Mittwoch, 29. März 2017

Ein blindes Huhn...?

Es hat bei mir einige Zeit gedauert, dass ich meine Stärken im Beruf (jaja über privat wollen wir gar nicht erst sprechen) als solche anerkennen konnte. Mittlerweile gehe ich relativ offensiv damit um, dass ich nicht ständig unter Maschinen liegen muss und mit ölverschmierten Händen meine Spuren hinterlassen muss, sondern meine Handschrift eher aus Strukturierungsstärke, Ordnung, Koordinations- und Kommunikationsfähigkeit sowie Fäden-Zusammenhalten besteht (mancher mag es Management nennen). Und trotzdem eine gute Ingenieurin bin. Das dauerte etwas in einem Umfeld, in dem manche Kollegen das Konstruieren als DIE Ingenieursaufgabe schlechthin sehen und das auch außenwirksam vor sich hertragen (absurderweise wurde das Konstruieren in meinem alten Job gerade größtenteils von den Ingenieuren an die Zeichner abgegeben ...).
Mittlerweile hat sich der Wind ein wenig gedreht, und ich fühle quasi täglich, dass meine Stärken - an den richtigen Stellen eingesetzt - wirklich was bewegen. Das macht mich glücklich und zufrieden.
So habe ich heute ganz natürlich ohne großes Überlegen die Moderation und Dokumentation eines Brainstormings übernommen - ich war froh, wirklich viele kreative Köpfe in der Runde zu haben und die Kollegen ebenso froh, wegen "Wenn du das machst, braucht man es danach nicht noch mal anfassen und versteht auch noch in einem Jahr, was Sache war" .
Und, was soll ich sagen? - jetzt wird aus einer Vielfalt an guten Einfällen ausgerechnet meine Idee weiterverfolgt. 
WTF oder auch Ein blindes Huhn ....

Montag, 27. März 2017

Montag, Sonne und Käffchen

Nachdem ich den gestrigen Post in die Atmosphäre geschickt hatte, nutzte ich die Motivation, die das sonnige Wochenende in mir zurückgelassen hatte, und fragte meine Lieblings-Syrerin, die ja eigentlich jetzt eine Aachenerin ist, per whatsapp, ob wir uns heute, Montag, statt in der Sprachschule in einem Cafe treffen wollten. 
Sie sendete "Ja, ich will" und Herzchen zurück, was in anderem Zusammenhang vielleicht hätte komisch wirken können. Aber deutlich wurde, dass sie ebenfalls die Verlockung erkannte, der Sprachschule, die - wenn auch wirklich modern und ordentlich ausgestattet - den typischen Schul-Muff in sich trägt, zu entfliehen. Als Treffpunkt schlug ich das Rathaus vor. 
Da ich heute mit dem Rad in das benachbarte Arbeits-Städtchen gefahren war, sparte ich mir den Umweg über Zuhause und stellte - leicht abgehetzt auf Grund einer Spontan-Telko mit einem Kunden - am frühen Abend mein Rad am vereinbarten Treffpunkt ab und wartete. Wo kommen eigentlich die ganzen Menschen her? Immer wenn ich unter der Woche in der Stadt bin, kann ich es nicht fassen, wie viele Leute auf der Straße sind. Klar, die Heimatstadt beherbergt knapp 40.000 Studenten und die haben meines Wissens nach gerade sogar Semesterferien, zumindest verdient sich unser Hiwi bei uns gerade mit 8h Arbeit täglich eine goldene Nase), aber...trotzdem??? 
Kurz nach der verabredeten Zeit schrieb Roza mir, sie stehe neben der Kirche, womit sie den Dom meinte, aber eigentlich stand sie wie verabredet am Rathaus, was ich mir schon dachte (Witzigerweise habe ich genau das selbe auch mal gemacht - in meinem ersten Monat hier besuchte mich mein Papa. Weder er noch ich kannten die Stadt und so verabredeten wir uns am berühmten Dom. Ich stand dann am Rathaus, hat doch so kirchliche Türmchen..er richtigerweise am Dom). Jedenfalls  musste ich mich nur einmal umdrehen und wir hatten uns entdeckt. Ich schlug das lauschige Plätzchen vor, an dem ich noch etwas Sonne erhoffte. Gabs dann zwar nicht, aber immerhin einen Platz, womit man am Markt nicht hätte rechenn dürfen. 







Roza hatte heute einen Test in der Sprachschule. Davon erzählt sie mir anfangs, und dann kamen wir von diesem auf jenes. Das kurdische Neujahrsfest Nowruz letzte Woche, eine Freundin, die plant nach Deutschland zu kommen, wie jede Woche das Thema Kochen, Sport, Youtube, ihr Ehemann, seine Arbeit, Nachrichten. Als eine Stille entsteht, ergreift SIE das Wort und erzählt lachend von ihrem Vater, der den (niederländischen) theoretischen Test zum Führerschein nicht bestanden hat. Er, der Lehrer. Und dass seine beiden halbwüchsigen Söhne die Prüfung schon bestanden haben...Roza lacht und ich erahne, was der Vater sich zur Zeit von der Familie anhören darf.
Was für eine Veränderung. Statt sich wie in den ersten Wochen nach dem Beantworten einer Frage erleichternd seufzend zurückzulehnen und gleichzeitig schon ängstlich auf meine nächste komplizierte und anstrengende Frage zu warten, will sie plötzlich immer mehr loswerden. Und sie kann. Wir schreiben heute nur 2,3 Wörter auf, die sie nicht versteht. Ansonsten erzählen und erzählen wir. Erst als es kühl wird, winke ich mal nach der Kellnerin. Ich hatte mir schon im Vorhinein darüber Gedanken gemacht, wie das mit dem Bezahlen wohl wird. Es waren nur zwei Kaffee*, aber ich möchte nicht, dass sie bezahlt. Mit dem Liebsten habe ich vorher kurz gesprochen. Er sagte, das spießige Trennen auch von zwei Kaffee, müsse sie schließlich auch lernen. Da hat er recht eigentlich. Bei der Einführung in das Ehrenamtsprojekt hat die Projektleiterin gerade diese Schwierigkeit benannt, wenn man mal raus geht zusammen aus der Sprachschule. Prompt holt Roza einen Zwanni raus und sagt "Ich möchte das bezahlen". Das hat sie auswendig gelernt, das merke ich, und erkläre ihr, dass mir das unangenehm ist, da ich weiß, dass sie erst noch deutsch lernen muss, ehe sie ihr Geld verdienen kann. Irgendwie einigen wir uns dann, und es funktioniert, als die Kellnerin wiederkommt. 
Zum Abschied schlägt sie vor, dass ich mit dem Liebsten einmal zu ihr und ihrem Mann zu Besuch kommen soll.
Gerne!

