Mittwoch, 26. Juli 2017

Die gute alte Pro- und Kontra-Liste

Irgendwie denke ich immer, mein Kopf wäre in der Lage, diese Kategorisierung von Vor- und Nachteilen in einer Entscheidung locker hinzukriegen, ohne sich selbst dabei auszutricksen. Aber irgendwo zwischen Kopf und Hand muss es da einen Bias geben, der dazu führt, dass ich nicht ganz so rational bin, wie ich mir vorstelle zu sein, solange ich die Argumente nicht wirklich niederschreibe.
Als mein Opa, der Vater meiner Mutter vor einigen Wochen gestorben ist, fühlte ich mich sehr erwachsen damit, meiner Mutter nach Monaten der Funkstille, ein paar nette Worte per E-Mail zu schreiben. Immerhin habe ich auch schon einen Vater verloren - und wie könnte ich, da ich weiß, DASS die Anteilnahme und auch WELCHE Worte mich damals ein wenig haben trösten können, ihr dies verweigern? Innerhalb kurzer Zeit antwortete sie mit einer freundlichen, dankbaren und sehr langen E-Mail. Ja, ich erkenne das Muster. Und nein, das hilft nicht. Dieser Zirkel aus Eskalation, Pause, Annäherung....Die Zeitspannen der einzelnen Stufen - einst wöchentlich abgespult- betrugen zuletzt Jahre. Immer mehr ging dauerhaft kaputt- aber gleichzeitig mit dem Gefühl, andere Menschen in meinem Leben zu haben, in die ich all meine Liebe und Hoffnung stecken kann, ohne regelmäßig enttäuscht zu werden,  wächst auch einfach der Mut zur Abgrenzung. 
Dennoch:Eine Woche später schickte ich ihr dann - zugegebenermaßen ohne viel Nachdenken oder Erwägung der Konsequenzen - ein paar Fotos von der Beerdigung und schrieb ein paar mal mit ihr hin und her. Und was soll ich sagen? Es war nett. Sie war nett. Beängstigend nett.

Und jetzt muss ich mir wieder mal klar machen, dass das noch lange nichts heißt. Und mir darüber Gewissheit verschaffen, ob ich es wagen kann, sie nett erleben zu können, ohne wieder allzu große Hoffnung in diese Beziehung zu setzen. Und ob ich überhaupt etwas Positives aus einem vielleicht sporadischem Kontakt für mein Leben gewinnen könnte. Eine Mutter, die nicht da ist, kann nicht beistehen, wenn es richtig mies läuft. Unruhe stiften über E-Mail oder whatsapp- das funktioniert aber hervorragend, dafür gab es zahllose Beispiele. 

Nun also...Die Pro- und Kontra-Liste. Mit Zettel und Papier. Vielleicht in Plakat-Format. Und T. darf korrigieren, ergänzen etc.
Andere Ideen sind willkommen. 


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