Dienstag, 21. Mai 2019

190521 T&E

Heute 10 Jahre T&E. Unter normalen Umständen wäre ich sicherlich noch sehr viel trauriger, dass wir den heutigen Tag nicht gemeinsam verbringen können. Nun ist es aber einer dieser Es-hätte-alles-so-schön-sein-können-Tage, und vielleicht ist es aus diesem Grund gar nicht schlecht, dass wir unseren Jahrestag erst am Wochenende nachfeiern werden. 


Dass T&E zusammengehören, haben die letzten Wochen auf jeden Fall noch einmal bewiesen. 

Montag, 20. Mai 2019

190520 Tochter-Dasein

Ich bin ja so ziemlich alles, aber eher wenig bin ich Tochter meiner Mutter. Wir sehen uns sehr, sehr ähnlich sagt man uns nach - und mal abgesehen von ihrer wirklich grenzwertig sonnengegerbten Haut würde ich mich nicht beschweren, wenn ich mit 60 aussehe wie sie. Das war´s dann aber auch schon. Fast würde ich sagen, dass ich eher noch Tochter meines Vaters bin, obwohl der seit über 9 Jahren tot ist. In entscheidenden Situationen denke ich oft "Was würde Papa denken" und wünschte mir, ihn anrufen zu können. Meine Mutter könnte ich jederzeit anrufen, dank Whatsapp, Skype etc., und, unter gewissen Einschränkungen der Zeitverschiebung, auch erreichen. Keine einzige Situation gab es in den letzten 15 Jahren, in der ich das Bedürfnis dazu gehabt hätte. Skype-Telefonate waren allenfalls Pflichttermine vor dem PC, in denen meine Mutter runterleierte, was sie doch längst der halben Welt auf ihrem Blog mitgeteilt hatte, ohne jede weitere persönliche Note, bis sie vor einigen Jahren komplett einschliefen, und die Kommunikation sich auf Mails und Whatsapp beschränkte. Nach dem großen Knall Heiligabend 2015 und einer sich anschließenden einjährigen kompletten Funkstille hat sich alles ein wenig beruhigt, und nun ist sie wieder in Deutschland. Ab und zu denke ich daran zurück, wie eng wir waren, als ich ca. zwölf Jahre alt war und ihre engste Vertraute. Dan kam die Scheidung und ein neuer Mann für sie. Hin und wieder schien es mir im letzten Jahr, als wolle sie sich für diese Zeit entschuldigen, in der sie mich, als Dreizehn-, Vierzehnjährige so alleine ließ. Auch physisch, denn jedes Wochenende verbrachte sie in Holland auf dem Wasser, oft nicht nur zwei oder drei Tage, sondern vier, fünf, sechs. 

Morgen besucht sie mich nun, und nach so vielen Jahren merke ich einmal mehr: Scheiße, du hast es nicht verlernt, die Angst vor ihrem Urteil. Die ganze Zeit hatte ich mir fest versichert, ein Fertigkuchen sei völlig ausreichend. Immerhin werde ich den Vormittag noch arbeiten. Und dann? Dann finde ich mich heute nach der Arbeit im Supermarkt wieder und kaufe doch für einen "richtigen" Kuchen ein. Vielleicht bin ich doch Tochter geblieben, zumindest was die negativen Perfektionismus-Anteile angeht. Hört das denn nie auf? Wie viel schöner wäre es, in dieser so schweren Zeit, mich einfach fallen zu lassen in ihre Arme - und auf Kuchen, sauberes Bad und Co zu pfeifen. Und bei allem Bemühen müsste ich es sowieso besser wissen: denn worum andere Mütter meine beneideten, war für meine gerade falsch. Zu gute Noten, zu langweilig, zu wenige Parties, zu angepasst. 

Vielleicht glänzt morgen also das Bad zu weiß!





Sonntag, 19. Mai 2019

190519 Kopfweh

Von der charmanten Liisa wurde ich auf die Herkunft meiner gestrigen 18 Worte hingewiesen. Nicht John Lennon also. Sondern eher völlig unklar, wer es nun wirklich als erstes gesagt hat. Wer auch immer es sich ausgedacht hat, muss ein unglaubliches Vertrauen in das Schicksal besitzen. Mir fehlt eine solche Einstellung ja leider total, und das ist wohl auch der Grund, wieso mir dieser Spruch einfach ständig durchs Gehirn spukt.

