Sonntag, 21. Oktober 2018

Waffeln

Meine Schwester schickte mir heute ein Bild von frisch gebackenen Waffeln. Für sie nur ein Sonntagnachmittags-Süßes, für mich untrennbar mit dem Tag verbunden, an dem ich verstand, dass mein Vater sterben würde.

Im Dezember 2009 war mein Vater endlich, nach viel zu langem Zaudern, endlosem guten Zureden meinerseits (und sicherlich auch durch andere Menschen) zum Arzt gegangen, um den störrischen Husten doch einmal abchecken zu lassen. Das Telefonat, in dem er mir später von dem Termin berichtete, erinnere ich nicht vollständig. Wohl aber sein Erstaunen darüber, dass er  - selber Arzt - den Tumor in der Lunge kaum erkannt habe auf dem Röntgenbild, so groß sei er gewesen. 
Die dritte Krebsdiagnose nach Prostata und Darm war das nun in 5 Jahren. Jede Erkrankung eine eigene, nicht metastasiert. Two down, one to go - packen wir´s. Dachte ich da noch. Und er auch.

Als T. abends zu mir kam (unser erstes Jahr, wir wohnten noch nicht zusammen), wusste ich gar nicht, wie ich erklären solltw, was ich erfahren hatte. Nein, eigentlich wusste ich nicht einmal, was ich erfahren hatte. Irgendwo weit hinten in meinem Kopf war das Wissen darüber, dass ein guter Freund meiner Eltern vor vielen, vielen Jahren an Lungenkrebs gestorben war. Aber der hat auch geraucht wie ein Schlot, sagte ich mir, mein Vater doch immer nur phasenweise und weit weniger. Also eine Krebserkrankung wie die beiden auch davor? Eine OP? Vielleicht weitere Therapie? Und in einem Jahr haben wir das hinter uns? Andererseits... die Lunge. Ein Organ, so unmittelbar mit dem verbunden, was uns am Leben hält, dem Atmen....
Irgendwann schliefen T. und ich ein. Und am nächsten Tag beschlossen wir, in die Eifel zu fahren, um T.s Eltern zu besuchen. Zuvor erwischte mich noch mein Bruder am Telefon. Er hatte mit der Erlaubnis meines Vaters mit dem Arzt gesprochen, der die Diagnose gestellt hatte, und sah sich nun in der Situation seinen beiden viel jüngeren Schwestern klar zu machen, was die Diagnose wirklich bedeutete. Im Gegensatz zu dem Telefonat mit meinem Vater erinnere ich mich hier an jedes Wort. Und als ich den Hörer auflegte, begann ich zu verstehen, dass mein Vater sterben würde. 

Wir fuhren trotzdem in die Eifel, machten eine Wanderung im tiefen Schnee an der Oleftalsperre, während derer die Sätze, die mein Bruder gesagt hatte, sich langsam setzten. 
Er wird das nicht überleben. Ein Jahr vielleicht. Palliative Behandlung.

Als wir zu T.s Eltern zurückkehrten, hatten diese Waffeln für uns gebacken. Für mich waren Waffeln an einem Wintertag immer das Bild für Gemütlichkeit. Für Geborgenheit und Glück. Ich weiß noch, dass ich dachte, dass jemand, der uns jetzt von außen beobachten würde, wie wir heiße Waffeln (mit Zimt und Zucker aus der alten Blechdose von Ts. Uroma) aßen, denken müsste: Was für glückliche Menschen wohnen hier.

Montag, 15. Oktober 2018

Die letzte Chance

Morgen beerdigen wir den Grumpy Opa. Jeder hätte viele Sauerländer Rinderwürste darauf verwettet, dass er älter wird als seine Mutter (gestorben mit 96), oder zumindest als seine Schwester (gestorben mit 94). Das kräftige Herz. Zwar angesteuert durch einen Schrittmacher, aber für jeden untersuchenden Arzt wohl ein ungewöhnlich starker Muskel. 

Vor dem Hintergrund, dass er sich aber seit ein paar Tagen im Krankenhaus befand und mit einer Lungenentzündung kämpfte, konnte das klingelnde Telefon, letzten Mittwoch um 6.40 Uhr aber nichts Gutes bedeuten. T sagte nur "Das ist Mama" und wir wussten Bescheid.

