Mittwoch, 6. Februar 2019

Teamwork. Oder?

Arbeitet man in einem Dreierteam liegt es nahe, dass man, wenn einer Urlaub hat, immer noch zu zweit ist. Logisch, erst recht, da keiner auf die Schulferien angewiesen ist und entsprechend flexibel ist.
Nun aber ist der eine Kollege schon seit Oktober erkrankt. Und in vier Monaten kommt es dann nun doch mal vor, dass einer der verbleibenden zwei Urlaub nehmen möchte. Solch eine Woche ist diese Woche. Ich bin zum ersten mal in dreieinhalb Jahren länger als mal hier und da einen Tag "alleine". 

Normalerweise habe ich ja vor viel zu vielen Dingen Angst, und normalerweise wäre das auch hier der Fall. Mein Sorgen-Konto ist zur Zeit aber prall gefüllt, und da müssen Prioritäten gesetzt werden. Nicht auch noch diese Angst bitte! Um ehrlich zu sein, habe ich nicht einmal schlechter geschlafen als sonst in einer Nacht von Sonntag auf Montag.

Letzte Woche kam noch eine kurzfristige Sache rein, von der ich wusste, dass sie mich diese Woche auf Trab halten würde. Und genau so ist es zwar eingetreten, hält sich jedoch netterweise genau an das richtige Maß, sodass ich mit der kurzfristigen Umsetzung zwar herausgefordert, aber nicht überfordert bin. 
Irgendwann gegen Mittag fragte ich mich heute, wieso alles und alle ein bisschen weniger gehetzt wirkten, obwohl ich deutlich mehr zu tun hatte. Da ist zum einen meine Kollegin. Sie steht regelmäßig mit vor Panik aufgerissenen Augen um 7:02 Uhr neben meinem Schreibtisch "Eva, gaaanz schlimm. Wir haben ne E-Mail von x,y,z und der will....". Diese Ami-Kunden. Die schreiben einfach, wenn man schläft. Frechheit. Zu dem Zeitpunkt ist mein PC oft noch nicht einmal hochgefahren, und ich muss mir also ihre Interpretation der Dinge anhören, ehe ich mir selber ein Bild machen kann. Wenn ich dann selbst die entsprechende Mail gelesen habe, erscheint in der Regel alles lösbar, aber ich bin um 7:30 Uhr bereits genervt. 
Das fällt diese Woche einfach weg. Und es ist eine rieeesige Erleichterung. 

Was mich aber wirklich sehr erstaunt ist die Auswirkung auf die Kommunikation: Ich bin die einzige Ansprechpartnerin für die Laboranten. Ich habe alle im Blick und weiß, wer was macht. Kein Laborant muss genervt die Augen verdrehen ("Das habe ich doch schon S. erzählt") und erhält auch keine widersprüchlichen Ansagen. Selten konnte ich so entspannt mit den Laboranten agieren, wie in dieser Woche. Und das, obwohl diese Woche eher zu den arbeitsintensiveren gehört.

Jetzt muss ich nur noch überlegen, was ich mit diesen Erkenntnissen mache. In der nächsten Bewerbung vielleicht nicht mehr "Teamplayer" unterbringen?


 

Dienstag, 5. Februar 2019

WMDEDGT 2/2019

Frau Brüllen ruft auf zum fröhlichen Tagebuchbloggen. Hätte ich gewusst, dass die Verlinkung jetzt mit Bild erfolgt, hätte ich einen dramaturgisch anderen Faden gewählt, der zu einem ansprechenderem Bild als dem der Sauerkraut-Lasagne geführt hätte. Schönere Teaser-Bilder und wie immer sehr interessante Beiträge finden Sie bei Frau Brüllen.