 *Überrascht stellte ich übrigens fest, dass es hier zum Cappu noch meine absoluten Lieblingsplätzchen von Plum´s Kaffee gibt. Mein (für nicht-sonnige Tage) favorisiertes Cafe Egmont bezieht zwar den Kaffee noch von Plum, aber hat vor 2-3 Jahren die Kekse ausgetauscht. Seitdem dachte ich, dass Plum diese Kekse einfach nicht mehr verkauft. 

Samstag, 25. März 2017

Sommer gleich Erntezeit

Das grandiose Wetter heute verspricht, sich bis in die kommende Woche hinein zu halten. Wenn ich im Winter die Kälte und Dunkelheit verfluche und zugleich den Sommer herbeisehne, mich dann frage, was ich am Sommer denn eigentlich so vermisse, entsteht in meinem Kopf immer wieder ein Bild: nämlich eines von pastelligen Stunden im Straßencafe, Cappuccino schlürfend natürlich, Sonnenbrille auf der Nase, reden, schweigen, Leute gucken... 
Als unspontanster Mensch der Welt fällt es mir trotz aller Kaffee- und Cafe-Neigung sehr schwer, solche Stunden regelmäßig zu verwirklichen, sei es Sommer oder Winter. Und das, obwohl ich sehr genau weiß, dass sie für den Alltag unfassbar viel Kraft geben können. Für den ein oder anderen mag es sich vielleicht lächerlich anhören, wenn ich mir zum Ziel mache, diesen Sommer genau das zu verwirklichen. 

Mehr faules Genießen in Straßencafes.
 
Für mich ist es mehr, nämlich Teil einer Veränderung, die ich in den letzten 2 Jahren mit viel harter Arbeit in Gang gesetzt und verfolgt habe, und deren Früchte ich nun auch gerne ernten möchte. 






Der Plan ist nun also, das gute Wetter kommende Woche trotz Arbeit und Alltag irgendwie zu nutzen...

Donnerstag, 23. März 2017

Wohnheimat

Der Liebste und ich sind damals schon nach einem Jahr zusammengezogen. Ein mutiges Unterfangen, wenn ich heute zurückdenke. Wie wenig man den anderen nach einem Jahr erst kennt, wird einem ja erst im Rückblick klar. Aber wir man sieht, ist das gut gegangen! Die gemeinsame Wohnen war das beste, was uns passieren konnte. Wir fanden eine kleine Wohnung, von der aus wir morgens innerhalb von 2 Minuten (!) Fußweg, das ist keine Übertreibung, im Hörsaal saßen. Der Supermarkt war innerhalb von einer Minute erreicht, selbiges galt für die Studentenmeile der Stadt, in der man alles an Fast Food Lokalen und Bars vorfand, was das Studentenherz begehrt.

Die Situation, in der wir entschieden, zusammenzuziehem, habe ich in meinem Kopf abgespeichert wie einen Film. Zu Besuch in meiner Heimat (das Wort verwende ich eigtl. gar nicht, da ich meinen aktuellen Wohnort als meine Heimat sehe) erzählte der Liebste gerade meinem Bruder, dass seine WG wegen Vollsanierung aufgelöst werde. Der Bruder, der weiß, was gut für die kleine Schwester ist, sagte schlicht und einfach "Phh, warum zieht ihr denn dann nicht zusammen?" und ging sich dann ein Bier holen. Da saßen wir nun und sagten im gleichen Moment beide etwas wie "Ich hatte ja auch schon mal überlegt,... aber wusste nicht, ob du...?"- und damit war die Sache geritzt. Drei Monate später zogen wir zusammen, und das trug auch dazu bei, eine schwere Zeit, die noch im selben Jahr einkehrte, zusammen durchstehen.

Mit der Zeit beendeten wir das Studium, verdienten Geld und vermissten nun einen Balkon. So kam es, dass wir die Wohnungsinserate sporadisch ansahen, mal der eine, mal der andere. Es gab genau eine Wohnung, die uns so interessierte, dass wir anriefen. Nach einem zweistufigen Casting hatten wir die Wohnung. Volltreffer, und das in einer Studentenstadt, in die Vermieter das Inserat auf Grund der Fülle an Anrufen schon nach 15 Minuten wieder gelöscht hatten.
Wir fühlen uns immer noch sehr wohl in dieser Wohnung und genießen den Balkon, der ins Grüne gerichtet ist, und ich insbesondere die perfekte Lage um sofort loszulaufen.

Das alles ging mir heute durch den Kopf, als ich zur Arbeit fuhr, der Liebste aber zum Bahnhof für eine zweitägige Geschäftsreise.

Ich genieße es, auch mal abends alleine zu sein. Insbesondere koche ich mir dann immer das, womit ich bei ihm nicht so punkten kann (z.B. gratinierter Fenchel, hhhmmm, ein Schätzchen aus dem Buch "Die echte italienische Küche"...!).

Am schönsten finde ich es aber, wenn ich einen versteckten Zettel wie in alten Zeiten vorfinde, auf dem der Liebste mir einen Gruß hinterlassen hat.





Montag, 20. März 2017

Einfacher!

Es ist ja so. Auf einfache Entscheidungen erhält man in den meisten Fällen sehr schnelles Feedback: 

Gehe ich über die Straße, obwohl Rot ist? - Autsch oder nicht autsch. 

Schnibbel ich die Gurke noch aufs Brot, obwohl die eine Ecke schon etwas matschig ist und Schimmel nicht vollständig ausgeschlossen werden kann? - Toilette oder nach wenigen Minuten hat man schon vergessen, dass da evtl. was mit der Gurke nicht gestimmt hat (Hatte die Situation bereits 2-3 mal mit meinem mittäglichen Brot, auf das ich mir immer Gurke schnippel in der Büroküche. Immer gut gegangen bisher. Sollte es mal nicht gut gehen, hoffe ich, dass das Feedback nicht ganz so unvermittelt kommt, sondern gerne erst nach Feierabend!)

