Mittwoch, 19. April 2017

Du gehst, wie du gekommen bist.

Meine Kollegin zeigte mir heute ein Foto vom Baby einer ihrer Freundinnen. Der Bub von geschätzten 5 bis 10 Monaten (ich bin so unfassbar schlecht darin, das Alter von Kindern zu schätzen, neulich hielt ich eine 14-jährige für mindestens 20, aber das ist ein anderes Thema) hatte ein unglaublich grimmiges Gesicht. Noch dazu waren seine beiden speckigen Ärmchen der Kamera entgegen gestreckt, die Hände nicht mehr zu sehen, sodass es aussah, als habe er sich und seine miese Laune selbst und mit voller Absicht im Selfie verewigt. Ein grandioser Schnappschuss - wer auch immer ihn gelandet hat. Ich konnte nicht aufhören, in dieses Gesicht zu starren. Völlig haarfrei, keine Wimpern, keine Augenbrauen, nur auf dem Köpfchen ein zarter hellblonder Flaum, wenn man ganz genau hinschaute.
Und dann rutschte mir einfach heraus "Ein Greis". Das war es, was mich so fasziniert hatte: Dieses Baby hatte so viel von einem alten Mann, dass es geradezu unheimlich wirkte. Und dann noch diese Wut im Gesicht, die man sonst nur bei alten verbitterten Menschen an der Aldi-Kasse sieht. Als haben diesem Baby nur die paar wenigen Monate gereicht, um ihm alle Lust am Leben auf dieser Erde zu nehmen. 

Die Kollegin war nicht gekränkt durch meine Äußerung, sondern stimmte nur zu "Ja, du gehst, wie du gekommen bist. Ohne Haare, ohne Zähne und mit Windeln um die Fott". 






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