Samstag, 25. Februar 2017

Das zweite Treffen und die erste "Unterrichtsstunde"

Es ist Montag, eine Woche nach unserem Kennenlernen. Heute treffe ich Roza zum ersten Mal alleine. Das Kennenlernen hat mich etwas verunsichert. Ein bisschen auf deutsch zu quatschen, das Gegenüber ab und zu korrigieren, mit fehlenden Wörtern aushelfen und neben der sprachlichen Förderung vielleicht eine Brücke bauen in das deutsche Leben. So war meine Idealvorstellung. Jetzt, da ich Roza kenne, weiß ich, dass es nicht so einfach sein wird. Ich bin mir relativ sicher, dass ohne weitere Vorbereitung meinerseits ein Gespräch nicht in Gang kommen wird. Und so habe ich im Vorhinein einige Mittagspausen googlenderweise verbracht. Mit der Fülle an kostenlosem und auch wirklich attraktiven Material bin ich echt überfordert. Also versuche ich, mich vor allem an dem Unterrichtsbuch zu orientieren, das mit zur Verfügung gestellt wurde. Das letzte Thema war offenbar Kleidung, anhand dessen der Komparativ (der Pulli ist schöner als..., ich brauche eine kleinere Größe,....) sowie Verben mit Dativ (das gefällt MIR) geübt wurden. Na, das ist ja immerhin ein dankbares Thema, über Kleidung sollten zwei Frauen doch quatschen können. Als Roza und ich dann im uns zugeteilten Unterrichtsraum sitzen, kramen wir schweigend vor uns hin, packen Bücher und Blöcke aus. Dann wird es ruhig ... Urgs, vor dem Moment habe ich mich echt gefürchtet. Wie fängt man jetzt an? Ich frage Roza, welches Thema sie gerade in der Schule hat. Büdüüm. Es braucht eine Weile, bis sie versteht, was ich von ihr will. Ich formuliere mehrmals um, bis Rozas Augen dann kurz aufblitzen. Puh. Verstanden. Man sieht förmlich ihre Erleichterung. Dann kommt die Erkenntnis "Mist, jetzt muss ich aber noch antworten". All das kann ich in Rozas Gesicht lesen. Ihr fehlt einfach so viel an Wortschatz, adss sie bei einigen Themen verzweifelt abwinkt. Auch wenn ich dann versuche, die Frage einfacher zu formulieren - jeder einzelne Satz ist für Roza eine riesige Aufgabe und ich habe fast ein schlechtes Gewissen, bei ihr solch einen Stress zu verursache. Den Stress sieht man an allem: Sie wird rot, hantiert mit den Stiften, fährt sich durch die Haare. Sie aus dieser Situation erlösen zu wollen, nicht einzuspringen, eine andere einfachere Aufgabe zu stellen, sondern ihr vor allem zu zeigen, dass ich so lange warten kann, wie sie Zeit benötigt - das muss ich wohl noch lernen. Ich bin so gespannt, wie sich das entwickelt. Dieses gemeinsame Kämpfen führt aber tatsächlich dazu, dass man sich dem Gegenüber sehr schnell nahe fühlt. Das ist wirklich toll, und führt auch dazu, dass wir neben dem Unterricht schon über whatsapp kommunizieren. Also, das sieht so aus. Ich schreibe. Sie kopiert meinen Text in einen Übersetzer (Ich hab sie erwischt - aus Versehen hat sie mehrmals meine Frage in whatsapp kopiert und zurück gesendet - da liegt nahe, dass sie meine Fraeg in den Übersetzer kopieren wollte, ups!) .Sie antwortet soweit sie kann. Der Rest ist ganz viel Smileys und Herzen. Hach.

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