Komisches Kopfschmerz-Wetter heute, aber nicht genug, um eine Tablette zu nehmen. Das wurde auch nicht beim morgendlichen Laufen besser, nicht beim Ruhen auf der Couch, nicht beim Spazieren. 

Heute habe ich lange darauf herumgedacht, dass nur wenige Menschen es geschafft haben, uns Raum zu geben, uns aber gleichzeitig nicht alleine zu lassen. Eine Handvoll hat da den schmalen Grat gefunden, und zwar nicht unbedingt die, von denen wir es erwartet hätten. Die meisten haben seit dem "Meldet euch, wenn ich was tun kann" keinen Weg mehr gefunden, sich bei uns zu melden. Nicht einmal ansatzweise käme ich auf die Idee, darüber zu urteilen. Und auch für andere Gefühle abseits der vorherrschenden Verzweiflung ist noch gar kein Platz vorhanden. Es ist schwierig. Jedoch empfinde ich, noch eher im Hintergrund, die Belastung, dass offenbar früher oder später wir es sein müssen, die die Funkstille beenden, und frage mich, wie das aussehen soll. Jeden Schritt in diese Richtung, den ich selber tun müsste, würde ich als falsch empfinden, da ich Angst hätte, damit fälschlicherweise zu vermitteln, dass meine Traurigkeit vorüber und ich wieder die alte sei. Aber wie dieser Deutung zuvorkommen? Das ist für mich gerade nicht lösbar und so bleibe ich tatenlos. 

Weitere Gedanken fließen in das bevorstehende Treffen mit meiner Mutter. Unweigerlich mit dem Bewusstsein verknüpft, unter welch anderen Sternen diese Begegnung hätte stehen können.

Vielleicht doch nicht komisch, dass ich Kopfweh habe.

Samstag, 18. Mai 2019

190518 18 Worte

Wenn der Spruch, der seit Wochen, ohne dass ich nach ihm gesucht hätte oder ihn zum neuen Wahlspruch machen wollte, nicht mehr weggehen will, genau 18 Worte hat (englische Wort-Zusammenziehung beachtend), ist das wohl ein Zeichen, dem Aufruf der lieben Oecherin zu folgen.

Everything will be ok in the end. And if it´s not ok, it´s not the end.


Der Spruch wird John Lennon zugeschrieben. Ob aus einem Song oder in welchem Zusammenhang, das weiß ich nicht.

Freitag, 17. Mai 2019

190517 Phew

Eine Woche ohne Home Office. Dafür mit viel Arbeit, mit einer Hausbesichtigung, einer Kündigung, Entscheidungen, widerrufenen Entscheidungen und vielen, vielen Sorgen und Ängsten. Neben den "allgemeinen" Eva-Sorgen mache ich mir so sehr wie noch nie Sorgen um meinen Mann, dessen Arbeitsbelastung zur Zeit so hoch ist, dass es auch ohne unsere grundsätzliche Last, die wir tragen, mehr als genug wäre. In der aktuellen Situation aber beängstigt es umso mehr, dass er keine Sekunde zur Ruhe kommt. Mehr als mich nimmt fehlender Schlaf ihn mit, und der ist im Moment an der Tagesordnung. Und wenn er schläft, knirscht er mit den Zähnen wie lange nicht. 

Auch noch diese Woche: Meine Mutter hat deutschen Boden betreten. Nach wie vor ein Grund zur Unruhe, auch wenn der letzte Aufenthalt anlässlich unserer Hochzeit vor knapp einem Jahr mehr als positiv war. Und in diesen Zeiten die große Frage: Hilft sie oder macht sie alles nur schlimmer? 
Zu unserer Hochzeit veranlassten unsere besten Trauzeugen, dass wir von allen Gästen ein persönliches Geschenk erhielten. Von meiner Trauzeugin bekam ich z.B. Sand aus dem Kindergarten, in dem wir uns kennen lernten, von einer Freundin Kaffee aus unserem Stammcafe. Und meine Mutter. Ja, die schenkte mir eine mit viel Mühe (sie lebt ja in Thailand) bei ebay ersteigerte CD von Rolf Zuckowski mit dem Lied, das ich als Vierjährige vor meiner Herz-OP mit rotem Walkman von Sony immer sang:
Ich schaff das schon!