Fisch oder Fleisch im Restaurant? - Zufriedenheit und ich esse meinen Teller leer oder Totaler Futterneid und der Teller des Liebsten ist mein Ziel.

Es gibt für mich aber die andere Gruppe von Entscheidungen, die man trifft und gleichzeitig weiß, dass man sich sehr lange damit plagen würde, wie es wäre, hätte man sich anders entschieden. Angeblich unterliegt der Mensch dem Commitment Bias (zufällig erst kürzlich in einem Ted Talk gehört), der dazu führt, dass wir für gewöhnlich zu einer Entscheidung, ist sie erst mal von uns getroffen, umso mehr stehen. Wir müssen uns ja ab diesem Zeitpunkt ein Leben lang dafür auch vor uns selber rechtfertigen. Bei mir wirkt der aber irgendwie nicht so gut.  Vielmehr startet bei mir sofort nach einer Entscheidung der Prozess in meinem Kopf, der die Folgen der eben nicht getroffenen Entscheidung plötzlich als viel schöner, süßer, funkelnder und vernünftiger erscheinen lässt.
Und weil ich das weiß, bin ich eben seeeehr schlecht darin, Entscheidungen zu treffen. 

Und auch wenn ich bei einer kürzlich getroffenen Entscheidung die meiste Zeit schon wusste, dass es die richtige gewesen war, hatte ich mich dennoch schon damit abgefunden, auch hier wieder für seeeeehr lange Zeit immer und immer wieder darüber sinnieren zu müssen, was gewesen wäre, wenn doch ...? Der Prozess wurde heute kurz und knackig mit dem Eingang einer E-Mail beendet, in der so viel kindischer Trotz zum Ausdruck kam, dass ich jetzt umso besser und mit größter Bestimmtheit weiß, dass meine Entscheidung die einzige richtige gewesen ist. Und plötzlich hat mein Kopf wieder sehr viel freie Kapazitäten für andere Entscheidungen. 
Und jetzt...? House of Cards, eine Runde Camel Up oder Lesen? Hmmm....



Samstag, 18. März 2017

Show me the data!

Aus Gründen bin ich wirklich froh, dass der diesjährige Equal Pay Day auf einen Samstag fällt. Doch auch wenn es heute keine Mittagspausen-Diskussion dazu gibt, heißt das erstens nicht, dass es diese nicht am Montag gibt, und zweitens hatte ich auch so das Bedürfnis*, mir die dahinter liegenden Daten mal anzusehen.

Was ich bisher wusste ist: Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen im Jahr symbolisch gesehen auf Grund des Gender Pay Gap ohne Entlohnung arbeiten. Die entsprechende Rechnung wird durch das Statistische Bundesamt aufgestellt, und beziffert die Lohnlücke eben auf 21%, wieso der Equal Pay Day dieses Jahr auf den 18. März fällt. Soweit so gut. Viel mehr Hintergund hatte ich dazu nicht. 
Die erste Frage, die sich vor mir auftat, war natürlich die, ob die Berechnung auch die unterschiedliche Verteilung der Geschlechter auf die unterschiedlichen Berufsfelder ausgleicht. Wenn ein Geschlecht stärker in gut bezahlten Berufsgruppen vertreten ist, das andere daegen stärker in regelmäßig schlechter bezahlten, so ist die entstehende Lohnlücke schlicht eine Berufs-bedingte, nicht aber eine Geschlechts-bedingte. 
Ich war ein bisschen entsetzt, als ich dann feststellte, dass genau das beim Equal Pay Day nicht berücksichtigt wird, sondern tatsächlich der Bruttostundenlohn unabhängig von Beruf, Bildung, etc. verglichen wird. Diese Berechnung öfftnet natürlich Tür und Tor für Kritik, denn der häufigste Einwand dürfte sein, dass die Einkommensunterschiede (allein) ein Ergebnis der unterschiedlichen Präferenzen von Mann und Frau für unterscheidliche Berufe seien, und der Gender Pay Gap somit eben kein Zeichen der Diskriminierung sei. Hier wollte ich dann eigtl. aufhören mit meiner Recherche zum Equal Pay Day, und zwar aus dem Grunde dass ich hierin kein sinnvolles Maß für die Un-Gleichstellung sehen konnte. Auch wenn ich die letzte bin, die Einkommensunterschiede allein durch geschlechtsspezifische Präferenzen erklären will, würde ich doch vermuten, dass die berufsbedingte Unterschiede bei einer fairen Berechnung mit einbezogen werden sollten. Nur so könnte man am Ende (und in einer idealen Welt mit idealen Daten) die Entlohnung der Leistung einer Frau mit der eines ebenbürtigen Mannes vergleichen. 

Trotzdem googlete ich noch ein bisschen weiter und stieß irgendwann auf den Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Tatsächlich findet man hierzu dann die Aussage, mit Verweis auf Christina Boll ( Entstehung des Gender Pay Gaps im Lebensverlauf In: Neue Zeitschrift für Familienrecht ) dass sich 3,4 Prozentpunkte der Gender Pay Gap allein dadurch erklären lassen, dass Frauen mehr in den Branchen arbeiten, in denen das Lohnniveau geringer ist. Achtung: Meiner Interpretation nach ist auch diese Zahl kritisch zu sehen, da sie zwar den Fakt berücksichtigt, aber eben nicht die Ursachen dafür, dass es überhaupt noch immer geschlechtsspezifische Branchen gibt, obwohl die physischen Merkmale in den wenigsten Branchen heutzutage noch ausschlaggebend sein dürften. Dies können ja auch Präferenzen sein, müssen es aber nicht. Der Gleichstellungsbericht erwähnt nämlich an anderer Stelle eben Barrieren beim Eindringen in die jeweils "fremde" Branche, sodass allein die Präferenzen nicht die Ursache sein dürften. 
 
