Sonntag, 20. Januar 2019

Überraschung!

Als die Wohnzimmertür gestern aufging, und sieben Frauen im Chor "Überraschung - Babypartyyy" riefen, hatten meine Schwester und ich etwas gemeinsam: Wir waren beide sprachlos. Sie, weil sie bei einem kurzen Zwischenstop während eines Stadtbummels von ihrem Mann ins Wohnzimmer geschickt wurde, um die Heizung auszustellen, und da dann fremde Menschen in ihrem bunt geschmückten Wohnzimmer standen, das sie doch erst eine Stunde zuvor an einem ganz normalen Samstag in einem aufgeräumten Zustand hinterlassen hatte. Und ich, weil ich nicht gedacht hätte, dass dieser ganze Plan wirklich glatt laufen würde. 

Im November kam mir, als ich einmal wieder die Fotos meines grandiosen Junggesellinnenabschied ansah, die Idee, meiner Schwester eine Überraschung zu bereiten. Geheiratet hatten sie Anfang letzten Jahres heimlich zu zweit, ein Junggesellinnenabschied war also nicht möglich gewesen. Und trotz aller Differenzen (und nerviger gemeinsamer Schwächen) war mir klar: Wenn jemand meiner Schwester einen solchen Tag bereiten soll, dann muss ich das sein. Es gibt nicht viele Menschen, die meiner Schwester nahe stehen oder denen meine Schwester sich nahe fühlt, und die Freundschaften beruhen in erster Linie auf der Aktivität ihres Mannes, die dann oft für sie mit reicht. Dennoch gibt es Menschen in ihrem und unserem Leben, die ihr wichtig sind, und bei denen ich mir sicher war, dass sie ihr einen schönen Tag bereiten würden. So besprach ich die Idee mit ihrem Mann und gemeinsam kamen wir zu dem Schluss "Manchmal muss sie einfach zu ihrem Glück gezwungen werden!" und damit hatte ich das "go!".

Die Terminsuche verlief erstaunlich easy und die bunt gemischte Gruppe war im Whatsapp-Chat wunderbar kooperativ. So bastelte ich über Weihnachten die Windeltorte, kaufte allerhand Deko (gar nicht so einfach geschlechtsneutrales Material zu finden!), gestaltete ein Gästebuch-Bild und dann war plotzlich schon Januar. Mit meinem Schwager besprach ich, dass er seinen Schlüssel am Freitag in die Praxis meines Bruders bringen würde, damit seine Frau (ebenfalls schwanger) und ich in die Wohnung kämen. Als mein Bruder mir am Freitag dann ein Foto des Schlüssels mit dem Kommentar "Der Adler ist im Nest" schickte, musste ich sehr lachen und war erleichtert. Ich hatte aber meinem Schwager auch im 12-Stunden-Takt Erinnerungen per whatsapp geschrieben - safety first. Schlafen konnte ich trotzdem nicht, und so war ich sehr froh, dass mein Mann mich begleitete, und das Auto fuhr. Er hatte dem Sohn meines Bruders versprochen, den gaaaanzen Tag mit ihm Fußball zu spielen, und das Wetter würde das ja sogar zulassen. 

Nach einem schnellen Kaffee bei meinem Bruder kam das OK meines Schwagers: Die Luft ist rein. Schnell hatte das Vorbereitungsteam die Wohnung in Besitz genommen und innerhalb von 30 Minuten war alles vorbereitet. 






