte dir nichts ausgemacht - du wärest mit den Vorbereitungen ja seit mindestens 2 Stunden fertig. 




* das kann sich beziehen auf einfach alles, am meisten fällt es mir auf, wenn es um das Aufräumen des Tischs nach dem Essen geht: Genau wie meinen Vater macht mich der Anblick von schmutzigem Geschirr und Essensresten einfach verrückt. Oder die Tage, an denen ich nichts vorhabe außer einer einzigen Aufgabe: Da stehe ich dann um 8 Uhr morgens im Supermarkt und ärgere mich über noch nicht eingeräumte Regale. Rief man meinen Vater an einem einsamen Wochenende um 10 Uhr samstags an ,hatte er bereits das Einkaufen, Fitness und Waschanlage erledigt.
Ja, auch zu früh zu sein kann im Leben merklich behindern und nerven. Ich nerve bisweilen aber auch andere Leute damit. Zu Einladungen bei Freunden bemühe ich mich aber, zumindest nicht vor der vereinbarten Zeit da zu sein und habe ja auch oft den Liebsten als regulierendes Moment dabei. 

** bei mir funktioniert das Einschlafen nicht, mein Vater dagegen wachte um 3 auf und dann war die Nacht für ihn beendet.

*** In meinem Studium gab es keine Klausur, bei der ich sicherer war, durchgefallen zu sein, als Thermodynamik (Spoiler: Nein. War ne 3.0. Andere auf JEDEN FALL vermasselte Klausuren bestand ich auch mit Zweiern. Im Nachhinein finde ich mich selber anstrengend und sende an dieser Stelle ein Dankeschön an meine Freunde, die mir trotzdem im Studium erhalten geblieben sind) . Nach der Thermoklausur jedenfalls fuhr ich für ein Wochenende zu meinem Vater und berichtete natürlich, heulte mich aus, machte mich weiter verrückt und suchte Trost. Mein Vater bekam an diesem Wochenende Besuch von seiner damaligen "Bekannten" und berichtete wiederum ihr von der Klausur, als er dachte, ich höre ihn nicht. Dabei brachte er seine Sorge darüber zum Ausdruck, dass ja nun mein Studium gefährdet sei, ich die Klausur wiederholen müsse und überhaupt und ach und KATASTROPHE! Also ziemlich genau das, was in meinem eigenen Kopf abging seit der Klausur. Das bestärkte mich so in meiner Sorge, dass ich noch am selben Abend einen Lernplan schrieb für eine Klausur, die in 6 Monaten stattfinden würde. Dass für die meisten meiner Kommilitonen nicht-bestandene Klausuren Standard waren, manche mehrmals in 3. Versuchen antreten mussten, wusste er genauso wie ich, dennoch neigen wir beide dazu, die Relation im Sorgen-Karussel zu verlieren. Sorgen genommen zu kriegen im Sinne von "alles wird gut, das ist nicht schlimm, du bist trotzdem ein guter Mensch", das gehört nicht zum Standard-Reportoire, mit dem meine Eltern mich ausgestattet haben. Entsprechend fehlt es daran noch heute.   

Mittwoch, 10. Mai 2017

Wahl!

Es ist mir so peinlich, aber ich weiß noch immer nicht, wen ich wählen soll. Die 40% unentschlossene Wähler, die Frau Kraft heute morgen im Radio erwähnte, erst jetzt realisiere ich- die Frau meinte mich. Die Briefwahlunterlagen schreien mich an und wollen endlich diese zwei Kreuzchen sehen. Morgen sollen die Unterlagen spätestens verschickt werden. Schaffe ich das nicht, muss ich den Brief persönlich abgeben.
Ich habe mich ausführlichst mit dem WDR Kandidatencheck beschäftigt. Ich habe mehrmals den Wahlomat durchgespielt, um zu prüfen, wie gefestigt meine Meinungen sind (denn bei 38 Fragen weiß ich teilweise am Ende nicht mehr, was ich geklickt habe. So erörtere ich die Fragen bei Wiederholung des Wahlomat ein paar Tage später tatsächlich neu...) Aber trotz Abweichungen in den Nuancen einzelner Fragen bleibt das Gesamtergebnis dasselbe.Das mag daran liegen, dass ich auf die meisten Fragen antworten möchte mit "Ja, aber..." oder "Nein, außer". Und sich mit bestimmten Zielen einer Partei identifizieren zu können, heißt noch lange nicht, auch den Weg dorthin vertreten zu wollen. Letztere aber bleiben in den meisten Fällen schwammig und undurchsichtig.
Darüber hinaus macht es mich rasend, dass meine personenbezogene Sympathie dem Ergebnis des Wahlomat widerspricht. Und zwar bei dieser Landtagswahl viel stärker als es im Herbst der Fall sein wird.
Vielleicht sind die Programmpunkte, von denen man als realistisch denkender Wähler sich erhofft, dass sie nach der Wahl noch übrigbleiben, einfach einander so ähnlich, dass ich vor mir rechtfertigen kann, dass am Ende die Sympathie entscheidet? 

Ich geh jetzt noch mal lesen!