Dass die Initiative trotz der Tatsache, dass es auch einen berenigten Gender Pay Gap gäbe, den unberenigten als Marke für den Equal Pay Day ausgewählt hat, dürfte zum einen an der Meinung liegen "Je krasser die Zahl, umso größer die Aufmerksamkeit". Dem stimme ich zwar persönlich nicht zu, aber naja. Die eigentliche Problematik ist aber, dass die Aspekte (z.B. Ausbildungsniveau, Berufserfahrung, Dienstalter, Berufsgruppe, Beschäftigungsumfang, Tarifbindung des Arbeitgebers, Unternehmensgröße, Einfluss der öffentlichen Hand auf die Unternehmensführung, Wirtschaftszweig, Art des Wohnorts), um die der bereinigte Gender Pay Gap bereinigt ist, selber Folge der Diskriminierung am Arbeitsplatz sein können. 

Insofern gehe ich hier mit und sage: Einfache Zahlen um aufmerksam zu machen. Wenn die Schwächen des Equal Pay Day dazu führen, dass man nette Disksussionen auf Twitter führt, wie ich heute, und man sich hinsetzt und die Zahlen hinterfragt, umso besser.

Happy Equal Pay Day, Ladies!


* Ein Ted Talk (unbedingt ansehen), den ich vor einigen Wochen geschaut habe, hat mich offenbar nachhaltig geprägt. Talithia Williams plädiert auf unglaublich unterhaltsame Weise dafür, Statistiken, die die Gesundheit und somit den eigenen Körper betreffen, zu hinterfragen. Sie skandiert hierfür den Satz "Show me the data". Bei mir hat es gewirkt: bei allem, was ich heute so gelesen habe, klang mir dieser Satz in den Ohren.

Donnerstag, 16. März 2017

Schuh-bidu

Ich neige bei Dingen, die mir gefallen, zum Vorratskauf. Normalerweise bezieht sich das auf Lebensmittel, kann aber auch mal auf andere Gebiete übergreifen. So besitze ich das gleiche Paar Schuhe einmal in Schwarz und einmal in Braun.
Als ich heute Morgen dann am Auto stand und gerade einsteigen wollte, fiel mein Blick auf meine Schuhe. Als ich dann IM Auto saß, realisierte ich was ich da gesehen hatte: einen braunen und einen schwarzen Schuh.




Ich kämpfte kurz mit mir... anlassen, hoffen, dass es niemand merkt? Und wenn doch, einfach richtig richtig stark bleiben und behaupten, das muss so? Ich glaube an einem anderen Wochentag hätte ich es drauf ankommen lassen. Meinen ausschließlich männlichen Büro-Kollegen traue ich zu, dass sie sogar übersehen würde, wenn ich ohne Schuhe käme.  Da der Donnerstag aber der Tag der weekly Meetings ist, seufzte ich kurz, stieg wieder aus und stiefelte die zwei Ecken zurück nach Hause.
Ich entschied mich dann übrigens für braun.
Alles gut also. Aber irgendwie hat sich bei mir jetzt der Gedanke eingepflanzt, was wenn das nun heute nicht das erste Mal war, dass mir das passiert ist?  Wenn ich insgeheim den Spitznamen "Die mit den verschiedenen Schuhen" innehabe, ohne je selber von den verschiedenen Schuhen eine Ahnung gehabt zu haben? Das ist ein bisschen spooky, und in Zukunft mache ich das große Licht im Flur an, wenn ich die Schuhe anziehe.

Wer mich darüber aufklären möchte, wie ich einen Instagram Post einbinde, sehr gerne! Seltsamerweise kann ich bei allen fremden Fotos über die drei Pünktchen den Einbett-Code abrufen. Nur bei meinen eigenen Fotos gibt es die drei Pünktchen nicht, und damit auch keinen Einbett-Code. 




Mittwoch, 15. März 2017

Ich weiß es eigentlich besser, aber ...

....trotzdem gerate ich ins Wanken.  
Es wird kein Happy End mehr geben, das habe ich doch jetzt zum wievielten Male verstanden. Oder? Vor einem guten Jahr war sie noch mal ganz groß, die Hoffnung. Wochenlang hielt mich der Gedanke an unser Wiedersehen aufrecht. Das schaffst du noch, jetzt nur noch eine Woche, noch zwei mal schlafen, einmal, morgen bist du schon am Flughafen, dann ist sie da und alles ist gut. Jetzt nur nicht schlapp machen. Dann wird endlich alles gut. 

Es hätte gereicht, die ersten Zeichen am gleichen Abend zu deuten, um sofort der großen Katastophe aus dem Weg zu gehen: Die Sahne, die meine  Schwester für die Pasta verwendete - "DAS ist meine Tochter!" - die erste Bloßstellung deiner kranken Tochter. Und der Neid. Ab jetzt war alles Neid. Auf deine Freunde. Auf deinen Mann, der ohne Zögern mit einem Schulterklopfen wieder in seine Sportrunde aufgenommen wurde. Auf die gute, mit so viel Kraft erkämpfte Beziehung zwischen deinen beiden Töchtern. Da wolltest du wieder zwischen. Seit wann gibt es in diesem Land so viele Ausländer?, brüllst du in den Hörer, du Weltreisende. Auf dem Amt werden sie bevorzugt. Nein das ist nicht mehr mein Land, aber zur Zahnreinigung gehe ich noch schnell, zahlt ja die Kasse. Und diese vielen Klamotten, die ihr habt. Hat man so was schon mal gesehen?

Der vorläufige Höhepunkt: Das gemeinsame Weihnachtsfest bei uns, das ich mir in den buntesten Farben ausgemalt hatte, und das trotz allem, was in den ersten Tagen nach deiner Rückkehr war, nur ein kleines bisschen grauer geworden war. Hättest du dir nicht denken können, dass die Mutter des Liebsten deiner Tochter ohne Zögern die Gabeln in ihrer Wohnung findet? Das warfst du mir später vor. Und die Geschenke. So viel Konsum. Ist ja widerlich. Und überhaupt, wieso tust du mir das an? Damals hast du mir doch versprochen, das nie wieder zu tun. Oh, stell dir vor- ich habe auch keinen Bock auf diese Krankheit. 

Bitte. Wieso fragst du nicht, wie du mir helfen kannst. Bitte. 