Bis auf so Fragen "Stand die Küchentür auf, als wir kamen?" und "Reicht es, dass die Autos in der Nebenstraße stehen?", lief alles glatt. Und dann konnten wir tatsächlich nur noch im Wohnzimmer warten. Warten ist nicht meine leichteste Übung, und mir wurde ein wenig schlecht, als ich dann den Schlüssel im Schloss hörte. Meine Schwester ist kein ganz einfacher Mensch und ich erwartete eine erst einmal schüchtern-verhaltene Reaktion. War das vielleicht alles doch nicht so eine gute Idee? Aber zu spät. Da stand sie nun plötzlich in der Tür, und wir riefen  "Überraschung!!". Ihr kamen die Tränen, mehr als ich mir jemals erwartet hätte. Mir dann auch, und ich wusste: War doch kein Fehler. Die Zeit verging rasend schnell mit Essen, Kuchen essen, Bodies bemalen, noch mehr essen, Fotos raten und quatschen. 

Letzte Nacht schlief ich sehr, sehr gut.
(Und freue mich, dass ich heute lauter Küsschen und Herzchen von meiner Schwester per whatsapp bekomme - passiert auch nicht so oft!)



 

Sonntag, 13. Januar 2019

Sonntagmorgen

Es könnte 6, 8 oder 10 Uhr sein - heute bleibt´s wohl dunkel. Eigentlich wäre heute so ein Tag, sich einen Schweinehund anzulegen, und einfach im Bett zu bleiben. Aber wir haben keine Haustiere. Ich stehe auf, erledige eine Katzenwäsche, ziehe mich an und habe angesichts des ans Fenster klatschenden Regens längst entschieden, dass es das Fitnessstudio wird. 

In mir fühlt es sich immer noch an wie November und verzweifelt warte ich noch immer auf den großen Dreh, den der Januar hätte bringen sollen. Aber die schicken neuen Sport-Bustiers über blanken Bäuchen, die glänzenden Schuhe und die mit Trainingsplänen suchend umherlaufenden unbekannten Gesichter im Studio lassen keinen Irrtum zu: Es ist Januar.

Nichts ist lauter als meine Gedanken. Nicht die Stimmen der Mitsportelnden, nicht das Laufband und auch nicht der Podcast auf meinen Ohren. 

Der Sattel ist nass - ich merke, wie gequält mein Gesicht aussehen muss, als ich durch den Regen noch schnell zum Bäcker strampele. Drinnen ist es warm und die Schlange außergewöhnlich kurz. Andere haben einen Schweinehund, und der muss heute wohl Toast oder altes Brot essen. 

Auf dem Weg nach Hause habe ich Gegenwind. Und endlich. Endlich ist etwas lauter als meine Gedanken.

Samstag, 5. Januar 2019

WMDEDGT 1/2019

Auch im Jahre 2019 lässt Frau Brüllen uns vortanzen und erklären, was wir denn alle so den ganzen Tag machen. Für die einen ein ganz normaler Samstag, für die anderen der vorletzte freie Tag, bis es Montag wieder an die Arbeit geht.

00:40
Ich bin noch wach und lese ("Mittagsstunde" von Dörte Hansen. Nach ihrem Debut "Altes Land" bisher sehr sehr schwach- ne, natürlich kein Affiliate Link oder so was). Unerwartet schreibt mir meine Freundin, mit der ich für den Mittag verabredet bin. Bei einem Theaterbesuch ist der Schwiegervater zusammengeklappt, sodass sie ihn erst ins Krankenhaus und dann nach Hause bringen. Um ihn nicht allein zu lassen, werden sie auch bei ihm übernachten, und aller Voraussicht nach unser geplanter Spaziergang ausfallen. Schade, aber mehr als verständlich.

08:00
Eigentlich hatte ich - auch angesichts der in Form eines Spaziergangs geplanten Bewegung - mir für heute vorgenommen, im Bett liegen zu bleiben, zu lesen und keinen Sport zu machen. Naja, auch andere werfen ihre (zugegeben viell. anders gelagerten) Vorsätze im Januar über den Haufen, und so stehe ich dann doch bald auf der Matte, mache erst ein Fitnessblender HIIT Workout und dann noch ein paar Box-Übungen. 


