Montag, 27. März 2017

Montag, Sonne und Käffchen

Nachdem ich den gestrigen Post in die Atmosphäre geschickt hatte, nutzte ich die Motivation, die das sonnige Wochenende in mir zurückgelassen hatte, und fragte meine Lieblings-Syrerin, die ja eigentlich jetzt eine Aachenerin ist, per whatsapp, ob wir uns heute, Montag, statt in der Sprachschule in einem Cafe treffen wollten. 
Sie sendete "Ja, ich will" und Herzchen zurück, was in anderem Zusammenhang vielleicht hätte komisch wirken können. Aber deutlich wurde, dass sie ebenfalls die Verlockung erkannte, der Sprachschule, die - wenn auch wirklich modern und ordentlich ausgestattet - den typischen Schul-Muff in sich trägt, zu entfliehen. Als Treffpunkt schlug ich das Rathaus vor. 
Da ich heute mit dem Rad in das benachbarte Arbeits-Städtchen gefahren war, sparte ich mir den Umweg über Zuhause und stellte - leicht abgehetzt auf Grund einer Spontan-Telko mit einem Kunden - am frühen Abend mein Rad am vereinbarten Treffpunkt ab und wartete. Wo kommen eigentlich die ganzen Menschen her? Immer wenn ich unter der Woche in der Stadt bin, kann ich es nicht fassen, wie viele Leute auf der Straße sind. Klar, die Heimatstadt beherbergt knapp 40.000 Studenten und die haben meines Wissens nach gerade sogar Semesterferien, zumindest verdient sich unser Hiwi bei uns gerade mit 8h Arbeit täglich eine goldene Nase), aber...trotzdem??? 
Kurz nach der verabredeten Zeit schrieb Roza mir, sie stehe neben der Kirche, womit sie den Dom meinte, aber eigentlich stand sie wie verabredet am Rathaus, was ich mir schon dachte (Witzigerweise habe ich genau das selbe auch mal gemacht - in meinem ersten Monat hier besuchte mich mein Papa. Weder er noch ich kannten die Stadt und so verabredeten wir uns am berühmten Dom. Ich stand dann am Rathaus, hat doch so kirchliche Türmchen..er richtigerweise am Dom). Jedenfalls  musste ich mich nur einmal umdrehen und wir hatten uns entdeckt. Ich schlug das lauschige Plätzchen vor, an dem ich noch etwas Sonne erhoffte. Gabs dann zwar nicht, aber immerhin einen Platz, womit man am Markt nicht hätte rechenn dürfen. 







Roza hatte heute einen Test in der Sprachschule. Davon erzählt sie mir anfangs, und dann kamen wir von diesem auf jenes. Das kurdische Neujahrsfest Nowruz letzte Woche, eine Freundin, die plant nach Deutschland zu kommen, wie jede Woche das Thema Kochen, Sport, Youtube, ihr Ehemann, seine Arbeit, Nachrichten. Als eine Stille entsteht, ergreift SIE das Wort und erzählt lachend von ihrem Vater, der den (niederländischen) theoretischen Test zum Führerschein nicht bestanden hat. Er, der Lehrer. Und dass seine beiden halbwüchsigen Söhne die Prüfung schon bestanden haben...Roza lacht und ich erahne, was der Vater sich zur Zeit von der Familie anhören darf.
Was für eine Veränderung. Statt sich wie in den ersten Wochen nach dem Beantworten einer Frage erleichternd seufzend zurückzulehnen und gleichzeitig schon ängstlich auf meine nächste komplizierte und anstrengende Frage zu warten, will sie plötzlich immer mehr loswerden. Und sie kann. Wir schreiben heute nur 2,3 Wörter auf, die sie nicht versteht. Ansonsten erzählen und erzählen wir. Erst als es kühl wird, winke ich mal nach der Kellnerin. Ich hatte mir schon im Vorhinein darüber Gedanken gemacht, wie das mit dem Bezahlen wohl wird. Es waren nur zwei Kaffee*, aber ich möchte nicht, dass sie bezahlt. Mit dem Liebsten habe ich vorher kurz gesprochen. Er sagte, das spießige Trennen auch von zwei Kaffee, müsse sie schließlich auch lernen. Da hat er recht eigentlich. Bei der Einführung in das Ehrenamtsprojekt hat die Projektleiterin gerade diese Schwierigkeit benannt, wenn man mal raus geht zusammen aus der Sprachschule. Prompt holt Roza einen Zwanni raus und sagt "Ich möchte das bezahlen". Das hat sie auswendig gelernt, das merke ich, und erkläre ihr, dass mir das unangenehm ist, da ich weiß, dass sie erst noch deutsch lernen muss, ehe sie ihr Geld verdienen kann. Irgendwie einigen wir uns dann, und es funktioniert, als die Kellnerin wiederkommt. 
Zum Abschied schlägt sie vor, dass ich mit dem Liebsten einmal zu ihr und ihrem Mann zu Besuch kommen soll.
Gerne!

 *Überrascht stellte ich übrigens fest, dass es hier zum Cappu noch meine absoluten Lieblingsplätzchen von Plum´s Kaffee gibt. Mein (für nicht-sonnige Tage) favorisiertes Cafe Egmont bezieht zwar den Kaffee noch von Plum, aber hat vor 2-3 Jahren die Kekse ausgetauscht. Seitdem dachte ich, dass Plum diese Kekse einfach nicht mehr verkauft. 

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