Trotzdem ein letzter Versuch. Deine Wochenenden sind für andere Menschen reserviert. So mein Vorschlag: Ich nehme mir (trotz aller Bauchweh wegen des gerade erst wenige Wochen alten neuen Job) ein paar Stunden früher frei. Komm doch her, wir machen es uns gemütlich mit Kaffee und Keksen. - Nein ich fahr nicht Zug. Da muss man ja Angst haben, hast du nicht gesehen, was Silvester war? So viele Ausländer. Setz DU dich in den Zug, ich hab Angst. - und ich vorm Leben. Checkst du´s mal?
Also kein Wiedersehen, kein Happy End, sondern Erleichterung, als im Kalender der Tag deines Abflugs steht.

Ich fürchte, ich bin noch nicht stark genug für mich selber, um die Hoffnung nicht wieder von mir Besitz ergreifen zu lassen und standhaft zu sein, aber ich bin es dann eben für den Liebsten. Noch mal schafft er es nicht, mich über Wasser zu halten. Dass wir auf einem anderen Kontinent sind, wenn dein Flieger hier landet, ist zwar Zufall, aber nicht verkehrt.

Montag, 13. März 2017

Fortschritte

Ich glaube, Roza und ich machen langsam Fortschritte. In jeder Beziehung. 
  1. Wir sind zur gleichen Zeit am gleichen Ort.
  2.  Wir begrüßen uns mit einer Umarmung, die sich anfühlt wie unter Freundinnen
  3. Sie stellt - wenn auch holperig - Gegenfragen, nach meinem Tag, meinem Wochenende...
  4. Ich kenne die Namen all ihrer neun Schwager und Schwägerinnen
  5. Dass das Perfekt entweder mit "haben" oder "sein" gebildet wird, hat sie, glaube ich, heute verstanden - im Kurs ist das wohl nicht so gut rüber gekommen. 
Läuft! 

Sonntag, 12. März 2017

12 von 12 im März

Und wieder eine Premiere. 12 von 12 ist auch so ein Blogger-Ding, das man irgendwann als ganz normal anerkennt. Am 12. des Monats wird halt der Tagesablauf in 12 Fotos dokumentiert. Als wäre das immer so gewesen und würde es immer so sein. Nun ist mir aber aufgefallen, dass ich - anders als beim WMDEDGT von Frau Brüllen - den Urheber nicht genau kenne. Nach Klick um Klick von Blog zu Blog bin ich nun aber beim Blog "Draußen nur Kännchen" gelandet. Hier werden alle Verlinkungen zu dieser Initiative gebündelt, auch wenn die Erfindung laut Beschreibung hier wohl jemandem anders zuzuschreiben ist. 
Ich bezweifle, dass ich auf 12 Fotos komme, aber ich versuche es! 


Der Tag startet mit einem kurzen Lauf.
Frühstück.

Sonntagsritual: Zeit-Rätsel. Ziemlich einfach heute.

Lesen auf dem Balkon. Endlich wieder.
Am Nachmittag sind wir bei Freunden eingeladen. Die Clicque ist allgemein der Quiz-verrückt, und so hat vor einigen Monaten einer sich wirklich hingesetzt und ein Wissens-Quiz programmiert. Dies beinhaltet verschiedene Arten von Spielen, z.B. Zuordnungs-Aufgaben, Schätzfragen, normale Wissensfragen, Musik-Quiz etc., ähnlich wie bei Schlag den Raab. Das Quiz kann immer wieder mit neuen Fragen bestückt werden. So konnte heute auch zum ersten mal der Erfinder des Quiz als Teilnehmer mitspielen, da die Fragen für den heutigen Tag durch jemand anderes in mühsamer Wikipedia-Arbeit zusammengestellt wurden.
Quiz (wegen Handy-Mogel-Verbot in einer Pause fotographiert)
Das Quiz ist wirklich eine nette Sache. Besondere Brisanz ergibt sich dadurch, dass die Pärchen stets auf die beiden Teams verteilt werden. Er (noch studierend)"Ihr müsst einfach mal mittags die Reportagen auf Arte gucken" . Seine Freundin (arbeitend) "Da müssen WIR alle arbeiten". Bumm!
Das Quiz dauerte dann aber auch 5 Stunden, sodass weitere Fotos ab jetzt schwer wurden. 
Ich helfe mir daher mit einem schnöden Foto meiner täglichen abendlichen Schoki, sowie zwei Fotos  von gestern.

Studentenwohnheim. In Klausurphasen wird wohl mehr gelernt als gefeiert. Hach, bin ich froh, dass das vorbei ist.

Wanderung am Samstag bei herrlichem Frühlingswetter



Donnerstag, 9. März 2017

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Guter Rat

Wenn ich in die Situation gerate, einen Experten-Rat lesen zu müssen für gewöhnlich weil ich im Wartezimmer/beim Friseur sitze und es eben nur die obligatorischen Frauenzeitschriften gibtegal ob bezogen auf Beziehung, Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung, Beruf, empfinde ich das Geratene als doch nicht mehr als gesunden Menschenverstand, wenn´s hoch kommt noch in schöne Worte verpackt und mit Bildern von glücklichen und zufriedenen Menschen illustriert. Bekanntlich scheitert die Selbstverwirklichung, das Liebesglück, der gesundheitliche Erfolg oder die Karriere bei den meisten eben nicht daran, nicht zu wissen, wie man es theoretisch machen sollte, sondern daran, dies umzusetzen. Weiß doch heute jeder, dass man in Streitsituationen besser Ich-Aussagen formuliert, im Job die eigenen Stärken betont, aus Fehlern lernt und Netzwerke bildet. Vielleicht ist das auch einfach logisch - denn solche Tipps sollen möglichst jeden erreichen und können somit nicht auf einzelne Persönlichkeitsstrukturen oder Situationen eingehen. Insofern lese ich so was aus Langeweile und nicht weil ich auf Erleuchtung hoffe. 

Bis neulich. Morgens beim Internet-Daddeln irgendwie den sinngemäßen Satz aufgenommen "Suchen Sie bei der Person, über die Sie sich ärgern, mit der Sie aber gezwungenermaßen zurecht kommen sollten, eine gute Eigenschaft dieses Menschen". Diese Personen, denen man nicht aus dem Weg gehen kann, gibt es nun ja überall. Im Büro, auf Familienfesten,... Inutitiv hätte ich gedacht, dass ich das ja sowieso tue. Menschen sind ja vielschichtig und das versuche ich zu würdigen und möglichst lange ohne den Stempel auszukommen (wobei...irgendwann ist auch Schluss, dann gibt es eben einen Stempel). 