Schon letztes Jahr hat mich das Geschenk sehr berührt. Aber jetzt... Als hätte sie es geahnt, was auf mich zukommt. Heute lernt sie die zwei Wochen alte Tochter meiner Schwester kennen. 


Und noch ein Baby ist da. Ein Herzenskind hat eine ganz besondere Mama ausgesucht. Ich freue mich sehr für die Eltern und den kleinen Hund, der gar nicht mehr so klein ist.

Eine weitere Kündigung übergab ich heute. Nach elf Jahren in Aachen meinen Vertrag im Fitnessstudio gekündigt. Also ich hoffe, ich habe gekündigt - die Kündigungsbedingungen sind so schwammig geschrieben, dass sie mir sicherlich die Frist so schlecht wie möglich auslegen. Immerhin hatte ich Fuchs direkt ein Schreiben dabei, womit mir per Unterschrift der Eingang bestätigt wurde. Das ist also wenigstens safe.

Elf Jahre. Anfangs immer Crosstrainer mit Unibüchern vor der Nase, dann ein paar Geräte. Nach dem Studium Übergang zur Laufband-Rennerei, immer mal wieder der Versuch, ob Kurse vielleicht doch besser sind, zeitweise mit Bruce Darnell gemeinsam trainiert (der übrigens ein ausgesprochen höflicher und humorvoller Mensch ist, und morgens um 6 Uhr mal vor Lachen auf dem Boden lag - ja und schön ist er auch!), dann Studiowechsel innerhalb Aachens wegen Umzug. Im neuen Studio hält zu jeder Nachtzeit ein gut aufgelegter Putzmann die Stellung. Eine kleine böse Stimme fragt: Und wenn du im September doch noch in Aachen lebst? Es zu dunkel ist, um draußen zu laufen? Wo läufst du dann, du faules Ding? Darauf habe ich noch keine Antwort. Aber denke insgeheim: Wenn sich die großen Antworten schon nicht finden, welchen Sinn hätte es dann, wenn sich die kleinen fänden? 


Heute Abend haben wir tatsächlich Zeit zu zweit. Ich nehme an, wir werden sie mit Wäsche, Badputzen und co füllen, da hier einiges liegen geblieben ist. 

Donnerstag, 16. Mai 2019

190516 Stichelei

Letzte Nacht so intensiv wie seit zwei oder drei Wochen gedacht, dass ich meine Gedanken nicht mehr aushalte. Zum Schmerz kommt jetzt der Stress bedingt durch die Angst vor dem bevorstehenden Stress. Die Dreifachbelastung aus Wohnungssuche, bald neuem Job und Klarkommen will ich mir noch gar nicht vorstellen. Am schlimmsten ist, dass ich alleine war gestern Abend und am liebsten schon Wohnungssuchen-technisch Dinge abarbeiten würde, die aber noch nicht gehen. Es ergibt nun mal wenig Sinn, Wohnungen zu suchen, wenn in den nächsten zwei Wochen keine einzige Besichtigung terminlich möglich ist. Also die Angst vor dem Stress aushalten. Gemeinsam mit einer Termin-Diskussion mit meinem Mann am Telefon gab mir das gestern Abend den Rest.

Sehr viel Lidstrich heute Morgen vergeblich gegen die verheulten Augen. Auf der Arbeit acht Stunden Auditvorbereitung, ausschließlich. Davon zwei Stunden, in denen mein Kollege und ich den lieben GF in die Mangel nahmen und seine To-Dos mit ihm durchgingen, um sicherzustellen, dass die auch passieren. Findings, die z.B. das Management-Board betreffen, muss und kann leider nur er lösen. 