Schon die Betreuung im Krankenhaus war schwierig. Aber dramatisch wäre es erst geworden. Das Krankenhaus hätte ihn an dem Tag, an dem er starb, gegen den Wunsch der Angehörigen entlassen.  Im Wechsel wollten sich die 4 Kinder Urlaub nehmen. Eine Lösung für 4 Wochen. Und dann? 

Seinen Kindern, die seitdem er im Krankenhaus war, diskutierten, telefonierten, berieten, weinten und tobten, um die Pflege für ihn zu regeln hatte er sehr klar gemacht, was er nicht wollte: Pflege in irgendeiner Weise.

Ein Heim? - da sind nur alte Leute.
Essen auf Rädern? - Rinderwurst und Kartoffeln, das werd ich ja wohl noch schaffen!
Eine Polin? - Ts, wie soll ich die denn verstehen?

Und es konnte unter den Geschwistern keine Einigkeit darüber gefunden werden, ob man diesen Wünschen zuwider handeln dürfe.

Vor 5 Jahren hatte er meiner Schwiegermutter nach deren schmerzhafter Scheidung vermittelt, sie könne ja dann auch wieder ins Sauerland zurückkommen und in ihr altes Kinderzimmer ziehen. Er dachte, dies sei ein großherziges Angebot, sie musste darüber nachdenken, ob das nun die Lösung sei für eine potenzielle spätere Pflegesituation.
Nun. Auch sie hat ihren eigenen Kopf und Stolz, und auch wenn der Sauerländer Freundeskreis genauso groß ist wie der Eifeler und sie mit offenen Armen und viel Veltins empfangen hätte, zog sie es vor, in der Nähe von uns Kindern zu bleiben. 

Sein unerwartetes Abdanken ist nun - so traurig es klingt - vielleicht das Barmherzigste, das er, der sich als so guter Christ verstand, seinen Kindern hat zuteil werden lassen. 

Finde deinen Frieden, Grumpy Opa. 

Freitag, 5. Oktober 2018

WMDEDGT 10/2018

Dank Frau Brüllen und der Aktion WMDEDGT haben wir die Möglichkeit, Monat für Monat in das Leben von fremden oder gefühlt nicht so fremden Leuten hineinzuschauen. Hier gibt es viele weitere Alltagsgeschichten des heutigen 05. Oktober.

5:00
Ich bin schon einmal kurz wach, gucke aufs Handy und schalte sogar im Halbschlaf den Flugmodus aus. Ich würde mir das gerne abgewöhnen, denn niemand muss als erstes um 5 Uhr die neuesten Nachrichten checken. Außer vielleicht Präsidenten oder so. Aber auch da hat sich das Konzept "Twitter im Bett" ja bislang nicht bewährt... Zwischen Aufstehen und Nachrichten, egal ob gut oder schlecht, gehört mindestens ein Kaffee. Vielleicht auch ein Kuss.

5:30
Jetzt bin ich so richtig dämlich noch einmal für ein paar Minuten eingeschlafen. Der Wecker ist daher umso schmerzhafter. Um das Drama nicht unnötig in die Länge zu ziehen schnell raus aus dem Bett, Kontaktlinsen rein und die morgendliche Gymnastik-Yoga-Runde. Damit muss ich mich etwas sputen, denn seit der Liebste pendelt, muss er früher los und demnach früher ins Bad.

6.10
Nach der Dusche wecke ich den Liebsten und es gibt fliegenden Wechsel. Ich räume schnell die Spülmaschine aus, mache mir mein Frühstück für´s Büro und einen Espresso für jetzt. Damit setze ich mich noch einmal aufs Bett und warte, bis ich noch mal ins Bad kann, um die Haare zu fönen.

06.45
Abfahrt zur Arbeit. Puh, kalt ist es. Ich habe keine Jacke an, weil ich mir dachte, dass die paar Meter zum Auto angesichts der angekündigten 24 Grad schon ok seien. Waren sie nicht. Im Auto muss ich meine Finger auftauen, ehe ich losfahre.