Im Lauf des Tages gab es dann aber tatäsächlich eine Situation, in der ich mich darüber ärgerte, wie eine Person zum wiederholten Male mit (nicht einmal persönlicher sondern fachlicher) Kritik umging - nämlich gar nicht. Das Muster kannte ich schon, hält mich aber (bisher) nicht davon ab, in gewissen Situationen eben doch meine Meinung zu äußern. Dass die Kritik nicht als helfend angesehen wird, machte mich traurig. Insbesondere als ich merkte, dass mein Vorschlag dann doch "heimlich" aufgenommen worden war. Na gut. Kenn ich, mag ich nicht, wieder drüber geärgert. 
Abends dann beim Nachdenken über den kommenden Tag kam mir die Situation wieder in den Kopf. Schon beim Gedanken daran, die Person wieder zu treffen, war ich genervt. Und in diese Stimmungslage mischte sich eben der Ratschlag, den ich morgens gelesen hatte. 

Und nun halten Sie sich fest: Ich hab das ausprobiert und das funktioniert. Ich musste gar nicht lange suchen, bis ich wusste, was ich an ebenjener Person, von der ich grad noch gedacht hatte,wie nervig und ausschließlich schwierig sie sei, schätzte. 
Es handelt sich z.B. um eine sehr großzügige Person, die beim Mittagspausen-Einkauf mitgebrachte Süßigkeiten immer unter den Kollegen verteilt. Außerdem äußert diese Person offen Kritik an Vorgesetzten (klingt zwar bzgl. der eben benannten eigenen Kritik-Unfähigkeit etwas seltsam, aber das eine muss nicht unbedingt was mit dem anderen zu tun haben), was ich ausgesprochen mutig und wichtig finde. Mir fielen noch ein paar andere Kleinigkeiten ein und plötzlich fand ich es gar nicht mehr so schlimm, am nächsten Tag wieder mit dieser Person zusammenzutreffen, sondern freute mich geradezu darauf.

Probieren Sie es aus!


 

Dienstag, 7. März 2017

Geschichte und Geschichten

In der Hochphase der schulischen Aufklärung über den Nationalsozialismus in der Mittelstufe des Gymasiums wagte ich einst den Vorstoß, meine Großeltern müttterlicherseits nach dem Krieg zu befragen. Ich war neben der oft eher faktenreichen Bildung durch die Schule geprägt durch allerhand tatsachenbasierte Jugendliteratur, die ich - lange bevor man uns den Stoff in der Schule zumutete - schon längst verschlungen hatte. Allem voran natürlich die Biographie der Sophie Scholl, aber auch die sicherlich autobiographisch angehauchten Bücher von Judith Kerr, Klaus Kordon und vielen anderen.
So brannte ich darauf, eine Heldengeschichte in der Familie aufzudecken, und war mir sicher, dass die irgendwo versteckt sein müsse. Ich müsste nur fragen, meinen Großeltern zu verstehen geben, dass ich alt genug sei, um endlich eingeweiht zu werden.

Die Ernüchterung, die ich damals erfahren musste, kann ich auch heute, ca. 15 (?) Jahre später, noch abrufen. Meine Oma fing an zu weinen, sprach "Hitler hat uns unsere Jugend gestohlen", aber dass es "beim Bund Deutscher Mädel doch so nett gewesen sei". Der letzte Satz hat sich bei mir so eingeprägt, dass ich seitem nie nie wieder gefragt habe. Bis letzte Woche. Irgendwie hatte mir die Bemerkung eines Kollegen, dass sein Großvater alles Erlebte zur Zeit in einem Buch festhalte, zu denken gegeben. Vielleicht will ich nicht gerne hören, welche Rolle meine Großeltern damals gespielt haben oder vielmehr nicht gespielt haben - nämlich offensichtlich nicht die des Widerstands. Aber wie viele Gleichaltrige haben noch die Möglichkeit 90-jährige Großeltern zu befragen?

Irgendwie ergab es sich so im Gespräch, dass wir auf meinen Urgroßvater zu sprechen kam, da der - wie der Liebste und ich - ein Ingenieur war. Ich fragte ein bisshen nach dem Stahlwerk, in dem er beschäftigt war, und hieraus ergaben sich dann kleine Geschichten, die ich so noch nie gehört hatte. Das Gedächtnis meiner Oma kramte Daten, Bilder und Gefühle hervor, sodass der Liebste und ich zwei Stunden beinahe nur zuhörten.

Die Bombennacht von 12. Juni 1943. Das war wir für so viele auch die Nacht, in der meine Oma, ihre Mutter und der Vater ihre Wohnung verloren. Sie sicher im Bunker des Stahlwerks nebenan. Alle Arbeiter, nur einen Raum weiter, tot. Die Mutter - wohl herzleidend - stets mit einem nassen Tuch über der Brust. Der Vater, der erst 2 Stunden später in den Bunker kam, zu fasziniert von den Christbäumen, die über die Düsseldorfer Altstadt regneten. Verschüttet, gerettet, unverletzt bis auf eine Schramme am Knie meiner Oma.

Die Suppenküche, deren Ort und Stelle meine Oma noch heute nennen kann, und die daraufhin mehrmals täglich Anlaufpunkt war.

Das Sammeln von Bombensplittern, das den Kindern als das einzige Vergnügen blieb. Meine Oma streicht über den Tisch, als könne sie das Samt-Säckchen, in dem sie die Splitter bewahrte, jetzt noch fühlen.

Dann kam der Hunger. Die Kinder und Jugendlichen gingen Kohlen-Klauen. "Du bist in fremde Keller gegangen, um Kohlen zu stehlen? " - "Nein, nicht gestohlen haben wir. Geklaut". Die Unterscheidung ist meiner Oma sehr wichtig, und ich akzeptiere das. Alle zweit Tage bildeten sich Zweierpärchen, meist ein Junge und ein Mädchen. Durch einen Güterbahnhof zockelten die kohlebeladenen Züge im Schritttempo. Warum so langsam? Das weiß meine Oma nicht mehr zu sagen. Ob es technisch wirklich notwendig war, oder aber eine Geste der Nächstenliebe? Jedenfalls kletterten die Jungs auf den fahrenden Zug, schaufelten Kohlen herunter, die Mädchen sammelten sie derweil ein. Dann sprang der Junge ab. Die gemeinsam erwirtschafteten Kohlen wurden zwischen dem Pärchen geteilt und versorgten beider Familien für ein, zwei Tage mit ein wenig Wärme.