04:00
Ich bin wach. Noch oder wieder? Ich weiß es nicht. Mir ist im Moment auch ziemlich egal, ob ich gut oder schlecht schlafe. Einen Zusammenhang dazu, ob es ein guter oder schlechter Tag wird, konnte ich bisher nicht erkennen. Im Halbschlaf lese ich eine whatsapp-Nachricht meiner Mutter, deren größte Sorge offenbar ist, dass sie heute mal nicht Golf spielen kann, sondern los muss, um ihr Thailand-Visum zu verlängern. ´Deine Sorgen will ich´…aber das behalte ich für mich. Meine Sorgen waren nie gut aufgehoben bei ihr. Ich drehe mich noch einmal um, ohne einzuschlafen.

04:45
Der Wecker klingelt und ich spule mein Programm ab: Zähneputzen, Haare kämmen, Kontaktlinsen, Gesicht waschen, Sportklamotten an und Deo. Zuletzt die Sportschuhe und schon nach 15 Minuten sitze ich auf dem Rad. Im Fitnessstudio nur die bekannten fünf bis sechs Gesichter. Am besten gelaunt ist wie immer die nette Putzhilfe. Er hält den Laden nachts beisammen, und mich würde nicht wundern, wenn er mehr über die Mitglieder wüsste als alle Trainer zusammen. Jeder einzelne wird ehrlich gefragt, wie es ihm gehe. Und spricht man ihn auf etwas an, das man sich aus einem vorherigen Gespräch gemerkt hat, erhält man ein strahlendes Lächeln. Ich wüsste so gerne, wie lange er schon in Deutschland ist. Und ob er Familie hier hat oder nur in Afrika, aber irgendwie traue ich mich das nicht zu fragen.

 
05:30
Ich bin fertig auf dem Laufband. Gehört habe ich den neuesten „The Moth“ podcast. Wie immer sehr unterschiedliche und eindrückliche Menschen, die dort erzählen.


06:00
Wieder zu Hause und fertig geduscht, muss heute mein Mann zehn Minuten früher als sonst aufstehen. Statt zur Arbeitsstelle fährt er direkt zur Messe und muss einen früheren Zug kriegen. Kurz vor 7 verlassen wir das Haus. Weil er Anzug trägt und das auf dem Rad ungünstig ist, fahre ich ihn zum Bahnhof. Anders als auf dem Weg zum Fitnessstudio merke ich jetzt erst, wie kalt und windig es ist. Wenn ich direkt aus dem Bett aufs Fahrrad plumpse, trage ich wohl noch eine Menge Bettwärme mit mir rum.

07:00
Im Büro angekommen, trinke ich einen Schluck Wasser und muss dann direkt zu den Laboranten. Der gestern so schön klingende Plan für heute ist buchstäblich ins Wasser gefallen: Im Reinraum, den wir für die Entwicklung nutzen, ist der Dampfbefeuchter ausgefallen und dies bedeutet, dass wir die notwendige Luftfeuchte heute nicht eingestellt bekommen. Also muss ein Plan B her und wie so oft wird alles dadurch beliebig kompliziert. Ärgerlich!

08:00
Am Schreibtisch zurück habe ich jetzt auch Hunger und esse mein Toast, checke und beantworte E-Mails und starte mit meiner heutigen To-Do-Liste. Mein kranker Kollege ist immer noch krank, meine Kollegin hat Urlaub. Daher bin ich mit dem Laboranten-Team alleine und entsprechend unruhig ist der Vormittag.


12:00
Mittagspause. Selbst gebackenes Brot mit Hummus und Schinken, wie immer. Das Büro ist verwaist und ich genieße die Stille. Ich lese ein wenig bei „Go Readly“ und whatsappe mit meiner Freundin.

14:00
Nach einer Weile Schreibtischarbeit ein Abstimmungemeeting mit einer Kollegin. Ein Testplan für die nächsten Wochen muss her und dann mit dem Kunden abgestimmt werden. Es ist nicht trivial und so richtig zufrieden bin ich noch nicht. 

15:00
Beim Kaffeeholen in der Küche erzählt mir ein Kollege, er mache jetzt seine Seife selbst?! Jedem der anderen 150 Mitarbeiter meiner Firma hätte ich das zugetraut, aber nicht ihm. Sachen gibt´s. 