7:05
Im Büro begegne ich direkt meiner Kollegin, die nur unter Zwang Urlaub nimmt. Dieser Zwang ergibt sich ab und an ausschließlich durch die Betreuungssituation ihrer beiden Hunde, wenn ihr Mann nicht verfügbar ist. So auch nächste Woche. Seit 5 Uhr sei sie hier, um heute alles zu schaffen. Ihr Mitleid entgegenzubringen dafür habe ich mir abgewöhnt. Sie und ich wissen beide, dass das nicht notwendig ist, und ich möchte sie in dem Verhalten nicht bestärken. Jedes der To-Dos, das sie mir nun auflistet, wären mit einer angemessenen Priorisierung beherrschbar. Das zeigt sich auch daran, dass sie mein Angebot, ihr ein paar dicke Batzen abzunehmen, gar nicht annehmen kann, da sie keinen solchen benennen kann. Viel Kleinkram, bei denen es m.E. völlig egal ist, ob das heute oder in einer Woche geschieht.
Ich habe direkt richtig schlechte Laune. Ich halte mich für sehr fleißig und verantwortungsbewusst und war auch selber schon einmal um 5 Uhr hier. Als es absolut unumgänglich, da produktionsbezogen war. Was ich aber nicht mag, ist wenn jemand sehr laut und deutlich vor sich her trägt, wie viele Stunden vor der Stempelzeit er oder sie hier war. Gerne dann auch in Anwesenheit des CEO. Von mir kriegt sie jedenfalls keinen Blumentopf dafür, und auch kein Mitleid, denn im F&E-Umfeld halte ich das für komplett irre.

9.00
Kurze Abstimmung mit einer Laborantin bzgl. eines Arbeitspakets.

10:00
Den übrigen Vormittag bastel ich weiter an den Daten für eine Validierung. 
12:00
Wegen Urlaub, Krankheit, Dienstreise bin ich alleine im Büro, bzw. sogar auf der Etage. Die Mittagspause verbringe ich daher völlig diskussionsfrei, lese im Internet, dass Hambi vorerst bleibt (Handy zu Hause vergessen, daher bis dahin keine Nachrichten) und denke an meinen Kollegen, der uns, die Befürworter der Protestaktionen, kürzlich mit der Frage "Der Zweck heiligt also jedes Mittel?" ein wenig ins Wanken gebracht hat. Ich weiß es immer noch nicht, muss ich zugeben. Und wenn wir ehrlich sind: Hätten die Protestaktionen dazu geführt, dass unser wohliges Leben beeinträchtigt gewesen wäre, z.B. in Form von Straßensperren, hätte unser aller Bewertung vielleicht anders ausgesehen. Das sollte man sich zumindest eingestehen. Und ob das eigene Wahlverhalten vielleicht für die nächste Wahl noch mal überdacht werden muss, oder ob dann ein Wald doch nicht so wichtig ist, wenn man mit der Wahl mal einer anderen Partei dazu führen würde, dass man selbst in irgendeiner Form finanzielle Einbußen haben wird. Prioritäten und so. Ich freu mich aber, dass Hambi vorerst nicht sinnfrei gerodet wird. 

15:45
Feierabend mit Umweg über die Post, um ein Ebay-Paket wegzubrungen (wie man vielleicht merkt, miste ich aus!)
Seit 5 Jahren kommen aus Kindle-Gründen keine neuen Bücher mehr hinzu (außer vielleicht Reiseführer), und obwohl wir nun ca. 80 Bücher weggegeben haben, sieht unser Regal noch immer so aus (Bücher stehen dreireihig):

Wenn ich mir meine Bücherliste (die ich seit vielen Jahren führe, um nicht total den Überblick zu verlieren, was ich schon gelesen habe und was nicht) so ansehe, mit 2 multipliziere für meinen Mann, der ebensoviel liest, bin ich doch sehr froh, dass wir frühzeitig den Umstieg auf Kindle geschafft haben. Ein, zwei Bücher lang war es schmerzhaft, aber dann kam der große Aha-Effekt: Lesen, wenn der andere schon schlafen will UND so viele Bücher mit in den Urlaub nehmen, wie man will. 

17:00
Nach dem Einkaufen dauert es eine Weile bis ich einen Parkplatz gefunden hab und alle Einkäufe verräumt habe. Und auf meinem Handy warten nicht so gute Nachrichten bzgl. des Grumpy Opa. Es scheint, als sei 2018 das Jahr, in dem er nun doch einsehen muss, dass er seine Selbstständigkeit nicht aufrecht erhalten kann....

20:00
Da der Liebste heute noch zur Promotions-Party eines ehemaligen Kollegen geht, kann ich nicht Bosch weitergucken. Stattdessen schaue ich bei Netflix zwei Folgen "The Fosters". Diese Serie ist ganz nett, aber doch eher nicht so anspruchsvoll. Daher suche ich parllel auf dem Handy nach neuen Winterschuhen und ärgere mich, dass ich jetzt erst auf die Idee komme, wo es definitiv keine Sonderangebote gibt. Fündig werde ich auch nicht... Hmm..

