Mittwoch, 15. März 2017

Ich weiß es eigentlich besser, aber ...

....trotzdem gerate ich ins Wanken.  
Es wird kein Happy End mehr geben, das habe ich doch jetzt zum wievielten Male verstanden. Oder? Vor einem guten Jahr war sie noch mal ganz groß, die Hoffnung. Wochenlang hielt mich der Gedanke an unser Wiedersehen aufrecht. Das schaffst du noch, jetzt nur noch eine Woche, noch zwei mal schlafen, einmal, morgen bist du schon am Flughafen, dann ist sie da und alles ist gut. Jetzt nur nicht schlapp machen. Dann wird endlich alles gut. 

Es hätte gereicht, die ersten Zeichen am gleichen Abend zu deuten, um sofort der großen Katastophe aus dem Weg zu gehen: Die Sahne, die meine  Schwester für die Pasta verwendete - "DAS ist meine Tochter!" - die erste Bloßstellung deiner kranken Tochter. Und der Neid. Ab jetzt war alles Neid. Auf deine Freunde. Auf deinen Mann, der ohne Zögern mit einem Schulterklopfen wieder in seine Sportrunde aufgenommen wurde. Auf die gute, mit so viel Kraft erkämpfte Beziehung zwischen deinen beiden Töchtern. Da wolltest du wieder zwischen. Seit wann gibt es in diesem Land so viele Ausländer?, brüllst du in den Hörer, du Weltreisende. Auf dem Amt werden sie bevorzugt. Nein das ist nicht mehr mein Land, aber zur Zahnreinigung gehe ich noch schnell, zahlt ja die Kasse. Und diese vielen Klamotten, die ihr habt. Hat man so was schon mal gesehen?

Der vorläufige Höhepunkt: Das gemeinsame Weihnachtsfest bei uns, das ich mir in den buntesten Farben ausgemalt hatte, und das trotz allem, was in den ersten Tagen nach deiner Rückkehr war, nur ein kleines bisschen grauer geworden war. Hättest du dir nicht denken können, dass die Mutter des Liebsten deiner Tochter ohne Zögern die Gabeln in ihrer Wohnung findet? Das warfst du mir später vor. Und die Geschenke. So viel Konsum. Ist ja widerlich. Und überhaupt, wieso tust du mir das an? Damals hast du mir doch versprochen, das nie wieder zu tun. Oh, stell dir vor- ich habe auch keinen Bock auf diese Krankheit. 

Bitte. Wieso fragst du nicht, wie du mir helfen kannst. Bitte. 

Trotzdem ein letzter Versuch. Deine Wochenenden sind für andere Menschen reserviert. So mein Vorschlag: Ich nehme mir (trotz aller Bauchweh wegen des gerade erst wenige Wochen alten neuen Job) ein paar Stunden früher frei. Komm doch her, wir machen es uns gemütlich mit Kaffee und Keksen. - Nein ich fahr nicht Zug. Da muss man ja Angst haben, hast du nicht gesehen, was Silvester war? So viele Ausländer. Setz DU dich in den Zug, ich hab Angst. - und ich vorm Leben. Checkst du´s mal?
Also kein Wiedersehen, kein Happy End, sondern Erleichterung, als im Kalender der Tag deines Abflugs steht.

Ich fürchte, ich bin noch nicht stark genug für mich selber, um die Hoffnung nicht wieder von mir Besitz ergreifen zu lassen und standhaft zu sein, aber ich bin es dann eben für den Liebsten. Noch mal schafft er es nicht, mich über Wasser zu halten. Dass wir auf einem anderen Kontinent sind, wenn dein Flieger hier landet, ist zwar Zufall, aber nicht verkehrt.

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