15:30
Fräulein ReadOn
teilt meinen Link und ich werde rot.


16:30
Feierabend. Wie schön, dass es noch hell ist. Der Tag war vollgepackt, aber eher mit nervigen kleinen Themen, sodass ich gestresst aber nicht zufrieden ausgelaugt nach Hause fahre. Außerdem denke ich darüber nach, ob ich meine Sache als Führungskraft gut mache. Normalerweise kann ich mich gut damit rechtfertigen, dass es als Dreierteam nicht einfach ist, ein Team zu führen. Diese Woche aber bin ich alleine und muss mich damit auseinandersetzen, was mein ganz eigener Stil ist, und ob dieser angemessen ist.

17:15
Der Liebste weilt heute lange auf Messe. Es gibt also keinen Grund, nicht schon zu essen. Früher gegessen, früher verdaut, weniger Bauchweh beim Einschlafen. Ganz einfach. Zum Glück habe ich noch Sauerkrautlasagne übrig. Uschi hatte mich gebeten, meine Abwandlung hier zu posten, aber ich darf irgendwie nicht kommentieren. Daher hier meine Eingaben dazu:

Da ich das erste Mal Sauerkraut verarbeitet habe, habe ich mich ein wenig auf mein klassisches Lasagne-Rezept gestützt. Knobi, Rinderhack, Zwiebeln anbraten, würzen wie Uschi. Sauerkraut dazu, 300ml Brühe, köcheln lassen. Parallel Bechamelsauce mit viel Parmesan anfertigen. Hack-Kraut-Masse abwechselnd mit Nudeln und Bechamel schichten.
18:45
Offensichtlich wird es noch später als gedacht bei meinem Mann, denn erst jetzt steigt er in den Zug, wie er schreibt. Ich sortiere ein bisschen meinen Kleiderschrank, dann lese ich die ersten WMDEDGT-Beiträge bei Frau Brüllen. 


19:00
Ich hänge immer noch richtungslos im Internet, obwohl ich weiß, dass aktiveres Feierabendprogramm deutlich erholsamer wäre. Also nun: Klappe zu, noch ein paar Boxsackübungen und dann mit dem Kindle auf die Couch.







Montag, 4. Februar 2019

Über die Hoffnung

Die Hoffnung stirbt vielleicht zuletzt. Gut für die Hoffnung. Aber richtig grausam ist die Situation, wenn man als Schutzmaßnahme gegenüber dem Umfeld betont, die Hoffnung schon längst aufgegeben zu haben, während im Inneren noch immer ein winziges Flämmchen glimmt. Dann ist selbst das Recht, sich Trost zu holen, wenn das Erwartete wirklich eintritt, verwirkt. 

Freitag, 1. Februar 2019

Meine Anna heißt Laura

Meine Anna heißt Laura. Und so oft ich sie in den letzten 8 Jahren gegooglet habe, so sicher bin ich, dass sie mich nicht sucht, weder im Internet noch sonst wo. Daher bleibe ich bei ihrem echten Namen.

Bei einer der mutigsten* Aktionen meines Lebens lernte ich Laura kennen: Ich fuhr mit 15 das erste mal alleine in den Urlaub, mit einer RUF-Jugendreise ging es nach Lido di Ostia. So richtig alleine. Alleine alleine. Ich hatte keine Schulfreundin dabei, wie die meisten anderen der Mitreisenden, die in Zweier- oder Dreier-Grüppchen reisten. Nein, ich kannte niemanden. Schon der Gedanke, dass ich es damals völlig ok fand, 20 Stunden mit wildfremden anderen Jugendlichen in einem Bus zu sitzen UND im Anschluss zwei Wochen Urlaub mit ihnen zu verbringen, lässt mich im Nachhinein den Kopf schütteln. Aber es war genial. Das Appartment (eher ein Trailer, der nach jeder Dusche komplett unter Wasser stand, knöchelhoch) bestand aus mir, einem Zwillingspärchen und deren Freundin. Die drei Mädels waren ein Jahr älter als ich, ein bisschen Öko, spielten Bass und Gitarre und sangen gemeinsam in einer Rock-Band. Ich war im Himmel. Wir verstanden uns auf Anhieb, ihre Coolness färbte auf mich ab und unsere Veranda war der Treffpunkt für die "Älteren". Wir waren gerade einen Ticken zu alt für diese Reise, sodass wir so manches albern und kindisch fanden: z.B. dass es "Schnibbelspaß" hieß, wenn man Küchendienst hatte, die Kennenlernspiele, der Disco-Abend. Wir machten mit, kicherten aus wirklichem Spaß und auch aus Freude daran, noch mal kindisch sein zu "müssen", weil wir ja mitmachen mussten! Eine gute Ausrede, wenn man eigentlich cool sein muss.

