Donnerstag, 23. März 2017

Wohnheimat

Der Liebste und ich sind damals schon nach einem Jahr zusammengezogen. Ein mutiges Unterfangen, wenn ich heute zurückdenke. Wie wenig man den anderen nach einem Jahr erst kennt, wird einem ja erst im Rückblick klar. Aber wir man sieht, ist das gut gegangen! Die gemeinsame Wohnen war das beste, was uns passieren konnte. Wir fanden eine kleine Wohnung, von der aus wir morgens innerhalb von 2 Minuten (!) Fußweg, das ist keine Übertreibung, im Hörsaal saßen. Der Supermarkt war innerhalb von einer Minute erreicht, selbiges galt für die Studentenmeile der Stadt, in der man alles an Fast Food Lokalen und Bars vorfand, was das Studentenherz begehrt.

Die Situation, in der wir entschieden, zusammenzuziehem, habe ich in meinem Kopf abgespeichert wie einen Film. Zu Besuch in meiner Heimat (das Wort verwende ich eigtl. gar nicht, da ich meinen aktuellen Wohnort als meine Heimat sehe) erzählte der Liebste gerade meinem Bruder, dass seine WG wegen Vollsanierung aufgelöst werde. Der Bruder, der weiß, was gut für die kleine Schwester ist, sagte schlicht und einfach "Phh, warum zieht ihr denn dann nicht zusammen?" und ging sich dann ein Bier holen. Da saßen wir nun und sagten im gleichen Moment beide etwas wie "Ich hatte ja auch schon mal überlegt,... aber wusste nicht, ob du...?"- und damit war die Sache geritzt. Drei Monate später zogen wir zusammen, und das trug auch dazu bei, eine schwere Zeit, die noch im selben Jahr einkehrte, zusammen durchstehen.

Mit der Zeit beendeten wir das Studium, verdienten Geld und vermissten nun einen Balkon. So kam es, dass wir die Wohnungsinserate sporadisch ansahen, mal der eine, mal der andere. Es gab genau eine Wohnung, die uns so interessierte, dass wir anriefen. Nach einem zweistufigen Casting hatten wir die Wohnung. Volltreffer, und das in einer Studentenstadt, in die Vermieter das Inserat auf Grund der Fülle an Anrufen schon nach 15 Minuten wieder gelöscht hatten.
Wir fühlen uns immer noch sehr wohl in dieser Wohnung und genießen den Balkon, der ins Grüne gerichtet ist, und ich insbesondere die perfekte Lage um sofort loszulaufen.

Das alles ging mir heute durch den Kopf, als ich zur Arbeit fuhr, der Liebste aber zum Bahnhof für eine zweitägige Geschäftsreise.

Ich genieße es, auch mal abends alleine zu sein. Insbesondere koche ich mir dann immer das, womit ich bei ihm nicht so punkten kann (z.B. gratinierter Fenchel, hhhmmm, ein Schätzchen aus dem Buch "Die echte italienische Küche"...!).

Am schönsten finde ich es aber, wenn ich einen versteckten Zettel wie in alten Zeiten vorfinde, auf dem der Liebste mir einen Gruß hinterlassen hat.





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