Meine Oma ist eine Künsterin. Nicht berühmt oder so. Aber eine so talentierte und leidenschaftliche Malerin, dass sie auch heute noch mit wenigen Prozent Sehkraft in den Malkreis ihrer Wohnanlage geht. Schon als Kind konnte sie gut malen, das Talent kam von ihrem Vater. Um ein wenig Geld nebenher zu verdienen, holte mein Urgroßvater gläserne Teelichthalter herbei. Einen ganzen ledernen Koffer voll davon brachte er eines Abends mit nach Hause. "U., wollen wir uns ein bisschen Geld verdienen?" So bemalten die beiden die Lichter mit Blumenmotiven, Mustern, Ranken und verkauften sie weiter an einen Laden. Bei ihrem letzten Besuch in Düsseldorf vor einigen Jahren, so erzählt meine Oma, war sie zufällig in jener Straße. Der Laden existierte noch immer als Lampen- und Deko-Geschäft. Für mich grenzt es an ein Wunder, dass in Hungerzeiten Bedarf an schmucken Teelichthaltern war. Wohl für ein bisschen Licht in einer furchtbaren Zeit.

"Wo habt ihr gelebt, nachdem ihr ausgebombt wart?". Meine Oma zögert. Uns wurde diese Wohnung zugeteilt. Vollständig eingerichtet. Die Schränke noch voll, die Betten bezogen.
Ein Jude habe da wohl gelebt, ein Arzt. 

Mein Opa, an Demenz erkrankt und bisher ohne Beitrag, fängt an zu gibbeln. Er ist bei einer der Geschichten hängen geblieben:  "U., so was. Die Bombensplitter haben wir auch gesammelt." 

70 Jahre sind sie bald verheiratet. 



Sonntag, 5. März 2017

WMDEDGT 03/17

Die ganze Woche freu ich mich schon, heute zum ersten Mal beim WMDEDGT der Frau Brüllen mitzumachen. Eigentlich wäre diese Premiere dann direkt eine Urlaubsedition, wenn nicht die Karnevalsnachwehen dies verhindert hätten. Darum also ein sehr normaler Sonntag und auf Grund der ja eigentlichen Abwesenheit auch ohne Verpflichtungen

7:00

Auch ohne Wecker die übliche Aufwach-Zeit. Die Kopfschmerzen, wegen derer ich heute Nacht echt nicht gut geschlafen habe, sind fast weg, Daher kann eine kleine Runde laufen nicht schaden.

7:30

Ich melde an, dass ich Brötchen mitbringe und laufe los. Endlich wieder Waldboden (na gut, teilweise auch Asphalt) unter den Füßen statt Laufband.Seit einigen Jahren höre ich ausschließlich Podcasts beim Laufen. Ich könnte an dieser Stelle viele empfehlen, dazu vielleicht mal einen gesonderten Post.

8:00

Beim Bäcker war es heute mal leer, normalerweise stehen die Leute sonntags bis auf die Straße. Wahlweise bis zum Blumenladen oder bis zum Döner-Mann, was bei Regen besonders nervig ist. Heute geht es aber schnell und mein geschultes Auge erkennt, ein gutes Brötchen-Batch. Einmal in 8 Wochen kommt es ca. vor, dass die Brötchen echt nicht gut sind. Keine Ahnung, was da dann schief läuft. Normalerweise ist der Bäcker in der Stadt als der beste bekannt.

9:00

Als ich aus der Dusche komme,  ist Zeit für´s Frühstück. Das Sonntagsfrühstück hat seit einigem Monaten die Tradition, dass wir dabei das ZEIT-Rätsel lösen. Dass wir immer schneller "um die Ecke denken" können, merken wir daran, dass nun von mal zu mal am Ende des Rätsels noch so viel Frühstück übrig ist. Ich finde es erstaunlich, dass man selbst bei solch einem Rätsel bemerkt, dass man sich verbessert, denn natürlich wiederholen sich Fragen nicht. Vielmehr scheint man einfach.. naja....besser "um die Ecke denken" zu können! Kluger Mensch, der sich den Namen des Rätsels ausgedacht hat.


Nach dem Frühstück wird noch ein Smoothie geext. Wenn jemand eine Idee hat, wie ich den Smoothie sinnvoll in meinem Frühstück unterbringen kann, gerne her damit. Zur Zeit habe ich das Problem, dass ich auf keinen Fall auf meinen Milchkaffee verzichten will. Dieser schmeckt mir aber nicht, wenn ich gleichzeitig Smoothie trinke. Nach dem Frühstück habe ich das dringende Bedürfnis, die Zähne zu putzen. So kurz davor möchte ich wegen der Säure der Früchte, mit deren Hilfe man beim Zähneputze dann den Zahnschmelz wegrubbelt, auch keinen mehr trinken. Habe ich heute zwar gemacht, aber wir befinden uns auch erst in Woche 2 der Smoothie-Ära.(Seitdem wir Smoothie trinken, hat übrigens eine von zwei Versuchspersonen die Grippe bekommen ... hmmm)


11:30

Als sich draußen so richtig schön die Sonne zeigt, gehen wir los für einen Spaziergang. Die Gesundheit des Liebsten hat sich über Nacht wieder ein bisschen verbessert, sodass frische Luft nicht schaden kann.


  

Ich hab dem Liebsten zu seinem besten befohlen  empfohlen, keine Kontaktlinsen zu tragen. Das Virus hat nämlich auch die Augen erwischt und er klagt über Sandkorn-Gefühl. Nur unter Protest geht er vor die Tür. Wir treffen doch eh keinen, den wir kennen, um diese Zeit, beruhige ich ihn. 

Und laufen dem ersten Kollegen des Liebsten in die Arme, dann dem zweiten Kollegen des Liebsten mit Frau und Kind.
Nie wieder gehe er mit Brille vor die Tür, sagt der angeblich uneitle Liebste. 