22:00 
Im Bett lese ich wie immer noch eine halbe Stunde, schlafe schnell ein und wache auch nur halb auf, als der Liebste gegen 0:00 nach Hause kommt.

Dienstag, 25. September 2018

Begegnung am Bücherschrank

Urlaubszeit, die nicht Reisezeit ist, ist Aufräum- und Haushaltszeit - zumindest für mich. Den Vormittag verbrachte ich damit zu eruieren, von welchen Büchern ich mich trennen könnte. So Leid es mir tut, es ergibt doch wenig Sinn, all die Bücher aufzubewahren, die T. und ich gelesen haben, aber nicht noch einmal lesen werden. Natürlich - einige Herzstücke sind dabei, die weiterhin im Regal stehen werden, und auch beim nächsten Umzug wieder für Fluchen sorgen werden. Doch einen Rucksack voller Bücher bekam ich schnell zusammen, schwang mich aufs Rad und fuhr zum Bücherschrank in der Pontstraße.

Dort kam zeitgleich mit mir eine ältere Dame an, die mich beim Auspacken beobachtete. Schnell kamen wir ins Gespräch über den Segen des Bücherschranks, in dem wir beide schon das ein oder andere Schätzchen gefunden hatten. Ich pries dann halb im Scherz meine Bücher, die ich soeben abgeliefert hatte, an, und sie fragte, was ich denn empfehlen würde. Ich empfahl ihr zwei Bücher über das koloniale Indien - hatte irgendwie im Gefühl, dass ihr die gefallen würden. Und offenbar hatte ich mich nicht getäuscht, denn sie erklärte, selbst acht Jahre in Kalkutta gelebt zu haben. Nun sei sie ziemlich in der Bedrouille, denn die Bücher wolle sie gerne mitnehmen, ihre Tasche sei aber schon so schwer, und der Heimweg noch lang. Kurzerhand fragte ich, wohin sie denn müsse (wozu hat man Urlaub und Zeit) und das passte ungefähr. Also hängten wir ihre Tasche an meinen Lenker, und ich schob das Fahrrad langsam neben ihr her. Wie sich herausstellte, las sie ebenso gerne wie ich historische Romane, und hat - neben Kalkutta - auch in unterschiedlichen arabischen Ländern an Goethe-Instituten gelehrt. War das ein spannendes Gespräch, und so unverhofft! Jetzt ist die rüstige alte Dame übrigens noch immer als Lehrerin aktiv - für Grundschul-Stöpsel, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen. Ihr Alter hält sie auch nicht davon ab, ihre Kinder in Kanada zu besuchen. Und wenn sie - wie letzte Woche - auf dem Kopfsteinpflaster der Pontstraße stürzt, rappelt sie sich wieder hoch, führt einen kurzen Check aller Gliedmaßen durch, und weiter geht´s. 
Eine echte Öcherin mit sehr, sehr viel Lebensweisheit.

An ihrer Wohnungstür angekommen drückte sie mir eine Tafel Schokolade in die Hand, und ich bedankte mich für diese Begegnung.

Mittwoch, 5. September 2018

WMDEDGT 9/2018

Aus der Schweiz kommt wieder der Ruf nach Tagebuchbloggen! Weitere Links finden sich bei Frau Brüllen.

05:30
Aufstehen ohne direkt zu laufen oder Gymnastik zu machen, ist immer noch beängstigend ungewohnt, sogar obwohl ich mit dem Rad zur Arbeit fahre heute. Da muss ich vielleicht noch mal ran.

06:30
Geduscht, Frühstück eingepackt, dem liebsten Mann ein Küsschen gegeben, schwinge ich mich auf mein Rad. Für heute Nachmittag sind Gewitter angesagt, aber auf dem Heimweg nass zu werden, halte ich für riskierbar bei den angenehmen Fahrradtemperaturen von 17 Grad. Trotzdem ist mir plötzlich herbstlich zumute und ich denke an den Spekulatius, den ich gestern im Supermarkt gesehen habe, der mir jetzt aber gar nicht mehr so unwahrscheinlich vorkommt.