Netter Nebeneffekt: In der 180 Zeilen langen To-Do-Liste sind seine To-Dos jetzt mustergültig gefüllt mit Einzelschritten, Aufwandsabschätzung und Fertigstellungsdatum. Das hat vielleicht auf die übrigen Verantwortlichen einen positiven Effekt. Muss ja keiner erfahren, dass der GF dafür eine "Sonderbehandlung" durchleben musste. 

Vor Feierabend macht ein Kollege einen dummen Spruch, der ihm sofort Leid tut. Als ich zu meinem Fahrrad gehe, rennt er mir noch mal hinterher und will sich mit mir auf die Bank setzen, um sich zu entschuldigen. Dabei setze ich mich in eine Wespe, die mich in meinen zarten Oberschenkel sticht. Das tut dem Kollegen jetzt alles doppelt Leid, ich beruhige ihn aber damit, dass es nicht seine Schuld sei, sondern meine, da ich das Glück nun mal gerade gepachtet habe! 
Fahrradfahren ist damit jetzt allerdings etwas unschön - zu Hause muss ich noch mal kurz kühlen.

Mittwoch, 15. Mai 2019

190515 Weiße Flecken


Ich war wohl etwas schnell mit dem Rad heute, denn ich war eine Viertelstunde vor dem frühestmöglichen Einstempeln auf der Arbeit. Nun ja, das macht den Braten jetzt auch nicht mehr fett, die 15 Minuten schenke ich gerne, zumal es ein sehr großherziges Angebot vom GF gab: Freistellung bis auf Widerruf, damit ich zur Ruhe kommen könne vor Antreten des neuen Jobs. Und das, obwohl ich die Koordinatorin der Vorbereitung auf das Audit des Jahres bin (bei dem ich im Übrigen nicht mehr da bin!). Er hat zwar betont, dass es schon sehr, sehr schwierig werden würde ohne mich, und lockt mit Einzelbüro und Home-Office so viel wie geht, aber ich denke, er würde es tatsächlich ermöglichen. Annehmen werde ich das wohl dennoch nicht, aber für den Hinterkopf ist es doch recht angenehm.
Dafür habe ich erst einmal den ganzen August als Urlaub eingereicht. Im Idealfall packen wir dann Umzugskisten. Oder wenn es bis dahin nicht klappt, gehe ich halt spazieren, spazieren, spazieren. 

Ansonsten ballere ich jetzt alle verfügbare Kraft in das Audit-Projekt und lasse das Klein-Klein beiseite, auch wenn meine Kollegin versucht, mich da immer wieder reinzuziehen. Die meisten Themen sind ihrer Ängstlichkeit geschuldet, der ständigen Suche nach Bestätigung und Absicherung. Dafür muss sie sich ab sofort jemanden anders suchen. Wie auf die gestrige Um-Urlaub-Fleherei antworte ich jetzt nur noch auf alles mit "Ja,mach doch!", wenn dadurch nicht gerade das Labor in Flammen aufgehen sollte.

Auf meinen gestrigen Beitrag bekam ich so viele nette Zuschriften wie noch nie. Dabei ging es da ja "nur" um ein Haus und "nur" um eine Kündigung. Viele Menschen wechseln Wohnorte und Jobs viel flexibler als ich oder wir. Insofern klingt ein Jobwechsel erst mal nicht nach einer großen Sache. Umso schöner, dass viele Menschen nachvollziehen können, dass die aktuellen Geschehnisse und Entscheidungen nicht alleine mit Aufbruchstimmung einhergehen, sondern auch mit sehr, sehr viel Trauer.

Theoretisch könnte ich heute Abend das Bild*, das mich durch die letzten 6 Wochen begleitet hat, abschließen. Eben kam mir dann die Idee, die letzten paar Flecken einfach weiß zu lassen. Für alles was noch kommt, aber auch dafür, was nach dieser Zeit leider nicht mehr weggehen wird. Sehr pathetisch, aber besser als das Tattoo, das ich in 10 Jahren vielleicht bereuen würde? Der Gedanke kam mir gerade, als mir dieser Tweet durch Frau Brüllen in die timeline gespült wurde. Tattoos sind vielleicht kein Thema des Alters sondern ein Thema der Krise.


* bitte nicht loben. Ist Malen nach Zahlen.