Unter den Leuten, die auf unserer Veranda abhingen, wo meine drei Zimmerfreundinnen Musik machten und sangen, war Laura. Eher still zunächst und nicht ganz so auffällig wie die ganz coolen, aber ehe ich mich versah, waren wir ein Herz und eine Seele. Sie war alles. Cool, authentisch, intelligent, hübsch und so lieb. Und mochte mich. Der Urlaub verging wie im Flug und der Abschied zurück in Deutschland war so traurig, zum ersten Mal hatte ich seit langer Zeit das Gefühl, eine Freundin für´s Leben gefunden zu haben. 

Zu meinem großen Glück wohnte auch Laura in NRW, und wir konnten uns regelmäßig treffen und unser Versprechen, für immer Freundinnen zu bleiben, bewahren. Wir trafen uns auf dem Kölner Ringfest, bei mir zu Hause für ein Wochenende, ich war auf ihrem Geburtstag und nach dem Abi verbrachte ich drei herrliche Tage bei ihr und ihren Eltern. Drei Tage voller Sonne, faulen Stunden in der Hängematte und Schwimmen im Pool. Das Studium begann. Ich ging nach Aachen - sie war eher unentschlossen und begann doch, genau wie meine Kindergartenfreundin (meine Trauzeugin) in Bonn Jura zu studieren. Ich verkuppelte die beiden und war einfach nur unfassbar glücklich, dass zwei der wichtigsten Freundinnen in meinem Leben sich gerne mochten. Sie kochten zusammen, lernten zusammen, gingen zusammen zum Sport und besuchten mich zusammen. Herrlich - eine Dreiecks-Freundschaft ohne Eifersucht. Auch ich lernte neue Freundinnen kennen im Studium und freute mich für die beiden, dass sie einander als Gefährtinnen gewählt hatten in diesem neuen Lebensabschnitt. 

Mein Studium lief gut - notentechnisch und auch so. Was ich heraushörte, war, dass Laura hier und da ein paar Probleme hatte und zumindest glaubte, unserer gemeinsamen Freundin im direkten Vergleich, der nicht ausblieb, wenn man zusammen das gleiche studierte, hinterherzuhinken. Ob es wirklich so war, weiß ich bis heute nicht. Irgendwann, vielleicht nach zwei Semestern hörte ich immer weniger. Auch meine Freundin sah Laura immer seltener in der Uni, und auch so zog sie sich zurück. Irgendwann kam keine Reaktion mehr - egal welcher Art wir den Kontakt aufzunehmen versuchten. Ok, sie braucht ne Pause, dachten wir uns. Wir sind ihre Freundinnen, vielleicht ist sie etwas genervt, dass es bei uns so rund läuft und bei ihr nicht? Wir suchten die Schuld bei uns, gingen gemeinsam sämtliche Situationen durch, fanden aber nichts, was sie uns hätte übel nehmen können. Irgendwann hörten wir auf sie weiter zu bedrängen.