07:00
Angekommen! Jetzt kurz ausdampfen, T-Shirt tauschen und los geht´s. Bis 9 Uhr erledige ich Mails, bereite eine Tabelle für ein Meeting vor und frühstücke dabei.

09:00
Tja, Meeting. In der Einladung habe ich formuliert, dass jeder seinen Part vorbereiten und ihn bitte möglichst emotionsfrei vortragen möge. So ein Meeting ist das. Es geht um sogenannte "Allgemeine Aufgaben" - und wo ich in der Büroetage darüber zu stehen versuche, dass ich es zumeist bin, die die Spülmaschine anmacht und auch ausräumt, scheint das bei den täglich anfallenden Kleinigkeiten im Labor nicht so einfach zu sein, ein faires Miteinander zu leben.
Meine Bitte haben sich aber alle zu Herzen genommen, sind gut vorbereitet, sodass wir nach 30 Minuten eine Liste mit all den Dingen haben, die tagein tagaus in einem Labor erledigt werden. Für den Großteil gibt es Verantwortliche, aber da wir anscheinend nach 15 Jahren zum ersten mal auf die Idee kommen, den zeitlichen Aufwand hinter die Aufgaben zu notieren, wird das Ungleichgewicht sehr deutlich. Umso besser, dass ich angekündigt habe, dass im zweiten Teil (nach einem Review, was wirklich eine Aufgabe ist, und was vielleicht gar nicht von PD zu erledigen ist, sondern z.B. vom Engineering) komplett neu gewürfelt wird. Am liebsten wäre es mir, wenn die Laboranten die Aufteilung unter sich schffen... to be continued also.

10:00
Arbeitstechnisch ist diese Woche ziemlich nach meinem Geschmack. Ich wusele im ERP-System rum, ziehe Daten, hantiere mit x Pivot-Tabellen und generiere schöne Bilder. Dient dem kurzfristigen Entschluss, uns für ein Audit besser aufzustellen für ein Produkt. Das beste an der Geschichte ist, dass ich großherzig sagen kann "jaaaajaaa, naaa gut, ich kümmer mich drum" - alle tierisch dankbar sind, diese Excel-und Report-Arbeit nicht an der Backe zu haben, und mir zutiefst dankbar sind.
Ha!

12:00
Dementsprechend wenig zu berichten gibt es über den restlichen Arbeitstag. Zum Mittagessen aber habe ich einen neuen genialen Brotaufstrich entdeckt. Orientalischer Art. Und ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber eine gewisse Ähnlichkeit zum AKL-Dip ist nicht von der Hand zu weisen (na, hier zeigt sich, wer ein echter Öcher ist!)

16:15
Ha, noch immer regnet es nicht. Alles richtig gemacht. Ich schwinge mich auf mein Rad und düse heimwärts - froh, nicht im Stau zu stehen, der laut den Nachrichten durch mehrere Spur-Sperrungen zustande kam.

17:00
Zuhause angekommen putze ich einmal durch die untere Etage, die Vorarbeit hat Robbi erledigt. Dabei höre ich einen Deutschlandfunk Podcast zum Thema Brexit.

18:00
Zum Abendessen gibt es nur Brötchen, danach ein wenig Internet-Dudelei, ich schreibe eine E-Mail, die mir schon ewig in den Fingern juckt und dann geht es endlich auf die Couch.

21:00
Folge 8 von Staffel 3 Bosch. Neeein, bitte nicht J. Edgar!! Am liebsten würde ich direkt noch eine Folge gucken, aber gegen

22:00
machen wir uns vernüntigerweise lieber bettfertig.