14:00

Wir wurschteln so vor uns hin, verspeisen wie immer am Wochenende die übrigen Brötchen als Snack. Der Liebste arbeitet ein wenig an der Diss. gibt mir dann einen Teil zum Korrekturlesen (juhu). Nebenbei bastle ich noch eine Geburtstagskarte für eine liebe Freundin, da ich unverhofft nun ja doch noch morgen persönlich gratulieren kann. Ich bin wirklich nicht kreativ, und daher immer froh über all die Ideen, die Pinterest bietet. Man findet immer etwas, das den eigenen Fähigkeiten und dem vorhandenen Material entspricht. Diesmal ist es also eine Universal-Wunsch-Karte geworden, für die ich mich dann noch mit einem Kaffee belohne.


18:00

Reste von gestern werden gegessen, Blumenkohl-Möhren-Getreide-Pfanne mit Curry-Joghurt-Dip. Lecker. Ich glaube, viel passiert hier heute nicht mehr. Wir müssen uns dann noch entscheiden zwischen Tatort und House of Cards.  

Weitere Berichte zum WMDEDGT finden sich bei Frau Brüllen. 
Die Aktion findet am 5. eines jeden Monat statt. Danke Frau Brüllen!





Samstag, 4. März 2017

Karnevalsnachwehen

Das ist richtig dumm gelaufen, aber wir müssen uns wegen grober Fahrlässigkeit wohl an die eigene Nase fassen. Wenn 50% der Reisegruppe am Karnevalsgeschehen aktiv teilnehmen, ist es keine gute Idee, einen Kurztrip direkt im Anschluss zu planen.
So bleiben wir zu Hause, der Liebste hütet das Bett. Und ich? Mit der unvorhergesehenen Zeit plane ich jetzt so schöne Sachen anzufangen wie Steuer, Kleiderschrank ausmisten, etc.
Grmpf.

Donnerstag, 2. März 2017

Mittagspausen-Situation

Leider hat unsere Abteilung keinen Raum, in dem wir mittags sitzen können. So sitzen wir eher am Schreibtisch und quatschen nebenher, während jeder sich auch mal ausklinkt und Zeugs im Internet liest.
Seit ein paar Wochen kommen die Jungs von nebenan aber auch hinzu, und so wird neuerdings eher der soziale Aspekt der Mittagspause in den Mittelpunkt gestellt, und das Internet wird Internet sein gelassen.
Seltsamerweise entwickeln sich phasenweise Trends. 
So befand ich mich über einen Zeitraum von etwa 7 Mittagspausen in der Situation, als einzige Frau mich plötzlich dafür rechtfertigen zu müssen, dass unsere neue Ober-Company (deren Grundsätze btw zu 0,0% bislang bei uns angekommen sind), im letzten Firmen-Magazin betont hat, dass Frauen in Führungspositionen ein Ziel für die nächsten Jahre sein sollen. Übrigens hatte keiner der Kollegen den Artikel gelesen, sondern mein Chef hatte es - ungeschickt wie er ist - in einem Nebensatz und ohne einordnenden Zusammenhang fallen lassen, dass da ja so was über Frauen-Förderung geschrieben steht.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich mich in der Diskussion komplett überfordert gefühlt habe. Nicht einmal beschreiben könnte ich meine Position, die ich da einnehme. Wenn die Frauenquote das einzige Mittel ist, um Chancengleichheit zu erzielen, dann her damit. Jemals irgendwo auch nur ansatzweise das Gefühl zu haben, selber diese Quotenfrau werden zu sollen? Ich könnte da nicht glücklich werden. Das Beispiel, dass ich auf eine meiner Bewerbungen einst eine Absage erhielt, obwohl der Abteilungsleiter mich im Gespräch schon quasi eingestellt hatte, wo ich im Nachhinein dann von einer Bekannten innerhalb der Firma die wahre Begründung erfuhr ("Frau im gebärfähigen Alter in fester Beziehung")? "Ach, Einzelfall! " Half auch nicht, dass zwei Kollegen von befreundeten Frauen ähnliche Geschichten zu erzählen wussten.


Ich bin froh, dass wir mittlerweile bei Logik-Rätseln angekommen sind
(Kennen Sie das Rätsel mit den drei Geistern, von denen einer stets die Wahrheit sagt, einer immer lügt, und der dritte mal so mal so?)

Mittwoch, 1. März 2017

Deine Mudda

Wir haben so gelacht heute. Zufällig merke ich, dass Roza den Komparativ von Adjektiven weder erkennt, wenn ich ihn benutze, noch ihn selber bilden kann. Im Buch habe ich aber gesehen, dass sie den bereits behandelt haben. Also üben wir das ein wenig. Dann kommen wir irgendwie auf Gegenteile, sammeln da ein paar Pärchen (die Klassiker groß-klein, jung-alt, hoch-tief)  ein, und irgendwie landen wir dann bei ihrer Tante, die neulich zu Besuch hier war, wie Rozas Eltern in Holland lebt und die die Schwester ihrer Mutter ist. Ich ergreife die Chance, noch mal den Komparativ zu üben, und frage erst, wie alt ihre Mutter , dann wie alt ihre Tante ist. Dass ihre Mutter 39 ist, gerade mal 10 Jahre älter als ich, und dass sie Roza also mit 18 bekommen haben muss, nehme ich beiläufig war. Beide Zahlen schreibe ich nebeneinander, dazu "Mama", "Tante" und die Differenz von 5 Jahren. Simav versteht sofort, was ich von ihr will, und fängt stockend an "Meine Mutter jünger Tante". Na, fast. Ich will ihr helfen und sage "Deine Mutter IST ...." hebe die Stimme, damit sie übernimmt. Sie "Deine Mutter ist...." - "Nein, nicht MEINE  Mutter,  also nein, doch, DEINE Mutter". Wir lachen. Roza fasst sich und beginnt noch mal "Meine Mutter ist jünger Tante". Gut. Soweit. Jetzt noch  das "als" einfügen. Ich spreche und schreibe auf einen Zettel "jünger ....als...". Simav versteht und startet erneut "Meine Mutter ist jünger als Tante 5 Jahre "
Ich korrigiere "Deine Mutter ist jünger ALS deine....", Roza: "Aaaah ok. Meine Mutter ist jünger als deine Mutter".
Und irgendwie hat sie damit ja auch recht. Und wir lachen wieder.