Zur Uni erschien sie nicht mehr. Und irgendwann blieb nur noch googlen. Sie hatte zu Lehramt gewechselt, und ich freute mich, dass sie offenbar etwas gefunden hatte, das ihr mehr Freude bereitete als Jura. Ich konnte sie mir hervorragend als Lehrerin vorstellen und bin mir sicher, dass sie heute eine grandiose und geliebte Lehrerin ist. Alle Jahre wieder überkam es mich und ich schrieb eine Nachricht ins Leere. Auf StudiVZ, Facebook. Sogar eine E-Mail-Adresse fand ich einmal, von dem Institut, an dem sie mittlerweile als Hiwine arbeitete. Einmal rief ich ihre Mutter an, als ich ihre Stimme hörte, verließ mich aber der Mut und ich legte auf. Ich kam mir schrecklich vor, wie eine Stalkerin. Und trotz der Schuldgefühle, die sie in mir verursachte, ohne dass ich sie genauer fassen konnte, waren und sind meine Arme immer für sie geöffnet geblieben. 

Vor zwei Jahren ungefähr schrieb sie mir. Völlig aus dem Nichts. Ich las die Nachricht auf der Arbeit und hatte Herzklopfen, sodass ich mich mit meinem Handy aufs Klo setzen musste. Sie vermisste mich. Für mich war sofort alles wieder gut. Sie schlug ein Treffen vor, wollte nach Aachen kommen.  

Und dann sagte sie ab. Natürlich. Die Begründung war so hanebüchen, dass ich denke, dass sie wahr war. Jeder weitere Versuch meinerseits, den Faden wieder aufzunehmen, ging ins Leere.

Seit diesem kurzen Intermezzo habe ich ihre Nummer in whatsapp. Ihr Profilbild zeigt sie als Braut - wir haben offenbar im gleichen Jahr geheiratet und in ihrem Brautstrauß erkenne ich Eukalyptus, wie in meinem.

* Ich weiß, für viele Menschen kein großes Ding. Für mich damals ein sehr großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. 

Donnerstag, 31. Januar 2019

Im Rädchen

Die gefühlt längsten zwanzig Minuten hatte dieser Tag heute für mich, als ich mein Auto aus einem Eispanzer befreite, dabei fast den linken Ringfinger wegen Abfrieren verlor (immer der Ringfinger!) und dann über die Beifahrertür ins Auto kletterte, weil die Fahrertür zugefroren war.

Warm wurde mir dann aber doch noch: Die erste Telko mit USA um 9 Uhr (da will uns mal wieder jemand nach einer kleinen Feasibility überzeugen, dass wir dann doch jetzt auch in Serie liefern können, hihi, und vergisst dabei, dass wir über Medizinprodukte sprechen, nicht über Büroklammern. Und dass erste Muster quasi Hand-Manufaktur bedeuten - die Preise will man nicht einmal für ein Medizinprodukt bezahlen. Die Umrechnung der Zeitlinie war dann aber einfach: Ein Monat in Kunden-Rechnung entspricht realistischerweise einem Jahr! Aber wichtig war´s wohl: 23 Uhr auf Kundenseite - selten so froh gewesen, dass es kein Video-Call war.

Im Anschluss ein Brainstorming zu einem anderen Thema, dann Auswertung von Testergebnissen und Diskussion weiteres Vorgehen (wieder anderes Projekt), eine Minute zu spät im nächsten Meeting (das sagt alles!!) und einlassen auf wieder ein neues Thema. Die Besprechung wurde gehalten von einer geschätzten Kollegin und ich musste ein bisschen grinsen, als sie in die Meeting Minutes "A toque" schrieb (=ad hoc). Keiner reagierte, also weise ich sie mal ohne Publikum darauf hin.
12:30 dann Mittagessen, das heißt Hunger seit 30 Minuten kurz vor Bauchweh. Nächstes Meeting mit noch vollem Mund betreten, dann Telko mit einem anderen Ami-Kunden. 

Kurz vor Feierabend noch ein Anruf vom CEO, ob ich denn jetzt wieder knuffiger (wtf?) unterwegs sei. Damit war die Pause vom Gedankenkarussel, die dieser abwechslungsreiche Tag gebracht hatte, passe, und ich hoffe, meine Antwort klang dennoch einigermaßen okayish.
 