Donnerstag, 23. August 2018

Ebay at its worst

Ich hab mein Brautkleid bei ebay reingesetzt. Die Hoffnung, dass es weggeht, ist relativ gering. Dafür ist es doch zu speziell und ich (und damit mein Kleid) zu kurz. Aber ich wollte es versuchen, da ich es so schrecklich finde, wie es da in seinem Kleidersack vor sich hin hängt. Also wählte ich ein paar Fotos aus, auf denen man das Kleid von vorne und von hinten sieht. Mein Gesicht machte ich unkenntlich und dachte mir nicht viel. Meine Handynummer gab ich auch an. Normalerweise bin ich mit dieser sehr sehr zurückhaltend - aber hey. Ebay. Mich werden verzweifelte Bräute anrufen, wenn überhaupt.
Einen Tag passierte gar nichts, keine Nachricht auf Ebay, kein Anruf. Am nächste Tag hatte ich die Anzeige schon fast wieder vergessen. Mein Handy klingelte mit unbekannter Nummer, und ich war schon dabei, es zu ignorieren - weil unbekannt eben - als mir ebay wieder einfiel.
Also ging ich ran und meldete mich mit "Hallo". Am anderen Ende war keine Braut, sondern ein Mann, der mich mit meinem Namen ansprach. Ich fragte, wer denn da sei, jetzt in der Annahme, es sei vielleicht jemand, den ich kenne, der von einem Festnetz anrufe.
Dieser Mann aber sagte widerliche Dinge. Unter anderem, dass er mich finden und f***** werde.
Völlig entsetzt und angewidert legte ich sofort auf und heulte unvermittelt los. So etwas Widerliches war mir in meinem Leben noch nie passiert. Und auch jetzt kriege ich noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Danach kam noch ein Anruf, den ich natürlich nicht beantwortete.

Das eigentlich Schlimme ist aber das: 
In der Zwischenzeit war T. ins Zimmer gekommen, und für 2 Sekunden war meine (!) Scham tatsächlich so groß, dass ich überlegte zu lügen. Ich fühlte mich auf ekelhafteste Weise sexualisiert, von einem Fremden, dass ich wirklich überlegte, meinen Mann anzulügen. Zum Glück verzog sich dieser Gedanke und ich berichtete ihm. Natürlich war das irgendein gestörter Mensch, der auf ebay die Brautkleider-Anzeigen durchsucht. Aber meine Reaktion auf diesen Anruf hat mich wirklich entsetzt. Das waren Worte. Durch ein Telefon. Plötzlich kann ich mir das vorstellen, was Frauen (oder Männer), die weitreichendere sexuelle Belästigung oder sogar Gewalt erfahren haben, bewegt, die Taten zu verschweigen. Und bin im Nachhinein für alle jene froh, die vielleicht Jahre später durch die metoo-Debatte es geschafft haben, darüber zu sprechen.

Habe mir übrigens noch mal die bei ebay reingestellten Fotos angesehen - da stand gar nicht drauf "Ruf mich an und belästige mich" . Für einen kurzen Moment hatte ich das nämlich gedacht.


Montag, 16. Juli 2018

Unaufgeklärt.

Nach außen mag es vielleicht nicht so ausgesehen haben, aber zeitweise haben wir auf dem Junggesellinnenabschied am Wochenende wirklich ernsthafte Gespräche geführt. Auf meinem eigenen JGA war das übrigens auch so. Ich vermute, dass es einem sehr leicht fällt, zu den anderen sehr guten Freundinnen der eigenen sehr guten Freundin eine Beziehung aufzubauen, denn man ist schon irgendwie "kalibriert" durch die Auswahl der Braut. Obwohl es hier wie dort sehr unterschiedliche Frauen waren, findet man doch schnell Themen, die alle bewegen und bei denen zumindest ich immer daran interessiert bin, fremde Meinungen zu hören. 

Das Gespräch, das ich am Samstag hörte, entspann sich aus einem Ratespiel und führte dazu, dass eine der Anwesenden, Psychotherapeutin, ein wenig aus ihrem Beruf erzählte. Irgendwie kam das Gespräch dann auf Zwänge, und die können absurder ja nicht sein - für Außenstehende wohlbemerkt. Der so bekannte Waschzwang ist da ja noch das harmloseste. Ich glaube, ich kann mir zumindest ein bisschen vorstellen, wie ein Zwang sich anfühlt und wie mühsam es sein muss, ihn zu besiegen. 
Als dann eine der Anwesenden, die ebenfalls eine recht gute Freundin von mir ist, auf die Schilderung eines besonders umfassenden Zwangverhaltens fragte, ob die Patientin denn besonders dumm gewesen sei, war ich umso entsetzter. Diese Assoziation lag mir bis dato so fern!!! Ich dachte, dass zumindest in meinem Umfeld, und natürlich auch bei dieser Freundin, die eine sehr kluge, gebildete, liebenswürdige und emphatische Person ist, ein bisschen mehr Aufklärung herrsche. Naiv von mir, aber auch nicht zum ersten Mal, dass ich so was erlebe.
Vielleicht hilfts ja, dass die Psychotherapeutin zurückgeben konnte, die Patientin sei überdurchschnittlich intelligent. 


Auch auf einem Junggesellinnenabschied muss noch aufgeklärt werden... ;-)