09:00
Danach geht´s mir gleich besser. Der Liebste war in der Zwischenzeit schon einkaufen (!!) und Brötchen holen. Wegen für morgen geplanter Burger war seine Motivation, den Einkauf zu erledigen, größer als sonst, und ich gönne mir in Ruhe eine Dusche und lese noch ein wenig.

10:30
Spätes Frühstück heute. Wir können jetzt bei jedem gemeinsamen Frühstück (sprich nicht nur sonntags, sondern auch samstags) rätseln, denn ich habe dem Liebsten die ersten zwei Bände der Eckstein-Rätselbuchreihe geschenkt. Somit haben wir nun erst einmal 400 Rätsel auf der Kante, ehe wir den nächsten Band kaufen müssen. Dazu natürlich das jeweils einmal pro Woche rauskommene aktuelle Eckstein-Rätsel der Zeit. Herrlich!! Auch angesichts der Tatsache, dass man sich ab und an in die 80er, die Erscheinungsjahre, versetzen muss, um manche Frage zu lösen. 

12:00
Wir krusen rum, lesen, ich sammel schon mal meine Arbeits-Sachen in meiner Tasche zusammen. Meine Freundin schreibt, dass es vielleicht doch noch klappt mit dem Spaziergang, wenn sie bald loskommen. 

13:00
Nein, klappt nicht. Der Schwiegervater pennt noch und sie wollen ihn nicht alleine lassen. Das verstehe ich sehr gut.
Langsam fällt mir jedoch die Decke auf den Kopf, und der Liebste und ich beschließen, in der Mayerschen Reiseführer lesen zu gehen, und im Anschluss einen Kaffee zu trinken. Bestes Stimmungsaufhellprogramm.

15:00
Draußen ist es richtig, richtig fies. Ich weiß nicht genau, wann das passiert ist, aber bei Leni kriegt man seit einigen Wochen regelmäßig keinen Platz mehr, ohne warten zu müssen. Wir haben Glück und sind die zweiten in der Reihe, sodass wir nach 10 Minuten einen Platz ergattern. Ich finde den Kaffee bei Leni wirklich richtig, richtig gut. Deswegen gehe ich sehr gerne dort hin. Der Hype will sich mir dennoch noch nicht ganz offenbaren, insbesondere, da alle Speisen, auch der Kuchen, doch sehr hochpreisig sind, und die Konkurrenz groß. Cappuccino für 2,90€ finde ich in Ordnung, zumal die Qualität gleichbleibend gut ist.
Wir teilen noch einen Blaubeer-Muffin. Ebenfalls sehr lecker. Aber teuer. 

16:00 
Auf dem Heimweg beeilen wir uns wieder, um dem Nieselregen nicht zu lange ausgesetzt zu sein. 

17:30 
Wir haben irgendwie unsere Mittags-Brötchen ausfallen lassen, die nun dran glauben müssen. Dabei lese ich in "Psychologie Heute" - Bestandteil meines Readly-Probeabo für 2 Monate. Darüber hinaus werde ich es sicherlich nicht beziehen. Zu wenige Magazine, die mich interessieren - und im Alltag vermutlich zu wenig Zeit. Für die Weihnachtsferien war es jedoch genau das richtige.
Aber Sie würden sich wundern, für was es alles Zeitschriften gibt. Natürlich für jeden gängigen Frauennamen eine Frauen-Klatsch-Zeitschrift - wo kämen wir dahin, wenn man nicht eine Zeitschrift mit dem eigenen Vornamen zur Auswahl hätte? Kochen, Rezepte, Landleben - im Januar wenig erquickend, wenn einem von jedem Titel schon die neuesten Diät-Ansätze entgegengeschmettert werden. DIESE FUNKTIONIERT JETZT ABER WIRKLICH GANZ IN ECHT!!ELF!!11 Und geradzu niedlich die Zeitschriften für den Hobbyler (gibt es das Wort?): Modelleisenbahn, Basteln, Jagen, Fischen, Motorrad, Häkeln - wohlgemerkt verschiedene Zeitschriften, nicht alle Hobbies in einer. Puppen (ja, Puppen, so Käthe-Kruse-Puppen glubschen vom Titelblatt), Hund, Katze, Maus, Heimkino (Was zur Hölle? Dafür braucht man eine Zeitschrift?), von einem Titel schaut mich Diana an - "sie war schwanger bei ihrem Tod" (nein, ich gehe der These jetzt nicht nach), eine Zeitschrift "Straßenbahn" - so skurril, dass es wieder süß ist, denn vermutlich sind die Leser so was wir Plane-Spotter nur eben für Straßenbahnen, sehr...bodenständig sozusagen! 
Und natürlich Selbsterfüllung, Achtsamkeit und Gedöns. Leider wenig Politik, zum Glück alle Hefte von Spektrum. Insgesamt ca. 99,9% richtig großer Bullshit.

