Samstag, 17. Juni 2017

Olive Trail - 4. Tag Namibia

So schön ein Urlaubsvideo ist, um auf einigermaßen kurzweilige Art und Weise ein paar Erlebnisse, Stimmungen und Momente aus dem Urlaub der Familie und Freunden zu zeigen - der Nachteil ist eindeutig der, dass auch wir uns meistens nur noch das Video ansehen, und damit 80% der Fotos in den Untiefen unserer Diskstation vergammeln. Gerade war ich dabei, peinliche Studentenzeit-Fotos rauszusuchen für ein Hochzeitsgeschenk, da überkam mich die Lust, mich doch noch einmal durch die knapp 1000 Fotos aus Namibia zu klicken. Also verwurschte ich einen Teil davon doch noch einmal in einen Tagesbericht. 

Nach unserem ersten Tag in San Karros verbrachten wir drei wunderwunderschöne Tage im Tsauchab River Camp*. Unser Campingplatz war im Rückblick der schönste der gesamten Reise. Alles passte hier. Der freundliche Empfang, die Ruhe auf unserem Platz, die Möglichkeit bei Bedarf trotzdem die 500 Meter entfernten Annehmlichkeiten der Lodge zu nutzen (Pool, Wifi), die auch historisch wirklich interessante Lodge mit dem Effekt, dass man sich in die Kolonialzeit gebeamt fühle, erstaunliche Kunst aus Schrott und nicht zuletzt das eigene Dusch- und Klohäuschen. Nachdem wir den ersten vollen Tag hier für eine kurze Wanderung auf dem Gelände genutzt hatten, die uns von der Lodge-Besitzerin empfohlen wurde, genossen wir die übrige Zeit einfach die Atmosphäre, Ruhe und Zweisamkeit.
Lodge

Lodge

Lodge

Kunst

Kunst


Unser Platz mit Dusch- und Klohaus
Den Olive Trail zu wandern, hatten wir uns bereits im Vorfeld überlegt. Uns fragen immer alle, sobald sie hören, dass wir mit einem Bush-Camper unterwegs waren, ob wir dann immer spontan geguckt haben, wo wir als nächstes hinfahren. Nein, haben wir nicht. Und ehrlich gesagt, möchte ich mir diesen zusätzlichen Unsicherheits- und Stressfaktor in einem für mich sowieso aufregenden Land auch nicht antun. In den USA würde das vielleicht noch gehen, in meiner Erinnerung hatten wir da ständig die Möglichkeit Wifi zu nutzen, sodass man theoretisch hätte googlen können, wo man denn als nächstes Station macht. Ich war sehr froh, dass wir uns im Vorfeld aufgeschrieben hatten, was uns auf den Camps jeweils erwartet - oder eben gerade nicht erwartet (z.B. kein Strom, kein Wasser, etc.). Ein wenig sollte man darauf schon vorbereitet sein. Bevor wir zur Blutkuppe fuhren, wo man wild campt und eben kein Wasser hat, füllten wir z.B. in mühsamer Teamarbeit den Wassertank des Autos mit 1,5-Liter-Wasserflaschen, da wir im vorangehenden Camp zwar Wasser hatten, aber keinen Schlauch. Aber ich schweife ab. 

Den Olive Trail hatten wir im GPS gespeichert, wussten, wo der Einstieg ist, und waren gespannt. Wir hatten schon viel darüber gelesen, dass es sich um eine der schönsten Tagestouren Namibias handeln sollte.

Um 5 Uhr standen wir auf - den auf halb 6 gestellten Wecker benötigten wir gar nicht, ich hatte aus Gründen sowieso nicht geschlafen - und bereiteten uns ein schnelles Frühstück und Proviant vor (Brote, Brote, Brote und Rusks). 
Dazu zusammen 6 Liter Wasser, Kamera- und GoPro-Equipment und ein Fernglas können zwei Rucksäcke dann auch vollständig füllen! Außerdem hatte am Vorabend ein Ring den Besitzer gewechselt, sodass der jetzt in meiner Verantwortung lag und natürlich nicht im Auto bleiben durfte**. 

Der Vorteil am Bushcamper ggü. Dachzelten ist ja, dass das Dach ultraschnell zusammengeklappt ist, die Schlafsäcke konnten wir sogar liegen lassen. Und so waren wir um 6 Uhr auf dem Weg Richtung Naukluftberge. Der Trail befindet sich im geschützten Bereich des Namib Naukluft Nationalparks und glücklicherweise stimmte die Angabe, dass der Park "ab Sonnenaufgang" geöffnet sei. 