Freitag, 25. Januar 2019

Luft raus und Luft nach oben

Die Luft ist wieder mal raus, nachdem ich mich viele Wochen mit der Babyparty meiner Schwester beschäftigt und mich auf diese sehr gefreut habe. 

Somit startete ich heulend mit schlechter Laune in die Arbeitswoche - und eine merkliche Verbesserung konnte ich nicht beobachten. Neben viel business as usual gab´s diese Woche eine Massage nach der Arbeit. Besser hätte ich die genießen können, wenn ich nicht befürchtet hätte, angesichts des Schneefalls danach nicht mehr nach Hause zu kommen. Die Sorge war zwar unbegründet, aber Spaß habe ich nicht dabei, im Schnee Auto zu fahren.


Gestern fasste ich mir ein Herz und investierte zwei Stunden, um kurz darstellen zu können, dass wir in einem Bereich massive Lücken haben, die es spätestens bis zum nächsten Audit zu füllen gibt. Ich frage mich zwar, warum so was anscheinend nur mir über die Bettdecke läuft und nicht den eigentlichen Verantwortlichen, die im Audit entsprechend dastehen werden - aber gut. Mit meiner Übersicht überfiel ich dann meinen Chef. Und meine in zwei Stunden zusammengezimmerte Übersicht war "genau so, wie er das schon immer haben wollte". Fragt sich, warum das entsprechende Team das dann nicht mal als Ansage bekommen hat, aber da liegt so viel im Argen, so genau will ich das vielleicht gar nicht wissen. Ich bin froh, wenn das Thema zumindest für den Bereich meiner Produkte endlich vernünftig aufgestellt wird. Im Team selbst habe ich es über die Jahre zu oft angesprochen, ohne dass irgendwas passiert wäre. Und immer muss erst dies oder jenes passieren, oder die andere Abteilung ist schuld, weil.... oder die Verantwortlichkeit sei noch nicht geklärt worden. Ehrlicherweise wird das Chaos sogar immer größer, weil einfach keine Struktur da ist, die darstellt: Das haben wir, das fehlt, das müssen wir tun. Die Grundlage dafür habe ich gestern geschaffen und als ich den Raum verließ hatte ich den Auftrag, das noch zu Ende zu bringen, damit mein Chef das Thema mit Hilfe meiner Vorarbeit adressieren könnte. Das habe ich gerne gemacht (selten komme ich in letzter Zeit einem Flow so nah wie vor einer Excel-Tabelle).

Dieses Beispiel ist aber auch ein guter Hinweis darauf, was passieren wird, wenn in meiner Ebene tatsächlich monetär gebundene Zielvereinbarungen eingeführt werden. Die Unternehmensstruktur gibt es nicht her, dass ich als Produktentwicklung nicht nach links und rechts schaue. Wenn mein Gehalt davon abhängt, ob ein Entwicklungsprojekt den nächsten Milestone erreicht, überlege ich mir sicher zwei mal, ob ich anderweitig auf Missstände aufmerksam mache und Zeit investiere, sie zu beheben oder - wie zur Zeit oft - feuerwehrmäßig QM-Themen übernehme. Besser wird das so nicht. Meiner Meinung nach muss erst Struktur her, dann Ziele und dann Zielvereinbarungen. 

Wie gesagt: Die Woche hat noch Luft nach oben. Zwei Tage hat sie noch!

Sonntag, 20. Januar 2019

Überraschung!

Als die Wohnzimmertür gestern aufging, und sieben Frauen im Chor "Überraschung - Babypartyyy" riefen, hatten meine Schwester und ich etwas gemeinsam: Wir waren beide sprachlos. Sie, weil sie bei einem kurzen Zwischenstop während eines Stadtbummels von ihrem Mann ins Wohnzimmer geschickt wurde, um die Heizung auszustellen, und da dann fremde Menschen in ihrem bunt geschmückten Wohnzimmer standen, das sie doch erst eine Stunde zuvor an einem ganz normalen Samstag in einem aufgeräumten Zustand hinterlassen hatte. Und ich, weil ich nicht gedacht hätte, dass dieser ganze Plan wirklich glatt laufen würde. 