20:00
Wir entscheiden uns für eine Folge Ozark. Mir gefällt es bisher ganz gut, aber man hätte den Blaustich auch weglassen können. Stört mich ungemein. Er ist grundsätzlich vorhanden, dachte ich doch zunächst, er sei angewendet, um verschiedene Zeitebenen auseinander zu halten. 

21:00
Im Gedanken an den bevorstehenden Alltag packt mich nun noch einmal die Putzwut. Der Robbi hat schon vorgearbeitet, während wir heute aus waren, sodass ich jetzt einmal wischen kann, ohne mich vor Haaren, etc im Putzwasser ekeln zu müssen. Das ist sehr, sehr großartig. Überhaupt ist dieser Robbi der beste Kauf des Jahres 2018 - nach unserer Hochzeit natürlich ;-).

22:00
Nun wird noch ein wenig gelesen, und dann folgt noch einmal "ausschlafen", bis der Wecker am Montag wieder klingelt.

Dienstag, 1. Januar 2019

Der erste

Ich mag diese Stimmung nicht am ersten Januar. Und ganz offensichtlich ist es dafür völlig egal, ob ich einen Kater habe oder nicht, ob ich Silvester gefeiert oder gemütlich auf der Couch verbracht habe. Der erste Januar ist trüb. Innen wie außen, denn das Wetter hatte heute wenig Alternativen zu Nebel und Nieselregen zu bieten. Nebel und Nieselregen - eine Alliteration des Grauens. Ob dieses Wetter am Tag nach Silvester auch am Feuerwerk liegt? Ich weiß es nicht, kann mich aber an keinen ersten Januar bei strahlendem Sonnenschein erinnern.




Müde waren wir dann doch heute, denn wider Erwarten haben wir doch bis 12 Uhr durchgehalten mit leckerem Essen, Lesen, Spielen, Lesen, Serie gucken, Spielen, Lesen ....Die Filterblase, die die Böllerei in den letzten Tagen so hübsch geringgeschätzt hat, wohnt anscheinend nicht in Luftweite - jene Luft war nämlich 0:05 Uhr ordentlich verpestet und Gruppen todesmutiger alkoholisierter Mittdreißiger wagten sich sogar auf die vielbefahrene Straße, um den Nachbarn unter Einsatz des eigenen Lebens das schönste und prächtigste Feuerwerk zu präsentieren. Dabei wurde sogar ritterlichst in Kauf genommen, von vorbeifahrenden Autofahrern beleidigt zu werden. 
Heldenhaft, sag ich euch!

