Samstag, 8. April 2017

Brief. Nie gesendet wegen sinnlos

Einmal noch schreiben. Ein letzter Versuch. Nur einmal zu dir durchdringen, etwas bewirken, eine ehrliche Emotion. Dich wütend sehen, verletzt. Zeig offen deinen Neid, dein Bedauern über alles, was du verpasst hast. Egal wie du bist, sei einfach mal ehrlich. Sei wütend über meine Absage, oder traurig. Ich weiß, du denkst, ich will dich bestrafen oder bloßstellen. Eine Tochter, die dich nicht sehen will. Du darfst doch traurig darüber sein, dass hier und jetzt für mich nur meine Liebsten zählen - und meine Gesundheit. Stattdessen strafst du jetzt die andere Tochter, als sei sie allein nicht genug Grund für einen Deutschlandbesuch? Denkst dir Ausreden aus, die nur eines zeigen: Du hast Angst, dass nach allem, was passiert ist, hier keiner mehr mit Luftballons am Flughafen stehen wird.

Ehrlichkeit. Oh ja, zwei, drei Mal...Erinnerst du dich? Wenn du nachts alleine auf dem Wasser saßt, alles schwarz um dich. Du hattest Angst, oder? Meine langen E-Mails, in denen ich dir  Anekdoten aus meinem Leben erzählte, die dich so lange schon nichts mehr angingen, hielten dich in diesen Stunden der Nachtwache über Wasser - buchstäblich. Er verstand deine Angst nicht, ich schon. Deine Antworten erwartete ich voller Hoffnung, da kam etwas durch, von mir an dich und umgekehrt. Wieder im Hafen mit Boden unter dem Füßen, war keine Zeit mehr. Ich schrieb dir zwischen Schlafen, Arbeit, Schlafen. Du fandest keine Zeit zwischen...Aufwachen und Schlafengehen? Nein, was du schon gestern auf deinem Blog für jeden veröffentlicht hast, musst du mir heute nicht mehr als Mail schreiben. Du vergaßt den Namen meiner besten Freundin, wichtige Termine, immer wieder. Reaktionen auf mein Erlebtes blieben die Ausnahme. "Spar dir das", wie gern hätte ich dir das gesagt. Aber ich wusste, das wäre das Ende unserer E-Mails, und wie hätte ich das ausgehalten? 

Ich habe die Kontrolle jetzt wieder, der einzige Weg war, dich vollständig auszusperren. Wie ruhig es ist - ganz ohne dein unkontrollierbares Handeln, ohne dein ständiges Austeilen gegen alle, ohne das ständige Hoffen. Mir tut es Leid für dich. Einer deiner Lieblingssprüche war "Sag niemals nie", - und du hast "immer" gesagt. "Für immer bin ich weg", sagtest du. Du hast verlassen, jetzt bist du verlassen. Ich wollte dich mit offenen Armen empfangen, dir Kraft geben in den zwei Monaten, die du in Deutschland warst. Dabei brauchte ICH doch Kraft, so viel Kraft, und blieb ausgezehrt zurück. Die Kraft ist zurück, an mir zehrt jetzt nur noch das Leben in dem Maße, wie es das darf. Das habe ich nämlich wieder. 

Bist du Thema? Ja, das wirst du bleiben. Aber nur ganz bewusst, mit Vernunft, wie ein Untersuchungsobjekt. Du wirst nicht mehr still und heimlich in meine Gedanken kriechen und mir Fragen unterschieben, die sich eine Tochter nie stellen sollte. 
Mittlerweile macht mir dieses Analysieren beinah Spaß. Ich erkenne deine Muster, selbst aus der Ferne, nur über Ecken erzählt. Akzeptiere zugleich in meinen Reaktionen die Impulse, beim geringsten Anlass über das "Was wäre wenn doch..." nachzugrübeln und das Gefühl von Hoffnung zu hegen. Ich weiß, das geht vorbei. Ich weiß, die Hoffnung bezieht sich auf etwas, das ich längst bei anderen Menschen gefunden habe.

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