Sonntag, 7. Mai 2017

Wo bleibt hier eigentlich der Applaus?

Ich wünsche mir manchmal Applaus.

Applaus dafür, dass ich mich mittlerweile wieder über Einladungen bei Freunden freuen kann, und der erste Impulsgedanke in den meisten Fällen "Haben wir da Zeit" und nicht "Wie kann ich absagen" ist.

Applaus dafür, dass ich bei einer recht spontanen Grillfeier mit Freunden deren zubereitetes Essen probieren kann.

Applaus dafür, dass ich wie gestern einfach länger bleibe als geplant, weil es so schön ist.

Applaus dafür, dass ich mir sogar selber meine Herausforderungen suche, Freunde einlade, Verabredungen in die Wege leite, mit dem Liebsten essen gehe.  


Manchmal will ich sagen "Guckt mal, das habe ich alles geschafft. Aus eigener Kraft. Und es war sehr viel Arbeit!" und weiß gleichzeitig, dass es zu viel verlangt wäre. Für alle anderen sind Verabredungen mit Freunden, gemeinsames Essen, Geburtstagsfeiern oder das gemeinsame Bier die Entspannung vom (mittlerweile bei uns allen angekommenen) Arbeitsalltag. Nur für mich war es das lange Jahre nicht sondern bedeutete im Gegenteil einfach nur Stress, nicht den normalen Freizeitstress, sondern körperlichen und Nicht-schlafen-und-klar-denken-können-Stress, und wie soll das jemand verstehen. So wurde ich immer weniger und  gleichzeitig immer weniger bei gemeinsamen Events gesehen.  

Gestern Abend kam mir dann die Erkenntnis: Der Applaus ist da. 

Der Applaus ist, dass die Einladungen nicht aufgehört haben, über Jahre nicht (Auch wenn ein großer Anteil dafür dem Liebsten zu verdanken ist, der alleine auf Feiern gegangen ist, bei Umzügen geholfen hat, spontane Einladungen angenommen hat - ohne mich, und so das Band aufrecht erhalten hat.)

Der Applaus ist, dass ich mich so selbstverständlich willkommen fühle wie vor Jahren, als ich jung und wild war. 

Der Applaus ist, dass (zumindest die engsten Freunde) meine spontanen Panik-Whatsapps mit der Frage "Was gibt es IM DETAIL zu essen?" geduldigst beantworten, Alternativen anbieten und keinen großen Wind drum machen .

Der Applaus ist, aus dem Augenwinkel zu sehen, dass der Liebste so stolz ist, wenn er mich mit unseren gemeinsamen Freunden lachen sieht.

Freitag, 5. Mai 2017

WMDEDGT 5/17

Wie die Zeit vergeht, merkt man daran, dass Frau Brüllen heute wieder jeden, der es hören will, fragt, was er denn den ganzen Tag so mache.


05:40
Ich bin schon vor dem Wecker wach, das mag ich am liebsten. Um mein Überstundenkonto nicht weiter in die Höhe zu treiben, versuche ich mittlerweile aber, trotzdem liegen zu bleiben. Das klappt so mittel. So stehe ich um 05:40 auf und lege eine kurze Runde Yoga/Kraft ein. Beim anschließenden Badaufenthalt höre ich den Podcast "This American Life". 
Meine abonnierten Podcast aktualisieren sich in der Zwischenzeit. Freaconomics Radio hat eine neue Folge mit dem Titel "War on Sugar. Is it justified?" Ich muss grinsen, denn wer in den letzten Tagen in der richtigen Twitter-Topographie unterwegs gewesen ist, weiß, dass die Antwort lautet: Ja, es herrscht Krieg, und zwar nicht nur gegen den Zucker selber. Ich freu mich, den Podcast zu hören, auch wenn ich nicht vermute, viel neues zu hören. 

07:15
Erste im Büro, die räumt die Spülmaschine aus. Die Erfahrung zeigt: Mache ich es nicht, dann in der Mittagspause spätestens, weil ich sonst keinen Teller oder Messer habe. Es gibt wohl überall die einen, die die Spülmaschine anschalten und ausräumen, und die anderen, die die benutzten Teller und Tassen in die Spüle stellen ...
 
08:00
Da ich umso effizienter werde, je mehr Zeitdruck und Aufgaben ich habe (nicht die schlechteste Variante) zeigt sich, dass ich die ursprünglich bis zum Urlaub geplanten To-Dos schon früher erledigt habe als geplant. Und das OBWOHL (oder eben WEIL) diese Woche unvorhergesehen Aufgaben an mich herangetragen wurden. Die Frist war gestern Abend und obwohl ich die vorangegangene Kommunikation diesbezüglich nun ja... dürftig fand, habe ich mich gestern Abend über ein Wort an Lob und Dankbarkeit gefreut. Man lernt ja, die Ansprüche zurückzuschrauben. Jedenfalls ist das Ding jetzt weg vom Schreibtisch udn ich kann intensiver als gedacht eins meiner eigenen Projekte weiter bearbeiten. 