Nach diesem Ereignis, aus dem Dachfenster beguckt, entschieden wir, dass es nun angemessen sei, das Bett aufzusuchen. Mein Kreislauf war da aber schon wieder umgesprungen auf "Hallo Wach", immerhin im Alltag 4 Stunden später Aufstehen angesagt, sodass ich las und las und las ... Irgendwann fielen mir dann doch die Augen zu, um heute Morgen um 7 Uhr vom Liebsten geweckt zu werden, der sein alkoholfreies Bier vom Vorabend (PARTY HARD!) wegbringen musste. Einschlafen war nicht mehr, also wieder lesen, lesen, lesen auf beiden Seiten des Bettes, ehe mir die Morgen-Melancholie befahl, das für heute ausgesuchte HIIT Workout zu starten. Danach ging´s dann auch direkt besser, zumal mir nicht langweilig wurde. Für morgen haben sich nämlich erneut Gäste angesagt, sodass ich einen Nachtisch in Form einer Baiser-Sahne-Eisbombe vorbereitete. Das Baiser übrigens selbst gemacht - Aufwand und Kosten sehr gering, in der Bäckerei hätte ich ca. 6 Euro dafür gelassen. Noch schnell die Bolognese für die Lasagne vorbereitet, dann war es schon 12 Uhr. Nach dem Frühstück erfasste mich dann wieder die Melancholie, also wurde geputzt, ehe ich mich mit dem Kindle auf die Couch und unter die neue Decke verzog.

Das Abendessen gestaltete sich aus vielerlei Resten. Engegen der Erwartung ist der Kühlschrank nicht leerer geworden. Stattdessen steht da jetzt zusätzlich die Bolognese für morgen drin, hrmpf.  Ich dachte immer, unser Tiefkühlfach sei das Bottleneck, aber die Eisbombe bekam ich erstaunlich gut unter.

Morgen müssen wir dann tatsächlich noch mal unter Leute. Ich bin schon fast aufgeregt!

Frohes Neues Jahr 2019 Ihnen - Mögen alle Wünsche in Erfüllung gehen!


 

Montag, 17. Dezember 2018

2018

Es gibt noch keine Jahresrückblicke auf den Blogs, vermutlich sprießen die erst in der leeren Luft zwischen Weihnachten und Silvester aus den Tastaturen.

Aber für mich gilt: Ich bin fertig mit diesem Jahr. Daher schreibe ich das hier schon jetzt, obwohl erst der 17. ist. 

An kein einziges Jahr kann ich mich erinnern, in dem es so viele Höhen und Tiefen gab. War das erste Halbjahr geprägt von all der Vorfreude auf unsere Hochzeit im Juni, so denke ich, dass ich das zweite Halbjahr nur überstehen konnte, indem ich mich an diesen wunderwunderschönen Tag zurück erinnern konnte. An all die Menschen, die von nah und fern angereist sind. An den wunderbaren Moment, als frisch gebackenes Ehepaar auf "unserem" Aachener Markt zu stehen - bei Sonnenschein und nicht wie befürchtet bei Gewitter und Regen. An das Frühstück mit meinen Freundinnen, die mir genau die richtige Stimmung für den Tag gaben. An meine Mutter, die barfuß über die Tanzfläche watschelt. An die fantastische und völlig unerwartete Rede unserer Trauzeugen. An unsere Freunde, die bei "Tage wie diese" einen engen und schützenden Kreis um uns als Brautpaar bilden. Und an die Zitrone, die mir beim Aussteigen aus dem Auto vom Zitronenbäumchen, einem Geschenk, davonrollt, und der der türkische Taxifahrer hinterherhastet, morgens um 5 Uhr, als die Sonne schon aufgeht.




So viele wunderschöne Erinnerungen. Wie ein Gegengewicht zu Tränen, Verzweiflung, zu vielen Arztterminen, Hoffnungen und enttäuschten Hoffnungen, auf Infekt folgenden Infekt, Beerdigungen und Erschöpfung. 

Grenzenlose Erschöpfung.

Ich zähle auf den Januar: Dem Namen nach der Monat, der mit einem Auge auf das vergangene, mit einem Auge auf das neue Jahr blickt. Und mit dem rückwärts gewandten Auge vor allem die guten Erinnerungen an 2018 bewahrt.

