Donnerstag, 27. April 2017

Angst

Ich hatte und habe viele Ängste. 

Allen voran immer die Angst, nicht gut genug zu sein. Einser-Abi, Einser-Bachelor, Master mit Auszeichung, Wertschätzung auf der Arbeit hin oder her - "da haste dich doch so durchgemogelt, irgendwann fliegst du auf" klingt es ab und zu in meinem Kopf.  Zugegeben, diese Gedankenketten passieren mir nicht mehr alltäglich, nur wenn´s so richtig mit mir durchgeht. Angst vor Kontrollverlust, alles was den Körper betrifft, das Essen. Angst davor, die Selbstdisziplin, die ich mir so sehr als Charaktereigenschaft verinnerlicht habe, zu verlieren, wenn ich nur einmal nicht gehorche.
Aber Platz ist in meinem Kopf auch für andere Ängste: Kaffee mit einer guten Freundin? Was ist, wenn sie mich plötzlich langweilig findet. Autofahren? Musste ich nach langer Abstinenz wieder lernen, ohne mir zuvor alle denkbaren Horrorszenarien auszumalen, von denen "Keinen Parkplatz finden" noch das harmloseste war. Konkrete Ängste um geliebte Menschen, sehr undefinierbare Ängste in Zeiten, in denen es mir gut geht, denn das kann doch nur bedeuten, dass bald etwas Schlimmes passiert? 

Und dann gibt´s immer wieder diese Situationen, in denen ich merke: 

Mut ist nicht das Gegenteil von Angst.

Zu sehen, wie abwesende Personen von anderen diffamiert werden, drumherum eine Gruppe nickender Menschen, die genau wissen, dass das Gesagte unfair ist und eher früher als später dazu beitragen wird, dass keiner mehr dem anderen vertraut. Die betretenen Gesichter des größten Teils, natürlich auch die paar, die die Gelegenheit nutzen, um mitzuhacken, immer die Meinung des Wortführers teilen - das macht was mit mir. 

Dann ruckelt und zuckelt es in mir, ein paar Sekunden bin ich sehr unruhig, kriege einen Tunnelblick und plötzlich sage ich so ruhig, wie es irgend geht, dass ich derartiges Reden über nicht Anwesende nicht schätze. 

24 Stunden dauerte die sich anschließende Angst-Spirale zu den möglichen Konsequenzen. Dies war nicht das erste Mal in dieser Art. Aber irgendwie hatte ich dieses Mal das Gefühl, den Bogen überspannt zu haben. Zwar wird keinem für Widerworte die Zunge abgeschnitten, aber realer ist bekanntlich die Gefahr, selber zum Opfer zu werden. Davor habe ich Angst. Aber noch viel mehr Angst habe ich davor, dass dann keiner für mich eintritt. 







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