11:00 
Zwei Meetings hintereinander. Beim zweiten Meeting warten wir auf einen Teilnehmer. Als er 5 Minuten zu spät ist, rufen wir ihn an, er hat uns vergessen, aber komme sofort. 30 Sekunden später klingelt das Meetingraum-Telefon: Dauert noch was: Gerade habe er jetzt seinen Kaffee in die Tastatur geschüttet. 
12:00
Mittagspause mit Brot und Frischkäse. Mittlerweile sind wir bei Black Stories angekommen, die erstaunlich viel Spaß machen. Der Amerikanische Kollege gesellt sich zu uns und als wir anbieten, noch mal auf englisch anzufangen, zeigt sich, dass er alles zuvor Gesagte sehr wohl verstanden hat. Wirklich toll, nach 4 Monaten in Deutschland. Da zeigt sich, dass der tägliche Kontakt und die Konfrontation eben das A und O sind und genau das meiner Syrerin fehlt. Bis auf den Integrationskurs kann sie sich, wenn sie will, komplett vor der deutschen Sprache verstecken: Familienmitglieder in der Stadt, arabisches Fernsehen, arabischer Supermarkt,... Ich bin ja eher der Typ "Ich quäle mich" und sogar in Italien-Urlauben, in denen ich auf Menschen treffe, die sicher englisch könnten, beharre ich darauf, wenigstens dann mal mein Italienisch anzuwenden (Na gut: Vielleicht bin ich auch der Typ "Ich quäle andere"?).

15:00
Kaffee gegen das Nachmittagstief. 

16:30 
Feierabend! Und der Freitagseinkauf. Unser Laden hat komplett umgebaut und mein sorgfältigst geschriebener Einkaufszettel in der Reihenfolge der Gänge ist nun wertlos. Uarg. Es war doch so schön logisch alles. Wieso baut ihr um? Außerdem benötige ich heute ausnahmsweise Kaffeepulver statt -bohnen für unseren Urlaub. Auch wenn die Auswahl gar nicht so riesig ist, kann ich mich nur schwer entscheiden. Immerhin muss ich damit dann wohl 2 Wochen im Urlaub leben. So viele Supermärkte mit Kaffeeauswahl werden wir wohl nicht sehen. Am Ende entscheide ich mich für eine Marke, die man so aus der Werbung kennt. Jetzt fehlt nur noch Milch. Die steht nun ganz woanders, nämlich völlig sinnbefreit neben dem Klopapier. Außer für Personen mit Laktose-Intoleranz erschließt sich mir da kein Zusammenhang. 

17:30 
Nachdem ich diesen Post zusammengeschrieben haeb, gibt es jetzt Kürbiskernbrötchen mit Chemie. Wie jeden Freitag. Für die Extraportion Chemie des Liebsten habe ich ihm ein Schoko-Croissant mitgebracht. 

20:00
Wir planen noch ein bisschen am Urlaub rum, auch wenn es jetzt wirklich nur noch um Mini-Details geht (Welche Spiele nehmen wir mit? Welchen Supermarkt suchen wir nach der Ankunft für die Erstausstattung auf?). Meine Briefwahlunterlagen sind nun angekommen und ich klicke ein bisschen im WDR Kandidatencheck herum. Mein Wahlkreis ist praktischerweise der allerallerallererste in der Liste! Praktisch.



 

Donnerstag, 4. Mai 2017

Wettervorhersage

Als ich gestern Abend nach der Arbeit ins Auto steigen wollte, traf mich beinahe der Schlag. Irgendein Monster-Vederfieh hatte kackensdreist seinen gesamten Darminhalt über dem Auto ausgeleert. Und zwar auf dem Dach, auf der Frontscheibe und auf der Seitentür. 
Mich vor Ekel schüttelnd stieg ich schnell ins Auto und schloss die Tür. Dann besah ich mir das Unglück - zumindest das auf der Winschutzscheibe - noch einmal von Innen. Eigentlich, dachte ich erst, bleibt mir nun gar keine andere Möglichkeit, als sofort die Waschanlage aufzusuchen. Meine Lust für diesen Umweg hielt sich in Grenzen. Zum Glück hatte ich dann den Geistesblitz: 
Der Liebste hat heute Fußball. Und die Beobachtungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Fußball des Liebsten eng mit der Regenwahrscheinlichkeit korelliert ist. Und zwar positiv. Zwar ist der normale Fußballtermin donnerstags, der ausnahmsweise gestern stattfindende Kick ließ mich kurz zögern (was wenn das nur donnerstags gilt?), aber dann ließ ich es drauf ankommen, und fuhr ohne Umweg nach Hause. Ich fühlte mich zwar ein bisschen beäugt und stellte mir vor, dass alle entgegenkommenden Autofahrer sich denken mussten "Wie kann man in so einem bekackten Auto rumfahren", aber innerlich feixte ich bereits: Ihr werdet sehen, die 5 Euro spart mir der Wettergott. Zu dem Zeitpunkt schien übrigens noch die Sonne.
Als der Liebste dann ca eine halbe Stunde später nach Hause kam um in die Fußballklamotten zu springen, fluchte er bereits. Unterwegs hatte es nämlich kübelnd angefangen zu regnen. Ich lächelte leise.

Heute morgen stieg ich in ein völlig sauberes Auto.