Samstag, 8. Dezember 2018

Männerfreundschaften

Heute hat einer der besten und ältesen Freunde meines Mannes (standesamtlich) geheiratet. Der engste Kern der Gruppe besteht aus Jungs (irgendwie wurden da nur Jungs geboren, es gibt nur eine Schwester), deren Eltern quasi schon bei Geburt der Kinder befreundet und Nachbarn waren. Dementsprechend sind die Jungs zusammen aufgewachsen, haben die gleiche Schule besucht, in der gleichen Mannschaft Fußball gespielt, in den gemeinsamen Urlauben den Eltern "die Haare vom Kopf gefressen" (Zitat der Mütter), und irgendwann stolz die ersten Urlaube ohne Eltern erlebt. Die jüngeren Brüder waren und sind ebenfalls befreundet, die Mütter der Freunde decken damals wie heute ungefragt für die Freunde mit, wenn zufällig ein Zusammentreffen in der Eifel gelingt.

Über die Jahre wurde sehr viel Unsinn getrieben, viel Bier getrunken, manche Zigarette geraucht, Liebesbriefe geschrieben, Abitur gemacht, aber auch Klassen wiederholt, Straßenlampen ausgetreten, bei Umzügen nach Köln und Aachen geholfen, Eltern geschieden und eine Mutter beerdigt, aber es gab keinen einzigen Bruch in der Freundschaft dieser Jungs, die nun Männer waren. 
T. und einer seiner Freunde lebten sogar zeitweise zusammen in einer WG in Aachen (T. hatte das Durchgangszimmer, auch als wir uns kennenlernten, aber das ist eine andere Geschichte, die es aber  sogar in die Rede unseres Trauzeugen geschafft und für Lachen gesorgt hat ...).

Als ich vor 10 Jahren dazukam, hatten die anderen schon langjährige Freundinnen, Schulzeit-Lieben, die es bis ins Studium geschafft hatten. Einer aber, B. hatte noch nie eine Freundin gehabt, war allgemein ein eher sonderbarer Kerl, aber immer dabei und von allen respektiert und akzeptiert, wie er war. 

Von Anfang an fühlte ich mich in dieser Gruppe wohl. Manche wohnten mittlerweile in Köln, B. noch bei seinen Eltern in der Eifel, aber sehr oft gab es gemeinsame Feiern, Wochenenden oder spontane Verabredungen zum Grillen hier wie dort. 

Dann überschlugen sich ab ca. 2013 (?) die Ereignisse. Sämtliche Partnerschaften außer der unseren zerbrachen. Die Brisanz der Ereignisse ist daran zu erkennen: Wenn T. mit den Jungs unterwegs ist und spät nachts zurück kommt, versucht er mich für gewöhnlich nicht zu wecken, bzw. zumindest nicht groß anzusprechen. 
Ich erinnere mich an nur wenige Situationen, in denen er nach so einem Abend nicht bis zum nächsten Morgen warten konnte, und mich wecken musste, um etwas los zu werden. Einmal, als sie bei einer Feuerzangenbowle sehr viel Glück gehabt hatten und es "nur" verbrannte Haare gab, in der Dringlichkeit aber direkt gefolgt von der Nacht, in der er mich weckte, um mir zu erzählen, dass sich G. und M. getrennt hatten.

Neue Freundinnen kamen, aus Köln, Hamburg, überall, sodass  plötzlich ICH die langjährigste Freundin war. Manche mehr, manche weniger in die Gruppe passend. Eine total merkwürdige Situation für mich, denn bis dahin war ich nicht nur die neueste Freundin, sondern zudem die einzige nicht aus der Eifel kommende gewesen. Zudem outete sich B. endlich als schwul, und die Jungs unterstützten ihn in einer nachgeholten Pubertät und nahmen dafür auch die Männer-Urlaube wieder auf, die den Pärchen-Urlauben gewichen waren - nur ging es jetzt nach Gran Canaria statt nach Zoutelande ;-).