Auf dem Parkplatz trafen wir eine alleinreisende Südafrikanerin, die im Camp des Nationalparks übernachtet hatte, und der dringend davon abgeraten worden war, alleine zu laufen. Daher wartete sie etwas missgestimmt auf eine französische Reisegruppe, die ihr Wanderasyl bieten wollten.
Um 7 Uhr starteten wir also unsere Wanderung und erklommen erst einmal einige Höhenmeter. Das war sehr angenehm, denn die Bergseite lag noch völlig im Schatten, und wir hingen beide unseren Gedanken nach. Da wir auch die ersten Wanderer waren, war es über uns sehr ruhig, keine herabfallenden Steine, etc. Bis auf einige Antilopen, die obligatorischen Riesenkäfer und Spinnen sahen wir erst mal wenig Getier. Dann aber enterten wir offenbar das Gebiet einer Horde Paviane, und es ging ordentlich Geschrei los. Da sie etwa 100 Meter über uns herumsprangen, sorgte ich mich ein wenig, ob sie wohl mit Steinen schmeißen würden (Biologen unter uns? Benutzen Paviane Waffen?). 
 
Pavian

Haben sie dann aber nicht, und irgendwann wurde es wieder still. Wir erreichte eine Anhöhe, wo wir eine erste Snack- und Fernglas-Pause einlegten. Wir staunten über die Vielfalt der Landschaft, die roten Steine, die uns ein wenig an Utah erinnerten, und dass es zwischendurch doch ein wenig grün war. Uns holte die Südafrikanerin ein, die nun doch alleine losgegangen war, da die Reisegruppe nicht aufgetaucht war. Wir hielten einen weiteren Plausch und sie erzählte uns, dass weiter südlich alles sehr sehr trocken war, wir aber mit der Einschätzung, dass es hier sehr grün sei, recht hatten. Die berühmten Wüsten-Pferde von Aus hatte sie ein paar Tage vorher gesehen, diese seien in einem erbärmlichen Zustand. Die Regierung habe sich nun entschlossen, nicht nur die Pferde zuzufüttern, sondern auch die Hyänen, damit diese keine Jagd auf die schwachen Pferde machten. Wir kamen zur selben Meinung dass das ein starker Eingriff in die Natur sei....aber vermutlich stellen die Wildpferde auch einen Faktor im Tourismus dar? 
Sie überließ uns dann unserem "Tea" (kolonialer Einfluss...!) und ging voran. Als wir uns wieder auf die Beine machten, erwartete uns ein relativ mühsamer Abstieg. Der Weg war sehr felsig, zum Teil mit lose Steinen, und wenn ich eins nicht mag, beim Wandern, dann das. Die Landschaft jedoch war wunderschön. Immer tiefer gelangten wir in einen Canyon und auch hier waren wir dankbar für den Schatten. Ab und zu ragte ein Köcherbaum in die Luft, an diesen Bäumen konnten wir uns den ganzen Urlaub nicht satt sehen.  


video

Eine tricky Kletter-Stelle erreichten wir dann nach ein, zwei Stunden. Wir hatten darüber schon gelesen, aber dann, als ich vor dem Wasserbecken stand, wurde mir doch etwas mulmig. 
 
Klettern


Klettern





Zu beiden Seiten des Wassers ragten die steilen Wände herauf. Wie soll das gehen? In das Wasser plumpsen wollte ich ungern ... Zwar gab es zu beiden Seiten jeweils eine Kette, aber trotzdem: Wohin mit den Füßen? T. ging auf meine Anweisung voran. Dass immer nur einer die Kette anfassen darf, weiß ich mittlerweile ja und so wartete ich mit Schmetterlingen im Bauch, bis er mir zurief, ich könne los. Ich bin ja eher so der Typ: "Augen zu und durch und zwar sofort" - zaudern hat mir noch nie geholfen und so kletterte ich los. Das schlimme waren die ersten paar Meter, wo es noch keine Kette gab, und man auf einem schmalen Steg und an die Wand geklammert entlanggehen musste. Als ich die Kette erreichte, und die weiteren Meter entlang dieser zurücklegte, war es dann halb so schlimm. Und T. kommentierte "Hä? Da bist du ja schon".  Er hatte sich auf eine längere Wartezeit eingerichtet ...
Der übrige Weg war dann deutlich bequemer, keine Höhenmeter mehr, die letzten Meter lief man auf Pad, das als 4x4-Strecke für Autos ausgelegt war, und musste sich nicht mehr bei jedem Schritt konzentrieren. 

Zurück im Camp konnten wir dann noch ein paar Stunde ruhen, ehe es daran ging, wie jeden Abend das Feuer anzuschmeißen.



Unser Camp Bul Bul


 * Hihihi, Sie dachten doch nicht wirklich, das Sternchen verweise darauf, dass es sich hierbei um Werbung handele oder? Bei meinen sieben Klicks am Tag 😁. Das Sternchen war nur Quatsch, Sie können weiterlesen.


** Das setzte sich übrigens genau so die weiteren 2,5 Wochen fort...

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