Donnerstag, 9. März 2017

Guter Rat

Wenn ich in die Situation gerate, einen Experten-Rat lesen zu müssen für gewöhnlich weil ich im Wartezimmer/beim Friseur sitze und es eben nur die obligatorischen Frauenzeitschriften gibtegal ob bezogen auf Beziehung, Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung, Beruf, empfinde ich das Geratene als doch nicht mehr als gesunden Menschenverstand, wenn´s hoch kommt noch in schöne Worte verpackt und mit Bildern von glücklichen und zufriedenen Menschen illustriert. Bekanntlich scheitert die Selbstverwirklichung, das Liebesglück, der gesundheitliche Erfolg oder die Karriere bei den meisten eben nicht daran, nicht zu wissen, wie man es theoretisch machen sollte, sondern daran, dies umzusetzen. Weiß doch heute jeder, dass man in Streitsituationen besser Ich-Aussagen formuliert, im Job die eigenen Stärken betont, aus Fehlern lernt und Netzwerke bildet. Vielleicht ist das auch einfach logisch - denn solche Tipps sollen möglichst jeden erreichen und können somit nicht auf einzelne Persönlichkeitsstrukturen oder Situationen eingehen. Insofern lese ich so was aus Langeweile und nicht weil ich auf Erleuchtung hoffe. 

Bis neulich. Morgens beim Internet-Daddeln irgendwie den sinngemäßen Satz aufgenommen "Suchen Sie bei der Person, über die Sie sich ärgern, mit der Sie aber gezwungenermaßen zurecht kommen sollten, eine gute Eigenschaft dieses Menschen". Diese Personen, denen man nicht aus dem Weg gehen kann, gibt es nun ja überall. Im Büro, auf Familienfesten,... Inutitiv hätte ich gedacht, dass ich das ja sowieso tue. Menschen sind ja vielschichtig und das versuche ich zu würdigen und möglichst lange ohne den Stempel auszukommen (wobei...irgendwann ist auch Schluss, dann gibt es eben einen Stempel). 

Im Lauf des Tages gab es dann aber tatäsächlich eine Situation, in der ich mich darüber ärgerte, wie eine Person zum wiederholten Male mit (nicht einmal persönlicher sondern fachlicher) Kritik umging - nämlich gar nicht. Das Muster kannte ich schon, hält mich aber (bisher) nicht davon ab, in gewissen Situationen eben doch meine Meinung zu äußern. Dass die Kritik nicht als helfend angesehen wird, machte mich traurig. Insbesondere als ich merkte, dass mein Vorschlag dann doch "heimlich" aufgenommen worden war. Na gut. Kenn ich, mag ich nicht, wieder drüber geärgert. 
Abends dann beim Nachdenken über den kommenden Tag kam mir die Situation wieder in den Kopf. Schon beim Gedanken daran, die Person wieder zu treffen, war ich genervt. Und in diese Stimmungslage mischte sich eben der Ratschlag, den ich morgens gelesen hatte. 

Und nun halten Sie sich fest: Ich hab das ausprobiert und das funktioniert. Ich musste gar nicht lange suchen, bis ich wusste, was ich an ebenjener Person, von der ich grad noch gedacht hatte,wie nervig und ausschließlich schwierig sie sei, schätzte. 
Es handelt sich z.B. um eine sehr großzügige Person, die beim Mittagspausen-Einkauf mitgebrachte Süßigkeiten immer unter den Kollegen verteilt. Außerdem äußert diese Person offen Kritik an Vorgesetzten (klingt zwar bzgl. der eben benannten eigenen Kritik-Unfähigkeit etwas seltsam, aber das eine muss nicht unbedingt was mit dem anderen zu tun haben), was ich ausgesprochen mutig und wichtig finde. Mir fielen noch ein paar andere Kleinigkeiten ein und plötzlich fand ich es gar nicht mehr so schlimm, am nächsten Tag wieder mit dieser Person zusammenzutreffen, sondern freute mich geradezu darauf.

Probieren Sie es aus!


 

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