B. zog nach Köln - wohin sonst. 

Und ich wurde wieder geweckt: P. wird Papa, erzählte T. mir atemlos.
Dann ging alles sehr sehr schnell. Die vermeintliche Verlobungsfeier an Weihnachten war eigentlich die Hochzeit und ein halbes Jahr später wurde also das erste Baby der Clicque geboren. Von einem Paar, das im Clicquen-Vergleich am kürzesten, nämlich erst ein Jahr zusammen war. Und plötzlich zogen die beiden weg, zu den Schwiegereltern. Nicht mehr in diese "Ich-kann-für-einen-Abend-mit-dem-Zug-kommen"-Nähe. Dass das passieren würde, dass P. die Nähe zu seinen Freunden aufgeben würde, damit hatte keiner gerechnet. Die Jungs fingen an sich Sorgen zu machen, da sie mit der Zeit seine Unzufriedenheit mit der Situation spürten, aber was will man an Argumenten anführen bei "Kind und Familie".  
Und B., der liebe B.: distanzierte sich immer weiter, die neuen Kölner Freunde wurden plötzlich den alten Freunden vorgezogen, etwas das in 30 Jahren niemals passiert war. 

Und ein weiteres Baby wurde geboren. Und heute die Hochzeit ihrer Eltern gefeiert. 

B. fehlte heute auf der Hochzeit eines seiner besten Freunde. Am Vorabend zu lang mit den neuen Freunden feiern gewesen. 
Auf die Nachrichten der Freunde "Alter, das kann nicht dein Ernst sein, wo bist du? Hochzeit ist nur einmal und hier gibt´s Bier" kam irgendwann keine Antwort mehr.



Mittwoch, 5. Dezember 2018

WMDEDGT 12/2018


Es ist der 5. Dezember. Frau Brüllen fragt auch in ihrem Lieblingsmonat Dezember, was die Bewohner von BloggingCity am heutigen Tage tun -außer Stiefel füllen.



05:25
Mein Wecker klingelt um 5.25 Uhr. Die letzten beiden Nächte waren aus Gründen der a) Schlaflosigkeit und b) Geburtstagsfeierei des Liebsten sehr, sehr kurz. Wie immer bricht dann bei mir nach der ersten Nacht, in der ich wieder normal schlafe, sprich heute, die Endzeit-Müdigkeit durch. Und das nach 7,5 Stunden Schlaf.



06:00
Nach einer Runde Morgen-Gymnastik mit verstärktem Hüpfanteil für die Knochen (mein persönliches Anti-Osteoporose-Programm) und einer Dusche geht es dann einigermaßen. Ich wecke den Liebsten, der ähnlich gerädert aussieht.



06:30
Ich öffne den Achtsamkeits-Adventskalender, den ich von meiner Freundin geschenkt bekommen habe, und muss an Frau Brüllen denken. 
Mich nervt dieser Hype genau wie so viele andere so sehr, dass die Achtsamkeit vor der Achtsamkeit kaum eine Chance hat. Dennoch versuche ich mich auf die Idee einzulassen, denn wenn ich ehrlich bin hat meine Freundin (sie ist Psychologin und muss es wissen) sehr recht: Ich stehe zur Zeit neben mir. Spüre weder Genuss, noch Freude, ich weine, bevor ich weiß wieso. Habe niemals lange Weile, weil meine Gedanken immerzu rasen, keinen Hunger, weil ein Keks immer in unbedachter Griffweite ist, bin niemals satt, weil mir nach wenigen Bissen der Genuss vergeht und mache meinen Sport ohne das Gefühl der anschließenden Befriedigung.
Da kann ein wenig Besinnung nicht schaden. Gestern musste ich sehr achtsam einen Kaffee trinken - das hat wirklich einen Unterschied gemacht. Statt im Stehen mit einem Podcast zu den neuesten Nachrichten aus Amerika, gab´s den ersten Espresso sitzend. Ohne Musik, ohne Bildschirm. 
Heute wird es schwieriger. Heute muss ich sechs Lächeln verschenken… Puh. Ausgerechnet heute.