Im November kam mir, als ich einmal wieder die Fotos meines grandiosen Junggesellinnenabschied ansah, die Idee, meiner Schwester eine Überraschung zu bereiten. Geheiratet hatten sie Anfang letzten Jahres heimlich zu zweit, ein Junggesellinnenabschied war also nicht möglich gewesen. Und trotz aller Differenzen (und nerviger gemeinsamer Schwächen) war mir klar: Wenn jemand meiner Schwester einen solchen Tag bereiten soll, dann muss ich das sein. Es gibt nicht viele Menschen, die meiner Schwester nahe stehen oder denen meine Schwester sich nahe fühlt, und die Freundschaften beruhen in erster Linie auf der Aktivität ihres Mannes, die dann oft für sie mit reicht. Dennoch gibt es Menschen in ihrem und unserem Leben, die ihr wichtig sind, und bei denen ich mir sicher war, dass sie ihr einen schönen Tag bereiten würden. So besprach ich die Idee mit ihrem Mann und gemeinsam kamen wir zu dem Schluss "Manchmal muss sie einfach zu ihrem Glück gezwungen werden!" und damit hatte ich das "go!".

Die Terminsuche verlief erstaunlich easy und die bunt gemischte Gruppe war im Whatsapp-Chat wunderbar kooperativ. So bastelte ich über Weihnachten die Windeltorte, kaufte allerhand Deko (gar nicht so einfach geschlechtsneutrales Material zu finden!), gestaltete ein Gästebuch-Bild und dann war plotzlich schon Januar. Mit meinem Schwager besprach ich, dass er seinen Schlüssel am Freitag in die Praxis meines Bruders bringen würde, damit seine Frau (ebenfalls schwanger) und ich in die Wohnung kämen. Als mein Bruder mir am Freitag dann ein Foto des Schlüssels mit dem Kommentar "Der Adler ist im Nest" schickte, musste ich sehr lachen und war erleichtert. Ich hatte aber meinem Schwager auch im 12-Stunden-Takt Erinnerungen per whatsapp geschrieben - safety first. Schlafen konnte ich trotzdem nicht, und so war ich sehr froh, dass mein Mann mich begleitete, und das Auto fuhr. Er hatte dem Sohn meines Bruders versprochen, den gaaaanzen Tag mit ihm Fußball zu spielen, und das Wetter würde das ja sogar zulassen. 

Nach einem schnellen Kaffee bei meinem Bruder kam das OK meines Schwagers: Die Luft ist rein. Schnell hatte das Vorbereitungsteam die Wohnung in Besitz genommen und innerhalb von 30 Minuten war alles vorbereitet. 






Bis auf so Fragen "Stand die Küchentür auf, als wir kamen?" und "Reicht es, dass die Autos in der Nebenstraße stehen?", lief alles glatt. Und dann konnten wir tatsächlich nur noch im Wohnzimmer warten. Warten ist nicht meine leichteste Übung, und mir wurde ein wenig schlecht, als ich dann den Schlüssel im Schloss hörte. Meine Schwester ist kein ganz einfacher Mensch und ich erwartete eine erst einmal schüchtern-verhaltene Reaktion. War das vielleicht alles doch nicht so eine gute Idee? Aber zu spät. Da stand sie nun plötzlich in der Tür, und wir riefen  "Überraschung!!". Ihr kamen die Tränen, mehr als ich mir jemals erwartet hätte. Mir dann auch, und ich wusste: War doch kein Fehler. Die Zeit verging rasend schnell mit Essen, Kuchen essen, Bodies bemalen, noch mehr essen, Fotos raten und quatschen. 

Letzte Nacht schlief ich sehr, sehr gut.
(Und freue mich, dass ich heute lauter Küsschen und Herzchen von meiner Schwester per whatsapp bekomme - passiert auch nicht so oft!)