07:00
Das mit den sechs Lächeln verlief durchwachsen. 


Es war eine Erfahrung, aber ich muss sagen, ich lächele lieber aus Überzeugung. Auch wenn es ja Studien gibt, die besagen, dass auch ein erzwungenes Lächeln die eigene Laune hebt.  

09:00
Meine Kollegin und ich planen die nächste Woche. Nachdem wir aus Gründen nur noch 5 statt 6 Laboranten haben scheint es, als würden die letzten 2,5 Wochen vor Weihnachten noch einmal richtig spannend.

12:00
Frühe Mittagspause, da ich um 13 Uhr ein weiteres Meeting habe. Ich hasse diese Zeit für Meetings, wenn Schnitzelkoma, bzw. bei mir Brotkoma angesagt ist.

13:00
Was soll ich sagen? Da ich als einzige Teilnehmerin des Meetings heute meine berechtigten Zweifel an dem Vorgehen geäußert habe, wird die Initiatorin der Sache dann wohl morgen bescheid wissen, wer die Kritik noch einmal an anderer Stelle geäußert haben wird. Nämlich ich. Morgen. Eine Etage oder zwei höher. Aber nach einer Migration eines ERP-Systems die zu validierenden Aspekte in einem 1,5h-Meeting auf Zuruf aufzuschreiben, ohne jeden risikobasierten Ansatz, ohne Validierungsplan, ohne Validierungsprinzipien, dann dahinter Namen zu schreiben und zu sagen: Jetzt macht ihr mal und dann hole ich mir am Ende eure Unterschriften ab - das ist so hanebüchen, dass ich jetzt gerade beim Schreiben schon wieder lachen muss. Wir sprechen übrigens von Medizinprodukten, nicht von Kugelschreibern.
Ich werde da relativ wenig unterschreiben, nämlich nüscht! und zur Not werde ich das morgen unserem GF um die Ohren hauen. Das ist sicher besser, als dass mir meine Unterschrift in 1,2,3 Jahren von einem Notified Body um die Ohren gehauen wird.

16:30
Feierabend. Ich bin kurz geneigt, das Abendessen-Date mit dem Liebsten abzusagen. Aber er hatte Geburtstag und wie selten gehen wir aus... also versuche ich eine Stunde zu Hause runterzukommen (nein eigentlich mach ich ein paar private blöde Brief-Versicherungs-etc-Sachen, ehe ich mich um 17:45 auf´s Rad setze.

18:00
Pünktlich wie die Maurer treffen wir uns vor dem Prosecco. Ich bilde mir ein, erkannt zu werden (ich träume davon, einen Stamm-Italiener zu haben, bei dem mich die Inhaber mit Namen begrüßen, aber dafür ist das Prosecco glaube ich zu teuer ;-) ), auch wenn wir das letzte mal vor einem halben Jahr hier waren. Während wir die News des Tages teilen, bekommen wir einen Gruß aus der Küche: Vitello Tonnato. Meine absolute Lieblingsvorspeise beim Italiener. Ich bin schwer begeistert, sonst gibt es eher Bruschetta (ich glaube wir hatten den Vorteil noch die einzigen zu sein, sodass unser Luxus-amuse-gueule keinen Präzedenz-Fall schaffen konnte). Für den liebsten gibt es dann noch ein Tonno-Carpaccio und im Anschluss Lachs und für mich Saltimbocca. Vorzüglich, ich bin mit dem Tag versöhnt - und genieße voller Achtsamkeit ;-).


20:30 
Wieder zu Hause setze ich mich für WMDEDGT an den PC, der Liebste sitzt auf der Couch und dort geht es für mich nun auch hin.